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Winterdienst: Kein Lenz trotz frühlingshafter Temperaturen

So wie es aussieht, war es das wohl mit dem Winter. Winter – nein, eigentlich hat er diese Bezeichnung heuer nicht verdient. Schneechaos auf den Straßen, verspätete Züge: Wir haben großes Theater erwartet, bekamen aber nur ein kleines Intermezzo. Das freut nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Bauhöfe. Die machen sich angesichts der frühlingshaften Temperaturen nämlich bestimmt einen schönen Lenz, oder?

Darüber kann Hans-Jürgen Schroff, Fachbereichsleiter der Technischen Dienste Ludwigsburg (TDL), nur lachen: „Uns geht in keinem unserer sechs Fachbereiche auch nur ansatzweise die Arbeit aus.“ Kanal- und Straßenunterhaltung, Fahrzeugreparaturen, Gehölzpflege – die alltäglichen Aufgaben laufen ganz normal weiter, ob es nun schneit oder nicht. „Nur endlich kommen wir auch mal dazu, Rückstände aufzuarbeiten und uns um Arbeiten zu kümmern, die ansonsten liegen bleiben“, sagt Schroff. Zum Beispiel Baumfällungen. Die sollten bis Ende Februar erledigt sein und da kann es in starken Wintern schon mal eng werden. Schroff erinnert sich noch gut an den von 2010/11: „Morgens um vier raus, bis spät abends mit den Schneemassen kämpfen und trotzdem die anderen Aufgaben nicht aus dem Blick verlieren – da kamen die Kollegen wirklich an ihre Grenzen.“

Die Salzlager sind noch gut gefüllt

Von diesem schneereichen Winter 2010/11, in dem in Ludwigsburg mehr als 3000 Tonnen Salz verbraucht wurden, ist der jetzige meilenweit entfernt. Auf gerade einmal neun Volleinsätze und 310 Tonnen Salz kamen die TDL bis Anfang Februar. Zum Vergleich: Der Salzverbrauch der letzten zehn Jahre lag bei durchschnittlich 1500 Tonnen. Was das Salz betrifft, sind die TDL seit den Engpässen von 2010/11 mit 2500 Tonnen Lagermenge sehr gut aufgestellt, im Notfall können Garantiemengen angefordert werden. „Wir wollen für alle Fälle gerüstet sein, schließlich sind wir dafür verantwortlich, dass der Verkehr und die Wirtschaft in Ludwigsburg rollen“, sagt Schroff. Dennoch versuche man, so sparsam wie möglich mit dem Salz umzugehen. In den kommenden Jahren wollen die TDL deshalb – neben dem Einsatz von Feucht- und Festsalzmischungen – verstärkt auf reine Sole setzen. „Das hat für uns den Vorteil, dass wir viel weniger Salz brauchen und damit nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt schonen“, erklärt der Fachbereichsleiter.

Der Winter wird immer unberechenbarer

Eine echte Herausforderung für den Winterdienst sieht Schroff darin, dass der Winter in den letzten Jahren immer unberechenbarer geworden ist: „Früher fing er Punkt November an und endete Ende März. Dann war klar: Jetzt ist es glatt. Fußgänger und Autofahrer konnten sich einfach besser darauf einstellen. Durch die Klimaerwärmung rechnen wir damit, dass es in Zukunft immer mehr in Richtung Wetterextreme gehen wird.“ Also Frühlingsgefühle an Weihnachten und Schneechaos an Ostern. Rufbereitschaft herrscht in Ludwigsburg trotzdem nach wie vor von 1. November bis 31. März – wenn auch differenziert. „Da reagieren wir spontan auf die gegebenen Verhältnisse“, so Schroff. Ob es die nächsten Wochen nochmal einen richtigen Wintereinbruch geben wird? „Der Winter ist noch jedes Jahr gekommen, deshalb rechne ich schon schwer damit. Hoffen wir nur, dass es nicht erst im März sein wird – da wollen wir schließlich alle Frühling haben, oder?“

Infokasten:
Technische Dienste Ludwigsburg
Fachbereichsleiter: Hans-Jürgen Schroff
Mitarbeiter: 150, davon 100 im Winterdienst
Fachbereiche: Straßenbeleuchtung und Verkehrstechnik, Kfz-Werkstatt, Grünpflege, Gebäudeunterhaltung, Instandhaltung der Verkehrswege, Stadtreinigung
Fuhrpark Winterdienst: 7 LKW, 36 Schmalspurfahrzeuge
Verantwortungsbereich: 276 km Straßen, 74 km Gehwege
Stadtfläche Ludwigsburg: 43,33 km2

Text: Cosima Holl - Redaktion Bauhof-online
Bilder: Technische Dienste Ludwigsburg

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