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Ins rechte Licht gerückt: Was taugen LED-Leuchten wirklich?

LEDs bieten eine ganze Reihe von Vorteilen, doch für Laien ist es beim Kauf nicht immer leicht, hochwertige von minderwertigen Produkten zu unterscheiden.

Von: Jessica Gsell

Sie gelten als energiesparend und unverwüstlich, dafür aber auch als teuer: LEDs. Seit einigen Jahren stehen sie in Sitzungen von Städten und Gemeinden regelmäßig auf der Tagesordnung. Egal ob es um die Straßenbeleuchtung, die Lichtquellen öffentlicher Gebäude oder eben auch um den kommunalen Fuhrpark geht – die Umrüstung auf LED ist in vielen Fällen ein Dauerthema. Und bei jeder Diskussion stellt sich stets dieselbe Frage: Lohnt sich die um einiges teurere LED-Technologie überhaupt?

Mit einem eindeutigen „Ja“ antwortet darauf Florian Mertins, Global Sales Director bei Hella. Auch wenn LED-Leuchten im Vergleich zu Glühlampen-Leuchten höhere Anschaffungskosten aufweisen, so seien die Vorteile, im Vergleich zu Glühlampen- als auch Xenon-Leuchten, enorm. Hochwertige LED-Leuchten erzeugen zum Beispiel ein deutlich intensiveres und vor allem homogeneres Licht – und das aus einer Lichtquelle, die um einiges kleiner ist, als eine normale Glühlampe. „Die Lichtfarbe von LED-Arbeitsleuchten ist in der Regel tageslichtähnlich“, nennt Mertins eine weitere Eigenschaft. Das wiederum wirkt sich unter anderem positiv auf die Konzentration der Fahrzeugfahrer aus. Denn diese haben den beleuchteten Arbeitsbereich beim Bedienen der Maschine ständig im Blick. Aufgrund der tageslichtähnlichen Lichtfarbe der LED-Scheinwerfer ermüdet der Fahrer in der Regel nicht so schnell. Dies führt zu einer höheren Arbeitssicherheit und besseren Arbeitsleistung. Im Gegensatz zu den LED-Leuchten erzeugen Glühlampen ein eher trübes, gelbliches Licht. Hierdurch werden Farben oft schlecht erkennbar. Gegenstände wie Schmutz oder Hindernisse werden gar nicht oder nur ungenau wahrgenommen. Die Vorteile von LED-Scheinwerfern ergeben sich bereits bei der Dämmerung und nicht erst bei totaler Dunkelheit, da der Übergang vom Tages- zum LED-Licht keinen großen Unterschied hinsichtlich der Helligkeit aufweist. „Ziel ist es, im Einsatz immer die optimale Ausleuchtung des Arbeitsbereichs zu haben, mit der man diesen perfekt einsehen kann“, bringt es Mertins auf den Punkt. Ein weiterer Aspekt, der für die energiesparenden Leuchten spricht, ist ihre Robustheit. „LEDs sind oft viel resistenter gegen Vibrationen und Erschütterungen“, erklärt Mertins. Und nicht nur das: „Hochwertige LED-Arbeitsleuchten sind meist dicht verklebt, wodurch sie zu 100 Prozent gegen Wasser- oder Staubeintritt geschützt sind.“ 

Doch das wohl wichtigste Kaufargument, neben der Steigerung der Arbeitssicherheit, das für die Leuchtdioden spricht, sind die damit verbundenen potenziellen Einsparungen. Neben einem niedrigeren Kraftstoffverbrauch, sinken auch die Material- und Wartungskosten für die Instandsetzung. Denn hochwertige LED-Leuchten haben eine extrem lange Lebensdauer. Das liegt unter anderem daran, dass sie keine beweglichen Bauteile besitzen und so erst gar kein mechanischer Verschleiß wie bei herkömmlichen Leuchten zustande kommt.

Erfahrungsbericht der Berliner Stadtreinigung

Aber halten die Lampen auch wirklich, was ihre Hersteller versprechen? Ein Unternehmen, das es wissen muss, ist die Berliner Stadtreinigung. 2010 begann sie, den 1600 Fahrzeuge großen Fuhrpark auf LED umzustellen. Alle Neuanschaffungen sind nun bereits mit LED statt Halogen ausgestattet, berichtet Arvid Rüster vom Produktmanagement der Berliner Stadtreinigung. Ab 2011 wird auch der Altbestand sukzessiv umgerüstet. Zwar fahren immer noch Fahrzeuge und Arbeitsmaschinen mit Halogen durch die Straßen Berlins. Aber auch nur deshalb, weil sich bei diesen Fahrzeugen, aufgrund ihres Alters, eine Umrüstung nicht mehr rentiert. Und wie lautet nun das Fazit nach sechs Jahren? „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Rüster. Die LED-Arbeitsscheinwerfer würden definitiv ein besseres Licht beim Arbeiten erzeugen. Auch die Rundum- sowie Blitzleuchten seien nun heller, wodurch die Fahrzeuge besser gesehen werden. Wichtig für Kommunen, die mit der Überlegung einer Umrüstung spielen, ist stets die Frage nach der Einsparung. „Es rentiert sich“, sagt Rüster. Als Beispiel: Bei einem Müllwagen spart die Berliner Stadtreinigung, durch die geringere Stromaufnahme der LED-Scheinwerfer, im Jahr rund 100 Liter Diesel ein. Das entspricht zudem 264 Kilogramm CO2.

Häufig wird das Einsparpotenzial an Kraftstoff- und Wartungskosten aber noch von vielen Kommunen unterschätzt. Für Mertins lohnt sich die Umrüstung der kommunalen Arbeitsfahrzeuge auf LED vor allem dann, wenn die Wagen noch länger als ein Jahr genutzt werden. Eine Umrüstung von Warnleuchten (Rundumleuchten) sei aber immer sinnvoll, denn die lassen sich in den meisten Fällen ganz einfach vom Sockel des alten Fahrzeugs entfernen und anschließend auf ein Neues montieren.

So erkennen auch Laien Qualitätsunterschiede

Doch selbst wenn sich eine Stadt oder Gemeinde für die Umrüstung auf Leuchtdioden entscheidet. Ein Blick ins Internet reicht, schon stellt man fest: Es gibt große Preisunterschiede zwischen den LED-Anbietern. Aber woran merkt ein Laie die Qualitätsunterschiede bei den Leuchten? „Das ist zum Teil schwierig zu erkennen, aber an ein paar Merkmalen kann man es festmachen“, verrät Mertins. Ein erstes Anzeichen ist häufig der Preis. Denn bei einer LED-Lampe, die oftmals nur ein Viertel von dem kostet, was namenhafte Hersteller für ein vergleichbares Produkt verlangen, muss an bestimmten Stellen eingespart werden. Und das geschieht nicht selten beim Material. Ein weiteres Indiz ist das Lichtbild. „Bei qualitativ hochwertigen Arbeitsscheinwerfern kommen im Gegensatz zu Lowcost-Produkten hochwertige Reflektoren und Streuscheiben zum Einsatz“, erklärt Mertins. Diese erzeugen dann, wie bereits bei den Vorteilen der LEDs erwähnt, ein homogenes Licht und sorgen für die bestmögliche Ausleuchtung des Arbeitsbereichs. Bei günstigen Leuchten scheint das Licht dagegen oft unkontrolliert in alle Richtungen, wodurch viele Vorteile verloren gehen. Neben hochwertigen Reflektoren verwendet Hella beispielsweise schlag- und kratzfeste Kunststoffe für die Streuscheiben und Lichthauben. Dadurch soll die optimale Lichtverteilung, selbst nach einem Zusammenstoß, beispielsweise mit einem Ast oder nach Steinschlägen, erhalten bleiben. Werden hier minderwertige Kunststoffe verwendet, verursacht jeder Kratzer im Arbeitsscheinwerfer eine unerwünschte Lichtbrechung. Die Folge: Mit der Zeit wird die Arbeitsfläche nur noch unregelmäßig ausgeleuchtet. Ist hier von der „optimalen Ausleuchtung“ die Rede, bedeutet das aber nicht immer gleich viel Licht. Hochwertige LED-Arbeitsleuchten erkennt man laut Mertins daran, dass sie ein sehr homogenes Lichtbild aufweisen und möglichst wenig Licht verloren geht. Minderwertige Geräte weisen zwar häufig hohe Lichtwerte (Lumen) aus, diese werden aber in der Realität nur selten erreicht, sodass ein Großteil der beworbenen Lichtleistung den Arbeitsbereich aufgrund von fehlenden Reflektoren oder minderwertigen Streuscheiben gar nicht erreicht beziehungsweise verloren geht. Zudem vergilben günstige Materialen oftmals unter starker UV-Einstrahlung.

Häufig reicht bei den LED-Produkten schon ein Blick auf die Verarbeitung, um zu erkennen, ob es sich um qualitativ hoch- oder minderwertige Produkte handelt. Wurden die verbauten Komponenten beispielsweise nicht korrekt verklebt, kann es passieren, dass das Gerät bereits nach kurzer Zeit Undichtigkeiten aufweist. Oftmals dringt dann relativ schnell Wasser ins Innere der Leuchte ein und macht sie so bald unbrauchbar. Da der Verklebungsprozess sehr aufwendig und kostspielig ist, verzichten viele Hersteller ganz darauf und verwenden stattdessen herkömmliche Gummidichtungen, die durch Schrauben fixiert werden. Diese Art der Abdichtung ist allerdings sehr anfällig und kann schnell zu Undichtigkeit, Wassereintritt und in weiterer Folge zu einem Kurzschluss der Elektronik führen. Zudem sollten Käufer darauf achten, dass die verwendeten LEDs geprüft wurden. Dass sich der Preisunterschied der LED-Leuchten in der Qualität widerspiegelt, kann auch Rüster bestätigen: „Wir haben minderwertige Lampen, in welchen sich bereits nach kurzer Einsatzzeit Wasser sammelt und hochwertige, die seit 2010 halten.“

Neben den schon genannten, gibt es noch eine ganze Reihe von Faktoren, anhand derer sich hoch- von minderwertigen Produkten unterscheiden. Allerdings sind diese für den Laien kaum erkennbar. Große Unterschiede gibt es beispielsweise bei der Oberflächenbeschichtung. Wird hier an der Qualität gespart, sind die Gehäuse nur spärlich vor Salzen und Chemikalien geschützt. Hierdurch kommt es viel schneller zu Korrosion und dem Eintritt von Feuchtigkeit in das Gerät.

EMV und Thermo Management

Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). Werden günstige elektronische Bauteile in den LED-Leuchten verbaut, kann das zu Störungen im Fahrzeug führen. Diese zeigen sich beispielsweise durch ein Rauschen im Radio oder in Extremfällen durch Fehlerbilder in der Fahrzeugelektronik. Anders als oftmals vermutet, sind LEDs zudem sehr hitzeanfällig. Die Hitze wird bei LEDs allerdings nicht nach vorne, sondern nach hinten abgeleitet. Die Kühlung der LED’s hat einen entscheidenden Einfluss auf ihre Lebensdauer. Wärmeleitende Materialien in Kombination mit Kühlrippen gehören deshalb bereits zum Standard bei Arbeitsscheinwerfern, die sich derzeit auf dem Markt befinden. Bei hochwertigen LED-Produkten sorgt ein sogenanntes Thermo Management für eine deutlich bessere Kühlung der LED‘s. So sind die Premium-Arbeitsscheinwerfer der Firma Hella beispielsweise mit Temperatursensoren ausgestattet. Diese greifen aktiv in das System der Scheinwerfer ein: Die Sensoren überwachen die Temperatur der LED‘s. Stellt das System zu hohe Temperaturen fest, regelt es automatisch den Eingangsstrom nach unten. Die Lichtleistung des Scheinwerfers wird daraufhin gedimmt, bis die LEDs wieder den optimalen Temperaturbereich erlangt haben. Mertins: „Für die Augen ist dieser Vorgang nicht nachvollziehbar.“ Durch das Thermo Management wird die Lebensdauer der Produkte um ein vielfaches erhöht. Mit Vorsicht zu genießen seien aber Versprechen wie eine Lebensdauer von 50.000 Stunden. Werte wie diese mögen zwar in der Theorie korrekt sein, werden aber im praktischen Einsatz nur selten erreicht. Vor allem minderwertige Produkte schaffen oft nur einen Bruchteil der versprochenen Lebensdauer. Denn wie lange eine LED-Lampe tatsächlich durchhält, hängt zu einem sehr großen Teil von unterschiedlichen Einflussfaktoren wie zum Beispiel der Stromzufuhr, dem Thermo Management oder der Qualität der eingesetzten Materialien ab. Im Übrigen: Anders als bei einer gewöhnlichen Glühlampe hört die LED-Lampe bei einem Ausfall nicht immer plötzlich auf zu leuchten. Häufig zeigt sich ein Defekt in einer reduzierten Lichtleistung. Mit der Zeit wird die Leuchtkraft der LED-Leuchten immer weniger. Die Anwender glauben dann zwar, dass das Produkt noch funktionsfähig ist, aber ohne die fehlende Lichtleistung kann von einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen nicht mehr die Rede sein. Und die Sicherheit im Einsatz kann nicht mehr gewährleistet werden.

Fazit: Dass sich die LED-Technologie aus wirtschaftlicher und sicherheitstechnischer Sicht nun seit mehreren Jahren bewährt hat, zeigt sich am Beispiel der Berliner Stadtreinigung. Zudem schonen LED-Leuchten die Umwelt, da Leuchtmittel wie Glühlampen nicht ständig ausgewechselt sowie entsorgt werden müssen. Dank des reduzierten Energiebedarfs der Leuchten wird außerdem deutlich weniger Kraftstoff benötigt, wodurch der CO2-Ausstoß merkbar gesenkt werden kann. Da die kommunalen Fahrzeuge sowohl tagsüber als auch in der Nacht zum Einsatz kommen – und das mitunter bei den widrigsten Umweltbedingungen – ist es wichtig, dass die Beleuchtung zuverlässig, leistungsstark und auch belastbar ist.                 

Text: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Bauhof-online.de/Hersteller

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