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Biologisch abbaubare Schmierstoffe Damit es auch für die Umwelt flutscht

Umweltfreundliche Schmierstoffe sind auf dem Vormarsch, egal ob freiwillig aus Verantwortung der Umwelt gegenüber oder weil die Behörde es vorschreibt. Pflanzenöle spielen dabei keine Rolle mehr, inzwischen sind synthetische Produkte der Stand der Technik. Oft verfügen diese sogar über bessere Eigenschaften als vergleichbare Mineralöle. Auf einige Punkte gilt es jedoch zu achten, wie verschiedene Experten hervorheben.

Lesedauer: min | Bildquelle: Motorex; Kleenoil
Von: Tobias Meyer

Der größte Bereich, in dem bereits biologisch abbaubare Öle eingesetzt werden, ist die Hydraulik. Durch Schlauchplatzer oder andere Defekte tritt immer wieder Öl aus, das dann in die Umwelt gelangt. Dass das generell schlecht ist, sollte jedem klar sein. Daher wurden bereits vor einigen Jahren pflanzenölbasierte Produkte eingesetzt, welche aber sehr aggressiv waren und beispielsweise Dichtungen angegriffen haben, was schlussendlich zu Leckagen führte. Zudem sind sie über längere Zeit anfällig für Bakterien und Pilze.

Heute setzt man daher auf synthetische Öle auf Basis gesättigter Esther, sogenannte HEES-Öle. Sie sind laut Addinol-Experte Heiko Stephan temperaturstabiler, verträglicher für die Dichtungen, mischbar mit herkömmlichen Ölen und bieten eine gute Funktionalität. Ein weiterer Vorteil gegenüber den mineralischen Produkten ist der breitere Temperaturbereich. Sie bieten also auch in heißeren und kälteren Phasen bessere Leistung. Achten sollte man darauf, dass keine Zink-Teile im System verbaut sind, denn das wird vom HEES angelöst. Daher sind dann beispielsweise Filtergehäuse aus Kunststoff gefertigt. Dennoch sind auch die HEES-Öle nicht gänzlich ungefährlich für Lacke und Dichtungen, wie uns Rüdiger Schiffer von OKS Spezialschmierstoffe bestätigt. Neuere Maschinen seien aber meist entsprechend ausgerüstet und verkrafteten auch HEES-Öle ab Werk problemlos. Lediglich bei älteren Maschinen sollte man vor dem Umstieg beim Hersteller nachfragen, ob das System für biologisch schnell abbaubare Öle geeignet ist.

Wichtig sei laut Cornelius Rudolph, Gebietsverkaufsleiter bei Elaskon, dass es sich um gesättigte Esther handelt, also genau auf das Kleingedruckte achten und sich nicht sofort von einem günstigen Preis verlocken lassen. Denn ungesättigte Esther können schneller mit Sauerstoff und anderen Elementen reagieren, wodurch sich die Eigenschaften des Öls ändern und die Qualität abnimmt – bis hin zum sprichwörtlichen Ölpudding. Meist passiert das in Verbindung mit Wasser, das beispielsweise über die mikroskopischen Riefen auf den Kolben der Hydraulikzylinder oder Kondenswasser bzw. die Tankentlüftung ins Innere des Ölkreislaufs gelangt.

Neben den HEES-Ölen gibt es zudem sogenannte Polyalphaolefine (HEPR), etwa von Avia Bantleon, sie bieten laut Rainer Janz, Bereichsleiter Produkt- und Qualitätsmanagement bei der Hermann Bantleon GmbH noch weitere ­Vorteile: „PAO-Öle zeigen keine Aggressivität gegenüber Dichtungen und Schläuchen. Aufgrund der sehr guten Hydrolysestabilität erübrigt sich eine zusätzliche Filtration, was sich positiv auf den Wartungsaufwand auswirkt. Die guten Kaltstart-Eigenschaften vermeiden lange Warmlaufphasen. Die hohen Standzeiten und das vorhandene Kraftstoffeinsparpotential sorgen i. d. R. für einen positiven Ressourcenbeitrag.“ Außerdem lasse sich somit bei hydrostatischen Antrieben zwischen fünf und acht Prozent Kraftstoff einsparen.


Ölbedarf der Kunden schrittweise reduzieren

Schnell abbaubare Öle können gerne das Drei- bis Vierfache eines herkömmlichen Mineralöls kosten. Dafür halten sie aber länger, wodurch sich die Kosten im Nutzungszeitraum nach Schätzung einiger der befragten Experten etwa verdoppeln. Die Kleenoil Panolin AG geht noch einen Schritt weiter: „Wir wollen den Ölbedarf unserer Kunden schrittweise reduzieren. Wir starten bei 25 Prozent und steigern uns dann auf bis zu 75 Prozent Reduzierung“, sagt Milorad Krstić, Vorstandsvorsitzender der Kleenoil Panolin AG in Deutschland. So bekomme man auch die Kosten in den Griff und werde gleichzeitig schnell nachhaltiger, da der generelle Ressourcenverbrauch sinke. Durch immer weiter steigende Preise bekomme man die Kosten künftig nur durch eine Reduzierung des Ölverbrauchs in den Griff. Dies sei über spezielle Nebenstromfilter zu erreichen: Denn die regulären Ölfilter der Maschinen sind lediglich technische Kompromisse, die nur gröbere Verunreinigungen entfernen und so Schäden verhindern sollen. Wären sie feiner, würden sie die hohen Volumenströme der Hydraulikpumpen ausbremsen. Daher hängen die Kleenoil-Filter nicht direkt im Kreislauf. Stattdessen wälzen sie das Öl separat sehr gemächlich um und befreien es durch sehr feine Filter von allen Fremdstoffen. So könne laut Krstić über die komplette Lebenszeit der Maschine das gleiche Öl gefahren werden, was etwa zwei Drittel seiner Kunden auch schon machen: „Wenn ich ein Öl für acht bis neun Euro pro Liter – also etwa 2.000 Euro pro Fass – kaufe, ist die Bereitschaft höher, dieses als zu schonendes Bauteil zu betrachten und nicht mehr als Wegwerf-Verbrauchsprodukt.“ Ein Kunde fahre bereits 35 Jahre das gleiche Panolin-Öl, es könne sogar über mehrere Maschinengenerationen genutzt werden. Die dafür notwendige Filtereinheit kostet 800 bis 1.000 Euro, sein Verbrauchsmaterial muss alle 500 Stunden (250 bei erschwerten Bedingungen wie sehr nass oder staubig) oder nach sechs Monaten getauscht werden. Dafür werden etwa 50 Euro fällig.

Einfach tauschen reicht nicht

Beim Umölen auf biologisch schnell abbaubare Produkte muss beachtet werden, dass maximal zwei Prozent anderes Öl im System verbleiben darf. Es reicht also nicht, nur den Tank abzulassen und neu zu befüllen. Stattdessen muss das komplette System mehrfach gespült werden, um alle Ecken, Taschen, Ventile und Zylinder vollständig zu erreichen. Auch die Anbaugeräte wie Mulcher und Co. dürfen dabei nicht vergessen werden. Da die biologisch abbaubaren Öle eine hohe Reinigungswirkung haben, können sie bestehende Ablagerungen im System lösen, die dann später zugesetzte Filter oder auch Schäden verursachen können. Der Spülvorgang entsorgt die gelösten Stoffe bereits vorab. Dafür gibt es ebenfalls spezielle Öle. Da die Mischbarkeit mit den biologisch abbaubaren Produkten (HEES und HEPR) meist gegeben ist, kann das Spülöl danach als reguläres Mineralöl eingesetzt werden. So werden aktiv Ressourcen geschont. Im Idealfall lässt man die neue Füllung dann im Labor überprüfen, ob die gesetzlichen Vorgaben erfüllt sind, was beispielsweise die BayWa für ihre Marke Tectrol Terra anbietet. Auch Elaskon, Panolin und Motorex empfehlen die jährliche Ölanalyse im Labor. Dabei wird unter anderem ermittelt, ob sich Wasser im System befindet und ob das Öl überhaupt gewechselt werden muss.

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Eine Frage der Zeit

Generell sind natürlich alle Öle biologisch abbaubar, der Prozess erfolgt durch Bakterien, Wasser, Temperatur und UV-Strahlung: Um als „schnell biologisch abbaubar“ zu gelten – in Deutschland regelt das etwa die OECD 301 – muss ein entsprechendes Öl innerhalb von zehn Tagen zu min. 60 Prozent abgebaut, nach 28 Tagen nichts mehr davon übrig sein. Damit ist aber die Gefahr einer Havarie keinesfalls gebannt: Auch wenn dieses Öl in ein Gewässer, den Wald oder einen Park läuft, sterben Flora und Fauna. Denn die Toxizität ist im ersten Moment dennoch gegeben, die Öle werden ja nicht sofort abgebaut. Bis das passiert ist, schädigen sie die Umwelt – aber eben nicht langfristig oder dauerhaft. Daher muss bei einem Ölverlust auch bei ökologisch höherwertigen Produkten die Untere Wasserbehörde informiert und entsprechende Maßnahmen getroffen werden, etwa ein Abtragen des kontaminierten Bodens.

Christoph Grünig, Product Manager bei der Motorex AG empfiehlt zudem, darauf zu achten, dass als Prüfkriterium der biologischen Abbaubarkeit die oben genannte OECD zugrunde gelegt wurde. Es gibt jedoch noch weitere anerkannte Prüfmethoden, wie etwa die CEC. Diese wurde explizit für die Prüfung der biologischen Abbaubarkeit von Schmierstoffen in natürlicher Umgebung entwickelt. Auch er empfiehlt zudem eine zusätzliche Filtration, um eingetragenes Wasser zu entfernen: „Das Öl weiß ja nicht, ob es in der Umwelt oder im Tank ist und fängt beim Kontakt mit Wasser an, sich abzubauen. Also muss dieses dauerhaft abgeschieden werden.“

Biologisch abbaubare Fette werden vor allem in Bereichen benötigt, die direkt mit der Umwelt in Kontakt kommen, etwa wenn Gullydeckel, Hydranten oder Bahnweichen geschmiert werden. Da hier auch preislich mehr aufgerufen wird, hemmt dies die Umstellung. Aktiv eingesetzt werden solche Produkte beispielsweise bereits an Schleusen, da hier der Kontakt mit Wasser direkt gegeben ist. Für generelle Schmiernippel an „kalten“ Gelenken und ähnlichem muss bei der Umstellung nichts beachtet werden, der Bauhof kann einfach vom ursprünglichen Produkt auf ein ökologisch besseres umsteigen. Sollen auch heiße Lager geschmiert werden, bedarf es einer genaueren Beratung, denn eventuell sind dann Produkte nötig, die eigentlich für Maschinen in der Lebensmittelproduktion entwickelt wurden. Diese sind dann entsprechend leistungsfähig und unbedenklich – dafür aber teurer.

Freigabe im Motor nicht möglich

Biologisch abbaubare Motor- und Getriebeöle sind dagegen aktuell noch nicht sehr verbreitet. Technisch wäre das zwar machbar, die Verunreinigungen durch Verbrennungsrückstände oder Kupplungsabrieb sind laut Heiko Stephan von Addinol aber eben nicht schnell biologisch abbaubar. Die technische Machbarkeit bestätigt auch Krstić von Kleenoil Panolin, ein biologisch schnell abbaubares GL5-Getriebeöl sei aber nur gerade so schaffbar. Ganz schwierig werde es im Motor, was aber nicht an technischen Herausforderungen liege: Eigentliche Hemmschwelle ist, dass man für biologisch schnell abbaubare Öle keine Freigabe von den Motorenherstellern erhält. Bei einem Schaden beruft sich dieser dann unter Umständen darauf, dass ein nicht freigegebenes Öl verwendet wurde.

OKS-Spezialist Schiffer erklärt, dass es mittelfristig auch Schmierstoffe auf Wasserbasis geben wird. Aktuell wird daran bereits geforscht, etwa für Windkraftanlagen. Bis solche Produkte in die Kommunaltechnik kommen, werde es aber noch einige Jahre dauern. Die Entwicklung schreitet also stetig voran.

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