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Nachtschicht auf der Autobahn

An fünf Nächten in der Woche geht es für den Trupp der Werner Unternehmensgruppe zum Mäheinsatz raus auf die Autobahnen rund um München. Wir haben die Männer einen Abend lang begleitet.

Von: Jessica Gsell

20 Uhr in der bayerischen Landeshauptstadt. Auf den Straßen in und um München kehrt allmählich Ruhe ein. Der Großteil der Bevölkerung genießt bereits den wohlverdienten Feierabend. Nicht so Michael Klinger (27) und seine Kollegen von der Werner Unternehmensgruppe, einem großen kommunalen Dienstleister in München. Für sie geht es zu später Stunde erst richtig los, raus auf die in der Nacht weniger befahrenen Autobahnen, um dort die Grünstreifen zu mähen. Die Zeit drängt, schließlich wollen die Männer vor dem anstehenden Winter mit den Grünpflegemaßnahmen durch sein. Bei 650 Kilometer zu mähenden Rand- und Mittelstreifen ein sportliches Unterfangen.  

Treffpunkt, wie an jedem Abend, ist die Baumschule in der Carl-Wery-Straße – einem weiteren Standort des Unternehmens. Hier herrscht bereits reges Treiben. Die Maschinen und Fahrzeuge werden für den nächtlichen Einsatz fit gemacht. Der „kleine“ Star des Abends: ein Unimog U 530. An Weihnachten vergangenen Jahres ging für Klinger mit der Anschaffung der Maschine ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. „So wie er jetzt ist, habe ich ihn mir selbst zusammengestellt. Er hat genau die Ausstattung bekommen, die ich haben wollte“, schwärmt der 27-Jährige. Ganz konkret bedeutet das: die Mähkombination Dücker MK 25 an der Front sowie ein Mulag SB 600 als dritten Mäher am Heck. Letzterer verfügt gleichzeitig über ein Absaugsystem, welches das Mähgut direkt in den 35 cm3 fassenden Container befördert, der auf einem Anhänger vom Unimog gezogen wird. Ein zweiter Container befindet sich als Reserve auf dem Sicherungs-LKW. Der eingefleischte Unimog-Fan Klinger lässt nichts auf sein 300-PS-starkes Gefährt kommen. „Den darf außer mir auch kein anderer fahren“, erzählt er lachend. Nachdruck verleiht dem Ganzen das Schild an der Windschutzscheibe, auf dem in großen Buchstaben „DA-UNIMOG-MICHI“ steht.

Mäheinsatz auf der A99 für Unimog, Actros und Co.

Klingers Kollege und Beifahrer Florian Burger (21) – er bedient am Unimog den dritten Mulag-Mäharm – ist gerade dabei, den Sensorstab der Dücker-Mähkombination wieder gerade zu biegen. Auf dem ersten Vorwarn-Anhänger befestigen die Männer noch schnell ein Stihl-Laubblasgerät. Die Eigenkonstruktion soll dafür Sorge tragen, dass der Seitenstreifen frei von Mähgut bleibt. Zwar befindet sich am Unimog selbst ein Blasgerät, doch durch die Handarbeiter, die anschließend mit ihren Freischneidern für Leitpfosten- und planken zuständig sind, wird die Fahrbahn erneut dreckig. Endlich sind auch die beiden Handarbeiter angekommen. Es kann los gehen. Um 21 Uhr setzt sich die Kolonne, bestehend aus Unimog, einem Actros als Sicherung sowie drei Vorwarnern, in Bewegung. Doch bevor es auf die Autobahn geht wird noch ein kleiner Zwischenstopp an der nahegelegenen Tankstelle eingelegt. „An einem Abend kommen hier schon mitunter 500 Euro an Tankkosten zusammen“, sagt Klinger. Es geht rauf auf die A99 in Richtung Salzburg. Ein kurzer Anruf bei der Verkehrsmeldezentrale, schon werden über die leuchtenden Anzeigetafeln über der Autobahn den Verkehrsteilnehmern die Mäharbeiten sowie das Wegnehmen der rechten Spur angekündigt.

„Alle sechs bis acht Wochen bauen wir von rechts- auf den linksseitigen Betrieb um.“  (Michael Klinger, Werner Unternehmensgruppe)

Entlang des Standstreifens suchen Klinger und Burger nach der Stelle, an der sie in der Nacht zuvor die Mäharbeiten beendet haben – und werden beim Kilometerstand 52,5 fündig. Noch schnell die Vorwarner in jeweils 500 m Abstand in die richtige Position gebracht, dann hat der Unimog seinen großen Auftritt. Während Klinger die beiden Dücker-Mäher in Stellung bringt, fährt Burger seinen Mulag-Ausleger aus und positioniert ihn parallel zu den beiden Mähköpfen. Mit einem Ruck setzt sich der Unimog in Bewegung. Erst seit August dieses Jahres sind die beiden Männer ein Team. „Es dauert seine Zeit, bis man den Mäher flüssig bedienen kann“, weiß Burger und erinnert sich noch mit Grauen an seinen ersten Einsatz. „Auf der Strecke gab es nur Bäume“, erzählt der 21-Jährige. So war er nonstop damit beschäftigt, den Mulag-Mäharm ein- und wieder auszufahren. „Ich hätte am liebsten aufgehört und wäre ausgestiegen“, verrät Burger. Von der damaligen Frustration ist an diesem Abend nichts mehr zu spüren. „Stopp“, heißt es da dann nur noch, wenn Burger seinen Mäharm an einem Hindernis wie beispielsweise einem Verkehrsschild vorbei manövrieren muss. „Stopp, passt und weiter. Das sind manchmal die einzigen drei Worte, die ich von ihm in einer Nachtschicht höre“, gibt Klinger lachend zu. Derzeit mäht der Autobahn-Trupp auf der rechten Seite. „Alle sechs bis acht Wochen bauen wir von rechts- auf den linksseitigen Betrieb um“, berichtet der 27-Jährige. Denn ein solcher Umbau kostet Zeit. Wird linksseitig gemäht, bekommt der U 530 zusätzliche Unterstützung von einem U 500. Und noch weitere verschiedene Unimog stehen auf dem 50.000 m2 großen Gelände der Baumschule – ihr Haupteinsatzgebiet ist aber eigentlich der Winterdienst.

Mähgut wird in Form von Graspellets weiterverwendet

Immer wieder taucht an diesem Abend auch Müll auf dem Grünstreifen auf, der zusammen mit dem Mähgut vom Mulag-Arm eingesaugt wird. „Jetzt, wo das Gras nicht mehr so hoch ist, reicht der Container für drei Nächte“, erklärt Klinger. Der Inhalt wird am Ende des Einsatzes direkt auf dem Firmengelände entsorgt, denn dort befindet sich eine eigene Kompostieranlage. Aber nicht nur das: Aus dem Mähgut ohne Verunreinigung werden Graspellets zur Wärme- und Stromerzeugung gefertigt. Das patentierte florafuel-Verfahren wurde von Unternehmenschef Hans Werner selbst entwickelt. Weitere Eigenentwicklungen durch die floradry GmbH aus der Unternehmensgruppe Werner sind ein Kontakttrockner und eine Wirbelschichtfeuerung im kleinen Leistungsbereich. Ebenso wird über die floradry GmbH ein mobiles Lagerungs- und Überladesystem (EcoBox 10 und EcoBox30), speziell für Splitt und Streusalz, entwickelt und vermarktet.


Gleich hinter dem Unimog sitzt Andreas Neumaier (28) in seinem Mercedes Actros und ist für dessen Sicherung zuständig. In regelmäßigen Abständen gibt er den Vorwarnern Bescheid, damit sie aufrücken. „Oder ich melde mich über Funk einfach so bei ihnen, um sicher zu gehen, dass sie nicht eingeschlafen sind“, scherzt der 28-Jährige. Neben den Fahrzeugen laufen die beiden Handarbeiter, die mit ihren Stihl-Seitenschneidern Leitpfosten und -planken von Grasbüscheln befreien. Da es auf bayerischen Autobahnen, aufgrund der Steinschlaggefahr, verboten ist, mit Leitpfostenmähern zu arbeiten, erfolgt die Feinarbeit händisch. Einer der Männer gibt Neumaier ein Zeichen und deutet auf sein Arbeitsgerät. Der weiß sofort Bescheid: „Sein Faden ist wieder leer.“ Für solche Fälle ist der 28-Jährige gerüstet: In seinem LKW hat er mehrere der Mähköpfe vorrätig und gibt deshalb einen davon nach draußen. Da die Tätigkeit der Handarbeiter sehr kräftezerrend ist, machen die Männer in regelmäßigen Abständen Pausen und vertreten sich dabei die Beine. Obwohl Vorwarner und Anzeigetafeln bereits in einigen Kilometern Entfernung davor die Wegnahme der rechten Fahrbahnspur angekündigt haben, nähert sich plötzlich ein Auto und kommt knapp hinter dem Actros zum Stehen. Alle Drei schütteln nur die Köpfe. „Das kommt immer mal wieder vor“, sagt Neumaier. Passiert ist zum Glück noch nichts. „Allerdings hatten wir schon mehrere Geisterfahrer, die wir dann auch versuchen, mit unseren LKW zu stoppen“, berichtet Klinger.

Riesiges Aufgabenspektrum: vom Winterdienst bis zur Tunnelwaschung

Seit neun Jahren ist der 27-Jährige Münchner beim Unternehmen Werner tätig. Dabei ist das Mähen nur ein kleiner Teil des riesigen Tätigkeitsspektrums. „Wir kümmern uns auch um Straßenreinigung, den Winterdienst, Tunnelwaschung und Grünanlagenpflege“, zählt Klinger auf. „Ich kann jede Maschine aus unserem Fuhrpark bedienen und weiß oft schon am Geräusch, wenn etwas nicht richtig funktioniert“, erzählt der 27-Jährige stolz. Auf dieses umfangreiche Maschinenwissen, das sich Klinger im Laufe der Jahre angeeignet hat, sind bereits einige namhafte Hersteller aufmerksam geworden und bitten ihn deshalb immer wieder um Hilfe in ihrer Entwicklungsabteilung. Doch unter all den Tätigkeiten hat er eine große Leidenschaft und die heißt Winterdienst. „Ich kann es gar nicht erwarten, wieder zum Schneeräumen ausrücken zu dürfen“, freut sich Klinger. Allzu lang wird er sich wohl nicht mehr gedulden müssen.

Nach knapp zehn Kilometern Mäheinsatz entlang der A99 ist an diesem Abend aber erst einmal Schluss. Die Männer können sich nun in ihren wohlverdienten Feierabend verabschieden. Bis zur nächsten Nacht.


Fakten zur Werner GmbH & Co. Straßenreinigung KG und Garten- und Landschaftsbau GmbH
Geschäftsführer: Hans Werner
Mitarbeiter: 120
Aufgabenbereiche: Straßen-, Geh- und Radwegreinigung; Reinigung von Tunnel, Bauwerken, Sinkkästen, Tiefgaragen und Parkhäusern; Ölspurbehandlung; Mäharbeiten; Winterdienst; Grünanlagenpflege; Gehölzpflege und Rodungsarbeiten; Häckselarbeiten; Neu- und Umgestaltung von Grünanlagen; Grüngutentsorgung; zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb lt. KrWG § 56; Kompostierung; CO² neutrale Bio-Energiegewinnung.
Fuhrpark: 140 Fahrzeuge; darunter selbstaufnehmende Groß-Kehrmaschinen & Kompaktkehrmaschinen (Bucher, Scarab, Schmidt), Groß-Kehrmaschinen & Kompaktkehrmaschinen mit nichtsaugender Aufnahme (Dulevo, Trilo), Mulag-Mähzug mit drei Auslegearmen mit Schlegelmähern und Absaugung, LED- bzw. Vorwarn-Anhänger, Unimog, Anhänger mit 15.000-l-Wasserfass, Tunnelwaschanlage (Dücker), Rad- und Teleskoplader (Caterpillar, Volvo, Komatsu, Kramer, Manitou), LKW mit Selbstlader (Mercedes-Benz), Container-LKW (Mercedes-Benz), Sattelzüge (Mercedes-Benz), Ladogs, Reform metrac, Mulag mit Auslegearm, Traktoren von klein bis groß (Fendt, Claas, Deutz, Steyr, Iseki, Hako, Gutbrod), verschiedene Mähwerke, Anhänger mit Güllefass (Fliegl), Tiefladeanhänger (Goldhofer), Hangmäher (Brielmaier), Knicklenker Multihog, Verkehrsleitanhänger, Warnleitanhänger, Solesprühfahrzeug, Aufsitzrasenmäher (Iseki, Amazone, Ransomes, Ferrari), Spindelmäher (Ransomes), ferngesteuerte Mähraupe Hymach, große und kleine Bagger (Volvo, Yanmar), diverse Transporter (Mercedes, VW, Ford, Peugeot) und Elektro-Transporter (StreetScooter), mobiler Hacker mit Bunker  (Jenz 560) und Hacker ohne Bunker (Dücker), diverse Klein- und Anbaugeräte.
Zu betreuendes Gebiet: Metropolregion München

Bilder: Michael Klinger/Jessica Gsell - Redaktion Bauhof-online.de

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