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Nachgehakt bei Etesia: „Unsere Innovation hat den Aufsitzmäher-Markt revolutioniert“

Innerhalb des Konzerns Elmar WOLF ist die Marke Etesia auf Konstruktion, Herstellung und Vertrieb von Ausrüstungen zur Grünflächenpflege für den professionellen Einsatz spezialisiert. Mit dem ersten Aufsitzrasenmäher mit direktem Heckauswurf und integrierter Sammelfunktion sowie zwei gegenläufig rotierenden Messern brachten die Elsässer vor mehr als 30 Jahren mächtig Schwung in den Markt.

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Von: Michael Loskarn

Zweifellos tiefgreifenden Einfluss haben die Entwickler von Etesia bereits zu Beginn der Firmengeschichte auf den Rasenmähermarkt ausgeübt. Bemerkenswert ist, dass sämtliche Mitbewerber den Franzosen stolze 15 Jahre Marktexklusivität einräumten, bis sie ihrerseits ein äquivalentes System auf dem Markt vorstellten. Im Gespräch mit Geschäftsführer, Thomas Meyer, und Mayk Litschke, Vertriebsleiter Deutschland, hat Bauhof-online.de beispielsweise erfahren, welchen Stellenwert der Tüftlergeist von damals heute noch genießt, wie sich der Mittelständler gegen multinationale Riesen durchsetzt, ob die Kommunalsparte für die Elsässer wichtig ist, oder was die Zukunft für das Unternehmen bereithält.

Herr Meyer, Herr Litschke, seit mehr als 30 Jahren besteht die Etesia S.A.S mit Sitz in Wissembourg, im Elsass. 1989 begann alles mit dem ersten Aufsitzrasenmäher mit direktem Heckauswurf, dem Hydro 100. Welchen Stellenwert nimmt dieser Tüftlergeist von damals im heutigen Unternehmensalltag ein?

Mayk Litschke: Diese Innovation von Etesia hat den Aufsitzmäher-Markt revolutioniert, sie hat dafür gesorgt, dass sich Etesia als mittelständisches Familienunternehmen bis heute am Markt behaupten konnte und spiegelt sich in den aktuellen Modellen der H124D Reihe, der Buffalo-Familie und dem H100/3 wider.

Thomas Meyer: Der Wille, immer wieder neue Wege zu gehen, treibt uns nach wie vor an. Immer anders als alle anderen. Es ist strategisch wichtig für ein Familien-Unternehmen unserer Größe, immer innovativ zu sein, als nur ein Mitläufer auf dem Markt. Dies gilt seit jeher: H100, H124, Bahia, Benzin-Motor mit Katalysator auf einem großen Aufsitzmäher in einer Zeit, in welcher die Konkurrenz nur auf Diesel setzte sind Beispiele dafür.

Mit Ihren gut 210 Mitarbeitern behaupten Sie sich in erster Linie gegen multinationale japanische und amerikanische Unternehmen von enormer Größe. Irgendwie erinnert das an die Menschen des berühmten gallischen Dorfes und ihren Kampf gegen die Römer. Was zeichnet Ihrer Meinung nach die Elsässer im Allgemeinen bzw. Ihre Mitarbeiter im Besonderen aus?

Litschke: Unsere Mitarbeiter leben täglich den familiären Geist der Firma, lassen sich von den vielen innovativen Entwicklungen begeistern und tragen unseren Slogan „ETESIA, besser abschneiden“ mit Stolz und Engagement zu unseren Händlern und Endkunden. Und das spüren diese dann auch.

Meyer: Wir essen wie die Franzosen und arbeiten wie die Deutschen – Spaß beiseite. Unser Unternehmen befindet sich im Elsass, einer Region welche sowohl von der deutschen, als auch der französischen Seite geprägt ist. Dies wirkt sich auf unsere Arbeitsweise aus, Europa wird hier gelebt.

Ihre Mitarbeiter scheinen also Ihr Kapital zu sein. Kommen wir damit zum Stichwort Werte: Welche Werte sind für Ihr Unternehmen prägend, bzw. wie werden Werte bei Etesia umgesetzt und gelebt?

Litschke: Wir legen viel Wert auf die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter im Allgemeinen und den familiären Charakter des Unternehmens im Besonderen. In einem angenehmen Umfeld bzw. Arbeitsklima ist ein Mitarbeiter bereit, Leistung zu zeigen, sich engagiert einzubringen und auch über sich selbst hinauszuwachsen. Daher ist ein regelmäßiger Austausch innerhalb der Abteilungen und untereinander wichtig und richtig.

Meyer: Wir stehen durch unseren Standort in Konkurrenz mit etlichen unterschiedlichen internationalen Unternehmen. Es gibt also auch unter Arbeitgebern einen Wettbewerb, um Fachpersonal einzustellen und zu halten. Bei uns gibt es allerdings eine klare Philosophie: jeder kann sich bei uns entwickeln. So besteht das aktuelle Management aus Mitarbeitern, die alle einmal am unteren Ende der Karriereleiter standen.

Sie haben sich unter anderen Innovation sowie den Wunsch nach Verbesserung an die Fahne geheftet. Welchen Stellenwert genießt in Ihrem Hause der Bereich Forschung und Entwicklung? Wie hoch ist der prozentuale Anteil am Umsatz, der in F&E reinvestiert wird?

Litschke: Um am stark umkämpften Markt bestehen zu können, braucht es regelmäßige Verbesserungen und neue innovative Modelle, mit denen man sich vom Wettbewerb abheben kann. Wir suchen die Lücke, die noch keiner ausgefüllt hat. Deshalb hat der Bereich Forschung und Entwicklung einen hohen Stellenwert im Unternehmen, sichert quasi das Weiterbestehen von Etesia. Es werden jedes Jahr ca. fünf Prozent des Umsatzes in F&E reinvestiert. Unterstützt werden die Kollegen dabei vom Außendienst, der tatkräftig Augen und Ohren am Marktgeschehen hat, um auf Trends und Veränderungen zeitnah reagieren zu können.

Meyer: Da stimme ich Mayk Litschke zu 100 Prozent zu. F&E ist bei uns kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Wenn wir keine innovativen Produkte mehr entwickeln, dann sind wir nur noch ein Mitläufer, und damit wäre unsere Existenz langfristig gefährdet.

Exportiert wird heutzutage in mehr als 40 Länder und auf alle Kontinente: Wie hoch ist Ihre Exportrate? Und, wie verhalten sich die Umsatzanteile in Bezug auf die jeweiligen Ländermärkte?

Meyer: Die Exportrate beträgt über 60 Prozent unseres Umsatzes. Unser größter Absatzmarkt ist Deutschland. Das restliche Europa macht dann noch ungefähr 80 Prozent des verbleibenden Export-Umsatzes aus.

Wo wir gerade bei Marktanteilen sind: In welcher Höhe trägt der Kommunalbereich zu ihren Umsätzen je Ländermarkt bei?

Meyer: Unser Umsatz wird zu drei Viertel mit Profi-Nutzern erreicht. Davon beträgt der Kommunalbereich ca. ein Drittel.

Und nun der Blick auf die Produktebene: Welches sind eigentlich Ihre Cash Cows?

Meyer: Generell sind es unsere Aufsitzmäher oder Rasentraktoren mit ihrer anerkannten Mäh- und Aufnahmequalität.

Litschke: Wir sind mit unserem Portfolio gut aufgestellt. Das Flaggschiff, der H124D, braucht sich mit seiner Leistung und den vielseitigen Anbaumöglichkeiten hinter niemandem zu verstecken, die Buffalo-Reihe ist mit den vier Benzin-Varianten einzigartig auf dem Markt, und die 80er-Familie mit mittlerweile zehn Modellen deckt eine große Bandbreite an Anwendungen vom privaten bis hin zum professionellen Einsatzbereich ab.

Wie bereits gesagt, Innovation steht im Mittelpunkt der Entwicklung. Ihr Unternehmen hat mehrere Weltpremieren vorzuweisen: den ersten Aufsitzmäher mit Direktauswurf, den ersten LPG-Aufsitzmäher oder den ersten 100 Prozent elektrischen Aufsitzmäher. Nun bündelt der ET Lander das gesamte Know-how von Etesia in den Bereichen Aufsitzmäher, Elektroantriebe und Grünflächenpflege. Wie ist es derzeit um das neue Fahrzeug bestellt?

Litschke: Die Markteinführung in Frankreich ist bereits angelaufen, für Deutschland und Benelux sowie Gesamt-Europa ist die Straßenzulassung im Gange, und die Außendienst-Mannschaften sind aktiv dabei, das passende Händlernetz für Vertrieb, Betreuung und Wartung aufzubauen. Ab dem 02. Semester 2021 rechnen wir damit, auch in den anderen Ländern den Verkauf des ET Lander starten zu können.

Meyer: Wir entwickeln das Produkt auch weiter, sodass bei der deutschen Markteinführung einige weitere Ausbaustufen zu erwarten sind.

Mit welcher Weltneuheit werden Sie den Markt in naher Zukunft begeistern?

Litschke: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zum aktuellen Zeitpunkt keine Informationen dazu geben können.

Meyer: Allerdings werden wir, getreu unserer Philosophie, weiterhin mit innovativen Neuheiten den Markt überraschen, und „Me-too“-Produkte wird es in unserm Portfolio nicht geben.

Wie laufen bei Ihnen Forschung und Entwicklung bezogen auf die jeweilige Produktreihe ab, und wie hoch sind die durchschnittlichen Entwicklungszeiten bzw. -kosten je Neuprodukt?

Litschke: Es hängt davon ab, ob es eine neue Variante einer bestehenden Maschinen-Reihe ist, oder ob es sich tatsächlich um eine komplette Neuentwicklung handelt. Als wir von unserer erfolgreichen Bahia-Familie eine Akku-Version auf den Markt gebracht haben, hat dies deutlich länger gedauert und war kostenintensiver, als vergangenes Jahr eine Differentialsperre in den Hydro80 zu integrieren. Bei einer kompletten Neuentwicklung sind umfangreiche Tests von einzelnen Komponenten und schlussendlich vom fertigen Produkt bei uns im Werk, sowohl in der Forschung als auch auf externen Testgeländen, sowie mit ausgewählten Endkunden der jeweiligen Zielgruppe nötig, ganz zu schweigen von den immer strenger werdenden europäischen Zulassungsbestimmungen, die wir erfüllen müssen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Lieferfähigkeit der Zulieferer für einzelne Komponenten – und dies wird zu Corona-Zeiten noch erheblich erschwert –, denn nicht jedes Bauteil entpuppt sich von Anfang an als geeignet und haltbar. Unser Anspruch an Präzision, Qualität und Langlebigkeit ist dabei sehr hoch. Dies kann schon mal zu zeitlichen Verzögerungen führen. Auch müssen wir den Kostenrahmen im Auge behalten, damit später die fertige Maschine marktgerecht vertrieben werden kann. Was uns aber bei allen Arten von Entwicklungen hilft, ist unsere über 60-jährige Erfahrung in dieser Branche.

Nach eigenen Aussagen setzte die Etesia S.A.S im vergangenen Jahr 37 Millionen Euro um. Auf welchem Niveau bewegt sich der Investitionsanteil – bezogen auf den Jahresumsatz?

Meyer: Unsere Investition in F&E betrug in den vergangenen Jahren ca. fünf Prozent des Jahresumsatzes.

Was wird die Zukunft bei Etesia bringen, bzw. wie sehen die kurz- und mittelfristigen Unternehmensziele aus?

Litschke: Die Fusion von O.Wolf und Etesia weiter voranzubringen, diverse innerbetriebliche und bauliche Maßnahmen abzuschließen, die Fertigstellung der ET-Lander-Produktionsstraße steht im Fokus sowie den ET Lander in allen wichtigen Export-Ländern zu etablieren und das Angebot an Anbau-Optionen durch praxisnahe und innovative Lösungen zu erweitern. Außerdem werden wir bestehende Modelle wie den H124D überarbeiten und auf das nächste Entwicklungsniveau heben. Zu guter Letzt erweitern wir die Akku-Produkt-Familie im Sinne unseres Biokonzepts.

Meyer: Wir wollen nach wie vor unabhängig bleiben und, um relevant mit unserer Unternehmensgröße zu sein, in Nischenmärkten agieren wo wir auch einen richtigen Mehrwert für die Nutzer bringen können. Wir sind stolz, dass wir noch in Europa produzieren und fast all unsere Lieferanten sich auch in Europa befinden. Auch für unsere Maschinen, die älter als 20 Jahre sind, haben wir noch Ersatzteile. Somit sind unsere Geräte keine Wegwerf-Produkte, sondern lange haltbar. Und, wir wollen nach wie vor nachhaltige und umweltfreundliche Produkte auf den Markt bringen.

Fakten zu Etesia:

  • Anzahl der Mitarbeiter: ca. 210
  • Generaldirektor: Thomas Meyer
  • Unternehmenspräsident: Francis Neff
  • Sitz: Wissembourg
  • Gründungsjahr: 1989
  • Produktionsflächen: Frankreich, ca. 14.700 m2

Bilder: ETESIA

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