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Nachgehakt bei Eliet: Patentiertes Axtprinzip macht Häcksler zu effizienten „Allesfressern“

Mit seinen Häckslern hat sich das belgische Familienunternehmen bereits einen Namen gemacht. Bald will man auch im Bereich der Rasenpflege als Komplettanbieter auftreten. Dabei liegt das Augenmerk nicht allein auf den Profianwendern.

Von: Jessica Gsell

Holzhäcksler zählen zu den unverzichtbaren Geräten im Bereich der Grünflächenpflege und des Forsteinsatzes. Je nach Hersteller wird dabei mit den unterschiedlichsten Schneidetechniken gearbeitet. Ende der 80er Jahre entwickelte der Sohn eines Schmieds seine ganz eigene Technik, die bis heute einmalig ist. Der Name des Mannes: Emiel Lietaer, Gründer des belgischen Familienunternehmens Eliet – eine Zusammensetzung der Anfangsbuchstaben seines Vor- und Zunamens – mit Sitz in Westflandern. Noch heute fließen die Ideen des Seniorchefs in Neu- und Weiterentwicklungen von Produkten mit ein, wie uns Gabriele Liebl (59), Vertriebsleitung Deutschland/Österreich, im Interview erzählt. Wir haben außerdem erfahren, warum bei Eliet kein Unterschied zwischen Profi- und Privatanwender gemacht wird, welche Vorteile das patentierte Axtprinzip für die Akkutechnik bringt und welche Neuheient geplant sind.

Frau Liebl, welche Geschichte verbirgt sich hinter dem Unternehmen Eliet?

Die Geschichte beginnt mit dem Großvater der Familie Lietaer, der einen Schmiedebetrieb besaß. Sein Sohn Emiel – Vater des heutigen Geschäftsführers Frederic Lietaer – war es schließlich, der mit dem Aufschwung des Gartenbausektors in den 70er Jahren als erster den Vertrieb von Gartengeräten um einen Landmaschinenhandel erweiterte. Zu dieser Zeit war besonders die Nachfrage nach Häckslern sehr groß – nur gab es keine zufriedenstellenden Maschinen. Deshalb entschied sich Emiel Lietaer kurzerhand dazu, einfach selber eine perfekt funktionierende Scheidetechnik für Häcksler zu entwickeln. So entstand das Axtprinzip, das er sich sofort patentieren ließ. Mit diesem Patent im Gepäck fing Emiel Lietaer 1989 dann an, selbst Häcksler zu bauen und sie zunächst selbst zu vertreiben. Bis 2001 kamen immer weitere Häcksler-Modelle hinzu, die eigenständig über die Firma Eliet vermarktet wurden, während gleichzeitig von Belgien ausgehend zunächst europaweit ein Vertriebsnetz aufgebaut wurde. 2005 wurde dann Eliet USA gegründet, nur ein Jahr später folgte Eliet Europe NV. Beide Firmen gehören, neben Eliet NV, zum heutigen Familienunternehmen.

Welche Merkmale machen die Produkte von Eliet so besonders?

Uns zeichnet auf jeden Fall aus, dass wir bei unseren Maschinen auf technologische Innovationen und besondere Entwicklungen setzen. Bei den Häckslern ist das beispielsweise das oben erwähnte Axtprinzip, bei unseren Vertikutierern das permanent scharfe Messer. Auf der letzten GaLaBau haben wir darüber hinaus den ersten Sodenschneider auf Raupen vorgestellt. All unsere Geräte sind zudem aus langlebigen Stahl-Chassis-Konstruktionen gefertigt – und das nicht nur im Profi-, sondern auch im Konsumerbereich. Dasselbe gilt für unsere patentierte Häckslertechnik, die sowohl in den Profi-Geräten, als auch in den Produkten für den kleinen Privatanwender verbaut ist. Es findet sich bei den kleineren Modellen nicht einfach nur eine abgespeckte Version. Das unterscheidet uns auch von vergleichbaren Produkten in Baumarktqualität.

Deshalb auch das Versprechen auf Ihrer Homepage: „Geräte von Eliet sind Investitionen in eine lange Zukunft“?

So ist es. Mit den Produkten von Eliet erwerben unsere Kunden Geräte, die sehr lange ihren Weg begleiten werden. Auf diese Weise geben wir den Profis eine Auftragssicherheit. Nicht nur, weil unsere Produkte sehr zuverlässig sind, sondern auch, weil man mit ihnen z.B. aufgrund der kompakten Abmessungen um jedes Haus herumkommt. Wenn sich Kunden für ein Gerät von uns entscheiden, dann machen sie das ganz bewusst, weil unsere Maschinen Kriterien und Technologien erfüllen, nach denen die Anwender schon lange gesucht haben. Das zeigt auch wieder, dass Geräte von Eliet nicht für die breite Masse produziert werden, sondern eher Nischenprodukte sind.

Sie haben jetzt schon mehrmals Ihr patentiertes Hacksystem, das Axtprinzip, erwähnt, das in Eliet-Häckslern zum Einsatz kommt. Was ist das Spezielle daran und wie funktioniert es?

Anders als bei einem Scheiben- oder Schlegelhäcksler wird bei unseren Geräten das Holz wie mit einer Axt gespalten. Das Besondere daran ist, dass dabei die natürliche Zerfallkraft des Holzes genutzt wird. Da hier also mit den Fasern des Holzes gearbeitet wird, bekommen Anwender das Schnittgut mit wenig Kraft klein. Unser Axtprinzip besteht aus einer Messerwelle, auf der sich sternförmig angeordnete Axtmesser befinden. Um das Holz klein zu bekommen wird, Modell abhängig, z.B. mit 50.000 Hackbewegungen in der Minute gearbeitet. Dank unseres patentierten Hacksystems sind Eliet-Maschinen auch keine typischen Holzhäcksler, sondern vielmehr „Alles-Material-Zerkleinerer“. Für den Anwender bedeutet das: Ein Vorsortieren was Laub, Astwerk oder Heckenschnitt angeht ist nicht nötig, genauso wenig wie ein Zerkleinern mit der Säge. Der Kunde kann sofort loslegen. Denn bei unseren Modellen erstrecken sich die eingesetzten Messer über die gesamte Trichterbreite. Gleichzeitig ist der Aufnahmetrichter bei unseren Häckslern sehr breit und verengt auch nicht, wodurch das Grüngut noch zusätzlich sehr schnell eingezogen wird, ohne sich zu verfangen. Und sollte tatsächlich einmal etwas verstopfen, dann kann die Abdeckung ganz einfach werkzeuglos geöffnet und die Messerwelle mit einem Handgriff von der Verstopfung befreit werden.

Mit seinem einzigartigen Axtprinzip war und ist Eliet also Vorreiter auf dem Markt. Gibt es noch weitere Beispiele für solche Innovationen?

Aber natürlich. Neben dem ersten Sodenschneider mit Raupenantrieb war Eliet auch Vorreiter bei den selbstfahrenden Häckslern. Der erste kam 1994 auf den Markt. Nur vier Jahre später folgte als absolute Neuheit der erste selbstfahrende Häcksler mit Raupenfahrwerk. Dieses hat den Vorteil, dass es schonender zum Boden ist und der Häcksler Hindernisse besser umfahren kann. Bei Arbeiten in Reihenhausgärten ist der Anwender sogar in der Lage, durch das Haus zum Einsatzort zu gelangen. Wir bekommen oft von Landschaftsgärtnern die Rückmeldung, dass das nur mit unseren Häckslern möglich ist. Außerdem ist Eliet der erste Hersteller der 2005 im Konsumerbereich einen Häcksler mit wegklappbarem Trichter für eine bessere Verstaubarkeit fertigte. 2009 brachten wir zudem mit unserem Eliet Neo den ersten Häcksler mit einer transparenten Häckslerkammer auf den Markt.

Wo nehmen Sie eigentlich Ihre Ideen für all diese Neuentwicklungen her?

Die meisten Ideen kommen von unserem Geschäftsführer Frederic Lietaer, der es versteht Praxis und Technik in idealer Weise zu verbinden und innovativ umzusetzen. Zudem trägt aber auch immer noch unser Seniorchef Emiel Lietaer einen wesentlichen Teil dazu bei. Er ist selbst passionierter Gärtner und macht so viel er kann selbst. Dabei kommen ihm oft die Ideen für Neu- oder Weiterentwicklungen. Und selbstverständlich legen wir auch großen Wert auf das Feedback unserer Kunden, die entweder direkt mit Verbesserungsvorschlägen kommen oder nach passenden Geräten für bestimmte Arbeiten fragen. Viele unserer Innovationen rührt eigentlich von Rückmeldungen der Kunden her. So wie beispielsweise der Raupenantrieb, weil unsere Anwender das Problem hatten, dass die Reifen oftmals auf nassem Boden durchdrehten und das Gerät dann einsank. Aus demselben Grund ist auch unser Kantenstecher mit Noppen, wie die an Fußballschuhen ausgestattet. Da unsere Kunden gerne auf einen Blick wissen, wie weit der Sprit noch reicht, haben unsere Profihäcksler z.B. einen Tank mit Sichtröhrchen und Anzeige erhalten. Und unsere Rasenbaumaschine, die es standardmäßig eigentlich mit Gitterwalzen gibt, statten wir auch mit Glatt- oder Gummiwalzen aus.

Gibt es große Unterschiede, wenn man sich die Kundenwünsche von damals und heute anschaut?

Der Anspruch an eine gute Technologie und hohe Qualität bei unseren Geräten ist durchweg geblieben. Zusätzlich sind aber Fragen hinsichtlich der Umweltfreundlichkeit, also der Reduzierung von Lärm, Emissionen und Kraftstoffverbrauch dazu gekommen. Außerdem nimmt die Nachfrage nach Akkutechnik immer mehr zu.

Akkutechnik ist ein gutes Stichwort: Gibt es Überlegungen bei Eliet in Sachen Elektro?

In der Tat beschäftigen wir uns derzeit mit dem Thema Elektro und sind auch bereits in Gesprächen mit Akkutechnik-Anbietern. Wir sind derzeit aber erst am Anfang, momentan ist alles noch Theorie – sozusagen ein zartes Pflänzchen, das langsam beginnt zu wachsen. 2020 wird sicher noch kein Produkt mit Akkutechnik von Eliet auf den Markt kommen. Aber die Nachfrage ist da und wir wollen zukünftig auch diesen Markt bedienen, um klimatechnisch up to date zu sein. Was wir schon sagen können ist, dass alle Produkte unserer gesamten Geräte-Range mit Akkutechnik ausgestattet werden können. Ob die Leistung dann ebenfalls gleichbleibt, darüber wird noch diskutiert werden müssen. Auszuschließen ist es aber nicht. Schließlich hat sich die Akkutechnik in den letzten Jahren massiv weiterentwickelt und ist sowohl stärker, als auch leistungsfähiger geworden. Außerdem haben wir den großen Vorteil, dass unsere Häcksler, dank des Axtprinzips, schon jetzt viel weniger Kraft beim Spalten braucht, als das bei anderen Geräten der Fall ist. Außerdem wollen wir gerne in Richtung einer universell einsetzbaren Akkutechnik gehen, so dass unsere Kunden nicht für jedes Gerät einen extra Akku benötigen und die Handhabung somit deutlich einfacher und flexibler wird.


Richten wir unseren Blick wieder auf die Gegenwart. Welche Produkte von Eliet kamen zuletzt auf den Markt?

Unser aktuellstes Produkt ist der neue Sodenschneider Turfaway600 mit Raupenfahrwerk und einer Arbeitsbreite von 60 cm. Auf der diesjährigen GaLaBau wollten wir außerdem eine weitere Neuheit vorstellen: die Nachsaat-Maschine DZC 450. Das Gerät ist nicht nur schmäler und kleiner als sein Vorgänger. Sie wurde außerdem mit ein paar kleinen Raffinessen aufgepimpt. Deshalb ist die DZC 450 besonders für Landschaftsgärtner geeignet, die auch kleine Privatgärten im Fundus haben.  

Wenn Sie schon die Landschaftsgärtner ansprechen – welche Berufsgruppen nutzen Ihre Produkte?

Unsere Geräte sind für zahlreiche Einsatzbereiche gedacht, egal ob das der Baumkletterer, Baumpfleger, Forstbetrieb, Galabauer oder im Kommunalen der Bauhof ist. Dabei richtet sich unser Augenmerk auch auf Solo- oder Kleinbetriebe, von denen es besonders im Bereich Galabau und bei den Baumkletterern viele gibt. 

Und wie wichtig ist dabei für Eliet der Kommunalbereich?

Der Kommunalbereich ist für uns ein sehr sehr wichtiger Bereich. Z.B. sind unsere Laubbläser und Laubverladegeräte klassische Produkte, die von Bauhöfen genutzt werden – genauso wie unsere Kantenschneider, um das Gras und Unkraut an den Randsteinen zu entfernen. Wir arbeiten bei diesen Geräten nicht mit einem Nylonfaden, sondern einer drehenden Messerscheibe, mit der die gesamte Rasenkante angehoben wird. Ebenfalls beliebt im Kommunalbereich, wenn es um Einsätze in Parkanlagen geht, sind unsere Super-Prof-Häcksler.  

Ihre Produktpalette reicht von Häckslern über Rasenbaumaschinen bis hin zu Laubverladegeräten. Gibt es unter all diesen Geräten auch einen „Renner“, der am meisten verkauft wird?

Unser absoluter „Renner“ ist der Profihäcksler Super Prof. Mit ihm bedienen wir nicht nur eine große Klientel an Kunden. Das Gerät ist zudem sehr beliebt bei Vermietern. Der Super Prof zeichnet sich nicht nur durch seine effiziente Arbeitsweise aus, er ist auch sehr robust und wartungsfreundlich.

Wo auf der Welt trifft man überall auf Geräte von Eliet?

Wir verkaufen unsere Produkte fast weltweit, in rund 30 unterschiedliche Länder. Und das sowohl in Europa als auch Übersee und den asiatischen Markt. Wir haben sogar ein Projekt in Afrika mit Häckslern für den Zuckerrohranbau laufen. In vielen dieser Länder machen wir zwar nicht immer einen Millionen-Umsatz. Aber überall, wo unsere Produkte gefragt sind, schauen wir uns die Örtlichkeiten an und liefern dann passende Nischenprodukte. Natürlich ist und bleibt unsere Heimat Belgien der größte Absatzmarkt. Danach folgen Frankreich, Deutschland und Holland. Man könnte also sagen: Je dichter ein Land an Belgien liegt, desto stärker ist die Marktvorherrschaft von Eliet.

Auf welche Produkte können sich Ihre Kunden in naher Zukunft freuen?

Wie schon erwähnt forschen wir derzeit an der Akkutechnologie. Darüber hinaus haben wir jetzt keine superspektakuläre neue Erfindung in petto. Aber dennoch können sich unsere Kunden beispielsweise darauf freuen, dass wir unseren beliebten Super-Prof-Häcksler bald auch mit Zapfwelle anbieten. Unser Gedankenspiel geht außerdem dahin, unsere einzelnen Produktbereiche weiter auszubauen – alle, außer den der Rasenmäher, da es hier einfach zu viele andere Anbieter gibt. Im Häckslerbereich sind wir bereits sehr umfangreich aufgestellt. Deshalb würden wir uns auch gerne im Bereich der Rasenpflege als Komplettanbieter präsentieren. Dafür befinden sich bei uns bereits Vertikutierer – hier haben wir sogar das breiteste Sortiment von allen, würde ich sagen –, Sodenschneider, Nachsaatmaschinen oder auch Kantenschneider im Programm. Erweitert werden soll das Ganze noch um Aerifizierer und Maschinen für das Topdressing beim Rasen. Wir wollen außerdem ein Produktsortiment anbieten, das über alle vier Jahreszeiten hinweg gefragt ist: Häcksler im Frühjahr und Herbst, Rasenpflegemaschinen für den Sommer, Laubverladegerät im Spätherbst. Und für den Winter haben wir sogar zwei handgeführte Profi-Schneefräsen im Programm.  


Fakten zu Eliet Europe NV

  • Anzahl der Mitarbeiter: 70
  • Geschäftsführer: Frederic Lietaer
  • Sitz: Zwevegem-Otegem (Westflandern)
  • Gründung: 1989
  • Produktionsfläche: ca. 14.000 Quadratmeter

Bilder: Eliet Europe NV

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