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Test: Able XT von Tropos – alltagstauglicher Elektrotransporter

Gordon Krug ist kein Weg zu weit. Um den neuen Able XT zu präsentieren, setzt sich der Marketing-Manager von Tropos Motors Europe selbst hinter das Steuer und fährt mit dem elektrisch betriebenen Schmalspur-Vehikel aus dem Großraum Stuttgart zur Füssener Bauhof-online.de-Zentrale.

Von: Michael Loskarn

Harte Testbedingungen herrschen an diesem Morgen vor: Echtes, nasskaltes Allgäuer Schmuddelwetter inklusive leichtem Schneefall und Schneematsch auf den Straßen stellen den kleinen E-Transporter vor erste Herausforderungen. Bereits beim Einsteigen in das 1,40 Meter schmale und 3,70 Meter kurze Fahrzeug handelt sich der testende Chronist einen nassen Allerwertesten ein: Der Radkasten der Vorderachse liegt genau auf Einstiegshöhe. Zu schwungvoll fällt wohl der zweite Einstiegsversuch aus und endet mit einem leichten Bodycheck an Krugs Schultern. Zwei baumlange und womöglich beleibte Experten in orange müssten sich schon bestens verstehen, um so kuschelig-anschmiegsam in diesem Fahrzeug ihrem Tagwerk nachzugehen.

Um jedoch endlich losfahren zu können, sollte die von innen beschlagene Scheibe frei sein. Bei kaum hörbar schnurrendem Elektromotor kommt das dagegen weitaus lauter agierende Gebläse an seine Grenzen. Nach einigen Minuten des geduldigen Wartens greift der Marketing-Manager zum Papiertaschentuch und hilft manuell nach. Im wahrsten Sinne des Wortes sticht dem „Testfahrer“ die serienmäßige Rückfahrkamera des in Herne zusammengebauten und nach deutschen Qualitätsstandards aufgepimpten „Chinesen“ – die SKD-Bausätze werden dort im Auftrag gefertigt – beim ersten Zurücksetzen ins Auge. Ein Feature, das in diesem Low-Budget-Bereich seinesgleichen sucht.

Flugs hinauf zu den Schlössern

Bereits die ersten Meter auf der Straße machen Spaß. Erstaunlich agil fällt der Vortrieb aus – und das bei lediglich 14 PS. Schade dagegen: Bei 61 Sachen ist Schluss, einfach abgeriegelt. Ein Faktum, das der Reichweite geschuldet zu sein scheint, die realistisch betrachtet, bei etwa 250 km liegt. Denn, bereits am Tag zuvor war Krug mit der 26-kWh-Variante des Able rund 200 km über Land von Kirchheim/Teck nach Füssen getuckert, ohne nachladen zu müssen. Wohlgemerkt bei insgesamt 2.282 Höhenmetern. Generell scheinen dem kleinen Transporter Höhenmeter nichts auszumachen: Selbst im Schneematsch in Richtung Füssener Königsschlösser schwächelt das Fahrzeug nicht.

Seine wahre Stärke spielt das L7e-Modell auf den kleinen Parkwegen am Weiher im Ortsteil Bad Faulenbach aus. Hier wird deutlich, auf welchen Einsatzbereich das Fahrzeugkonzept zugeschnitten wurde: Und zwar auf innerstädtische Transportfahrten beispielsweise in Sachen Friedhofs-, Grün- und Parkpflege, Müllentsorgung oder Logistik. Drei unterschiedliche Aufbauvarianten Made in Germany tun hier ihr Übriges. Mit 3,5 (Testfahrzeug) bzw. 4,5 m3 (XL) Volumen punkten die Kofferaufbauten. Die Pritschenversion kann mit Laubgitter oder Planenaufsatz versehen werden. Und, selbst zur Bekämpfung des Corona-Virus ist die Aufbauvariante zur Desinfektion und Flächenreinigung mit Trockendampf einsetzbar.

Holpriger Parforceritt über Stock und Stein

Beim Parforceritt über den holprigen Weg an der Faulenbach-Sprungschanze wird deutlich: Fahrkomfort geht anders. Dennoch verrichtet die Blattfederung einen ordentlichen Job – zumindest bei leerem Kofferaufbau. Wie es dagegen bei voll ausgeschöpfter Nutzlast in Höhe von 580 kg aussieht, steht auf einem anderen Blatt. Zumal der fehlende Bremskraftverstärker gewöhnungsbedürftig ist und ordentlich Beinschmackes abverlangt. Ein wirklich tolles Bild gibt das große Touchscreen-Display inklusive DAB+-Radio ab. Dagegen wirkt das wesentlich kleinere Fahrer-Display mit Informationen über Geschwindigkeit und Akku-Kapazität angestückelt. Ältere Semester sollten auf jeden Fall eine entsprechende Sehhilfe zur Hand haben.


Alles in allem ist der kompakte und äußerst wendige Li-Ion-Power-Transporter – entsprechend der Stärken eingesetzt – dennoch eine echte Alternative zum Verbrenner. Zumal die Wirtschaftlichkeit des Fahrzeugs erheblich zur Senkung der Betriebskosten beitragen kann. In einem normalen Jahr ohne Corona will die Mosolf-Tochter rund 2.500 Fahrzeuge der ST- und XT-Modelle absetzen. Derzeit ein hehres Ziel. Dennoch, kommunale Entscheider sollten durchaus einen genaueren Blick auf den neuen Able werfen. Gordon Krug wird bestimmt bei der Organisation einer Testfahrt unterstützen. Schließlich ist dem Tropos-Marketingmann kein Weg zu weit.

Fotos: Michael Loskarn; Tropos Motors Europe (2)

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