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Nachgehakt bei Fink Maschinentechnik: „Man darf gespannt bleiben!“

Fink Maschinentechnik ist seit 16 Jahren lediglich im Vertrieb von GaLaBau-Maschinen präsent. Doch das ändert sich im Dezember 2020 schlagartig. Mit dem Häcksler Woodzilla gelingt der Firma mit Sitz im bayerischen Dorfen der Spagat zwischen Vielseitigkeit und geringem Gewicht. Grund genug, sich im Detail mit der Maschine zu befassen. Gemeinsam mit Vertriebsmitarbeiter Johannes Fink hat sich Bauhof-online.de über die Entstehungsgeschichte und die Eigenschaften des Woodzilla unterhalten.

Von: Tim Knott

Herr Fink, Woodzilla ist ein Produkt der Zusammenarbeit zweier Firmen: Fink Maschinentechnik und ihrer österreichischen Kollegen von Bentele. Können sie uns kurz berichten, wie es zu dieser Zusammenarbeit kam?

Johannes Fink: Die Firma Bentele und Fink kannten sich schon viele Jahre. Durch Zufall kam es im März 2019 zu einem Treffen, wo über diverse Kundenwünsche aus der Vergangenheit diskutiert wurde. Sehr viele Kundenanfragen bezogen sich in beiden Häusern auf einen möglichst großen Hacker, der aber noch mit 3,5-Tonnen-Kugelkopf (also mit Geländewagen, Pick- up oder Sprinter) gezogen werden kann. Dabei sollte der Hacker eine gute Hackschnitzel-Qualität haben, einen Kran mit ausreichend Reichweite und Hubkraft sowie unbedingt einen Maschinendrehkranz. Dabei stellte sich heraus, dass Bentele schon seit 2013 einen BBT 400 baute, der sich als Basis sehr gut verwenden ließ. Die komplette Hackeinheit wurde also übernommen, da man vom BBT 400 schon 24 Stück gebaut hatte und dieser absolut zuverlässig seine Arbeit machte. Einige dieser Maschinen haben mittlerweile weit über 4.000 Betriebsstunden gelaufen.

Wie haben sie die einzelnen Schritte der Konstruktion unter sich aufgeteilt?

Fink: Konstruiert wurde der Woodzilla, inklusive des Krans, komplett bei Bentele, Ideen und Anregungen kamen von Fink. Die eigenen Erfahrungen beider Firmen und viele Kundengespräche draußen auf den Baustellen beim Kunden waren dafür sehr wichtig.

Trotz des Leistungsvermögens der Maschine ist die gesamte Konstruktion nur 3,5 Tonnen schwer und kann somit mit einem BE-Führerschein bewegt werden. Wie erreichen sie dieses Gewicht?

Fink: Nur durch Verwendung sehr hochwertiger Komponenten, Materialien und Stahlqualitäten, wie sehr viel „Hardox“ und Feinkornstahl.

Eine weitere auffällige Eigenschaft ist die Fernsteuerung des Häckslers, für die sie sich mit der Firma NBB zusammengetan haben. Werden wir solche Funktionen in Zukunft öfter in Maschinen dieser Gewichtsklasse finden?

Fink: Ganz bestimmt sogar, denn der Funk sorgt für eine massive Arbeitserleichterung und wesentlich mehr Arbeitssicherheit, da der Bediener immer außerhalb des Gefahrenbereichs agieren kann. Die Kombination aus Kran und Funk sorgt dafür, dass eine Person deutlich mehr leistet als vier Personen mit einem Hacker gleicher Größe mit Handbeschickung.


Woodzilla ist zurzeit das einzige Produkt aus Ihrem Haus in seiner Gewichtsklasse, reicht das schon aus, um sich auf dem Markt zu behaupten?

Fink: Kunden bestätigen uns, dass wir das Maximale an Möglichkeiten in dieser Klasse vereint haben. Auch wir können das Rad nicht täglich neu erfinden, da man in der Tonnage sehr eingeschränkt wird. Die Firma Fink hat den Generalvertrieb von Bentele für Deutschland, die Schweiz und die BeNeLux-Staaten übernommen. Somit haben wir ein komplettes Portfolio an Hackern, vom Woodzilla angefangen bis hin zum stärksten Hacker der in Europa gebaut wird, dem BBT 1.500 mit 110 Zentimetern maximalem Stammdurchmesser und bis zu 1.300 PS Leistung, also bis zu 600 Schüttraummeter Hackschnitzel. Genauso sind wir äußerst flexibel in der Aufbauweise der Hacker – wie Antrieb über Zapfwelle, mit Dieselmotor oder stationär mit Elektromotoren. Einige Modelle wie den Woodzilla gibt es auf Raupenfahrwerk mit Planierschild und endlos drehbar, genau wie einen Kettenbagger.

E-Mobilität und Decarbonisierung sind zurzeit große Themen. Gibt es Pläne, auch bei Ihrem Produkt auf E-Mobilität zu setzen?

Fink: Es laufen bereits einige Maschinen, die mit E-Motor ausgestattet sind. Aber alle stationär, somit haben sie das Akku-Problem nicht.

Ist E-Mobilität ein logischer nächster Schritt für Häcksler und Häckslerkombinationen oder schließt sich eine solche Konstruktion aufgrund der Nachteile (potentiell geringere Leistung, fehlende Ladeinfrastruktur, kürzere Akkulaufzeit bei Kälte) grundsätzlich aus?

Fink: Nein, in einigen Einsatzbereichen ist das bestimmt die Zukunft. In einer mobilen Variante ist es aber momentan nicht möglich, Leistung, Gewicht, Ausdauer und Haltbarkeit unter einen Hut zu bekommen. Aber man darf gespannt bleiben.

Wo wir gerade beim Thema sind, wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Gibt es schon Anregungen für weitere Produkte aus der Zusammenarbeit Bentele/Fink?

Fink: Na klar. Da der Woodzilla bis jetzt ein voller Erfolg ist, wird es nicht alleine dabei bleiben. Ideen sind ausreichend vorhanden, und es kommen in einem kreativen Team fast täglich neue zustande. Einiges davon ist realisierbar, einiges landet zwangsläufig im Papierkorb oder Schrottcontainer.

(Bilder: Fink Maschinentechnik)

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