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Für den Bauhof Bad Wildungen ist der Winterdienst reine Nebensache

Da die nordhessische Kurstadt mit einer Höhenlage von unter 300 Metern keine Hochburg für Schnee ist, liegt das Aufgabenspektrum während des Winters in anderen Bereichen

Winter – das bedeutet Berge von Schnee, glatte Fahrbahnen und oftmals Chaos auf den Straßen. Es ist die Zeit, in der die Mitarbeiter der Bauhöfe noch mehr als sonst zu tun haben. Von den frühen Morgenstunden bis spät in die Nacht hinein sind Schneefräsen und Räumfahrzeuge im Dauereinsatz. Fällt der Winter recht streng aus, wird nicht selten bis ins Frühjahr gezittert, ob die Salzvorräte auch wirklich ausreichen. Doch nicht in jedem Teil Deutschlands gehört der Winterdienst sowie die intensive Planung im Vorfeld zu einer der Mammutaufgaben eines Bauhofs – wie etwa in der nordhessischen Stadt Bad Wildungen.

„Wir sind keine Hochburg für Schnee“, sagt Bauhofleiter Ralf Blümer. Denn das Heilbäderzentrum sowie seine Ortsteile liegen gerade einmal knapp 300 Meter hoch. Selbst der Kellerwald, an dessen Nordost-Rand die Stadt grenzt, befindet sich höchsten 600 Meter über dem Meeresspiegel. Nichtsdestotrotz werden auch im Bauhof Bad Wildungen Vorbereitungen für den Winter getroffen. Nur eben nicht in dem Maße, wie das in schneereichen Regionen der Fall ist. Schon seit Wochen ist das Lager auf dem Bauhof mit circa 200 Tonnen Salz gefüllt. „Die Räum- und Streufahrzeuge sind alle einsatzbereit“, berichtet Blümer. „Sie können in kürzester Zeit aufgerüstet werden.“ Jedes Jahr werden bereits im Laufe des Oktobers sämtliche Winterdienstgeräte und -maschinen auf ihre Funktionalität hin in der bauhofeigenen Kfz-Werkstatt überprüft. Erreicht der Schnee dann doch einmal die nordhessische Stadt, werden aus den verschiedenen Abteilungen Mitarbeiter für den Winterdienst abgestellt. Je nach Wetterlage kommen auf den Straßen der Innenstadt von Bad Wildungen zwei 18-Tonnen-Streuer, ein 7,5-Tonnen-Streuer sowie ein Multicar zum Einsatz. Mit vier Schleppern und zehn Fußtrupps wird dem kalten Weiß auf den Gehwegen zu Leibe gerückt.

Gestreut wird mit Feuchtsalz

„Bei uns kommt im Straßenwinterdienst Feuchtsalz FS 30 zum Einsatz“, berichtet Blümer. Auch auf den Gehwegen wird in der Kurstadt Salz verwendet. „Splitt gibt dort eine riesen Sauerei“, erklärt der Bauhofleiter. Und wie sieht es mit dem Einsatz von reiner Sole aus? Hierüber mache man sich in Bad Wildungen – eben wegen des so gut wie immer gemäßigten Winters – kaum Gedanken. So wie überall anders in Deutschland ebenfalls üblich, teilen sich auch hier der Bauhof sowie die Anlieger die Schneeräumarbeiten. Während sich der Bauhof-Trupp um die städtischen Gehwege sowie Bürgersteige vor kommunalen Gebäuden kümmert, sind die Bürger dazu verpflichtet, die an ihre Grundstücke angrenzenden Gehwege von Eis und Schnee zu befreien. Zur Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit gehört in der bedeutendsten Kurstadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg aber auch das Einlagern der Geräte und Maschinen, die über den Winter keine Verwendung finden. „Sie werden saubergemacht und ebenfalls überprüft“, erklärt der Bauhofleiter. Und auch wenn dieses Vorgehen keine 100-prozentige Garantie für den anstandslosen Einsatz nach der Winterpause sei, so würde es doch die Ausfallrate der Maschinen und Geräte um ein Vielfaches reduzieren. Vor allem dann, wenn die Mitarbeiter des Bauhofs auch einmal ganz kurzfristig darauf zurückgreifen müssen.

Doch auch ohne große Mengen an Schnee gibt es gegen Ende des Jahres für den Trupp des Bauhofs Bad Wildungen alle Hände voll zu tun. „Laub ist bei uns gerade nach wie vor ein Thema“, berichtet Blümer. Und das wird es auch noch in den nächsten Tagen sein, ist sich der Bauhofleiter sicher: „Es hängen noch sehr viele gelbe Blätter an den Bäumen.“ Vor allem die Stadtgärtnerei hat während der Wintermonate weiterhin einen straffen Aufgabenplan. „Mit dem Heckenschnitt ist sie das ganze Jahr beschäftigt“, weiß Blümer. Immerhin misst die große Hecke der Stadt, die entlang der Feldwege verläuft, insgesamt 160 Kilometer. „Sie wird sukzessiv auf der Wegeseite der Stadt gepflegt“, erklärt der Bauhofleiter. Zudem steht der Heckenschnitt an den Spielplätzen an. Sind die Arbeiten im Kerngebiet erledigt, geht es für die Mitarbeiter der Gärtnerei anschließend hinaus in die Feldgemarkung des Ortes. Im Jahr 2001/2002 wurden die Kurgesellschaften Bad Wildungen und Bad Reinhardshausen, einem Ortsteil der Stadt, zusammengelegt. Dementsprechend hat sich daraufhin auch der Zuständigkeitsbereich des Bauhofs erweitert. So besitzen beide Orte einen gemeinsamen Kurpark, der sie miteinander verbindet. Auch hier sind die Bauhofmitarbeiter jede Woche mit der Grünflächenpflege beschäftigt. Ein Highlight in Bad Wildungen ist außerdem die Brunnenallee, um deren Pflege sich ebenfalls die Männer des Bauhofs kümmern. „In diesen Bereichen betreiben wir einen sehr großen Aufwand“, berichtet der Bauhofleiter.

Vorbereitungen auf die Adventszeit

27. November: Diesen Tag haben die Mitarbeiter des Bauhofs ganz genau im Blick. Auf dieses Datum fällt heuer der erste Advent. Nicht nur, dass dann die Vorweihnachtszeit beginn. Bis zu diesem Termin muss auch die Weihnachtsbeleuchtung angebracht worden sein. In der Kernstadt Bad Wildungen werden dabei, in Abständen von zehn bis 12 Metern, die Brunnen- und Ladenstraße mit beleuchteten Girlanden, die über die Fahrbahn gehängt werden, geschmückt. In Bad Reinhardshausen bekommen ebenfalls zwei Straßen eine Weihnachtsbeleuchtung in Form von Weihnachtssternen, die an den Straßenlaternen befestigt werden. „Die Weihnachtsbeleuchtung besteht bei uns teilweise schon aus LED“, berichtet Blümer. Die andere Hälfte der Lämpchen soll dann nach und nach, immer wenn eine Birne ausfällt, auf die energiesparende Variante umgerüstet werden.

Was für andere Bauhofe womöglich ein Segen wäre, sieht der Bauhofleiter von Bad Wildungen eher als Fluch: das 1,2 Hektar große Areal, auf dem sich Büroräume sowie die Werkstätten für Schreiner, Maler, Maurer, Elektriker, Kfz-Mechaniker und der größte Einzelbereich, die Gärtnerei, befinden. „Wir sind fast zu groß“, sagt Blümer. Das führe dann dazu, dass andere Abteilungen das Areal des Bauhofs als Lagerplatz mitverwenden. So wie derzeit das Tiefbauamt, das eine große Menge an ausgebauten Pflastersteinen dort untergebracht hat. Für einen anderen Bereich hat der Bauhofleiter dagegen nur lobende Worte: „Ich bin mit unserer Ausstattung sehr zufrieden“, sagt er. Bislang hätten sich das Magistrat sowie das Stadtparlament bei Neuanschaffungen auch noch nie gesperrt. Klar gebe es immer wieder mal Diskussionen. Doch könne man die Neuanschaffung wirtschaftlich rechtfertigen, wäre das dann kein Problem mehr, spricht Blümer aus Erfahrung. Lediglich bei Ersatzanschaffungen würde es oftmals zu Verzögerungen kommen. Das sei aber in anderen Städten auch nicht anders.

Fakten zum Bauhof Bad Wildungen:

Bauhofleiter: Ralf Blümer

Mitarbeiter: 57; davon sind permanent 5 Mitarbeiter für die kommunale Abfallentsorgung, 2 für die Straßenreinigung sowie 2 für die Kanalreinigung zuständig; 20 Mitarbeiter kümmern sich um die Pflege der Grünflächen und Parkanlagen; die restlichen Mitarbeiter arbeiten in der Schreinerei, Kfz-Werkstatt, im Bereich der Straßenunterhaltung sowie in der Malerwerkstatt

Aufgaben: Kommunale Abfallentsorgung, Straßenreinigung, Abwasser und Kanal, Baum- und Grünflächenpflege, Immobilienpflege, Straßen- und Wegebau, Winterdienst

Fuhrpark: 2 18-Tonner LKW (einer davon mit Ladekran), 7,5-Tonner LKW, Multicar mit Ladekran, 7,5-Tonner Schmalspurfahrzeug, 15 Pritschenfahrzeuge, 7 Transporter, 7 PKW, Arbeitsbühne, 2 Kehrmaschinen, 2 Mähfahrzeuge, Kommunalwagen, 5 Schlepper  

Verantwortungsbereich: 120 Kilometer Straße

Fläche: Das Stadtgebiet Bad Wildungen umfasst 120 Quadratmeter

Text: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Bauhof/Stadt Bad Wildungen

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