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Interview-Reihe: Für Pellenc stehen Akkuleistung sowie Kundengesundheit an oberster Stelle

Schon seit Jahren setzt das französische Unternehmen auf akkubetriebene Geräte. Im Mai kommt ihr bislang stärkster Akku auf den Markt. Doch noch sind nicht alle Kunden von der Leistung ihrer Laubbläser, Rasenmäher und Co. überzeugt.

Von: Jessica Gsell

In den Unternehmen wird getüftelt, geforscht und entwickelt. Die Ergebnisse dieser Arbeiten werden der Öffentlichkeit oft auf den Messen zum allerersten Mal vorgestellt. Doch kommen die Neuheiten auch wirklich bei den Kunden an? Wie viele der Produkte wurden bislang verkauft? Und welcher Kundenkreis findet Gefallen an den Innovationen? Um diese Fragen zu klären, lassen wir in unserer Interview-Reihe in den kommenden Monaten einige Firmen zu Wort kommen. Dieses Mal ist es der Erfinder von akkubetriebenen Geräten und Werkzeugen: das französische Unternehmen Pellenc. Seit mehr als zehn Jahre wird hier bereits in die Forschung und Entwicklung der „grünen“ Technologie investiert. Wir sprachen mit Alexander Hertweck, Vertriebs- und Key-Account-Leiter von Pellenc – der zudem das Deutschland-Geschäft mitbegründet und aufgebaut hat – über den neuesten Akku-Typ der im Mai auf den Markt kommt sowie die immer noch verhaltenen Kaufentscheidungen der Kunden. Außerdem haben wir uns vom Experten erklären lassen, welche Faktoren eigentlich einen qualitativ hochwertigen Akku ausmachen.

Herr Hertweck, seit 2004 investiert Pellenc in die nachhaltige Entwicklung von „grünen“ Technologien und ist damit führender Hersteller von akkubetriebenen Geräte im Bereich der Grünflächenarbeit. Was zählt bei Ihnen derzeit zu den Neuheiten im kommunalen Bereich?

Die neueste Erfindung, die wir eingereicht haben, werden wir auf der Demopark vorstellen: unseren leistungsstärksten Akku ULiB 1500. Einen Prototyp hatten wir schon auf der GalaBau im vergangenen Jahr mit dabei. Der neue Akku überzeugt durch eine Reihe von Vorteilen: Mit seinem 1527-Watt-Speicher hat er die bislang höchste Energiedichte. Damit bringt er 50 Prozent mehr Kapazität und somit Speicher als sein größter Vorgänger-Akku ULiB 1100. Das wirkt sich auf die Laufzeit aus, die dann 50 Prozent länger hält. Ein Bauhofmitarbeiter kann mit dem neuen Akku also den ganzen Tag mit seinem Laubbläser arbeiten, ohne ihn dazwischen aufladen zu müssen. Neu ist auch sein Trägergurtsystem, das in Zusammenarbeit mit Experten aus dem Bereich des Extremwanderns entwickelt wurde. Außerdem ist er gänzlich Spritzwasser und Wetter geschützt – und das ohne irgendein weiteres Zubehör. Er besitzt außerdem eine extrem lange Lebensdauer von mindestens 1.300 Ladezyklen, was einer täglichen Nutzung über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren entspricht. Der neue Akku kann für alle bereits vorhandenen Pellenc-Geräte eingesetzt werden. Im Mai kommt das Produkt – erst einmal in begrenzter Stückzahl – in den Verkauf.

Wieso liegt Ihr Augenmerk ausschließlich auf akkubetriebenen Geräten?

Hierfür gibt es zweierlei Gründe: Zum einen sind wir sehr stark im Bereich des Weinbaus vertreten. Um die Reben zu schneiden, benutzte man hier bis in die Mitte der 80er Jahre pneumatische Druckluftscheren. Danach hat man angefangen, Akku-Rebenscheren zu verwenden. Mit Akkus sind diese Geräte endlich portabel, d.h. man kann überall damit hin, ohne ständig ein lästiges Kabel hinter sich her schleifen zu müssen. Seit den 2000er Jahren setzt sich diese Technologie immer stärker in diesem Bereich durch, so dass die pneumatischen Druckluftscheren immer mehr verschwinden. Der zweite Grund liegt im Bereich der GalaBau- und Landschaftstechnik. Ein besonders großes Thema ist hier die Lärmbelästigung. Geht es nach der Bundesemissionsschutzverordnung und der Vorschrift des jeweiligen Bundeslandes, dann dürften unsere Kunden pauschal gesagt viele der Benzingeräte nur in den Zeiträumen von 9 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr nutzen. Unsere Kunden müssen aber durchgehend arbeiten können. Deshalb sind unsere Akkus ein Segen: Es ist schon um einiges angenehmer, wenn die Geräte nur noch so laut wie ein Fön sind. Außerdem sind Arbeitgeber im Bereich der gärtnerischen Tätigkeiten verpflichtet, darauf zu achten, dass ihre Mitarbeiter keinen Gefahrenstoffen ausgesetzt sind. Bei benzinbetriebenen Geräten ist das mit dem Abgas aber eindeutig der Fall. Mit akkubetriebenen Geräten dagegen gibt es weder Lärm, noch Vibrationen und eben auch keine Abgase.

Wo in Europa sind Ihre Produkte am gefragtesten?

Im vergangenen Jahr haben wir mit unseren Akkugeräten weltweit einen Umsatz von 44 Millionen Euro gemacht. Deutschland ist dabei das viertstärkste Absatzland von Pellenc. Noch weiter vorne liegen nur Italien, Spanien und Frankreich auf Platz 1. 70 Prozent unserer Produkte werden in Europa vertrieben. Bei uns in Deutschland ist der Kommunalbereich am stärksten – er macht 80 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Damit landen wir, im Vergleich zu den vier anderen europäischen Ländern, auf dem 2. Platz – gleich hinter Frankreich. Die restlichen 20 Prozent des Umsatzes in Deutschland macht dann noch der Weinbau aus. In Frankreich, Italien und Spanien werden dagegen mehr Geräte für den Weinbau als für den Kommunalbereich verkauft. Vor allem unsere Rebenscheren sind hier sehr beliebt.

In Deutschland ist der Umsatz im Kommunalbereich am stärksten. Bedeutet das im Rückschluss, dass akkubetriebene Geräte bei uns immer beliebter werden?

Das ist von Kunde zu Kunde verschieden. Sehr viele sind froh darüber, dass es akkubetriebene Geräte gibt – vor allem auch für die eigene Gesundheit. Aber auch viele sind noch skeptisch bezüglich der Leistung. Deshalb bieten wir den Kunden an, die Geräte vor dem Kauf selbst zu testen. Schließlich wollen wir ja nicht, dass sie die Katze im Sack kaufen. Ein Problem ist, dass kaum keiner der anderen Hersteller von akkubetriebenen Geräten die Leistung der Akkus angibt. Oft erfahren Kunden von den Akkus nur die Voltzahl. Diesen Wert beziehen sie dann auf die Leistung des Gerätes. Das ist aber falsch! Nicht allein die Voltzahl ist für die Leistung ausschlaggebend, sondern auch die Amperezahl. Schließlich geht es nicht nur um die Spannung, sondern viel mehr auch um den maximalen Strom, der am Ende rauskommt.

Es herrscht also immer noch eine gewisse Skepsis gegenüber der Leistung von Akkugeräten. Wie sieht es mit den Kunden aus, die sich für Ihre Produkte entschieden haben. Welche Rückmeldungen erhalten Sie hier?

Grundsätzlich ist es so: Wer einmal mit unseren Akku-Geräten gearbeitet hat, will nie mehr zum Benziner zurück. Wenn wir unsere Vorführungen machen, haben wir im Anschluss daran immer sehr hohe Absatzquoten. Von den Teilnehmern bekommen wir an diesen Tagen dann immer sehr gute Rückmeldungen. Allerdings wird im Vorfeld der Vorführungen auch immer wieder die Leistung der Akkugeräte kritisiert. Oftmals heißt es von den Anwesenden, man hätte bereits Akkugeräte ausprobiert, doch diesen fehle es einfach an Power. Auf Nachfrage stellt sich oft heraus, dass es sich dabei nicht um unsere Produkte handelt und die Geräte von Pellenc sogar bis dato unbekannt waren. Und dann gibt es immer auch Kommunen, die nicht verstehen wollen, dass sie die Kosten für die Anschaffung eines Akkugerätes über den eingesparten Sprit wieder reinholen. Das kann man ihnen sooft vorrechnen, wie man will.

Wenn wir schon beim Thema Kaufen sind: Welche Faktoren zeichnen nun eigentlich einen hochwertigen Akku aus?

Hier muss der Kunde mehrere Dinge beachten: die Anzahl der Ladezyklen, die Ausgangsleistung des Akkus bzw. der Werkzeuge, aber auch die Spannung. Außerdem ist die Lagerfähigkeit der Akkus wichtig sowie der Schutz gegen Tiefenentladung. Am besten errechnet man die Wirtschaftsleistung des Akkus indem man die Anzahl der Ladezyklen mit der Anzahl der Wattstunden multipliziert und diese Summe dann durch den Kaufpreis dividiert.

Sind Ihrer Meinung nach emissionsfreie Geräte und Maschinen die Technologie der Zukunft?

Glauben Sie, dass nach 16/17 Jahren, die Entwicklung von Ionen-Akkus aufhört? Ich auch nicht! Lithium-Ionen-Akkus waren der Einstieg in eine neue Technologie. Davor durfte man Akkus erst dann laden, wenn sie ganz leer waren – man denke nur an die ersten Handys.  Und jetzt stellt man sich einen Bauhofmitarbeiter vor, dessen Akku am Laubbläser am Abend nur noch 20 Prozent anzeigt, den er aber nicht aufladen darf. Da kann er dann am nächsten Tag um 9 Uhr Feierabend machen. Jahre lang gab es dafür keine Alternativen. Bis heute, mit den leistungsstarken Akkus. Und hier wird auch weiter geforscht.

Dürfen Sie verraten, an welchen Neuheiten Pellenc derzeit forscht? Auf welche Produkte können sich die Kunden in naher Zukunft freuen?

Wir wollen auch in Zukunft immer noch stärkere Zellen für die Akkus entdecken. Nicht ohne Grund arbeiten wir in der Entwicklung mit Panasonic zusammen. Deshalb bekommen wir auch Zugang zu Zellen, an die viele unserer Mitbewerber nicht herankommen. Neben unserem Akku haben wir außerdem auch einen neuen Rasenmäher entwickelt: den RASION Easy. Er kommt ebenfalls im Mai in den Verkauf. Der Rasenmäher ist vor allem auch für den Einsatz in Kommunen gedacht. Er überzeugt durch sein geringes Gewicht von nur 25kg – und das bei einer Schnittbreite von 60cm. Außerdem erleichtern die Zero-Turn-Vorderräder sowie der Rückwärtsgang das Mähen ungemein.

Interview: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Pellenc

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