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Nach Bauhof-Feuer: In Michelfeld werden gemeinsam die Ärmel hochgekrempelt

September 2016 brennt der Bauhof in der baden-württembergischen Gemeinde nieder. Obwohl Michelfeld vor dem Nichts steht, krempeln die Verantwortlichen die Ärmel hoch. Bis im Bauhof allerdings wieder Normalität einkehrt, wird es noch etwas dauern

Viele Jahre voller Arbeit waren nötig, um den zentralen Gemeindebauhof in Michelfeld auszubauen – vieles davon geschah in Eigenleistung der Bauhofmitarbeiter. Doch ein Tag reichte aus, um diese Mühen zunichte zu machen. Es ist der 11. September 2016: An diesem Sonntag geht beinahe das gesamte Areal des Bauhofs in Flammen auf. Verletzt wird glücklicherweise niemand. Doch der Gesamtschaden ist enorm: rund 1,8 Millionen Euro. Laut den Ermittlungsarbeiten der Kriminalpolizei könnte ein Defekt an einem technischen Gerät des Fuhrparks der Auslöser für das Feuer gewesen sein. Von jetzt auf gleich steht die Gemeinde ohne Bauhof da.

Auch ein gutes halbes Jahr später erinnert sich Bürgermeister Wolfgang Binnig noch genau an jenen schicksalhaften Sonntag: „Es war einfach nur schlimm, mitansehen zu müssen, wie das Bauhofgebäude in Vollbrand stand.“ Schnell sei klar gewesen: Hier gibt es nichts mehr zu retten. „Bereits im Verlauf des Einsatzgeschehens an diesem Sonntagnachmittag wurde mir die Tragweite für die Gemeinde bewusst – vor allem die folgenschwere Konsequenz, dass wir am Montagmorgen vor dem Nichts stehen werden“, berichtet der Bürgermeister. Denn der Brand zerstörte nicht nur das Bauhofgebäude bis auf die Grundmauern, sondern auch so gut wie alle Einsatzfahrzeuge samt technischer Geräte sowie Werkzeuge und Arbeitsmaterialien. Da der Bauhof zudem als Lager für das gesamte Veranstaltungsequipment der Gemeinde diente, wurde dieses ebenfalls ein Opfer der Flammen. Ebenso erging es den Materialien, die für laufende Investitionen auf dem Areal zwischengelagert wurden – wie beispielsweise Spielgeräte für den Kindergarten. Einzig und allein die wenigen Fahrzeuge, die sich in einer angrenzenden Halle befanden, blieben vom Feuer verschont – darunter ein Schneepflug, zwei Anhänger und ein Aufsitzmäher.

Ein provisorischer Fuhrpark musste her

Obwohl die Lage zunächst recht aussichtslos erschien, steckte man in Michelfeld nicht einfach den Kopf in den Sand. Im Gegenteil: Gleich am darauffolgenden Montag entwickelten Bürgermeister, Kämmerin sowie Bauhofleiter gemeinsam einen Maßnahmenplan für die kommenden Monate. „Die größte Herausforderung war die Wiederherstellung, Aufrechterhaltung und Stabilisierung des laufenden Betriebs der gesamten kommunalen Infrastruktur – und das, ohne eine entsprechende Ausstattung an Fahrzeugen, Maschinen sowie Arbeitsmaterialien und -geräten“, fasst Binnig noch einmal die Problematik zusammen. „Obwohl noch Sommer war, mussten wir beispielsweise schon an den Winterdienst denken, um diesen entsprechend der gesetzlichen Verpflichtungen auch leisten zu können.“ Die Gemeinde richtete im ehemaligen Feuerwehrmagazin, im Untergeschoss des Rathauses, kurzfristig einen provisorischen Stützpunkt für den Bauhof ein. Unterstützung erhielten die Baden-Württemberger aber auch von außerhalb: Ohne darum bitten zu müssen, stellten ihnen die Stadt Schwäbisch Gmünd einen Kastenwagen und die Gemeinde Obersulm einen 7,5-Tonnen-Kipper sofort kostenlos zur Verfügung. „Die Fahrzeuge sind bis heute im Einsatz und leisten uns wertvolle Dienste“, berichtet der Bürgermeister dankbar. Bislang musste lediglich ein VW-Caddy, als Einsatzfahrzeug für den Klärwärter, gekauft werden. Die restlichen Fahrzeuge für den Aufbau eines provisorischen Fuhrparks – darunter ein Fendt Vario 313 Profi, ein Fendt Vario 208 V (Schmalspur) sowie ein Mercedes-Benz Unimog Kommunal – wurden zunächst angemietet. Kostenpunkt: rund 10.000 Euro pro Monat. Die Maschinen wurden vorübergehend im neuen Feuerwehrhaus untergestellt.  

Auf diese Weise war es dem Gemeindebauhof Michelfeld recht schnell möglich, die turnusmäßigen Mäharbeiten und Pflegemaßnahmen von Grünanlagen sowie an den öffentlichen Bereichen, Gebäuden und Einrichtungen wiederaufzunehmen. Und auch hier standen die Bauhöfe umliegender Gemeinden und Städte den Michelfeldern tatkräftig zur Seite, beispielsweise beim Unterhalt der Sportplätze auf dem Freisportgelände. Im darauffolgenden Winter übernahm der Werkhof der Stadt Schwäbisch Hall die Winterdienstarbeiten auf den Straßenflächen im Gewerbegebiet Kerz, das direkt an eines ihrer eigenen Gewerbegebiete grenzt. „Die Geh- und Radwegbereiche sind weiter von uns selbst geräumt und gestreut worden“, berichtet Binnig. Um weitere Bereiche kümmerte sich die Straßenmeisterei des Landkreises Schwäbisch Hall – in Fortführung der Tätigkeiten an den dortigen Kreisstraßen.

Volle Einsatzfähigkeit frühestens Mitte 2018

Und wie sieht die Situation ein halbes Jahr später aus? Sämtliche Details zu den Rahmenbedingungen der Schadensregulierung konnten zum Jahresende 2016 mit der zuständigen Versicherung geklärt werden. „Nach Abwägung aller relevanten Aspekte hat die Verwaltung dem Gemeinderat einen Wiederaufbau des Gemeindebauhofs am bisherigen Standort vorgeschlagen“, erzählt Binnig. Der Planungsauftrag für das neue Bauhofgebäude wurde zwischenzeitlich erteilt. „Wir hoffen, dass das Gebäude bis Ende 2017/2018 weitestgehend fertiggestellt ist“, sagt der Bürgermeister. Parallel zur Gebäudeplanung befasst sich die Gemeinde derzeit mit grundsätzlichen Überlegungen zu den zukünftigen Betriebsabläufen und den dazu notwendigen Fahrzeugen, Maschinen und Geräten. Die Beschaffung soll zwar schrittweise, aber auch recht zügig erfolgen. Schließlich müsse man bei modernen Kommunalfahrzeugen stets eine lange Lieferzeit miteinberechnen. Normalität wird allerdings erst dann einkehren, wenn das neu erstellte Bauhofareal mit der gesamten Ausstattung wieder voll einsatzfähig ist und sich auch die Betriebsabläufe eingespielt haben. Die Prognose des Bürgermeisters: „Damit rechne ich allerfrühestens bis Mitte 2018.“

Fakten zum Bauhof Michelfeld (einschließlich Hausmeister und Klärwärter)

Mitarbeiter/-innen: 12, davon 9 in Vollzeit, eine zu 70 Prozent und 2 geringfügig Beschäftigte (Hausmeister sowie Aufsicht Sammelplatz Baum-/Strauchschnitt)

Aufgaben: Betrieb, Unterhalt, Pflege und Bestandserhalt von Straßen, Wegen, Plätzen (auch Winterdienst), Spiel-/Bolzplätze (allein 10 Spiel- und Bolzplätze, 2 Boulbahnen), Grünanlagen, Freisportanlagen (2 Naturrasen- sowie 1 Kunstrasenspielfeld, Beachvolleyballanlage, Kleinspielfeld mit Leichtathletikanlagen), Hallen (Sporthalle, 2 Mehrzweckhallen, Sportheim mit Gymnastikhalle), Kindertagesstätten (3 Standorte mit großen Außenspielbereichen), Grundschule (mit großem Bewegungsspielbereich im Außengelände), Rathausgebäude, 4 Wohngebäude, Bauhofareal Erlin, 3 Feuerwehrhäuser sowie 2 Gerätemagazine, 2 Dorfgemeinschaftshäuser, 5 Friedhöfe sowie 3 Aussegnungsgebäude, 3 Kläranlagen, 6 Pumpwerke sowie 11 Regenrückhalte-/-überlaufbecken, 21 km Kanalnetz, örtliche Wasserversorgung mit 20 km Wasserleitungen sowie 2 Obdachlosen-/Flüchtlingsunterkünfte. 

Fuhrpark (wurde durch den Brand zerstört): 3 Schlepper inklusive Winterdienstausrüstung (Fendt Vario 516 Kommunal, Fendt Vario 410 Kommunal, Fendt 250 K Kommunal), 5 Transporter/Pkw (VW T5 Pritsche, VW T5 Kipper, VW T5 Transporter, VW Caddy, Piaggio Quargo Kipper), Amazone Profihopper, 2 Aufsitzmäher, Frontkehrmaschine, 2 Mulchgeräte, 7 Rasenmäher, 4 Motorsensen, 2 Laubbläser, Hochentaster, Komplettset Pellenc (Laubbläser, Heckenschere, Ladegerät).

Verantwortungsbereich: Die Mitarbeiter des Bauhofs kümmern sich außerdem um rund 13 Kilometer Gemeindeverbindungsstraßen.

Fläche: Die Gemeinde Michelfeld hat eine Größe von 3.522 Hektar, bei einer Höhenlage von 354 bis 509 m über NN.

Text: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Gemeinde Michelfeld/Ufuk Arslan

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