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BAUHOF PORTRÄT Hall in Tirol: Winterdienst zwischen den Bergen

Eisige Winde, starker Schneefall aus den Bergen und überfrierende Nässe: Winterdienst ist in einer Umgebung wie in Hall in Tirol nicht immer einfach. Deswegen hat das örtliche Umweltamt einige interessante Organisationskonzepte gewählt, um dennoch am Ball zu bleiben.

 

Lesedauer: min | Bildquelle: Tim Knott
Von: Tim Knott

Wenn man sich mit den Bauhofleitern der Norddeutschen Tiefebene unterhält, wird Österreich und besonders Tirol immer wieder mit einer gewissen Ehrfurcht genannt: „Da unten“ sei ja noch „richtig Winter“, also eine Herausforderung für jeden Verantwortlichen. Vor Ort ist vom Winterwonderland allerdings nicht viel zu sehen. Zwar sind die Gipfel auf beiden Seiten des Inntals schneebedeckt, in Hall herrschen dagegen fast schon frühlingshafte Temperaturen. „Dabei hatten wir schon einiges an Schnee, aber es ist vor kurzem alles weggeschmolzen“, berichtet Michael Neuner, der Leiter des Umweltamtes Hall in Tirol. Doch dass in diesem Jahr noch etwas herunterkommt, sei ebenfalls sicher. Neuner ist unter anderem für den Winterdienst der österreichischen Gemeinde verantwortlich. Denn verglichen mit anderen Kommunen hat die Stadt in den Bergen eine andere Organisationsform, wenn es um die Bewältigung kommunaler Aufgaben geht. „Das Umweltamt führt den gesamten Außendienst der Stadt Hall“, berichtet er. Deswegen kommen beim Winterdienst nicht nur der Bauhof, sondern auch das Personal des städtischen Recyclinghofes und der Stadtgärtnerei zum Einsatz. So findet zwischen den drei Betrieben bei zahlreichen Aufgaben eine hohe Zusammenarbeit statt. „Das geht dann vom Winterdienst bis zur Veranstaltungsbetreuung“, betont Neuner. „Immerhin haben wir hier in Hall um die 50 Feste im Jahr.“

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Fahrzeug-Auslastung: rund um die Uhr im Einsatz

Eine Veranstaltung steht zurzeit glücklicherweise nicht an, sodass genug Zeit für eine Besichtigung des örtlichen Bauhofes verfügbar ist. Dort überprüft Bauhofleiter Anton Gstreinthaler gerade die Fahrzeuge des Betriebs und deren Anbaugeräte. „Unser Ziel ist es, die Autos rund um die Uhr auszulasten“, erklärt der Tiroler. Besonders versuchen die Kommunalexperten dabei, Synergien zwischen den Betrieben des Umweltamtes auszunutzen. Deswegen werden Maschinen auch vermehrt ausgeliehen. „Dadurch gewinnen wir vor allem an Flexibilität“, wirft der Leiter des Umweltamtes ein. Diese entsteht zusätzlich durch ein sorgfältig ausgewähltes Anbaugeräte-Portfolio und entsprechende Umbauten, die die Angestellten des Betriebs auch mehrfach selbst übernehmen. „Und da muss ich sagen, ich bin schon stolz auf meine Mannschaft. Darauf, dass sie rege untereinander kommunizieren und so viel Know-How mitbringen, dass wir unsere Pläne umsetzen können.“

Denn trotz geteilter Pflichten mit Recyclinghof und Stadtgärtnerei ist der Bauhof vor allem eins: ein Kompetenzzentrum. Das wird klar, als Gstreinthaler durch den Betrieb führt. Tischler werkeln hier an Möbeln für die neuen Büros im Umweltamt, in der Schlosserei werden die Demontagen der städtischen Weihnachtsdekorationen geplant und der Maler hat alle Hände voll damit zu tun, die Bänke der Stadt für den Frühling aufzuarbeiten.

Doch nicht nur beim Alltäglichen, auch bei Naturkatastrophen kommt das Umweltamt zum Einsatz, sogenannten „Ereignissen“, wie Neuner sie nennt. Und die werden häufiger, da sind sich die beiden Verantwortlichen einig. „Wir haben es jetzt schon mehrfach gehabt, dass das 30-jährige Hochwasser alle fünf Jahre eingetreten ist und nicht alle 30“, erinnert sich Neuner. Erst im vergangenen Jahr seien die Leute des Bauhofs bei Hochwasser als Unterstützung der Feuerwehr zum Einsatz gekommen. „Da haben wir dann an die 15.000 Sandsäcke gefüllt.“ Für Notfälle sind aber auch auf dem Bauhof zahlreiche Sandsäcke für den Überflutungsschutz auf Lager. Immerhin muss es im Ernstfall schnell gehen.


 

Winterdienst: wenn es schneit, dann richtig

Doch zurück zu dem, wofür alle Nordlichter das Inntal beneiden: dem Schnee. Trotz des frühlingshaften Ersteindrucks ist der winterliche Niederschlag hier immer noch relevant. „Wenn es richtig stark schneit, sind die Leute zwei bis drei Tage beschäftigt“, berichtet Neuner. So etwas komme im Schnitt zweimal pro Jahr vor, wobei die Experten je nach Schneemenge auch länger räumen müssen. „Als es am schlimmsten war, mussten wir mal sechs Tage räumen. Alles, was wir weggeschoben haben, war am nächsten Tag wieder da.“

Beim Winterdienst kommen drei Großfahrzeuge und sieben Kleintraktoren zum Einsatz. „Die Kleinmaschinen machen die Gehsteige und die Verbindungswege, und die drei Großen räumen das Stadtgebiet.“ Allerdings gebe es auch kurzfristig die Möglichkeit, mehrere Maschinen zu organisieren, wenn die Schneemassen zunehmen. Wesentlich problematischer als der Schnee sei allerdings auch hier das Eis. Besonders in letzter Zeit komme es öfter vor, dass die Temperaturen bei Nacht um die minus zwei Grad und tagsüber bei plus zehn lägen. „Das sind eigentlich die schlechtesten Bedingungen. Tagsüber taut es und nachts gefriert das Wasser dann auf unseren Straßen.“ Resultat ist eine zusätzliche Tour für die Winterdienst-Experten.

Bei der Auswahl der Streumittel bleiben die Tiroler traditionell. Gehwege werden hier mit Splitt, die Straßen mit Salz behandelt. Eine Feuchtsalz-Ausbringung war auch im Gespräch, aber „letzten Endes hätten wir den gesamten Fuhrpark ändern müssen, von allen Streuern über das Silo. Das wäre ziemlich teuer gewesen und alle Geräte wären danach doppelt vorhanden. Ich möchte einen FS-Einsatz für die Zukunft aber auch nicht ausschließen, weil der Umweltgedanke und die Möglichkeiten immer größer werden“, erklärt Neuner. Klingt so, als ob er mit seinem Geräte-Portfolio zufrieden ist. Als wunschlos glücklich möchte sich der Leiter des Umweltamtes dann aber doch nicht bezeichnen. „Das sind wir nie“, winkt Neuner ab. Für 2024 steht noch ein Schlepper und eine PV-Anlage auf dem Programm. Platz für Verbesserungen ist nämlich immer.

 

Fakten zum Umweltamt Hall in Tirol:

Leitung Umweltamt: Michael Neuner

Leitung Bauhof: Anton Gstreinthaler

Aufgaben des Bauhofes: Straßensanierung, Grünpflege, Spielplatzkontrolle, Reparatur Parkanlagen, Straßenreinigung, Betreuung von Veranstaltungen, Friedhofspflege, Sportplatzpflege

Verantwortungsbereiche: 76 Kilometer Straßen, 58 Kilometer Gehwege, 5 Sportplätze (2 x Rasenplätze, 2 x Multifunktionssportplätze, 1 x Skaterpark), diverse Grünflächen

Fuhrpark: Div. Pkw-Transporter, div. Traktoren (Kubota, Steyr, Fendt), div. Kleintraktoren (Kubota, Toyota, Hakotrakk) Bokimobil, Caterpillar-Radlader IT14G, 3 x Kubota-Mäher, Schmidt Swingo-Kehrmaschine, Steyr Traktor Profi 4145cvt, Renault Duki, Lkw MAN-Dreiachser, 2 x Klein-Lkw

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