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Bauhof Michelfeld: in neuem Kleid am alten Platz

Nachdem das alte landwirtschaftlich geprägte Gebäude im September 2016 den Flammen zum Opfer fiel, wird ab sofort die Arbeit in modernen Hallen verrichtet

Von: Michael Loskarn

Als schwarzer Tag ist der 11. September 2016 in die Annalen der baden-württembergischen Gemeinde Michelfeld eingegangen. Bis auf die Grundmauern brennt das Bauhof-Gebäude –ein ehemaliger Bauernhof – an jenem Sonntagnachmittag herunter. Tags darauf ist das Dorf unfähig, seine kommunalen Pflichten zu erfüllen. Zwar unterstützen die Stadt Schwäbisch Gmünd und die Gemeinde Obersulm spontan und „auf kleinem Dienstweg“ mit Fahrzeugen. Trotzdem sagt Bürgermeister Wolfgang Binnig knapp drei Jahre später: „Es war ein Kraftakt. Da kann Ihnen kaum jemand so richtig helfen. Es gab auch keine Erleichterungen. Dieses Mega-Großschadens-Ereignis hat uns bis zur Einweihung und darüber hinaus belastet.“

Mit der Einweihung des neuen Bauhofareals an altem Platz geht am 20. Juli zwar ein knapp drei Jahre andauernder Kraftakt zu Ende: Erstmals ist die Gemeinde am 22. Juli „wieder voll handlungsfähig“. Allein, die Wunden sind tief, die das Unglück bei den Verantwortlichen hinterlassen hat: „Wir haben uns mit Provisorien beholfen“, erinnert Binnig und spricht von einer „großen logistischen Herausforderung“ und davon, dass bei der Öffentlichkeit „schnell das Verständnis gewichen“ sei. Sobald das Unglück aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt war, hätten die „Forderungen“ an das kommunale Bauhof-Team sowie an die Verwaltung sofort wieder „bei 100 Prozent“ gelegen. Dies sei zwar zurecht geschehen, dennoch gab der Bürgermeister an dieser Stelle erneut zu bedenken, „dass wir erst mit dem neuen Bauhofareal wieder voll handlungsfähig sind“.

„Die Million odendrauf musste aufgefangen und die Prioritäten für die weiteren auf der Agenda stehenden Projekte neu gesetzt werden“,
sagt Wolfgang Binnig über die finanzielle Belastung durch den Brand.

Derweil geriet der Weg zur erneuten Handlungsfähigkeit zu einem äußerst steinigen: „Erst im August 2017 war die Schadensregulierung mit der Versicherung abgeschlossen“, führt Binnig aus. Bereits am 27. September des Jahres anerkannte der Gemeinderat die Gesamtplanung des neuen Bauhofareals in Erlin – rund zwei Millionen Euro Investitionsvolumen, exklusive Fuhrpark. Lediglich 962.000 Euro gibt’s von der Versicherung. Deshalb musste die Verwaltung Michelfelds „in der Finanzplanung Prioritäten setzen, die bitter sind“. Beispielsweise rückten die notwendigen Modernisierungen des Bürgerhauses und der Mehrzweckhalle in der Prioritätenliste nach unten. Ebenso wurde die Modernisierung und Erweiterung des Rathauses hintenangestellt. Die erforderliche Erweiterung und Modernisierung der Grundschule wird trotz allem nun parallel gestemmt. Und, was die „Million obendrauf“ angeht, so muss diese irgendwie „aufgefangen werden, bis wir Luft haben, um ein neues Großprojekt aufs Gleis zu setzen“, so der Schultes.

Was das neue Bauhofareal in Erlin betrifft, so hat die Gemeinde gar angrenzende Grundstücksflächen von Privatleuten erworben, um den Funktionskomplex in industrieller Bauweise so gestalten zu können, dass er für die „nächsten 50 Jahre“ passt. „Uns war klar, wir wollen eine nachhaltige und tragfähige Lösung, mit der zumindest eine Generation nichts mehr zu tun hat“, ordnet Binnig den Beschluss zum kostenintensiven Neubau ein. Nach der Winterpause erfolgt im März 2018 die Erschließung. Mit der feierlichen Grundsteinlegung am 27. April wird ein wichtiger Meilenstein im Michelfelder Millionenprojekt erreicht. Danach geht es Schlag auf Schlag. Ein Arbeitskreis – Bürgermeister Binnig und Kämmerin Melanie Frey-Schmidt von der Verwaltung sowie Bauhofleiter Andreas Ewert, Architekt Gerhard Schambach aus Michelfeld sowie drei benannte Gemeinderäte – legt dem Gemeinderat die Planungsvorschläge vor. Alle drei bürgerlichen Listen ziehen an einem Strang. „Ganz pragmatisch“ wird entschieden – die Vorschläge sind „Konsens im Gemeinderat“. Binnig zu den Planungen: „Wir wollten nicht wieder ein mehrgeschossiges Gebäude, ähnlich dem historischen bauen, sondern ein eingeschossiges mit größerer Grundfläche.“ 25 mal 36 Meter misst diese Grundfläche neuerdings. Satte 6.650 Quadratmeter umfasst nun das gesamte Bauhofareal – circa 2.800 Quadratmeter wurden zusätzlich erworben.


Hochkomplexe Restwert-Bestimmung des Fuhrparks

Zusätzlich zu erwerben gilt es nun noch die entsprechenden Fahrzeuge. Um die „hochkomplexe“ Thematik der Restwert-Bestimmung der durch das Feuer vernichteten Fahrzeuge im Rahmen der Wiederbeschaffung überbrücken zu können, wurden wichtige Geräte zunächst gemietet. Was die Gemeinde nun noch in Sachen Unimog, Lkw, Schlepper & Co. kaufen wird, habe aktuell der Gemeinderat zu entscheiden – selbstredend auf Empfehlung der Experten des Bauhofs und der Verwaltung. Dagegen wurde der Kastenwagen, den Michelfeld nach dem Brand von der Stadt Schwäbisch Gmünd als Geschenk erhalten hatte, zwischenzeitlich verkauft. Erlös: 1.500 Euro. Und weil es in Michelfeld eben schwäbisch-korrekt zugeht, „haben wir die Summe im vergangenen Jahr bei unserem Betriebsausflug nach Gmünd Oberbürgermeister Richard Arnold überreicht“. Von „einer tollen, emotionalen Erfahrung“ spricht Wolfgang Binnig in diesem Zusammenhang.

Ähnlich emotional verlaufen der 19. und 20. Juli. Bei ihrem Betriebsausflug nach Michelfeld haben die Vertreter der Gemeinde Obersulm am Freitag quasi die Ehre, einen Tag vor der Eröffnung das neue Betriebsgelände in Augenschein zu nehmen. Mit der offiziellen Einweihung und Inbetriebnahme geht dann am Samstag um 11.15 Uhr ein knapp drei Jahre währender Kraftakt zu Ende. An diversen Stationen präsentiert und erläutert das Bauhof-Team die vielfältigen Aufgaben des Bauhofs. Neben Kulinarischem stehen auch Spiel und Spaß im Vordergrund. Letzten Endes gewinnt Wolfgang Binnig dem schwarzen Tag von 2016 etwas Positives ab: „Jeder Schicksalsschlag ist auch mit großen Chancen verbunden.“ Diese Chancen haben die Michelfelder sichtlich genutzt.

Fakten zum Bauhof Michelfeld:

Kommissarische Leitung: Andreas Ewert
Anzahl der Mitarbeiter: zwölf; neun Vollzeitstellen, eine Teilzeitstelle und zwei Minijobs
Aufgabenbereich: Straßenunterhaltung und Reinigung, Grünflächen- und Gehölzpflege, Unterhaltung und Pflege von kommunalen Gebäuden und Einrichtungen, von vier Feuerwehrhäusern, fünf Friedhöfen, Betrieb von drei Kläranlagen, 21 km Kanalnetz, 20 km Wasserleitungen, zwei Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte, zwei Dorfgemeinschaftshäuser, drei Kindertagesstätten
Ausstattung des Fuhrparks bzw. wiederbeschaffte Schlüsselmaschinen: Fendt Vario 313 Kommunal-Schlepper, Fendt 208 K Kommunal-Schlepper, VW T5 Pritsche, VW T5 Kipper, Opel T5 Transporter, VW Caddy, Piaggio Quargo Kipper, zwei Aufsitzmäher, eine Frontkehrmaschine, zwei Mulchgeräte
Verantwortungsbereich: Die Mitarbeiter des Bauhofs kümmern sich außerdem um rund 13 Kilometer Gemeindeverbindungsstraßen.
Fläche: Die Gemeinde Michelfeld dehnt sich auf einer Fläche von 3.522 Hektar aus, bei einer Höhenlage von 354 bis 509 Meter über NN. Rund 6.650 Quadratmeter umfasst das Bauhofareal.

Text: Michael Loskarn – Redaktion Bauhof-online.de
Fotos: Arslan (3), Manfred Wolf (4) sowie Gemeinde Michelfeld

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