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KommTec live: Eine Messe mit Potenzial

Knapp 930 Fachbesucher nehmen an der Premiere in Offenburg teil. Aussteller und Besucher zeigen sich recht zufrieden, sehen hier und da aber noch Verbesserungsbedarf.

Von: Jessica Gsell

Wie heißt es so schön: Jeder fängt mal klein an, auch eine Kommunalmesse. Und so öffnete die KommTec live mit mehr als 80 Ausstellern kürzlich zum ersten Mal ihre Tore. Von der Neugier gepackt zog es knapp 930 Fachbesucher – größtenteils aus Baden-Württemberg – auf das Offenburger Messergelände, wo sie sich zwei Tage lang über kommunale Technik, Maschinen und Geräte informieren konnten. Das Einsatzspektrum reichte dabei vom Winterdienst über die Grünflächenpflege bis hin zur Straßeninstandhaltung. Parallel zur Kommunalmesse fanden zahlreiche Fachvorträge mit Dozenten der Akademie Dr. Obladen statt, die sich unter anderem mit den verschiedenen Methoden der chemiefreien Wildkrautbekämpfung, dem Winterdienst oder Unterflursystemen beschäftigten. Daneben wurde ein separater Abwasserkongress veranstaltet.  

„Die Messe war ganz gut. Wir hatten einige gute Kundenkontakte“, berichtet Stephan Ackermann von den Reform-Werken. Gleich auf zwei Standflächen im Freigelände – ihrer eigenen sowie beim Handelsunternehmen Spinner GmbH Kommunal- und Umwelttechnik gegenüber – präsentiert der österreichische Hersteller seine umfangreiche Produktpalette bestehend aus Transportern, Schmalspurfahrzeugen, Friedhofsbaggern, Motormähern und dem neuen Hybrid-Geräteträger Metron. Offenburg als Standort für eine weitere Kommunalmesse in Deutschland zu etablieren, sieht Ackermann als gar nicht so verkehrt an: „Im Südwesten gibt es keine solche Messe. Und die GaLaBau in Nürnberg ist vielen dann oft zu weit.“ Doch gerade bei der grenznahen Lage von Offenburg hätte sich Ackermann mehr Werbung in Richtung Frankreich und Schweiz gewünscht. Nur ein Stück weiter bei der Hänsch Warnsysteme GmbH zeigt man sich ebenfalls zufrieden. „Bei uns am Stand waren lauter Fachbesucher, viele von ihnen aus dem kommunalen Bereich“, sagt Raffaele Tascillo. Und die interessieren sich vor allem für die verschiedenen LED-Kennleuchten sowie die flachen Balkenanlagen. Die hohe Qualität der Besucher bestätigt auch das Unternehmen Roadplast, das ihre Produkte zur nachhaltigen Asphalt- und Straßensanierung vorstellt. „Es ist eine überschaubare, aber interessante Messe“, fasst Emanuel Mohr zusammen. Allerdings wünscht auch er sich beim nächsten Mal eine noch aktivere Bewerbung der KommTec live.    

Veranstaltungstage überdenken

Im Verhältnis zur Größe der Messe sei die Besucherzahl zwar normal gewesen, dennoch hat sich das Unternehmen Zacho noch mehr Kundschaft erhofft, dem es seine Geräte zur thermischen Wildkrautbekämpfung mit Heißluft hätte vorführen können. Ähnlich sieht es auch René Birkefeld von Energreen. Während er sich zur Eröffnung am Donnerstag noch zufrieden über das Interesse an den funkferngesteuerten Geräteträgern sowie ILF Maschinen zeigt, sieht das am darauffolgenden Tag schon anders aus, was vor allem dem – für eine Kommunalmesse ungünstigen – Wochentag geschuldet ist. „Die nächste Messe bitte nicht mehr über einen Freitag“, wünschen sich auch Tobias Löffelsend und Friedrich Graepel von GST Global Sweep Technology, die ansonsten nur lobende Worte für die KommTec live haben. „Eine gelungene Messe, für uns hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Deshalb werden wir beim nächsten Mal auch wieder teilnehmen“, sagt Löffelsend. Zur Premiere hat das Unternehmen ihre mechanisch aufnehmende Anhängerkehrmaschine, einen Tommelmüllwagen von Lorenz Spezialaufbauten sowie einen Fugenvergusskocher von Cimline mitgebracht. Und auch wenn es bei der Besucherzahl noch Luft nach oben gibt, sollte die Messe eine Chance bekommen, ist man bei GST der Meinung. „Die Messe fand jetzt zum ersten Mal statt. Man muss sehen, wie sie sich weiterentwickelt“, findet auch Michael Hartmann von Rumsauer. Für ihn ist vor allem die Region um Offenburg sehr reizvoll, da das Unternehmen mit seinen funkferngesteuerten Spider Großflächen- und Böschungsmäher hier noch nicht so stark vertreten ist.

„Bei uns am Stand waren lauter Fachbesucher, viele von ihnen aus dem kommunalen Bereich.“ (Raffaele Tascillo, Hänsch Warnsysteme GmbH)

Auf die weitere Entwicklung der KommTec live ist auch Ralph Bahle von der IRUS Motorgeräte GmbH gespannt, die zur Premiere sowohl ihre funkferngesteuerten als auch handgeführten Geräteträger mit im Gepäck haben. Es sei ein guter Einstieg mit richtigem Fachpublikum gewesen. „Ob eine weitere Kommunalmesse wie die KommTec live allerdings auch eine Zukunft hat, dass wird sich erst noch zeigen“, meint Bahle. Während Unternehmen wie beispielsweise die HEN AG auf einem eigenen Stand ihre Produktvielfalt – darunter ein schnellwechselbarer Müllsammelbehälter, aufgebaut auf einem Elektrofahrzeug, Bonetti-Fahrzeuge mit Abroll- und Laubüberladesystem, aber auch jede Menge Anbaugeräte wie die HEN-Wegepflegemaschine – ausstellen, präsentieren sich viele der Hersteller bei der Premiere der KommTec live zunächst einmal über ihre Händler aus dem Umkreis. So wie die Fiedler Maschinenbau und Technikvertriebs GmbH, die auf dem Stand von Spinner zu finden ist. Dennoch lässt es sich Geschäftsführer Stefan Fiedler nicht nehmen, sich vor Ort ein Bild von der neuen Kommunalmesse zu machen und gleichzeitig interessierte Kunden mit wichtigen Details zu seinen Geräten aus dem Bereich der Wassertechnik zu versorgen. Vor allem die Qualität der Besucher, aber auch die der Gespräche hebt Fiedler dabei hervor.

Elektrofahrzeuge Meili RETOe und ALKEˈ begeistern Besucher

Diesem Lob schließt sich auch Reiner Unkauf, Geschäftsführer des gleichnamigen Bau- und Kommunalmaschinenhändlers, an. Ein regelrechter Besuchermagnet ist hier das Elektrofahrzeug RETOe von Meili, das ständig für Probefahren seine Runden dreht. Besonders stolz ist man auf die zertifizierten, aus Österreich stammenden Batterien, die eingebettet in klimatisierten Kästen hier zum Einsatz kommen. „Es gibt auf die Batterien eine Garantie von 5.000 Betriebsstunden“, berichtet Reiner Unkauf. Der Hersteller verspricht dabei eine Einsatzzeit von acht Stunden, bei einem Normalbetrieb oder 200 Kilometer „Stop an Go“. Das zweite Elektrofahrzeug, das ebenfalls bei den Besuchern großes Interesse weckt, ist ein ALKEˈ, der in der Ausstellungshalle am Stand der Powertec Service GmbH zu finden ist. „Das Fahrzeug kann alle Anforderungen von Industrie und Kommune zu 100 Prozent abdecken“, betont Geschäftsführer Oliver Weber. Ausgestattet mit einer Lithium-Batterie schafft der Viersitzer, bei einer Fahrgeschwindigkeit von 35 km/h, eine Reichweite von bis zu 180 Kilometer.


Aber nicht nur unter den Kommunalfahrzeugen gibt es faszinierende Produkte auf der KommTec live zu entdecken: Eines davon ist der ASTIFOL® Anti-Sticker-Film der Fritz Lange GmbH. Diese hochtransparente Schutzfolie, die auf Verkehrsschilder oder andere glatte Oberflächen aufgebracht wird, ermöglich aufgrund ihres Schutzfilms eine rückstandsfreie Entfernung von Aufklebern und Stickern. „Dadurch können nicht nur die hohen Reinigungskosten eingespart, sondern gleichzeitig auch die Umwelt geschont werden“, fasst Vedat Ilgay die Vorteile zusammen. In regelmäßigen Abständen führt er den Besuchern sein Produkt vor. Ihnen gleich macht es auch die systeco Vertriebs GmbH mit ihrem Tornado ACS. Nur geht es hier nicht um das schnelle Entfernen von Aufklebern, sondern eine andere Art von „Verschmutzung“, mit der Kommunen zu kämpfen haben: Graffiti. An ihrer aufgebauten Wand demonstrieren Florian Eberhardt und Peter Schmidt die Arbeitsweise des Vakuum-Strahlverfahrens, bei dem ein speziell für die jeweilige Oberfläche ausgewähltes Strahlmittel auf die zu reinigende Fläche kommt. Die Farbpartikel lösen sich vom Untergrund und werden durch einen Filter vom Strahlmittel getrennt. Dieses kann anschließend erneut zur Ablösung der Farbe eingesetzt werden.

„Eine kleine und überschaubare Messe“

Landschaftsgärtner Michael Belzner will sich vor allem über funkferngesteuerte Geräteträger und Mähraupen auf der KommTec live informieren. Deshalb stehen bei ihm Firmen wie Energreen, Lipco und Wilmers Kommunaltechnik auf der Liste. „Ich habe im Vorfeld schon im Ausstellerverzeichnis gesucht, ob etwas Interessantes für mich dabei ist“, berichtet Belzner. Dass die KommTec live bei ihrer Erstauflage etwas kleiner ausfällt, hat sich der Landschaftsgärtner schon gedacht. „Das ist eine neue Messe, da kann man nicht gleich dasselbe erwarten wie bei einer GaLaBau oder demopark“, sagt Belzner. Gleich zu fünft hat sich der Bauhof Tiefenbronn auf den Weg nach Offenburg gemacht. „Wir dachten uns, wir probieren die Messe mal aus. Es ist auch nicht so weit zum Fahren“, sagt Bauhofleiter Ibrahim Abdallah. Das Fazit der Bauhofmitarbeiter: „Eine kleine und überschaubare Messe.“ Das sei aber gar nicht mal schlecht, schließlich bliebe so mehr Zeit für Fachgespräche und Kontaktpflege mit den Herstellern. Genau darauf sind die fünf Männer heute aus, denn in naher Zukunft muss ein Ersatz für ihren Unimog her. „Also schauen wir heute mal, was es denn so gibt“, erklärt Abdallah. Sie wollen unbedingt noch den Stand von Weber Bürstensysteme, Wacker Neuson, Reform-Werke und der Bremicker Verkehrstechnik GmbH besuchen. „Es ist nur schade, dass viele Hersteller gar nicht selbst, sondern nur über ihre Händler vertreten sind, wie z.B. Stihl“, zeigen sich die Fünf etwas enttäuscht. Ein viel größerer Knackpunkt seien dagegen die hohen Preise der Eintrittskarten, in denen der freie Zugang zu den Seminaren, bei denen Fortbildungszertifikate erlangt werden können, enthalten sind. Dies bemängelt ein Großteil der Besucher sowie zahlreiche Aussteller. Viel mehr würde es ihnen gefallen, wenn der Besuch der Seminare optional wählbar wäre. Man darf also gespannt sein, wohin sich die neue Kommunalmesse noch entwickelt. Denn wie heißt es so schön: Jeder fängt mal klein an.

Bilder: Jessica Gsell - Redaktion Bauhof-online.de

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