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SDS Schwerin: Kommunales Arbeiten im Zeichen des angehenden Weltkulturerbes

Bereichsleiter Nonno Schacht plagen massive Nachwuchssorgen

Von: Michael Loskarn

Nonno Schacht ist Pragmatiker. Seit 22 Jahren arbeitet der 58-Jährige für die Landeshauptstadt Schwerin. Wenn den Bereichsleiter Öffentliches Grün/Friedhöfe bei den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) Nachwuchssorgen plagen, dann handelt es sich nicht um Koketterie, sondern um ein ausgewachsenes Problem. „Auf bundesweite Ausschreibungen zu Sachgebietsleiterstellen erhalten wir zwischen vier und zehn Bewerbungen. Das ist nicht so die Auswahl“, zeigt sich der Sprecher der Gartenamtsleiterkonferenz Mecklenburg-Vorpommern/Schleswig-Holstein sachlich-nüchtern. Lediglich fünf bis sechs Interessierte meldeten sich auf ausgeschriebene Ausbildungsplätze.

Eine Misere, die Schacht folgendermaßen begründet: bessere Bezahlung sowie flexiblere Bedingungen wie Homeoffice, Dienstwagen oder changierende Arbeitszeitmodelle in der Privatwirtschaft. Des Weiteren sei die Angst, seinen Job zu verlieren, „ein bisschen weg“. Und, die Überalterung in der Verwaltung tue ihr Übriges. „Nach der Wende wurden viele Mitarbeiter eingestellt, dann nicht mehr, das macht sich jetzt bemerkbar“, weiß der studierte Landschaftsplaner.

Was Schacht außerdem weiß, ist die Tatsache, dass in Schwerin „unterschiedliche klimatische Bedingungen, die Verschiebung der Temperaturen und Niederschläge sowie extreme Trockenheit den SDS-Mitarbeitern derzeit Sorgen bereiten. Gar eine zeitlich verlängerte Vegetationsperiode ist in der Landeshauptstadt wissenschaftlich verbrieft: Untersuchungen der hydro & meteo GmbH & Co. KG aus Lübeck haben Ende 2018 bestätigt, dass diese rund 24 Tage länger andauert – im Vergleich zu 1961 (separater Bericht folgt). Darüber hinaus hätten in den vergangenen Jahren immer wieder „extreme Regen- oder Windereignisse“ bis hin zu Stürmen für „erhebliche Baumschäden“ gesorgt, weshalb es im Stadtgebiet häufiger zu Fällungen gekommen sei.

Umfangreiches Arsenal an Maschinen und Geräten

Neben Baumpflege und -kontrolle stehen bei den sieben „Grünpflegern“ ganzjährig jahreszeitbezogen Wechselpflanzungen sowie Staudenpflege, Gehölzflächenpflege, Rasenmahd, Wildkrautbeseitigung und Grandflächenpflege, Kontrolle und Unterhaltung der Spielplätze, der Sportplätze, der Freibäder und Badestellen, von Ingenieurs-Bauwerken, Stegen und Kunstobjekten sowie die Pflege von Biotopflächen an. Um diese Aufgaben fachmännisch erledigen zu können, verfügen die Schweriner über ein umfangreiches Arsenal an Maschinen und Geräten: zwei Kommunalschlepper (John Deere, Shibaura), drei Aufsitzmäher (zwei Iseki, ein Toro Groundmaster), fünf Handrasenmäher (Sabo 47 Pro Vario), ein Kärcher-Hochdruckreiniger, zwei Häcksler (Husmann, LGU Master II-15), neun Motor-Freischneider (Stihl FS 450), drei Akku-Freischneider (Pellenc), elf Motor-Laubbläser (Stihl), drei Akku-Laubbläser (Pellenc), vier Motor-Heckenscheren (Stihl), eine Akku-Heckenschere (Stihl), neun Motorkettensägen (Stihl) sowie vier Hochentaster (Stihl).


Diese umfangreiche maschinelle Unterstützung ist für die Landeshauptstadt jedoch absolut kein Luxus, denn es gilt satten 1.270 Hektar Grün Herr zu werden. Allein 110 Hektar machen Grünanlagen und Grünflächen aus, hinzu kommen100 Hektar Verkehrsgrün. 86 Spielplätze (18 Hektar), 13 Sportanlagen (38 Hektar) sowie fünf Freibäder bzw. Badestellen (zwei Hektar) gehören zum Arbeitsbereich der Bauhof-Mitarbeiter – plus 482 Hektar Wald sowie 520 Hektar Biotope bzw. Ausgleichsflächen. Mit sechs Pkw – VW Caddy, VW UP, Suzuki –, neun Transportern (Mulitcar, VW Crafter) und vier Transportern bzw. Kastenwagen (Iveco, Fiat) rücken die Mannen zum Dienst aus: je nach Bedarf und Aufgabenstellung, versteht sich. Und, falls nötig, werden entsprechende Steiger gemietet. Ebenfalls gemietet wird ein Kärcher-Heißwasser-Trailer, und zwar von März bis November, erläutert Bauhofleiter Uwe Autrum. „Dieses Gerät wird seit 2018 jährlich gemietet. Es ist zur Wildkrautbeseitigung im Einsatz und zur Reinigung von Ausstattungen wie Mauern, Bänken, Papierkörben et cetera. Mit dem Gerät und dem Service des Vermieters sind wir sehr zufrieden“, sagt Autrum.

Pflanzenpracht trägt zu ansehnlichem Stadtbild bei

Um Einwohner und Besucher zufriedenzustellen, sorgen die SDSler für bunte Blütenpracht: Wechselflor- und Staudenflächen werden intensiv gepflegt und bei Bedarf nachgepflanzt. „Blühflächen wurden bzw. werden durch den Planungsbereich in Abstimmung mit dem Pflegebereich und der Unteren Naturschutzbehörde angelegt bzw. die entsprechenden Saatgutmischungen ausgewählt und Pflegerhythmen festgelegt“, beschreibt es Nonno Schacht sachlich. Wenngleich dem Familienvater durchaus bewusst ist, dass neben Schweriner Schloss, Altstadt oder Zippendorfer Kurviertel insbesondere auch die durch die SDS-Mitarbeiter domestizierte Flora – beispielsweise am Grunthalplatz, an der Schlosspromenade oder im Landschaftspark Lankower Berge – zum äußerst ansehnlichen Stadtbild beiträgt.

„Den japanischen Staudenknöterich kriegen Sie nicht mehr weg“, weiß SDS-Bereichsleiter Nonno Schacht.

Weniger ansehnlich sind für die Fachleute um Schacht und Autrum dagegen Jakobskreuzkraut und japanischer Staudenknöterich, die in Stadtrandlagen vermehrt vorkommen. „Heuer ist das Jakobskreuzkraut zwar nicht so stark verbreitet, dennoch ist es bei uns immer ein Thema“, schildert Schacht. Vor allem auf Rückbauflächen, wenn Häuser abgerissen und neu eingesät wurde, komme es zur Massenverbreitung der für Tiere schädlichen Wildpflanze. Und, „den japanischen Staudenknöterich kriegen Sie nicht mehr weg“. Gegen dessen Verbreitung gebe es kein Rezept: Mähen bzw. Ausbaggern der Wurzelstöcke reiche nicht aus. Lediglich das Einbringen von Bodenfolien helfe bedingt: „Abmähen, durchfräsen, Folie drauf, darauf eine Bodenschicht, die begrünt wird, die Folie fünf Jahre liegen lassen“, beschreibt der Landschaftsplaner die einzelnen Arbeitsschritte. Vereinzelt träten dagegen drüsiges Springkraut, Ambrosia oder Riesenbärenklau in Erscheinung.

Um dem vielfältigen und bunten Potpourri an Aufgaben gerecht zu werden, setzen die Schweriner auf stringente Planung, wobei Grünpflegekonzeption bzw. Pflegebücher die Basis bilden. Zusätzlich wird wöchentlich – jeweils donnerstags – für die Arbeitstrupps ein Wochenarbeitsplan für die darauffolgende Woche erstellt. Dieser umfasst auch spezielle Aufgaben: unter Berücksichtigung von Meldungen, festgestellten Mängeln et cetera. Im Großen und Ganzen „erfahren die Mitarbeiter im produktiven Bereich vielfach Anerkennung“, weiß Bereichsleiter Schacht. „Anregungen bzw. Kritik gehen über diverse Portale wie SDS-Info, Klarschiff, das Beschwerde-Management-Tool sowie über politische Gremien, Ortsbeiräte oder einzelne Bürger ein.“ Teilweise würden auch zusätzliche Leistungen gefordert. „In der Regel werden aber die wirtschaftlichen Grenzen akzeptiert.“

Stetige Investitionen in Technik und Fuhrpark

Wirtschaftliche Grenzen akzeptiert auch das SDS-Team. „Mit unserer Ausstattung sind wir ganz zufrieden“, so Schacht. Schließlich wurde in den vergangenen Jahren in Technik und Fuhrpark investiert. „Der Eigenbetrieb achtet auf einen Technikbestand, der auf das Aufgabenprofil abgestimmt ist und entsprechend des Fahrzeugkonzeptes und der langfristigen Investitionsplanung stetig erneuert wird.“ Zusätzlich wurde heuer bereits die Fassade des Außenstandortgebäudes renoviert sowie die zugehörigen Hofflächen instand gesetzt. Was den Umbau des Werkstattgebäudes (2. Bauabschnitt) betrifft, so werde dieser im kommenden Jahr in Angriff genommen.

Und wer den Bereichsleiter öffentliches Grün und Friedhöfe danach fragt, was ganz oben auf seiner Wunschliste steht, erhält folgende Antwort: „Die Achtung der öffentlichen Flächen durch die Mitbürgerinnen und Mitbürger und weiterhin Unterstützung für ein angemessenes Pflege- und Unterhaltungsbudget, damit die Anlagen in einem guten Zustand gehalten werden können.“ Nonno Schacht ist eben Pragmatiker.

Fakten zum Bauhof Schwerin, Schwerpunkt Grün-/Baumpflege:

Leitung des Bereichs Pflegemanagement/Planung: Nonno Schacht, Bereichsleiter, ihm sind sieben Mitarbeiter unterstellt
Leitung Bauhof:Uwe Autrum
Anzahl der Mitarbeiter: 32
Aufgabenbereich: Wechselpflanzungen und Staudenpflege (ca. 70% Vergabe), Gehölzflächenpflege (ca. 30% Vergabe), Rasenmahd (ca. 90% Vergabe), Wildkrautbeseitigung, Grandflächenpflege, Kontrolle sowie Unterhaltung der Spielplätze (ca. 20% Vergabe), Kontrolle sowie Unterhaltung der Sportplätze (ca. 40% Vergabe), Kontrolle sowie Unterhaltung der Freibäder und Badestellen (ca. 40% Vergabe), Kontrolle sowie Unterhaltung von Ing.-Bauwerken, Stegen und Kunstobjekten (ca. 90% Vergabe), Baumkontrollen, Baumpflege (ca. 70% Vergabe), Biotopflächenpflege (ca. 90% Vergabe)
Ausstattung des Fuhrparks: zwei Kommunalschlepper: John Deere, Shibaura; sechs Pkw: VW Caddy, VW UP, Suzuki; neun Transporter/Kipper: Multicar, VW Crafter; vier Transporter/Kastenwagen: Iveco, Fiat; Steiger-Miettechnik nach Bedarf
Ausstattung des Maschinen- und Geräteparks:drei Aufsitzmäher: zwei Iseki, ein Toro Groundmaster; fünf Handrasenmäher: Sabo 47 Pro Vario; ein Kärcher-Hochdruckreiniger; zwei Häcksler: Husmann, LGU Master II-15; neun Motor-Freischneider: Stihl FS 450; drei Akku-Freischneider: Pellenc; elf Motor-Laubbläser: Stihl; drei Akku-Laubbläser: Pellence; vier Motor-Heckenscheren: Stihl; eine Akku-Heckenschere: Stihl; neun Motorkettensägen: Stihl; vier Hochentaster: Stihl
Verantwortungsbereich: 1.270 Hektar Grün; Friedhöfe: Trauerhalle und Nebenräume Alter Friedhof, ca.1.100 m² BGF; Trauerhalle Waldfriedhof inklusive Sozial- und Nebenräume: ca. 1.600 m² BGF; Verwaltungsgebäude Waldfriedhof: ca. 200 m² BGF und vier Garagen Waldfriedhof: 110 m² BGF.
Standorte SDS/Fläche: fünf Standorte mit insgesamt rund 51.000 m²;
Bauhof Baustraße 1: ca. 9.000 m², Verwaltungsgebäudefläche: ca. 1.130 m² BGF, Werkstattgebäude und Fahrzeughallen: ca. 800 m² BGF;
Plater Straße Bauhof: 2.000 m², Aufenthalts/Umkleidegebäude sowie Garagen 480 m² BGF;
Lagerplatz Lange Badlow: ca. 25.000 m²; Salzhalle: ca. 400 m² BGF; Fahrzeughallen/Unterstände: 300 m² BGF;
Alter Friedhof: 6.000 m²
Waldfriedhof: ca. 9.000 m²

Fläche: Die Stadt Schwerin umfasst eine Gesamtfläche von 13.052 Hektar.

Text: Michael Loskarn – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: SDS; MAXPRESS/Barbara Arndt

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