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Mit dem Unitrac 112 LDrive von Lindner werden Wünsche wahr

Das österreichische Familienunternehmen präsentiert den ersten stufenlosen Transporter für den Kommunaleinsatz

Von: Jessica Gsell

Wie entwickelt ein Unternehmen am besten ein neues Fahrzeug? Richtig: Es informiert sich zuvor bei den Nutzern, fragt nach deren Wünschen und Anregungen. Genau so hat es auch das österreichische Familienunternehmen Lindner gemacht. Kunden und Händler – sie alle wurden in den Entwicklungsprozess miteinbezogen. Über das Kommunalforum Alpenraum hatte das Unternehmen außerdem die Gelegenheit, direkt mit den Bürgermeistern zu sprechen. „Wir haben einige Anregungen bekommen“, berichtet Geschäftsführer Stefan Lindner. Dabei herausgekommen ist – nach vier Jahren Entwicklungszeit – der erste stufenlose Transporter für den Kommunaleinsatz: der Unitrac 112 LDrive. Kurz vor den Innovationstagen, an denen das neue Kommunalfahrzeug der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, lud das Familienunternehmen die Presse in ihr Werk nach Kundl ein.

„Bis auf die Bereifung ist der Unitrac 112 LDrive genau das, was die Kunden erwartet haben“, berichtet Stefan Lindner stolz. Vom Aussehen her unterscheidet sich der neue kommunale Transporter kaum von seinen Vorgängermodellen. Doch dafür hat er einige Highlights zu bieten. Das Kernstück des Fahrzeugs ist der 4-Zylinder-VM-Turbo-Dieselmotor mit 107 PS Nennleistung, der unter anderem auch bei General Motors eingesetzt wird. Warum die Wahl gerade auf diesen Motor fiel, ist ganz einfach: Jeder Traktor habe derzeit bereits einen Stufe-4-Motor, erklärt Geschäftsführer Hermann Lindner. „Wir haben unseren Fokus aber bereits auf einen Stufe-5-Motor gesetzt.“ Da ein solcher bislang jedoch kaum im Einsatz ist, entschied sich das Unternehmen für den VM-Motor. „Damit haben wir nochmal einen großen Quantensprung gemacht“, berichtet Stefan Lindner. Der VM-Motor verfügt über einen SCR-Partikelfilter und entspricht so der Euro-6-Abgasnorm. „Mit der Euro-6-Variante decken wir alles ab, was wir brauchen“, bringt es Stefan Lindner auf den Punkt.

Erster Transporter mit Stufenlos-Technologie

Beim Lintrac hat sie sich bereits bewährt, nun kommt sie erstmals auch bei einem Lindner-Transporter zum Einsatz: die Stufenlos-Technologie. Und das ist eine kleine Sensation, wie Hermann Lindner verrät: „Der Unitrac 112 LDrive ist momentan der einzige Transporter, der ein Stufenlos-Getriebe hat.“ Das CVT-Getriebe, das Lindner mit ZF-Komponenten selbst baut, ist fast zu 100 Prozent identisch mit dem des Lintrac. Unterschiede gibt es allerdings beim Gehäuse und auch der Zapfwellenantrieb ist anders. Zudem stand das Entwicklerteam beim Thema Zugleistung vor einer großen Herausforderung. „Im Vergleich zum Lintrac mussten wir beim Unitrac noch etwas drauflegen“, berichtet Hermann Lindner. Mit dem VM-Motor sowie dem Stufenlos-Getriebe hat Lindner seinen Kunden gleich zwei Wünsche erfüllt. Zum einen leistet der Unitrac 112 LDrive einen wesentlichen Beitrag zur Umwelt. Denn das Kommunalfahrzeug weist sowohl einen geringeren Verbrauch als auch weniger Abgaswerte auf. „Eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes ist nur mit so einem Getriebe möglich“, erklärt Hermann Lindner. Zum anderen beträgt die Ersparnis beim Kraftstoffverbrauch rund 25 Prozent. Zwischen fünf und sechs Liter verbraucht der Motor pro Stunde. Auch beim Ölverbrauch arbeitet das Fahrzeug sparsam. Der Unitrac 112 LDrive besitzt eine Axialkolbenpumpe, die die Hydraulikleistung stufenlos bis 88 Liter pro Minute regelt. Dadurch wird immer nur die Menge Öl für alle Arbeitskreise gefördert, die auch wirklich nötig ist.

„Wir hatten bei diesem Gerät auch den innerörtlichen Verkehr im Fokus“, berichtet Stefan Lindner. Ein wichtiges Kriterium, schließlich ist der Transporter – neben Arbeiten im Bereich der Seilbahnen – vor allem für den Einsatz in den Kommunen gedacht. Mit einer maximalen Geschwindigkeit von 50 km/h ist es für die Bauhofmitarbeiter ohne Probleme möglich, sich mit dem Transporter für Kehr-, Schneeräum- oder auch Wartungsarbeiten in den innerstädtischen Verkehr einzugliedern, ohne eine große Behinderung darzustellen. Alle Einstellungen des Unitrac 112 LDrive werden dabei ganz einfach über die LDrive-Armlehne gesteuert, wie es bereits beim Lintrac der Fall ist. Die Geschwindigkeit kann entweder übernommen oder mithilfe des Drehrades erhöht werden. Sehr komfortabel ist auch das Umschalten in den Rückwärtsgang. „Der Bediener hat so gut wie nichts mehr zu tun“, erklärt Hermann Lindner. Er kann sich somit voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren. Und genau das war es auch, was sich die meisten der Befragten wünschten: „Sie wollen ins Fahrzeug steigen, Motor starten, Fahrtrichtung wählen und los geht´s“, fasst es Hermann Lindner zusammen. Eine einfache Bedienung ist dafür die wichtigste Grundvoraussetzung. Und nicht nur das: Die Arbeiten der Mitarbeiter am Bauhof werden zudem immer herausfordernder, stellt Stefan Lindner fest. Nicht nur, dass immer mehr Maschinen und Zusatzgeräte genutzt werden. Die Mitarbeiter sind häufig bei Tag und Nacht im Einsatz, am stärksten natürlich im Bereich des Winterdienstes. Dabei müssen sie nicht mehr nur ausschließlich für bauhoftypische Aufgaben ausrücken. Immer öfters kommen die Fahrzeuge auch bei Naturkatastrophen zum Einsatz, wie beispielsweise bei Hochwasser. Dieses „Riesenspektrum an Einsatzmöglichkeiten“ wurde laut Stefan Lindner bei der Entwicklung des Unitrac 112 LDrive ebenfalls mit einbezogen. „Deshalb sollte das Fahrzeug eine einfache Bedienung haben und gleichzeitig den Fahrer unterstützen.“

Drei Jahre Garantie auf TracLink-System

Eine solche Unterstützung ermöglicht auch das TracLink-System. Für den Unitrac 112 LDrive gibt es rund 150 verschiedene Anbaugeräte. Wird eines davon an den Transporter montiert, erkennt es das System sofort und gibt dem Fahrer prompt eine Bedienungsanleitung. Gleichzeitig kann sowohl der Beladungszustand als auch die Achsenlast überprüft werden. Sämtliche Einsatzfahrten werden mithilfe von TracLink außerdem dokumentiert. Auf diese Weise ist sofort ersichtlich, welche Maschine mit welchem Anbaugerät wann und wo im Einsatz war. Kommt es beispielsweise im Winter zu einem Unfall, können Kommunen so der Versicherung beweisen, dass die Bauhofmitarbeiter ihrer Räum- und Streupflicht nachgekommen sind. Gleichzeitig können auch Kunden und Flächen mit dem System verwaltet werden. Wird zum Beispiel der Privatparkplatz vor einem Kaufhaus geräumt, werden die Fläche und die dafür benötigte Zeit gleich verrechnet. Das Einsatzprotokoll beinhaltet jedoch keine Fahreridentifizierung, beruhigte Lindner die Befürchtung einiger Journalisten. Neben dem Wunsch – vornehmlich geäußert von den Fuhrparkleitern – nach mehr Transparenz bei den Einsätzen, ist auch die Kostenkontrolle ein wichtiger Punkt. Hier schafft das Telematik-System ebenfalls Abhilfe: So speichert es automatisch sämtliche Verbrauchsdaten und Fahrzeuginformationen. Ziel des Familienunternehmens ist es nämlich, pro Betriebsstunde geringere Kosten und gleichzeitig das Fahrzeug öfters im Einsatz zu haben, erklärt Stefan Lindner. Laut einer Umfrage sind kommunale Fahrzeuge durchschnittlich 630 Betriebsstunden im Jahr im Einsatz. Damit jeder Nutzer eines Unitrac 112 LDrive in den Genuss dieses Systems kommt, hat sich das Unternehmen Lindner etwas einfallen lassen: So gibt es das TracLink-System beim neuen Transporter serienmäßig mit einer Garantie von drei Jahren. Diese kann je nach Bedarf auch auf sechs Jahre erhöht werden. „So lange Garantiezeiten trauen sich die wenigsten“, ist sich Stefan Lindner sicher. „Wir wissen aber, wie mit den Geräten umgegangen wird“, erklärt er, mit Blick auf die Dokumentation durch das TracLink-System. Fehlbedienungen seien deshalb so gut wie ausgeschlossen.

Automatische Handbremse und verbessertes Federungssystem

Ein besonderes Augenmerk legten die Entwickler beim Unitrac 112 LDrive auch auf die Bremsanlage. Da der Transporter ein Gesamtgewicht von 9,5 Tonnen (die Nutzlast wurde um 1000 kg auf 6025 kg erhöht) aufweist – damit zählt er laut Händleraussagen aber noch zu den leichtesten seiner Klasse – musste die Bremsanlage verstärkt werden. Zur Ausstattung des Unitrac 112 LDrive gehört außerdem eine automatische Handbremse. „Sie werden keinen Handbremshebel mehr im Fahrzeug finden“, erklärt Hermann Lindner. Stattdessen gibt es nur noch einen Schalter. Wird das Fahrzeug abgestellt, ist die Handbremse automatisch aktiv. Auch das hydropneumatische Federungssystem im neuen Transporter wurde optimiert. Wichtig war Lindner eine Federung, die auch im extremsten Gelände nicht ausschaltet. Dafür sorgen die Einzelradaufhängung und der hydraulische Federungszylinder mit Membranspeicher. Durch den verdrehbaren Fahrzeugrahmen haben zudem alle vier Räder ständig Kontakt zum Boden. Ein weiterer Clou: Der Fahrer kann in seiner Kabine über einen Schalter den Beladungszustand einstellen. So passt sich die Federung, auch bei Leerfahren, der jeweiligen Situation an. „Unser Federungssystem funktioniert völlig ohne Elektrik“, berichtet Hermann Lindner und fügt hinzu: „Das unterscheidet uns von anderen Mitbewerbern.“ Der ergonomisch gestaltete Fahrerplatz tut sein Übriges. „Es ist ein sehr komfortabler Arbeitsplatz“, meint Hermann Lindner. In der Fahrerkabine befindet sich neben dem Bedienelement ein Joystick, mit dem der Bauhofmitarbeiter insgesamt vier Steuergeräte lenken kann. Und auch seine Wendigkeit macht den Unitrac 112 LDrive sehr benutzerfreundlich. Dafür verantwortlich ist die 4-Rad-Lenkung mit einem Wendekreis von sieben Metern. Wie schon beim Lintrac lässt sich auch beim neuen Transporter die Fahrerkabine seitlich bis zu einem Winkel von 50 Grad kippen – und das ohne die Hilfe eines Werkzeugs. Mit dem Unitrac 112 LDrive habe man ein „umweltfreundliches, extrem wirtschaftliches und leicht bedienbares“ Fahrzeug entwickelt, fasst Stefan Lindner die Vorteile zusammen.

Im Anschluss an die Pressekonferenz durften die Anwesenden noch einen Blick auf den neuen Transporter in der Entwicklungsabteilung werfen und das Lindner-Werk besichtigen. Dort sind derzeit 221 Mitarbeiter beschäftigt. Auf dem österreichischen Traktorenmarkt belegt das Familienunternehmen mit seinen Modellen den zweiten Platz. Läuft alles glatt, dauert es von der Bestellung weg rund sechs Wochen, bis ein neues Lindner-Fahrzeug fertiggestellt ist. Im vergangenen Geschäftsjahr machte das österreichische Unternehmen einen Umsatz von 74 Millionen Euro – bei einer Exportquote von 50 Prozent. 2015 verließen mehr als 1.300 Traktoren das Werk in Kundl. Davor hatte das Unternehmen mit Verkaufsrückgängen zu kämpfen. „Jetzt wird es wieder besser“, berichtet Hermann Lindner. Der Kommunalbereich macht bei den Einnahmen rund 25 Prozent aus. Mit dem neuen Unitrac 112 LDrive soll sich diese Zahl noch erhöhen.

Das Optimum herausgeholt

Die Familie Lindner ist dabei guter Dinge: „Wir haben das Optimum für unser Fahrzeug herausgeholt“, sagt Stefan Lindner. Das Unternehmen habe sich stark in die Entwicklung des Unitrac 112 LDrive mit eingebracht. Die Kosten dafür wurden zu einem großen Teil von den mitwirkenden Firmen übernommen. Denn auch für sie ist eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Lindner von großem Vorteil: „Bei uns sind die Entscheidungswege sehr kurz.“ So hätten die Firmen viel schneller die Möglichkeit, ihre Produkte auf den Markt zu bringen. Noch im Oktober startet die Produktion von fünf Modellen der Vorserie. Anschließend wird das Fahrzeug weiter optimiert. „Wir wollen von Anfang an Perfektion in die Ausstattung bringen“, erklärt Stefan Lindner. Die Serienproduktion des Unitrac 112 LDrive ist dann für April 2017 geplant.

Text/Bilder: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de

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