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In Meerbusch stehen bereits alle Zeichen auf Frühling

Schnee ist für die Männer des Baubetriebshofs in der nordrhein-westfälischen Stadt kein Thema mehr – sie kümmern sich derzeit um die Nachwirkungen des Winters. Bei den Maschinen, die zum Einsatz kommen, wird mitunter auf innovative Entwicklungen gesetzt.

Während man anderorts noch voll und ganz mit den Auswirkungen des Winters beschäftigt ist, ist der Blick in der nordrhein-westfälischen Stadt Meerbusch bereits auf den Frühling gerichtet. Immerhin zeigte das Thermometer hier Anfang Februar an einigen Tagen schon Temperaturen von 10 Grad an. Gleich nach Neujahr geht es deshalb los, die Hinterlassenschaften des Winterdienstes zu beseitigen sowie Straßenschäden zu beheben. Da in Meerbusch in der Regel milde Winter vorherrschen, steht die Baumpflege bei den Mitarbeitern des Baubetriebshofs ganzjährig auf dem Programm. Beim Blick auf die Gerätschaften, die hier zum Einsatz kommen, zeigt sich ganz klar: In der 56.000 Einwohner großen Stadt setzt man auf die neueste Technologie.     

„Wir sind im Rheinland sehr verwöhnt, was Schnee betrifft“, berichtet Marcus Töpp, Leiter des Baubetriebshofs, und fügt hinzu: „Gerade einmal 24 Einsätze haben wir in Meerbusch seit Beginn der Winterdienstsaison gefahren. Davon die meisten ohne Schneeräumung.“ Bereits im Februar werden hier oftmals frühlingshafte Temperaturen erreicht. „Wir hatten auch schon einmal 15 Grad“, erinnert sich Töpp. Deshalb sind vier seiner Mitarbeiter bereits seit der vergangenen Woche im Namen der Verkehrssicherheit unterwegs. Sie beheben die Gefahrenstellen auf den Straßen und Gehwegen, die nach dem Winter zum Vorschein kommen. An einigen Bereichen der Fahrbahndecke hat der Frost zu einem Aufbrechen des Asphalts geführt. Auf den Gehwegen dagegen ließen die kalten Temperaturen Platten sowie das Betonsteinpflaster anheben. Für die Aufnahme der Schäden sind zunächst die „Begeher“ des Fachbereichs Straßen und Kanäle zuständig. Sie nehmen die Schäden elektronisch auf und geben sie anschließend an den Baubetriebshof zur Erledigung weiter. Anhand der Daten machen sich daraufhin die zwei Straßenbaukolonnen mit 4 Mitarbeitern auf den Weg, um die kaputten Stellen mit Reparatur- oder Kaltasphalt auszubessern. Bei 201 Kilometer Gemeindestraßen, 72,5 Kilometer klassifizierten Straßen sowie 138 Kilometer Wirtschaftswegen, um die sich die Männer des Baubetriebshofs kümmern, kommt hier einiges zusammen. „Momentan stehen auch Pflanzarbeiten bei den Bäumen an“, berichtet Töpp weiter. Unter anderem werden gerade gefällte Straßen- und Anlagebäume nachgepflanzt. Im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht werden alle Bäume der Stadt jährlich kontrolliert. Wird festgestellt, dass ein Baum nicht mehr verkehrssicher ist, wird er durch die Baumpfleger entfernt. Dies sind Arbeiten die üblicherweise über das Winterhalbjahr durchgeführt werden. Zeitgleich laufen die Rückschnitte an Lärm- und Sichtschutzpflanzungen, da diese vor Beginn der Vogelschutzperiode Anfang März erfolgt sein müssen. Neben den Straßenschäden kommt nach dem Winter noch etwas Anderes zum Vorschein: die Reste des Streuguts. Mit der Kehrmaschine werden Gehwege und Straßen davon befreit. Dies geschieht im turnusgemäßen Umlauf der Straßenreinigung oder nach Sonderauftrag.

Baubetriebshof Meerbusch setzt auf Elektromobilität

Die technische Ausstattung seines Baubetriebshofs bezeichnet Töpp stolz als „innovativ“. Bei den Maschinen, die in Meerbusch zum Einsatz kommen, setzt man unter anderem auf neueste Entwicklungen und möglichst umweltfreundliche Modelle. „Elektromobilität ist bei uns ein großes Thema“, berichtet Michael Reschke der im Servicebereich 11, zu dem der Bauhof gehört, für die Beschaffung von Fahrzeugen zuständig ist. Nicht umsonst steht hier heuer noch die Anschaffung von drei Elektro-Fahrzeugen an: zwei PKW sowie ein Nutzfahrzeug für Verkehrssicherungskontrollen auf den Spiel- und Sportanlagen. Reschke und Töpp sind davon überzeugt, dass die Elektromobilität in den nächsten Jahren ein immer noch größeres Thema in den Kommunen werden wird. „Wir wollen die Fahrzeuge jetzt erst einmal testen“, verrät Reschke die Strategie der Meerbuscher. Auch bei der Anschaffung von kleineren Geräten liegt das Augenmerk in der nordrhein-westfälischen Stadt auf akku-betriebenen Modellen. „Weniger Lärme, weniger Vibration und weniger Emission“, fasst Töpp die Vorteile zusammen. Zum Sortiment des Baubetriebshofs zählen bislang überwiegend Geräte der Hersteller Stihl und Pellenc: Freischneider, Hoch-Entaster, Kleinmotorsägen für die Baumpflege sowie ein Akku-Handrasenmäher, der zunächst testweise auf einem Friedhof eingesetzt wird. Steht der Kauf einer neuen Maschine an, werden in Meerbusch auch die Mitarbeiter in den Entscheidungsprozess mit einbezogen. Dafür hört sich der Baubetriebshofleiter die Wünsche seiner Männer an. „Bei großen Anschaffungen lassen wir uns die Geräte auch erst einmal vorführen“, bestätigt Reschke, der ebenso für den Bereich Grünflächen zuständig ist. „Die Mitarbeiter können dann auch die Maschinen, die ihnen geeignet erscheinen, einmal ausprobieren“, sagt Reschke. Derzeit sei man aber mit der Ausstattung des Fuhrparks zufrieden. „Wir sind in Meerbusch gut aufgestellt“, so Töpp.

Besonders stolz sind die Mitarbeiter über ihr, doch noch recht neues, Baubetriebshof-Areal von 2010. Das Gelände umfasst eine Fläche von insgesamt 12.000 Quadratmetern. Auf dem Areal befinden sich neben dem Lager und der Verwaltung auch moderne Sozialräume mit belüfteten Spinden und Fußbodenheizung.  Zudem gehören dem Baubetriebshof eigene Werkstätten an, darunter auch eine für den großen Fuhrpark mit über 100 Fahrzeugen. Die Kfz-Werkstatt ist mit einem eigenen Bremsenprüfstand, nebst einer Abgasabsauganlage ausgestattet. Zwar werden jetzt zum Frühjahr die Grünflächengeräte noch einmal speziell für ihre ersten Einsätze hin geprüft, doch durch die eigenen Werkstätten können die Geräte und Maschinen das ganze Jahr über vor Ort gewartet und geprüft werden.

Überreste des 2. Weltkriegs im städtischen Wald

Zu den Aufgaben des Servicebereichs 11, dem der Baubetriebshof unterstellt ist, gehört außerdem die Pflege einer 220 Hektar großen Waldfläche. Zwar gibt es im Rheinland meist nicht mehr als vier Frosttage, an denen die schweren Maschinen im städtischen Wald ohne größere Zerstörung des Bodens zum Einsatz kommen können. Dennoch wird auch in Meerbusch der Winter genutzt, um Waldpflege zu betreiben. Dafür sind zwei Mitarbeiter zuständig, die sich neben der Waldarbeit auch um die Bankett- und Brachflächenpflege kümmern. „Das ist von der Arbeit her allerdings zu viel für die beiden“, berichtet Reschke. Deshalb erhalten sie bei ihren Tätigkeiten im Wald Hilfe von externen Firmen. Zudem werden die beiden Mitarbeiter von einem ausgebildeten Förster des Landesbetriebs Wald und Holz betreut. „Im Wald wird dann nach den sogenannten Z-Bäumen gesucht“, erklärt Reschke. Damit diese Zukunftsbäume gut wachsen können, müssen in regelmäßigen Abständen die darumstehenden Pflanzen – sogenannte Bedränger – herausgenommen werden. Momentan kümmern sich die beiden Mitarbeiter im Meerbuscher „Herrenbusch“ um einen Eichenbestand, der zwischen 80 und 90 Jahre alt ist. Mit zwei Traktoren – einem New Holland NT 55 sowie einem Steyr 4110 Profi – geht es den Bedrängern an den Kragen. Der Steyr-Traktor ist dabei mit einem Forstschutz ausgestattet, der das Fahrzeug von unten her schützt. „Die Bäume, die aus dem Wald geholt werden, werden dann vermarktet – entweder als Brennholz oder Weidepfähle. Für etwas Hochwertigeres kann das Holz dagegen nicht verwendet werden, denn es enthält Bombensplitter“, erklärt Reschke und fügt hinzu: „Überreste aus dem 2. Weltkrieg.“

Fakten zum Baubetriebshof Meerbusch

Struktur: Die Abteilung „Baubetriebshof“ gehört, ebenso wie die Aufgabengebiete „Grünflächen“ und „Friedhöfe“, dem Servicebereich 11 an.    

Leiter Servicebereich 11: Michael Betsch

Leiter Baubetriebshof: Marcus Töpp

Mitarbeiter: 80; davon 66 „gewerbliche Mitarbeiter“ und 12 Mitarbeiter in der Verwaltung.

Aufgaben: Zum Aufgabenbereich des Baubetriebshofs zählen Straßenreinigung, -unterhaltung und -instandsetzung, der Winterdienst, Reparatur und Wartung von Fahrzeugen und Geräten, Beschaffung von Kleingeräten und -maschinen, Baumkontrollen und –pflege sowie die Instandhaltung der städtischen Gebäude.  Die anderen Abteilungendes SB 11 sind für die Pflege der städtischen Grünflächen, die Fahrzeugbeschaffung für die gesamte Stadtverwaltung Meerbusch sowie die Planung städtischer Außenanlagen (Planungsabteilung) verantwortlich. Die Arbeiten der Abteilung Friedhöfe umfassen neben dem Bestattungsgeschäft auch die Friedhofspflege.

Fuhrpark: 114 angemeldete KFZ-Fahrzeuge; zur "silbernen Flotte" (Fahrzeuge nur für den Verwaltungsbereich der Stadtverwaltung Meerbusch) gehören zurzeit 23 PKW und 3 Mofas; die "orangene Flotte" besteht aus 9 leichten Nutzfahrzeugen als PKW sowie 35 LKW, 16 Traktoren, 8 selbstfahrenden Arbeitsmaschinen (Bagger, Radlader, Kehrmaschine) und 20 Anhängern.  

Verantwortungsbereich: Die Mitarbeiter des Baubetriebshofs kümmern sich um 201 Kilometer Gemeindestraßen, 72,5 Kilometer klassifizierte Straßen, 40,23 Kilometer Radwege innerorts sowie 30,87 außerorts und 138 Kilometer Wirtschaftswege.

Fläche: Die Stadt Meerbusch umfasst eine Fläche von 64,37 km2.


Text: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Baubetriebshof Meerbusch

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