Top-News Reportagen Reportagen Porträt

Bauhof Germering: Unverhofft kommt oft

Das unbeständige Wetter der vergangenen Monate, zahlreiche Stürme, aber auch das neue Schuljahr lassen die Bauhofmitarbeiter der oberbayerischen Stadt kaum durchschnaufen

Von: Jessica Gsell


Auf dem Bauhof in Germering gleicht kein Arbeitstag dem anderen. Immer wieder müssen sich die Mitarbeiter auch auf Unvorhergesehenes einstellen. Natürlich gibt es auch in der sechstgrößten Kommune Oberbayerns sorgfältig ausgearbeitete Tages- und Wochenpläne. Doch, dass oftmals Theorie und Realität auseinanderklaffen, davon kann Bauhofleiterin Monika Schindler ein Lied singen. „Häufig überlebt die Planung die erste Stunde nicht“, erklärt sie mit einem Lächeln. Ein dringender Anruf oder eine E-Mail – schon kann es passieren, dass sich die Mitarbeiter zunächst um diese notwendigen Angelegenheiten kümmern müssen. In letzter Zeit kamen solche Meldungen von Bürgern meist nach Unwettern, wegen überschwemmter Unterführungen oder auch Ästen, die mitten auf der Straße liegen. Ist das erledigt, widmen sich die Bauhofmitarbeiter wieder ihrer Liste mit den abzuarbeitenden Aufgaben.

Der Bauhof Germering besteht derzeit aus 65 Mitarbeitern, die neben der Verwaltung in vier weitere Gruppen aufgeteilt sind: Allgemeine Bauhofgruppe, Haustechnikgruppe, Gärtnerei sowie Kfz-Fuhrpark mit Schlosserei. Weit oben auf der To-do-Liste der Gärtnerei-Gruppe stehen momentan die Schulen. Die Zeit während der Sommerferien in Bayern wird genutzt, um die Außenanlagen der vier Grund- und Hauptschulen auf Vordermann zu bringen. Neben den Rasenflächen, die gemäht werden müssen, schneiden die Bauhofmitarbeiter auch die dortigen Hecken und Büsche. „Außerdem bereiten wir uns in punkto Verkehrssicherheit, auf allen Schulwegen, auf den Schulanfang unserer neuen ABC-Schützen vor“, berichtet Schindler. Dabei kümmern sich die Mitarbeiter vor allem um die Freihaltung der Sichtachsen. Dafür werden die Grünflächen an den Gehwegen gemäht und auch Bäume sowie Sträucher zurückgeschnitten. Schließlich sollen die Erstklässler von allen Verkehrsteilnehmern gut gesehen werden und anders herum.

Grünpflege steht heuer ständig auf dem Programm

Aber nicht nur das: Auch das unbeständige Wetter der vergangenen Wochen lässt die Bauhofmitarbeiter kaum durchschnaufen. „Ich habe so das Gefühl, dass es jedes Jahr schlimmer wird“, meint die Bauhofleiterin. Heuer ist es der ständige Wechsel zwischen sehr feuchten und dann wieder heißen Perioden, der den Städten und Gemeinden zu schaffen macht. Zum einen wächst und gedeiht die Pflanzenwelt in einem rasenden Tempo, so dass die Mitarbeiter der Gärtnerei in immer kürzeren Abständen zu denselben Örtlichkeiten für die Grünpflege ausrücken müssen. Zum anderen müssen sich die Bauhofmitarbeiter für diese Arbeiten ständig nach dem Wetter richten. „Bei Feuchtigkeit ist mähen nur bedingt möglich“, erklärt Schindler. Nicht nur, dass der Grasschnitt am Mähwerkzeug kleben bleibt. Ist der Boden zu nass, zerstören die schweren Maschinen außerdem die Oberfläche. „Wir kommen gar nicht mehr richtig hinterher“, berichtet Schindler.

Die Unwetter der vergangenen Monate tun dann noch ihr Übriges: Äste, Blätter und Blüten auf den Straßen und Gehwegen bedeuten für den Bauhof einen Mehraufwand beim Kehren. Besonders frustrierend sei es für die Mitarbeiter, wenn sie das Viertel eigentlich schon sauber hatten, berichtet die Bauhofleiterin. Dabei hat man sich in Germering extra etwas überlegt, um die Kehrarbeiten noch effektiver zu gestalten. Kurzerhand wurde die Stadt in vier Kehrbezirke unterteilt. An jedem Tag ist ein anderer an der Reihe. Die Bürger bekämen dadurch eine gewisse Kontinuität und wüssten bereits Bescheid, wann in ihrem Bezirk wieder Halteverbotsschilder für die Säuberung der Straßen aufgestellt werden. Zudem zeigen Sturm Niklas von 2015 sowie der Klimawandel auch heuer ihre Auswirkungen. So stellen die Mitarbeiter vermehrt Schäden an der Vegetation fest. „Wir haben viele kaputte Bäume. Und das an Stellen, wo wir es bisher noch nie hatten“, berichtet Schindler. Am schlimmsten betroffen sind in der oberbayerischen Stadt die Birken und Fichten.

Ein mehr als 16.000 Quadratmeter großes Bauhofgelände

Seit 1974 ist der Bauhof Germering an seinem heutigen Standort in der Schmiedstraße angesiedelt. Vier Jahre später erfolgte die Zusammenlegung mit dem Bauhof Unterpfaffenhofen, da die bis zu diesem Zeitpunkt eigenständigen Gemeinden vereint wurden. Das gesamte Gelände hat heute eine Fläche von rund 16.000 Quadratmetern. Darauf stehen insgesamt sieben Gebäude – das Bürogebäude mit angrenzenden Fahrzeug-, Gärtner- und zwei offenen Hallen, das Lager für Salz und Blähschiefergranulat sowie die Werkstätten. Im Bau befindet sich gerade eine Kehrguthalle, die zwar noch nicht ganz fertig ist, aber bereits in Betrieb genommen wurde.

Ein Blickfang in Germering sind derzeit die 13 neuen Pflanztröge, die der Bauhof am 2015 umgebauten kleinen Stachus – die fünfarmige Riesenkreuzung im Herzen der Stadt – aufgestellt hat. Auch fortan sind die Mitarbeiter für die Pflanzen zuständig. Bereits im vergangenen Jahr wurde damit begonnen, die Weihnachtsbeleuchtung auf eine Winterbeleuchtung umzurüsten, die dann, nach dem Jahreswechsel, auch noch etwas länger hängenbleiben kann. In diesem Jahr ist nun auch der Christbaum am kleinen Stachus an der Reihe. Apropos Weihnachten: Bereits jetzt ist der Bauhof Germering gut für den ersten Wintereinbruch ausgerüstet. „Wir haben derzeit circa 550 Tonnen Salz und rund 200 Tonnen Schiefergranulat eingelagert“, berichtet Schindler. Die großen Winterdienstgeräte sind dabei mit Feuchtsalzstreuern ausgestattet. Der Winterdienst ist übrigens nicht die Aufgabe von nur einer der vier Bauhof-Gruppen. Er wird von allen nach einem vorgeschriebenen Dienstplan durchgeführt.

Einen sehr gelungenen Imagefilm über den Bauhof Germering gibt es unterhttps://www.youtube.com/watch?v=WZwYtEco3T0

Fakten zum Bauhof Germering:

Bauhofleiterin: Monika Schindler

Mitarbeiter: 65; darunter zwei Azubis (Gärtner im GaLa-Bau) sowie mehrere Teilzeitkräfte

Aufgaben der einzelnen Gruppen:

· Allgemeine Bauhofgruppe: Straßenunterhalt, -reinigung und -entwässerung, Müllbeseitigung, Waldarbeit, Unterstützung bei Märkten, Festen und Wahlen, Schreinerei-, Zimmerei- und Spengler-Arbeiten, Transportarbeiten und Umzüge

· Haustechnikgruppe: Wartung und Reparatur sämtlicher elektrischer Geräte der Stadt, jährliche Prüfung nach VDE in allen städtischen Einrichtungen, Unterhalt und Kontrolle der Pumpstation, Elektro-, Maler-, Fliesenleger- und Maurerarbeiten, Verkehrseinrichtungen (Aufbau, Wartung, Reparatur), Überprüfung der 5.400 Verkehrszeichen, Straßenkontrolle

· Gärtnerei: Wege- und Zaunbau, Neubau verschiedener Anlagen, Erstellung von Rasenflächen, Mäh- und Pflanzarbeiten, Unterhalt von Straßenbegleitgrün, Friedhofspflege, Lehrlingsausbildung im GaLa-Bau

· Kfz-Fuhrpark mit Schlosserei: Wartung, Instandhaltung und Reparatur von Fahrzeugen, Winterdienst- sowie Kleingeräten, Fahrzeughaupt- und Abgasuntersuchungen, Wartung und Kontrolle von 34 öffentlichen Spiel- und Bolzplätzen sowie 12 Spielplätzen in städtischen Kinder- und Jugendeinrichtungen, Aufbau neuer Spielgeräte, Schweißarbeiten

Fuhrpark: 39 Fahrzeuge und Baumaschinen, darunter Kehrmaschinen, LKW, Schlepper, Transporter, Mäher und PKW

Verantwortungsbereich: Rund 255 Straßen mit insgesamt um die 125 Kilometer, sowie die dementsprechenden Flächen aus den Bereichen Park, Garten und Straßenbegleitgrün

Fläche: DieStadt Germering ist insgesamt 21,62 Quadratkilometer groß (mehr als 40.000 Einwohner)

Text: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Stadt Germering

Video

Nach oben
facebook youtube twitter Instagram rss