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Wenn es den Baubetriebshof Nienburg eiskalt erwischt

In der niedersächsischen Stadt rückt der Winterdienst weniger wegen Schnee, sondern vor allem aufgrund überfrierender Nässe aus. Bislang ist aber nur ein Fahrzeug dafür aufgerüstet

2009/2010 – an diese Jahreszahl kann sich Cornelia Riedewald noch sehr gut zurückerinnern. Denn an jenem Jahreswechsel schlug der Winter auch in der niedersächsischen Stadt Nienburg zu. Die Männer des Baubetriebshofs war im Kampf gegen die Schneemassen im Dauereinsatz. Ein recht untypisches Szenario, weiß die Leiterin. Rücken die Mitarbeiter in der Regel doch nur zwischen 20 und 30 Mal für den Winterdienst aus. Dabei ist es weniger der Schnee, gegen den die Männer dann vorgehen müssen. „Der Schnee ist hier ganz harmlos. Es schneit meist nur eine Woche kontinuierlich am Stück“, sagt Riedewald. Vielmehr ist es die Glätte, die Straßen und Gehwegen in gefährliche Rutschbahnen verwandelt.

Schnee gab es in diesem Jahr bislang einmal in Nienburg. Doch bereits in der vergangenen Woche mussten die Mitarbeiter des Baubetriebshofs nachts wegen überfrierender Nässe ausrücken. Derzeit ziehen sie dann mit einem MAN-10-Tonner los, um an den gefährlichen Stellen in der Stadt zu streuen. Eine Arbeit, die den meisten Bürgern am nächsten Tag – wenn die Sonne auf die Fahrbahn scheint und vom Eis nichts mehr übrig ist – gar nicht auffällt, berichtet Riedewald, die das Amt der Baubetriebshofleiterin seit 1991 innehat. „Wir setzen im Winterdienst FS 30 ein“, erklärt sie. Und das bereits seit 15 Jahren. 250 Tonnen Salz wurden im vergangenen Winter benötigt. Ist dieser in vollem Gange, befinden sich acht Fahrzeuge des Baubetriebshofs im Einsatz. Für die Hauptstraßen werden drei große Maschinen verwendet, darunter ein LKW mit Ladekran, ein MAN-10-Tonner und ein Unimog – sie alle werden für den Winterdienst mit einem Aufsatzstreuer sowie einem Räumschild umgerüstet. Den Fuhrpark ergänzen außerdem zwei Kleintraktoren und drei Gehwegfahrzeuge, die mit einem Schneeschild oder einem Besen ausgestattet sind. Die wendigen Maschinen eignen sich perfekt sowohl für Räum- und Streuarbeiten im Innenstadtbereich, wie auch auf den Gehwegen oder auf Parkdecks. Daneben gibt es noch sechs Handkolonnen – jeweils mit zwei Mitarbeitern – die ausgerüstet mit Schneeschaufeln an Überquerungshilfen wie Zebrastreifen, an Parkscheinautomaten und Parkplätzen für Sicherheit sorgen. Hier wird allerdings kein FS 30, sondern ein Salzgemisch verwendet, das zu einem Teil aus Salz und zu neun Teilen aus Sand besteht. Auf diese Weise käme nicht so viel Salz zum Einsatz. „Außerdem ist es nicht so schlimm wie Splitt oder Granulat“, fügt Riedewald hinzu. Denn das Gemisch aus Sand und Salz würde zum einen keine Abflüsse verstopfen und zum anderen sei es recht einfach mit der Kehrmaschine wegzufegen.

Einige Fahrzeuge sind noch anderweitig im Einsatz

Spätestens im November ist der Baubetriebshof Nienburg für den Winter gewappnet. „Es hat uns da schon kalt erwischt“, berichtet die Baubetriebshofleiterin mit einem Schmunzeln. Zwar sind noch nicht alle Fahrzeuge komplett für den Winterdienst aufgerüstet. Das liege aber einfach daran, dass die Maschinen, bis zum richtigen Wintereinbruch, weiterhin für andere Arbeiten genutzt werden. Eines der Großfahrzeuge, der MAN-10-Tonner, steht allerdings schon parat. Bei den beiden Gehwegfahrzeugen – zwei Geräteträger von Hako und Hansa –, die auch für Mäharbeiten eingesetzt werden, sei das Umrüsten außerdem recht schnell möglich, da nur die Anbaugeräte gewechselt werden müssten. Genauso kurzfristig wie das Umrüsten der Maschinen wird auch der Dienstplan für die Winterwochen erstellt. „Es wird von Woche zu Woche geschaut, ob ein Winterdienst benötigt wird. Wir entscheiden dann kurzfristig, je nach Bedarf. Wenn es viel zu warm ist, wird er nicht angeordnet“, erklärt Riedewald. Nur für Weihnachten und Silvester steht der Bereitschaftsplan im Oktober schon fest. Anders sieht es da beim garantierten Bereitschaftsdienst aus, der durchgehend das ganze Jahr über besteht, beispielsweise für den Fall, dass Signalanlagen ausfallen, ein Kanal verstopft ist oder auch eine Absperrung benötig wird.

Neben der Glätte, die die Mitarbeiter des Baubetriebshofs derzeit beschäftigt, gibt es vor und nach dem Jahreswechsel noch allerhand anderes zu tun. Besonders stressig sind die Vorbereitungen für den Weihnachtszauber, den Nienburger Weihnachtsmarkt. Hier kümmern sich die Männer des Baubetriebshofs unter anderem um das Anbringen der Beleuchtung und Schmücken der Weihnachtsbäume. Und dann sind da weiterhin die vielen Blätter – trotz der immer frostiger werdenden Temperaturen. „Das Laub ist noch ganz massiv da“, berichtet Riedewald. Ein weiterer Grund, warum noch nicht alle für den Winterdienst-Einsatz angedachten Maschinen komplett umgerüstet sind. Denn auch für die beiden kleinen John Deere Traktoren stehen schon die Streugeräte und Schneeschilder bereit. Doch momentan werden sie noch mit einem Laubbläser am Heck sowie einem Räumschild an der Front für die Laubbeseitigung eingesetzt. Ein Dauerthema in Nienburg ist außerdem der Müll. Täglich, auch am Wochenende, ist ein Teil der Männer mit der Straßenreinigung, dem Leeren der Mülleimer sowie dem Säubern der Innenstadt, des Bahnhofs sowie des Busbahnhofs beschäftigt. Bei starker Verunreinigung wird für letztere Plätze zusätzlich eine der beiden Kehrmaschinen zur Hilfe genommen. Auch an Neujahr sind die Männer zu zweit oder zu dritt ab spätestens halb Fünf Uhr in der Früh unterwegs, um die Überreste der Silvesternacht von den öffentlichen Straßen und Plätzen zu entfernen. Zu beliebten Orten, an denen in der Silvesternacht mit Raketen und anderem Feuerwerk ins neue Jahr gefeiert wird, zählen unter anderem die Innenstadt sowie die Weser-Brücke. Bei einem milden Winter sind die beiden Kehrmaschinen durchgehend im Einsatz – das kleinere Modell hilft dann auch mit, die Wanderwege und Fußgängerzone sauber zu halten. „Nur nicht bei Frost, da frieren die Leitungen der Kehrmaschinen ein“, sagt Riedewald.

Für 2017/2018 steht die Anschaffung von drei Maschinen an

Mit Blick auf 2017: Welche Neuerungen erwarten den Baubetriebshofs Nienburg? Eine Antwort darauf gibt Riedewald sehr gerne: Schließlich steht die Anschaffung von drei neuen Maschinen an. Sowohl der Baggerwagen mit Kranaufsatz als auch die große Kehrmaschine und ein Gehwegfahrzeug müssen erneuert werden. Allein für das Gehwegfahrzeug mit den benötigten Anbaugeräten wird hier rund 130.000 Euro investiert. Allerdings rechnet die Baubetriebshofleiterin mit dem Erhalt der beiden großen Maschinen nicht vor 2018. „Die Politik setzt sich gerade neu zusammen“, erklärt sie. Erst dann kann die Ausschreibung erfolgen. „Der LKW und die Kehrmaschine haben allein ein halbes Jahr Lieferzeit“, so Riedewald weiter. Alle Maschinen des Baubetriebshofs Nienburg haben eine Abschreibungszeit von zehn Jahren. Darunter fallen der LKW sowie das Gehwegfahrzeug, die ersetzt werden sollen. Die Kehrmaschine dagegen ist erst acht Jahre alt. „Sie hat aber schon so viele Betriebsstunden, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnt“, erklärt Riedewald. Der Baubetriebshof der niedersächsischen Stadt setzt bei der Neuanschaffung auf Neufahrzeuge oder solche, die einem Leasingvertrag entspringen. Die seien dann gerade einmal vier Jahre alt und hätten oft noch nicht viele Kilometer auf dem Buckel, so die Erfahrung, die sie bislang gemacht hat.

Und was steht so kurz vor Weihnachten auf dem Wunschzettel der Baubetriebshofleiterin und ihrer Kollegen? Mit Blick auf den Fuhrpark sagt Riedewald: „Ich bin rundum zufrieden.“ Fügt aber auch lachend hinzu: „Natürlich gibt nach oben keine Grenzen.“ Bereits Ende 2014 habe sich für den Baubetriebshof mit dem Erhalt eines eigenen Hubsteigers ein großer Traum erfüllt. Mit diesem geht es bis zu 30 Meter in die Höhe – besonders gut geeignet für das Anbringen der Weihnachtsbeleuchtung oder auch Baumpflegearbeiten. Ebenso froh ist Riedewald darüber, dass die neuen Fahrzeuge kommen. Sonst hätte man bestimmte Arbeiten womöglich Auslagerung müssen. Und dann verrät Riedewald doch noch einen kleinen Wunsch: eine neu Halle. Bis es soweit ist, setze der Baubetriebshof aber erst einmal auf die Baugenehmigung für ein Dach, das eine Halle mit der anderen verbindet. So könne ebenfalls eine weitere Unterstellmöglichkeit geschaffen werden. Die Mitarbeiter des Baubetriebshofs würden die Arbeiten selbst erledigen. „Und Leute könnte man immer mehr gebrauchen“, sagt Riedewald zum Schluss. „Die wären auch immer beschäftigt. Es gibt kaum Tage, wo bei uns nichts zu tun ist.“

Fakten zum Baubetriebshof Nienburg:

Baubetriebshofleiterin: Cornelia Riedewald

Mitarbeiter: 49; 25 Mitarbeiter sind beim Bauhof sowie 19 bei der Stadtgärtnerei tätig. Dazu kommt noch die Leitung der einzelnen Abteilungen sowie die Verwaltung

Aufgaben: Der Baubetriebshof teilt sich in die beiden großen Abteilungen Bauhof und Stadtgärtnerei. Die Mitarbeiter des Bauhofs sind für den Winterdienst, die Kanalunterhaltung (Kanalreinigung, Einläufe, Schächte und Gräben), Straßenreinigung, den Straßenunterhalt (Verkehrssicherung, Straßenbegehung, Bauarbeiten) sowie die Müllbeseitigung (Mülleimerleerung, Grabenreinigung etc.) zuständig. Die Stadtgärtnerei kümmert sich um Grünflächenpflege (Mäharbeiten), das Straßenbegleitgrün, die Baumpflege und -kontrolle, Spielplätze sowie Sportanlagen 

Fuhrpark: LKW mit Ladekran, MAN 10-Tonner, Unimog, MAN 7,5-Tonner, Radlader, große Kehrmaschine, kleine Kehrmaschine, Saug- und Spülwagen, Gully-Cleaner, Palfinger Hubarbeitsbühne, 2 John Deere Kleintraktoren, 5 Pritschenfahrzeuge (4,8 bis 5 Tonnen Zuladung), 8 Pritschenfahrzeuge (bis 3,5 Tonnen Zuladung), 2 Gehwegfahrzeuge (Mehrzweckgeräteträger Tremo, Firma Hako), Gehwegfahrzeug (Mehrzweckgeräteträger, Firma Hansa), Nissan Kastenwagen, VW-Dienstwagen sowie Anhänger in verschiedenen Größen und Gewichten 

Verantwortungsbereich: 183,4 Kilometer befestigte Straße und 8,58 Kilometer unbefestigte Wirtschaftswege, knapp 580.000 Quadratmeter Park- und Gartenanlagen, rund 470.000 Quadratmeter Gebrauchsrasenfläche, mehr als 96.000 Quadratmeter Gehölzfläche/Bäume, 18.500 Quadratmeter Wege und Plätze sowie mehr als 192.000 Quadratmeter Straßenbegleitgrün

Fläche: Das Stadtgebiet Nienburg umfasst 64,45 Quadratkilometer

Text: Jessica Gsell - Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Baubetriebshof Nienburg/Edda Hagebölling

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