Bisweilen geraten die Winter im Oberallgäu zur echten körperlichen Herausforderung für Schnee schaufelnde Häuslebesitzer. Selbst bei recht überschaubaren Hofflächen mit lediglich um die 75 m2. Willkommene Unterstützung bietet dann die in giftigem Grün und schnittigem Design daherkommende vollelektrische Schneefräse SNT2400E von EGO. Stichwort daherkommen: In einem riesigen Karton, den die Enkeltöchter flugs in ein Spielhaus verwandeln, wird das knapp 75 kg (inklusive beider Akkus) schwere Gerät aus dem schwäbischen Steinheim an der Murr noch vor dem Winter via Spedition direkt vor die Haustür geliefert – halbfertig. Einige Montagearbeiten sind angesagt: Auswurfkamin anbauen, Räder und Gleitschuhe montieren, Handführung mit Steuerpult anbringen. Alles kein Problem, denn im Gegensatz zu den meisten Montage-Anleitungen, die kaum das Papier wert sind, auf das sie gedruckt wurden, taugt die der Schwaben mal wirklich was.
Eine gute halbe Stunde später steht die schnittige Schneeschleuder betriebsbereit im Hausflur. Na ja, fast. Die beiden 56-V-Arc-Lithium-Akkus müssen noch mit Saft versorgt werden. Schließlich soll sich ja zeigen, ob die „Peak Power-Technologie“ – wie die Marketing-Strategen aus Steinheim die kombinierte Leistung der beiden wuchtigen Batterien bezeichnen – wirklich die schwersten Schneeverhältnisse meistert. Lediglich eine knappe Stunde genehmigen sich die leistungsfähigen Akkus Strom, bis sie voll sind. Wichtig in diesem Zusammenhang: Wer nicht schon über EGO-Power-Speicher dieses Kalibers verfügt, sollte dringend die Maschine im Kit beschaffen. Denn dieser umfasst neben der Fräse auch zwei Akkus sowie je ein Ladegerät. Ach ja, während des Ladevorgangs surren die Teile wie ein von einem Honig stibitzenden Bären aufgeschreckter Schwarm stacheltragender Hautflügler. Dennoch positioniert die Dame des Hauses die emsigen Ladehelfer sogar bewusst im Wohnzimmer, um auf dem Kanapee monoton-beruhigt ins Land der Träume gewiegt zu werden. Alle anderen nervt es einfach nur tierisch.
Bedienpult ist wirklich selbsterklärend
Und dann geht’s endlich raus auf den Hof. Mit einem satten Klicken quittieren die Stromspeicher den korrekten Sitz im Akku-Fach, das direkt über der Antriebseinheit platziert ist. Mit wenigen Handgriffen ist der Bügel auf die passende Höhe justiert. Dem Begriff selbsterklärend wird das Bedienpult wirklich gerecht. Denn auch der äußerst flüchtige Blick in die Bedienungsanleitung kurz zuvor wäre nicht nötig gewesen: Zentral ist der Sicherheitsschalter angeordnet, der rund eine Sekunde gedrückt werden muss, bis die LED-Anzeige direkt darüber grün blinkt. Über das Hinabdrücken des Schneefräsenschalters, der über dem rechten Handgriff sitzt, startet das Gerät. Mit dem direkt links daneben liegenden Einstellhebel wird die Fräsgeschwindigkeit der 28 cm messenden Metallschnecke stufenlos geregelt. Rechts davon, etwas höher, befindet sich der Umlenkbügel, mit dem die Auswurfhöhe eingestellt wird. Auf selber Höhe, jedoch mittig, liegt eine Art Joystick, mit dem sich der Auswurf-Drehwinkel um bis zu 200 Grad ganz nach Gusto verändern lässt. Im linken unteren Bereich des Bedienpults befinden sich LED-Lampenschalter, der Geschwindigkeitsregler für den Radantrieb inklusive Rückwärtsgang sowie – direkt über dem linken Hauptgriff – der Ein-/Ausschalter für den Eigenantrieb.
Wirklich positiv: Die bei diversen Geräten leere Marketing-Worthülse „kann auch mit dicken Winterhandschuhen bedient werden“, trifft auf das intuitiv gestaltete Bedienpanel der SNT2400E wirklich zu. Also, Fräsenschalter nach unten, Fräsgeschwindigkeit auf halbe Power, ebenso jene des Radantriebs, und spielerisch bohrt sich die EGO durch die 15 cm weichen Neuschnee. Denn die Maschine bietet 51 cm Aufnahmehöhe und 61 cm Räumbreite. Flugs geht’s voran – ob sich wirklich 950 kg der weißen Pracht in der Minute in den Garten schleudern lassen, bleibt offen. Auch, ob die Fontäne nun 13 oder 15 Meter weit – da sind sich die Marketingstrategen des Herstellers wohl selbst nicht einig – durch die Luft wirbelt. Egal, das Ding macht einfach nur Laune. Selbst die vier LED-Scheinwerfer sind nicht nur blanke Design-Elemente, sondern sorgen in weniger ausgeleuchteten Hof-Ecken für Durchblick: vor allem in frühen Morgenstunden. Doch im Vergleich zu den motorisierten Dampfhämmern der Nachbarn ist das monoton-entspannende, 83 dB (A) (LPA) „leise“ Surren der beiden unabhängig voneinander arbeitenden bürstenlosen Motoren mit vier kW Leistung in der Spitze einfach nicht zu toppen.