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Kommunalforum Alpenraum: Kosten für ländliches Wegenetz explodieren

Alleine in Tirol ist ein geschätztes Drittel des ländlichen Wegenetzes sanierungsbedürftig, 120 Millionen Euro müssten 2013 investiert werden

Weitere Themen der grenzüberschreitenden Veranstaltung in der Lindner-Produktionshalle in Kundl waren der Ausbau des Breitbandinternets und die Dorfkernbelebung

Bürgermeister und Gemeinderäte aus Bayern, Österreich und Südtirol trafen sich beim ersten Kommunalforum Alpenraum, um sich über grenzüberschreitende Herausforderungen auszutauschen. Auf der Agenda in der Produktionshalle des Tiroler Familienunternehmens Lindner standen die Themen „Ländliches Wegenetz“, „Ausbau des Breitbandinternets“ und „Dörfliche Bausubstanz“.

„Die Gemeinden im Alpenraum bewegen sich heute in einem breiten Spannungsfeld zwischen ihrer Bedeutung im touristisch wertvollen Dachgarten Europas, partiellen Abwanderungstendenzen und neuen infrastrukturellen Herausforderungen“, sagte Tirols Landesrat Johannes Tratter in seinem Impulsreferat. Viele Ansätze müssten parallel forciert werden: von der Schärfung individueller Profile über Maßnahmen zur Ortskernbelebung und Nahversorgung, der Entwicklung neuer Kooperationsformen für eine bedarfsgerechte Infrastruktur bis hin zum Breitbandausbau.

Lebensader der Regionen
Eine der größten Herausforderungen für die kommunale Zukunft sei das ländliche Wegenetz, waren sich die Experten vor Ort einig. „Die Kosten explodieren, alleine in Tirol ist rund ein Drittel dieser Wege sanierungsbedürftig“, sagte Breitenbachs Bürgermeister Alois Margreiter. Das benötigte Investitionsvolumen für 2013 bezifferte er mit 120 Millionen Euro. Das Problem sei nicht der Neubau von Straßen, sondern deren Erhaltung. Margreiter: „Es ist höchst an der Zeit, dass Gemeinden, Land und Interessenten solidarisch an einer langfristigen Lösung arbeiten. Denn Straßen sind nach wie vor die Lebensader der Regionen.“

Auch nach Meinung von Tirols Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf sei das Wegenetz in die Jahre gekommen: „Das Land soll sich an der Erhaltung dieser Infrastruktur beteiligen.“

Salzburgs Landesrat Sepp Eisl präsentierte in Kundl den Fonds zu Erhaltung ländlicher Straßen, kurz FELS. „Im FELS wird ein mehr als 3.000 Kilometer langes Straßennetz betreut. Es ist damit mit Abstand das größte Straßennetz im Land Salzburg und aneinandergereiht länger als die Strecke von Paris nach Moskau. Pro Jahr werden rund 1.000 Kilometer des Straßennetzes saniert und modernisiert.“

154 Euro pro Einwohner für die Straßenerhaltung
Die Kommunen in Österreich kümmern sich um 70.000 Kilometer Gemeindestraßen, 43.000 Kilometer Güterwege und 12.000 Kilometer Radwege. „Rund 1,3 Milliarden Euro geben die heimischen Gemeinden jährlich aus, um diese Verkehrswege instand zu halten, das sind immerhin 154 Euro pro Einwohner“, erläuterte Helmut Mödlhammer, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes. „Drei Viertel aller Verkehrswege fallen in die Verantwortung der Gemeinden.“

Standortvoraussetzung Breitbandinternet
Weitere Themen beim ersten Kommunalforum Alpenraum waren der Ausbau des Breitbandinternets und die Belebung der Dorfkerne. „Die Verfügbarkeit von schnellem Internet ist immer mehr eine Standortvoraussetzung“, sagte Bundesrat Georg Keuschnigg, der beim Kommunalforum mit Erster Bürgermeister Josef Mend, 1. Vizepräsident des Bayerischen Gemeindetags, über die Breitband-Anforderungen der Kommunen diskutierte.

In den Ballungsräumen sorgten die Marktkräfte dafür, dass die jeweils modernsten Technologien angeboten werden, erklärte Keuschnigg. „In den ländlichen Regionen muss die Politik eingreifen. In Tirol gilt es, in wenigen Jahren die Vollversorgung aller Gemeinden umzusetzen.“ Ähnlich sieht das auch Mend für Bayern: „Für die Gemeinden sollte gelten: Nicht Leuchttürme errichten, sondern schnelles Breitband in die Fläche bringen.“

Was Südtirol in puncto Dorfkernbelebung unternimmt, skizzierte Arno Kompatscher, Präsident des Südtiroler Gemeindenverbandes. „Man muss die Erschließung des ländlichen Raums sicherstellen, um die Belebung der Dorfkerne zu gewährleisten.“

Über das Kommunalforum Alpenraum
Das Kommunalforum Alpenraum ist eine Plattform für mehr Vernetzung der Gemeinden im Alpenraum. Kooperationspartner sind Forum Land, der Bayerische Gemeindetag, die Bayerische Gemeindezeitung, Kommunal – das Fachmagazin des Österreichischen Gemeindebundes, der Tiroler Gemeindeverband und der Tiroler Fahrzeughersteller Lindner.
Informationen: www.kommunalforum-alpenraum.eu

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