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BAUHOF-PORTRÄT Regensburg Einsatz im Herzen des Welterbes: Mitarbeiter der Bauhöfe sind mit Schutzhelm und Schwimmweste für alle Eventualitäten gewappnet

Eine Stadt, drei Bauhöfe und eine lange Liste mit Aufgaben: In Regensburg sind die Bauhofmitarbeiter bei Bedarf Tag und Nacht im Einsatz, um u.a. die Verkehrssicherheit zu garantieren. Nicht immer wird ihre Arbeit gewürdigt, stolz sind sie auf ihre Leistung dennoch allemal.

Lesedauer: min | Bildquelle: Stadt Regensbrug (1); Frauke Fink (7)
Von: Frauke Fink

Farbiger Helm auf dem Kopf, Schwimmweste um die Brust und in der Hand ein Rasenmäher: Es ist ein ungewöhnliches Spektakel, das sich an diesem sonnigen Mittwochnachmittag in Regensburg abspielt. Umgeben von historischen Touristenattraktionen haben Besucher wie Einheimische nur Blicke für die Mitarbeiter des Bauhofs Ost, die dem Wildwuchs den Kampf ansagen. Gut gesichert stehen sie am Mark-Aurel-Ufer in unmittelbarer Nähe der Steinernen Brücke und mähen das Gras. Die Schwimmweste ist auf diesem Geländeabschnitt an der Donau Pflicht, denn „Arbeitssicherheit ist für die Angestellten der Regensburger Bauhöfe oberstes Gebot“. Das betont Jochen Eibl vom städtischen Tiefbauamt immer wieder.

Straßen, Gleise, Grünflächen: In Regensburg gibt es immer was zu tun

In seiner Kapazität als Sachgebietsleiter für Straßenunterhalt ist es Eibls Job, den Überblick über die Arbeit der insgesamt drei Bauhöfe der Stadt Regensburg zu behalten. Keine einfache Aufgabe, denn die Liste der Zuständigkeiten ist lang.

Als kreisfreie Stadt ist Regensburg beispielsweise für den Unterhalt und die Verkehrssicherheit von ca. 500 Kilometern Straßen, Wegen und Plätzen verantwortlich. Sechs Kilometer Gleise kommen noch obendrauf, ebenso wie 17.500 Straßenabläufe und rund 52 Kilometer Straßenentwässerungskanäle. Selbst die Pflege der insgesamt 650.000 m² Grünflachen ist nur ein kleiner Teil auf der Agenda, die zudem Bereiche wie den Hochwasserschutz oder den Winterdienst umfasst.

Es sind gewaltige Zahlen, mit denen die Regensburger hantieren. Die Bauhöfe der Stadt arbeiten deshalb Hand in Hand, um alles am Laufen zu halten. Jeder von ihnen hat sein eigenes Gebiet und damit auch seine eigenen Herausforderungen, wenn es um die Pflege und den Erhalt der städtischen Flächen geht.

Ärger in der Baustelle: Verständnis für Bauhofmitarbeiter ist rar gesät

Wie viel es in der viertgrößten Stadt Bayerns für die Bauhofmitarbeiter zu tun gibt, wird von der Bevölkerung übrigens durchaus wahrgenommen – wenn auch nicht immer wohlwollend. Vor allem Verkehrsbehinderungen wie Baustellen und Straßensperren werden sowohl im persönlichen Gespräch als auch in den sozialen Medien regelmäßig heiß diskutiert. „Wie viele Baustellen wir hier in Regensburg haben, kann vermutlich niemand genau sagen“, stellt Eibl schulterzuckend fest. Er weiß gut, wie sensibel die Regensburger auf Verkehrshindernisse reagieren, „aber man darf nicht vergessen, dass die Einschränkungen ja nicht alle von uns kommen“. Der Straßenbau sei genauso für verkehrsbeschränkende Baustellen verantwortlich wie private Unternehmungen und Aufgrabungen von Spartenträgern. „Da sind wir mit unseren nötigen Reparaturen nur ein Teil von vielen.“


An der Haltung der Verkehrsteilnehmer gegenüber den Bauhofmitarbeitern ändert das allerdings nichts. „Wir werden von der Bevölkerung leider oft sehr negativ wahrgenommen“, sagt Reiner Adler, stellvertretender Leiter des Bauhofs Ost. „Wenn wir einen Teil der Straße absperren, weil wir etwas reparieren müssen, werden wir als Verkehrshindernisse beschimpft. Dabei machen wir das ja nicht aus bösem Willen, sondern im Dienst der Bürger.“ Bestätigt wird dieser Eindruck auch von Bernhard Leitner. „Das ist tatsächlich ein großes Problem, dass die Leute kein Verständnis für unsere Arbeit haben“, ergänzt der Chef des Bauhofs Ost. „Das bereitet mir so manche schlaflose Nacht. Wenn wir an einer Baustelle die Geschwindigkeit auf 30 reduzieren, wird 50 gefahren. Und wenn du einen falschen Schritt machst, kann’s der letzte sein.“

Nicht zuletzt deshalb sei das Thema Arbeitsschutz so wichtig im Alltag der drei Regensburger Bauhöfe. „Ich sage meinen Leuten jeden Tag: Passt bitte auf und kommt gesund wieder“, erklärt Leitner, dem wie seinen Kollegen der Frust bei diesem Thema ins Gesicht geschrieben steht.

Zuverlässig im Einsatz: Bauhofmitarbeiter reparieren kleine Schäden selbst

Doch es ist nicht nur Frust, der aufkommt, wenn es um die Bauhöfe Regensburgs geht. Ganz im Gegenteil. „Wir haben einige Alleinstellungsmerkmale, auf die wir sehr stolz sein können“, sagt Sachgebietsleiter Eibl. Eines davon: Damit gar keine großen Schäden auf den betreuten Flächen entstehen können, hat die Stadt einen Kontrolldienst im Einsatz, der sofort aktiv wird, wenn ein Problem ins Visier gerät.

An jedem einzelnen Tag fahren Bauhofmitarbeiter mit ihren orangenen Fahrzeugen durch die Stadt, um sicherzustellen, dass alles passt. Zuverlässig mit im Gepäck sind Gegenstände wie eine Rüttelplatte, Pflastersteine, Werkzeuge, Absperrungen, ein Stromgenerator und Warnpfeile. All das wird im Alltag dringend benötigt, denn den insgesamt sechs Fahrzeugen samt Teams, die zu diesem Zweck im Einsatz sind, geht die Arbeit nicht aus. Insbesondere dann, wenn es sich um Notfälle wie ausgelaufenes Öl oder wegbrechende Straßen und Gehwege handelt, stehen sie als erster Ansprechpartner sofort parat, um den Verkehr zu sichern. Außerdem werden kleinere Schäden an Ort und Stelle repariert.

Viel los auf der Datenautobahn: Kabel unter der Erde bedeuten Mehrarbeit

„Dass Gehwege wegbrechen, kommt übrigens gar nicht so selten vor, wie man vielleicht denken möchte“, erklärt Eibl. Einer der Hauptgründe seien Grundstückbesitzer, die ihre Häuser verbotenerweise bis zur Grundstücksgrenze mit Holz unterkellern, welches im Laufe der Zeit verwittert. Ein anderer Grund für zunehmend instabile Oberflächen seien die vielen Kabel, die unter den Straßen verlaufen. „Das kann man sich gar nicht vorstellen, welche Kabelautobahnen unter der Erde sind“, sagt der Fachmann und scheint die schiere Menge selbst kaum fassen zu können. Immerhin sei ja nicht nur von Gas, Wasser und Strom die Rede, sondern auch von den vielen Leitungen der Telekommunikationsdienstleister. „Die liegen alle übereinander, und oft weiß man schon gar nicht mehr, wem die alten Kabel gehören,“ erklärt Eibl. Das Problem für die Bauhofmitarbeiter: „Zum einen bedeutet das mehr Aufwand bei der Untergrunderkundung im Zusammenhang mit Baustellen; zum anderen müssen wir aber natürlich auch dafür sorgen, dass das keine negativen Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit hat.“

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Die Ausstattung passt: Mit einer eigenen Werkstatt auf dem Gelände sind die Regensburger gut aufgestellt

Gut also, dass die Mitarbeiter der Bauhöfe in der Lage sind, viele Schäden schon bei der ersten Sichtung selbst zu beheben, bevor sie zu einem größeren Problem werden. Dafür, dass das zuverlässig gelingt, ist neben der Arbeitskraft der Mitarbeiter auch die technische Ausstattung verantwortlich. Und in dieser Hinsicht ist Regensburg gut aufgestellt. Der Bauhof Ost hat sogar eine eigene Schreinerei sowie eine Reparaturwerkstatt auf seinem Gelände. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Bauhofleiter Leitner stolz. Und Stellvertreter Adler ergänzt lachend: „Genauso natürlich wie die Tatsache, dass wir der schönste Bauhof sind.“

Fakt ist in jedem Fall, dass der Bauhof Ost erst vor Kurzem liebevoll renoviert wurde. Als nächstes sind nun die Sanierung und Erweiterung des Bauhofs Nord an der Reihe, der für Regensburg eine wichtige Rolle spielt. Immerhin sind dort unter anderem die Wartung, Pflege und Planung der Beleuchtung sowie der Notdienst und die Baustellenkontrolle für die Stadt angesiedelt. Damit gibt es für die vielen helfenden Hände im Norden jede Menge zu tun. Die Sanierung, die im Dezember beginnt, wird ihre Arbeitsbedingungen mit einer neuen Halle und einer Verdopplung des Verwaltungsgebäudes deutlich verbessern.

Gute Nachrichten also für die Bauhofmitarbeiter, die mit einer Vielzahl von Aufgaben betraut sind und sich über jede Form der Anerkennung freuen. Auch und vor allem dann, wenn es im Baustellenbereich mal eng auf den Straßen wird.

Fakten zu den Bauhöfen in Regensburg:

Anzahl der Bauhöfe: 3 – Nord, Ost und West.

Leitung: Sachgebietsleiter mit Stellvertreter, 3 Straßenmeister mit je einem Stellvertreter sowie 1 Sachbearbeiter Beleuchtung mit einem Stellvertreter

Anzahl der Mitarbeiter: 107, inkl. Leitung.

Wichtigste Aufgabenbereiche: 

  • Unterhaltung und Verkehrssicherungspflicht für alle öffentlichen Straßen, Wege und Plätze innerhalb des Stadtgebietes - ausgenommen Autobahnen - mit einer Länge von ca. 500 km.
  • Straßenbeleuchtung mit ca. 15.000 Leuchtstellen.
  • ca. 52 km Straßenentwässerungskanäle.
  • ca. 17.500 Straßenabläufe.
  • ca. 150 km Anschlussleitungen von den Abläufen zum öffentlichen Kanalnetz.
  • ca. 200 km Kabelzugrohranlage mit ca. 8.500 Kabelschächte.
  • ca. 650.000 m² Grünflächenpflege.
  • ca. 2,2 km mobile Hochwasserelemente.
  • ca. 6 km Gleisanlagen.
  • Mitarbeit beim manuellen Winterdienst.
  • 24 h Notdienst.
  • Bearbeitung und Überwachung von Aufgrabungen und baulichen Eingriffen in öffentliche Verkehrsflächen durch Dritte (Versorgungsunternehmer, private Bauherren und öffentliche Einrichtungen).
  • baufachliche Bewertung von Sondernutzungen der öffentlichen Verkehrsflächen infolge von Veranstaltungen, baulicher Nutzung, etc.

Ausstattung des Fuhrparks: 

3 Mobilbagger (11 to), 6 Radlader, Straßenfräse (50 cm), Straßenwalze, 15 Kleintransporter (3,5 to), 6 Transport-Lkw, 3 Multifunktionslader, 2 Saug-Druck-Wägen, 3 Hubarbeitsbühnen, 3 Unimog mit Mähwerk, 10 Pkw