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KOMMTEC LIVE 2022 Zweite „Premiere“ in Offenburg

Die zweite Ausgabe der KommTec live hat erneut einen Rundumschlag zu allen relevanten Themen der kommunalen Technik geboten. Warum der Erfolg allerdings nicht selbstverständlich ist und welche Einzelheiten es auf der Messe zu sehen gab, hat Bauhof-online.de vor Ort in Erfahrung gebracht.

Lesedauer: min | Bildquelle: Tim Knott; Gedore GmbH
Von: Tim Knott

Auf Anhieb klappt es nicht mit dem Publikum. Zwar lässt sich am ersten Messetag der KommTec live ein stetiger Besucherstrom verzeichnen, allerdings bleiben diese in der Anzahl hinter den Erwartungen zurück. Schon werden erste Zweifel unter den Herstellern laut. Ist die Veranstaltung in Offenburg räumlich und zeitlich nicht etwas zu nahe an der GaLaBau, die erst im vorherigen Monat veranstaltet wurde?

Eine Kommunal-Veranstaltung nahe am „Familientreffen der grünen Branche“ klingt in der Tat wie ein Wagnis. Die Leitung der Messe Offenburg hatte jedoch gute Gründe, dieses einzugehen. Immerhin wurde der angedachte Termin im Jahr 2021 aufgrund der Pandemie um ein Jahr verschoben. „Und da die KommTec live 2019 ihr Debüt gefeiert hat, war es wichtiger, am Ball zu bleiben und die Veranstaltung zu etablieren“, erklärt Projektleiter Volker Matern.

Umso besser also, dass sich die Risikobereitschaft auszahlt und bis zum letzten Veranstaltungstag insgesamt 1.134 Fachbesucher das Messegelände aufsuchen (927 Besucher auf der Premiere 2019). „Natürlich gab es hier keine überfüllten Gänge, wie auf der Forst Live“, berichtet Matern. Dennoch wertet die Messeleitung es als Erfolg.


Akku-Technik und E-Mulcher

Doch zur ausgestellten Technik: Ein großer Messe-Fokus liegt auf der E-Technik. So präsentiert die Eugen Unkauf GmbH den BEATe von Meili. Das Kommunalfahrzeug des Schweizer Herstellers verfügt über eine Lithium-Ionen-Hochleistungsbatterie, mit der eine Kilometerleistung von ca. 200 km möglich ist. In die Praxis des Schweizer Winterdiensts gebracht, sei das eine Leistung von acht Stunden, wie Geschäftsführer Eugen Unkauf versichert. Mit einem Wendekreis von 5,80 Metern ist auch ein Navigieren in engeren Straßen möglich. Des Weiteren lässt sich die Batterie via Schnell-Ladung in einer Stunde wieder aufladen.

Akku-elektrische Lösungen finden wir ebenfalls am Stand der Powertec Service GmbH. Als Importeur des österreichischen Unternehmens MUP Technologies ist das Unternehmen mit einem Elion vor Ort vertreten. Das Fahrzeug kann individuell zusammengestellt werden, bietet eine Pritschen-Wechselfunktion und hat eine Reichweite von 120 km. Für die tägliche Fahrzeit von kommunalen Betrieben sei das „vollkommen ausreichend“, wie Powertec-Geschäftsführer Oliver Weber berichtet.

Auch beim E-Ladog wird – wie der Name schon sagt – auf Akku-Technik gesetzt. Verfügbar ist die Maschine in den Fahrzeugmodellbreiten 1250 und 1400 mm. Für viel Power sorgen der permanente Allradantrieb mit Selbstsperrdifferenzial in Vorder- und Hinterachse sowie eine zuschaltbare Längsdifferenzialsperre. Ebenso ist Gleichstrom- sowie Schnell-Ladung realisierbar. Eine Leistungsverteilung erfolgt mechanisch über ein Verteilergetriebe.

Ebenfalls auf E-Power gesetzt wird am Stand der Stella Engineering GmbH: Bei dem neuen Mulcher X-Rot 70 e-Power von Barbieri handelt es sich um eine Akku-elektrische Weiterentwicklung des etablierten X-Rot Sichelmulchers. Nun wurde die Maschine jedoch um Teilautonomie und einen kraftvollen Akku ergänzt, sodass die eine Arbeitszeit von drei bis fünf Stunden ermöglicht wird. Geplant ist ebenfalls eine Radar-Rundumsensorik, die Mensch und Tier erkennt, „aber die ist nicht mal eben so entwickelt“, erläutert Außendienstmitarbeiter Daniel Schmied.

Nicht neu, sondern altbekannt wird es bei der Etesia S.A.S mit dem ET Lander. Das Multifunktionsfahrzeug macht seiner Bezeichnung alle Ehre und lässt sich durch ein Modularprinzip je nach Anwenderwunsch für eine Vielzahl an Tätigkeiten ausstatten. Außerdem fährt der Lander komplett elektrisch und bietet Laufzeit für einen ganzen Arbeitstag. So werden ausgiebige Fahrten ohne Lärmbelästigung ermöglicht.

Eine weitere Elektro-Option bietet die GreenBase eG mit dem Akku-Mehrzweck-Geräteträger Rino. Neben dem Hauptantrieb ist noch ein weiterer Akku für das Anbaugerät verbaut. So kommt das Gerät auf bis zu elf Stunden Betriebszeit. Ein vereinheitlichtes Schnellkuppeldreieck bietet Kompatibilität mit einer breiten Palette an Zubehör. „In der Größe und mit der Auswahl an Anbaugeräten gibt es keine Alternative“, so Theodor Wolters von Greenbase.

Auch nicht neu, aber durchaus aktuell, ist der Phoenix Electra, ein zu 100 Prozent vollelektrisch betriebener Lkw-Streuautomat der Bucher Municipal Wernberg GmbH. Zur Versorgung dient eine leistungsfähige Lithiumbatterie, deren Managementsystem einen automatischen Temperaturschutz sowie eine Überwachung der Zellenspannung gewährleistet.

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Kommunalfahrzeuge und Traktoren

Am Reform-Stand steht der neue Boki 140. Mit dem universellen Kommunalfahrzeug soll eine Option für den Ganzjahreseinsatz etabliert werden. Deswegen verfügt das Gerät über einen hydrostatischen Fahrantrieb sowie ein neues Sicherheitssystem. Dadurch können Bediener Geräte an- und abbauen, ohne in den Gefahrenbereich der Maschine zu gelangen. Serienmäßig wird diese mit Allradantrieb und Dreiseitenkipper ausgestattet und verfügt über mehr als 140 Anbaugeräte.

Leicht zu finden ist der Stand der Lindner Traktorenwerk GesmbH, steht hier doch ein eindrucksvoller Lintrac 130. Der Koloss bietet Heck-, Front- sowie Arbeitshydraulik und zwei Frontzapfwellen. Damit ist der Traktor gut für diverse Einsätze im Sommer- und Winterdienst geeignet. Neben der diversen Einsatzmöglichkeiten setzen die Österreicher mit ihrem Schlepper allerdings auch auf Wendigkeit. So handelt es sich bei der Maschine laut Herstellerangaben um den ersten stufenlosen Standardtraktor mit mitlenkender Hinterachse.

Das Herzstück von Fink Maschinentechnik ist prominent am entsprechenden Stand zu sehen: der Woodzilla. Mit dem Häcksler, der in Zusammenarbeit mit der österreichischen Firma Bentele Biomasse Technologie GmbH entstanden ist, lassen sich Stämme mit bis zu 320 mm Durchmesser zerkleinern. Aufgrund eines in der Maschinenmitte positionierten, um 420 Grad drehbaren Z-Krans und eines 360-Grad-Maschinendrehkranzes ist Arbeiten in einer Vielzahl von Umgebungen möglich.

Flächenbearbeitungs-Lösung, um den Boden für eine Neubepflanzung vorzubereiten, bietet dagegen die Rapid Technic GmbH mit ihrer Umkehrfräse. Durch entgegen der Fahrtrichtung rotierende Zinkenpaare wird der Boden fein aufgefräst, Altrasen, Pflanzenreste sowie Steine unten in den Boden eingearbeitet und das fein gefräste Erdgut an der Oberfläche abgelegt. Aufgrund des geringen Gewichtes der Fräse im Vergleich zu Traktoren wird so ebenfalls der Boden geschont.

Werkzeug und Fahrzeugaufbauten

Ganz wie erwartet ist die Makita Werkzeug GmbH mit einer Vielzahl an Akku-Werkzeug vertreten, darunter der Akku-Trennschleifer CE001G. Mit diesem zeigt der Spezialist für Akkuwerkzeuge, dass sich diese auch bei extremeren Arbeitseinsätzen behaupten können. Die Maschine mit einer Ausgangsleistung von 3.600 Watt wird von zwei 40-Volt-Akkus angetrieben und bietet außerdem noch einen Wasseranschluss, um Staub zu binden.

Um Schraubtechnik dreht sich alles am Stand der Gedore Torque Solutions GmbH, genauer gesagt um den LDA-12S. Mit der sogenannten Schiebermaschine und dem entsprechenden Gerüst lässt sich eine Vielzahl an Aufgaben bewerkstelligen, wie z.B. das effiziente Versenken von Erdankern oder das Öffnen und Schließen in der Wartung und Instandhaltung von Schiebern an Wasser-, Abwasser-, Fernwärme- und Gasrohrleitungen. Die Maschine bietet eine elektronisch-stufenlose Drehmomenteinstellung, ein robustes Planetengetriebe sowie eine um 360 Grad drehbare Motoreinheit.

Individuelle Fahrzeugaufbauten werden beim Stand der Schoon Fahrzeugsysteme & Metalltechnik GmbH ausgestellt. Verdeutlicht wird das mit dem präsentierten Transporter, den die Experten mit einem Kran auf der Ladefläche und einer Werkzeugbox ausgestattet haben. „Wir haben die Möglichkeit, direkt auf individuelle Kundenwünsche einzugehen“, berichtet Außendienstler Frank Zerfas. „Durch Vollverzinkung und ein hohes Qualitätsniveau erreichen wir eine ausgeprägte Langlebigkeit.“

Untergrund-Sicherung und Schneeketten

Schweres Arbeitsgerät läuft bei Baustellen in der Natur Gefahr, entweder nur langsam voranzukommen oder ganz steckenzubleiben. In jedem Fall besteht das Risiko von Flurschäden. Um diese zu vermeiden, kommt das Produkt der Securatek GmbH & Co. KG zum Einsatz. Seit mittlerweile 20 Jahren fertigt das Unternehmen Kunststoffplatten für Bodenschutz und Abstütztechnik aus 100 Prozent Recyclingmaterial. Diese können entweder gekauft oder bundesweit auch gemietet werden.

Eine kommunale Arbeitserleichterung findet sich bei der Fritz Lange GmbH. Hier wird eine Möglichkeit präsentiert, Stickern auf Straßenschildern Herr zu werden. Bei Astifol, dem entsprechenden Produkt handelt es sich um einen Anti-Sticker-Lack und -Film, der Stickern keine Oberfläche bietet. Nachdem diese aufgebracht werden, reicht schon ein kleiner Wind aus, um diese wieder vom Schild zu pusten.

Beim Stand von Mammut wird schon von weitem klar, worum es geht. Hier steht alles im Zeichen der Schneeketten. Vor allem um die Kommunalkette Solida-HP, die bei 20 bis 30 cm Schnee zum Einsatz kommt und z.B. beim Räumdienst im Schneematsch für mehr Traktion sorgt.

Digitalisierung und Automatisierung

„Unser Unternehmen bietet eine Möglichkeit, sich in kürzester Zeit einen Überblick zu verschaffen, in welchem Zustand die Straßen der eigenen Kommune sind“, sagt Elias Bernhard, National Sales Manager der vialytics GmbH über das Straßenmanagement-System des Unternehmens. „Digitalisierung ist hier kein Selbstzweck, sondern eine Möglichkeit der Arbeitserleichterung.“ So lassen sich die Straßen und Radwege datenschutzkonform sowie mit wenig Personalaufwand mittels entsprechendem Programm auf dem Handy auswerten und Schäden ganzheitlicher dokumentieren.

Automatisierung ist der ausgewiesene Wunsch der Allroundmaster GmbH. So hat diese eine Möglichkeit erfunden, um die Sinkkastenreinigung zu vereinfachen. Das entsprechende Gerät wird an Kehrmaschinen angebracht und ermöglicht es einer einzigen Arbeitskraft, den Reinigungsvorgang auszuführen. Dabei geht die komplette Bedienung von der Fahrerkabine aus, sodass der Fahrer das Fahrzeug nicht verlassen muss. Des Weiteren bietet das Produkt hohe Flexibilität, da es mit einem Schnellwechselsystem für weitere Anbaugeräte ausgestattet ist.

Insektenschonung und Betonverzicht

Nachhaltigkeit steht bei der Lipco GmbH im Fokus. Der Hersteller hat sich zur Aufgabe gemacht, das Mulchen nachhaltiger zu gestalten. Immerhin wird bei dem Prozess nicht nur Mähgut zerkleinert, sondern auch die Insektenpopulation stark in Mitleidenschaft gezogen. Abhilfe schafft hier ein Insektenrechen, der an den Schlegelmulcher MG angebracht werden kann und die Kleinlebewesen vor dem Mulchen verscheucht. Somit wird das gute Schnittbild der Y-Messer mit Nachhaltigkeit verbunden.

Schilder anbringen ohne Beton: Diesen Slogan hat sich die Gebr. Sträb GmbH und Co. KG auf die Fahne geschrieben. Ermöglicht werden soll das mit dem Produkt Ferradix. Dabei handelt es sich um einen Erddübel, der durch ein Loch in den Boden getrieben wird, und die Stabilität des eingebauten Schildes gewährleistet. Bei Tiefen von bis zu einem Meter ist laut Hersteller eine ähnliche Stabilität wie Beton gewährleistet.

Heißwasser-Einsatz und Unkrautvernichtung

Mit der Maschine Biomant Compact bietet die Mantis ULV-Sprühgeräte GmbH eine Möglichkeit, Unkraut durch das Heißwasser-Verfahren loszuwerden. Das Besondere daran sei die Flexibilität, wie Heinrich Kucharczyk, Sales Manager DACH, berichtet. So könne die Maschine mit dem 500-Liter-Wassertank an eine Vielzahl an Geräten angebracht werden, egal ob Schlepper oder Kommunalfahrzeug. Neben Unkrautbekämpfung ist auch Desinfektion und Hochdruckreinigen möglich.

In Sachen Heißwasser bietet auch die Weedconcept GmbH einige Produkte an. Eines davon ist der Weco M Skid 500. In dem grau-orangen Edelstahlrahmen verfügt die Maschine über einen 500-Liter-Tank, ein abschließbares Einschubfach für den Akku und ein weiteres zur Unterbringung der Lanzen. Dank Dieselbrenner bietet die Maschine 98 bis 99 Grad an der Düse und bringt zehn Liter pro Minute aus. Geregelt wird die Temperatur durch eine elektronische Steuerung. Außerdem lässt sich das Gerät aufgrund der strategisch angebrachten Einschuböffnungen für Palettengabeln sowohl längs als auch quer verladen.

Viele Aussteller also, deren Feedback zur Messe gemischt ausfällt, berichtet Projektleiter Volker Matern. „Zwar gibt es auch negative Stimmen, aber unter den wichtigen Branchen ist der Zuspruch groß.“ Umso wichtiger, denn um einen weiteren Konflikt mit der GaLaBau zu vermeiden, muss die Messe sozusagen „aus den geraden Jahren heraus“. Deswegen wird die KommTec live vorerst nicht wie geplant im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden, sondern schon am 18. und 19. Oktober 2023 wieder abgehalten. „Dann befinden wir uns zwar in einem Jahr mit der DemoPark in Eisenach, aber die hat geografisch wie thematisch einigen Abstand von uns“, schließt Matern.