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Bauhof Grödig: Sole hat viele Vorteile, „es muss aber passen"

Der Bauhof der Gemeinde Grödig im Salzburger Land setzt im Winterdienst seit einigen Jahren komplett auf Sole. Bauhof-online.de hat mit dem Verantwortlichen, Karl Schnöll-Reichl, über die Gründe sowie inzwischen gemachte Erfahrungen gesprochen.

Lesedauer: min | Bildquelle: Hersteller
Von: Tobias Meyer

Was hat die Gemeinde Grödig dazu bewogen, auf Sole als Streugut umzustellen?

Karl Schnöll-Reichl: Wir haben vorher auf unseren 40 km Geh- und Radwegen sowie 60 km Gemeinde- und Servicestraßen 50 Prozent Salz und 50 Prozent Splitt gestreut. In den schneearmen Monaten der Übergangszeit gingen aber vermehrt Beschwerden hinsichtlich Staubentwicklung ein, die vom Splitt herrührten. Daher musste man dann alles wieder wegkehren, wobei die Entsorgungskosten des Splitts nicht unerheblich sind. 14 Tage später hat es dann wieder geschneit – und wir haben erneut gestreut.

Eine komplette Umstellung auf Salz ging aber auch nicht, oder?

Schnöll-Reichl: Nein, da wir einige Wasserschutzgebiete haben, brauchte es eine generelle Alternative zu unseren bisherigen Streugütern. Daher haben wir uns die Sole näher angesehen.

Sie wollten also zu Anfang nicht das Salz, sondern den Splitt ersetzen?

Schnöll-Reichl: Exakt, wir haben dann aber eine komplette Umstellung eingeführt und setzen nun 100 Prozent auf Sole – von der Landstraße bis zum Gehweg.

Hat das neue Verfahren auch Auswirkungen auf die Winterdienstarbeit allgemein gehabt?

Schnöll-Reichl: Der Aufwand auf der Straße ist ziemlich gleich geblieben, da ja noch immer im gleichen Turnus gefahren wird, nur eben mit anderem Streugut. Natürlich ist aber die Aufbereitung der Sole dazugekommen. Dafür funktioniert aber das Räumen teilweise besser: In unserer Höhenlage auf 446 Metern schneit es gerne sehr feucht, durch die Sole bekommt man den Matsch aber sehr viel besser gehandhabt, da die Schneeschicht nicht anfriert. Stattdessen bildet sich eine Art Film, auf dem sich sauber räumen lässt. Die Hausmeister-typischen Wege – wie Hauseingänge und Zufahrten – werden mit Handsprühgeräten eisfrei gehalten.


Gibt es noch ein Backup?

Schnöll-Reichl: Ja, wir haben auch noch je einen Streuer für Split und Salz. Denn natürlich kann auch einmal etwas nicht funktionieren, etwa während der Sole-Aufbereitung. Der Winterdienst muss aber dennoch jederzeit gewährleistet sein. Außerdem kann bei sehr heftigem Schneefall dann noch ein weiteres Fahrzeug zusätzlich mit Salz fahren. Diese Einsätze kann man jährlich aber an einer Hand abzählen. Außerdem gibt es zwei geschotterte Wege zu Parkplätzen am Untersberg, die weiterhin mit Split gestreut werden. Denn auf dem dortigen Untergrund führen auftauende Mittel wie Sole und Salz schnell zu Matsch, der Split kann dort zudem auch liegen bleiben.

Wie erfolgt die Aufbereitung der Sole?

Wir haben ein Salzsilo, das in zwei Kammern etwa 100 Tonnen fasst. Direkt darunter steht die mechanische Anlage zur Solebereitung. In einen Vorlagetrichter geben wir die Menge Salz, die wir für die entsprechende Charge benötigen. Das Ganze rieselt dann langsam ein und wird zwei bis drei Stunden umgewälzt. Nachdem die Konzentration gemessen ist, pumpen wir die fertige Sole in unsere Bunker.

Mit welchem Mischungsverhältnis arbeiten Sie?

Schnöll-Reichl: Wir fahren mit 21,5 bis 23 Prozent, wobei letzter Wert schon das maximal Mögliche ist. In dem Fall sollte man eventuell lieber einen Schluck Wasser mehr zusetzen und noch etwas länger rühren. Denn die Tauwirkung wird so schon wieder schlechter, und das Salz löst sich schlechter, teilweise bilden sich auch Ablagerungen in der Anlage. Ideal sind daher 21,5 Prozent.

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Weniger Salz ist ja auch ökologisch sinnvoll, oder?

Schnöll-Reichl: Nicht nur weniger Salz, auch die Abschaffung des Splitts hatte dahingehend positive Effekte, denn wir verursachen so weniger Feinstaub. In weniger starken Wintern, wenn Schnee und Eis schnell wieder weggetaut sind, loben Eltern mit Kinderwagen oder auch Freizeitsportler zudem die immer splittfreien, sauberen Wege. Die Natur selbst freut sich ebenfalls, da die Sole exakt dort bleibt, wo sie ausgebracht wird. Daher gehen wesentlich weniger Pflanzen wie etwa Hecken kaputt, als das bei verwehendem Streusalz der Fall ist. Sehr viele Reinigungskräfte berichten zudem von möglichen Einsparungen in Gebäuden, da weniger grober Schmutz und Salzschlieren eingetragen würden. Auch Hundehalter beschweren sich nicht mehr über angegriffene Pfoten, früher mit Salz gab es das schon manchmal.

Wie ist der technische Aufwand?

Schnöll-Reichl: Bei der Konservierung muss man sehr penibel sein. Ein Spritzschutz an den Fahrzeugen ist sehr sinnvoll, da die flüssige Sole sonst sehr schnell in Gelenke und Spalten gelangt und für Korrosion sorgt. Die Anschaffung der Geräte ist zudem etwas kostenintensiver, als bei regulären Streuern, dafür können wir unsere Technik aber im Sommer zum Reinigen der Straßen verwenden, auch das Gießen wäre möglich, da wir eine Niederdruckvariante nutzen. Wir haben uns für die Firma Ecotech und deren Icefighter-Produkte entschieden.

Können Sie Sole uneingeschränkt empfehlen?

Schnöll-Reichl: Natürlich muss es passen. Ein wichtiges Kriterium sind die Wege zur Befüllanlage. Wer viele kleine, weit außen liegende Ortsteile streuen muss und dann lange Fahrtstrecken hat, muss testen, wie es mit der Reichweite funktioniert. Bei uns klappt es gut, da unsere Anlage sehr zentral steht und die Wege daher kurz sind. Der 1300-Liter-Tank reicht da immer recht gut für eine Tour. Natürlich könnte man unterwegs auch Puffertanks anlegen, das wäre aber wieder etwas kostspieliger. Wenn Sole nicht funktioniert, klappt aber Feuchtsalz FS60 immer, da gibt es keine Ausreden.