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Bad Hindelang: Wo Kühe dem Bauhof alles abverlangen

140 Quadratkilometer Fläche sowie eine Höhenlage zwischen 800 und 1200 Metern machen die Arbeit des Bauhofs in der Oberallgäuer Marktgemeinde auch im September nicht langweilig.

Von: Jessica Gsell

Sommer, Sonne, Sonnenschein – so richtig mag das bisher nicht zutreffen. Lange hat der Sommer allerdings nicht mehr Zeit um zu zeigen, was er eigentlich kann. Denn mit schnellen Schritten macht sich bereits der Herbst auf den Weg. Für die Bauhöfe spielt es allerdings keine Rolle, welche Jahreszeit gerade vorherrscht. Arbeit gibt es immer. Eine Verschnaufpause vor dem Winter? Fehlanzeige! Auch im September haben die Mitarbeiter alle Hände voll zu tun. In Bad Hindelang steht neben den bauhofüblichen Tätigkeiten noch ein besonderes Spektakel an: der Viehscheid am 10. September.

Sie ist lang, die Liste der Aufgaben, die Bauhofleiter Andreas Schach für den September bereithält: „Was jetzt kommt ist der Heckenschnitt, teilweise auch der zweite Grünschnitt für die Straßenbegleitflächen.“ Zudem betreut der Bauhof insgesamt 17 Spielplätze mit verschiedenen Stationen. Um für genügend Sicherheit und Ordnung zu sorgen, werden die Spielplätze oftmals wöchentlich einer Sicht-, Funktions- sowie Stabilitätskontrolle unterzogen. Vom Anziehen der Schrauben über das Schmieren der Gelenke bis hin zum Ab- und wieder Aufbau eines Gerätes fällt alles in den Tätigkeitsbereich des Bauhofs. Und auch die drei Friedhöfe der Gemeinde beschäftigen die insgesamt 17 Mitarbeiter ständig. „Die brauchen viel Pflege“, erklärt der Bauhofleiter. So muss dort gemäht sowie die Büsche geschnitten werden. Viel Zeit nimmt auch die Wartung der Maschinen in Anspruch. Zumal sich der Bauhof in Bad Hindelang nicht nur um die eigenen Fahrzeuge kümmert, sondern auch um die der insgesamt sechs Feuerwehren in der Gemeinde. Zudem sind die Bauhofmitarbeiter bei Veranstaltungen wie Festen und Märkten im Einsatz und helfen dort unter anderem bei der Straßensicherung mit.

Bauhofmitarbeiter sperren eine komplette Kreisstraße

Eine der größten und bekanntesten Veranstaltung, die jedes Jahr im September mitunter rund 15.000 Besucher in die Oberallgäuer Markt Gemeinde zieht, ist der Viehscheid. An diesem Tag werden rund 700 Stück Vieh von den fünf Alpen zurück ins Tal getrieben. Was für die Besucher ein spektakulärer Anblick ist, bedeutet für die Mitarbeiter des Bauhofs vor allem eines: Stress. Bereits sechs Tage zuvor werden acht Mann für die Vorbereitungen abgestellt. „Sie kümmern sich dann um die Straßensicherung“, erklärt Schach. Schließlich wird für den Viehscheid eine komplette Kreisstraße gesperrt. „Die gesamte Verkehrsführung wird geändert. Dafür werden Halteverbots- und Umleitungsschilder aufgestellt“, berichtet der Bauhofleiter. Entlang der gesperrten Hauptstraße befindet sich am 10. September ein großer Krämermarkt mit 122 Ständen, einem großen Festzelt, Verkaufsständen sowie Fahrgeschäften. Hierfür messen die Mitarbeiter des Bauhofs alles ein. Zudem werden auf den Wiesenflächen Parkplätze für die erwarteten 1500 Autos geschaffen. „Zum Eingrenzen der Parkplätze verwenden wir Sägemehl“, erklärt Schach. Die Mitarbeiter nehmen dafür ihr Lindner Kommunalfahrzeug zur Hilfe. Dieses hat einen Trichter angehängt, in den das Sägemehl eingeschaufelt wird. Alle 18 Meter wird so mithilfe eines Rohrs eine gerade Linie für die Parkplatzabgrenzung gezogen.

Am Veranstaltungstag selbst sind alle 17 Mitarbeiter im Einsatz. Zum einen müssen die ankommenden Auto- und Busfahrer auf den Parkplätzen eingewiesen, zum anderen die geänderte Verkehrsführung überwacht werden, damit kein Chaos ausbricht. Ist das Vieh im Tal angekommen, wird es erst einmal in ein – ebenfalls zuvor vom Bauhof aufgestelltes – Gatter getrieben, bevor die Eigentümer ihre Tiere dann abholen. Auch dieses Prozedere wird von den Mitarbeitern des Bauhofs überwacht. Am Tag danach geht es für einen Teil der Männer bereits um 6 Uhr in der Früh wieder weiter: „Aufräumen ist angesagt“, erklärt Schach und fügt hinzu: „Da sind wir dann ein paar Stunden beschäftigt.“ „So ein Viehscheid ist immer stressig“, berichtet der Bauhofleiter. Haben seine Mitarbeiter nicht irgendwann die Nase voll davon? „Nein“, antwortet Schach mit einem Lachen. Schließlich gehöre das zu Bad Hindelang dazu. Der Bauhofleiter selbst kümmert sich übrigens am Tag des Viehscheids vor allem um die Verpflegung seiner 17 Männer. 

Eine der größten zu betreuenden Fläche in Bayern     

Zwar ruhen am 10. September alle elf Fahrzeuge des Bauhof-Fuhrparks. „Die restliche Zeit sind sie aber permanent unterwegs“, sagt Schach. Im Winter sind die Fahrzeuge für den Schneeräumdienst im Ortsteil Bad Hindelang im Dauereinsatz. Zudem ist eine Handmannschaft unterwegs, die unter anderem Nebenwege und Treppen vom Schnee befreit. Um die restlichen Straßen und Ortsteile bewältigen zu können, mietet sich die Gemeinde jedes Jahr von Mitte November bis Ende März zusätzlich Schneeräumfahrzeuge von sechs Fremdfirmen an. Denn die geografische Lage der Gemeinde hat es in sich. Mit einer zu betreuenden Fläche von 140 Quadratkilometern gehört Bad Hindelang zu einer der größten in Bayern. Das besondere innerhalb der Markt Gemeinde: Bei einer Höhenlage, die von 800 bis 1200 Metern reicht, können die Wetterverhältnisse von Ortsteil zu Ortsteil variieren. „Die einen haben Schnee und bei den anderen ist davon noch gar nichts zu sehen“, nennt Schach ein Beispiel. In dem rund 20 Kilometer langen Tal befinden sich neben sechs Ortsteilen auch noch sechs kleine Weiler. „Und jedes Dorf will die bestmögliche Betreuung haben“, erzählt Schach und muss dabei schmunzeln. Deshalb hat die Gemeinde zusätzlich eine Außenstelle des Bauhofs im Ortsteil Unterjoch eingerichtet. Denn dieser Ortsteil von Bad Hindelang befindet sich auf 1136 Höhenmetern. Zwei Mitarbeiter sind dort das ganze Jahr über abgestellt. Und gibt es einmal mehr zu tun, schickt Schach auch weitere Kollegen zur Unterstützung hoch.  

Auch wenn die Winter im Oberallgäu mitunter sehr streng ausfallen können, macht sich der Bauhof in Bad Hindelang im September noch keine Gedanken über den anstehenden Winter. „Das läuft dann eher in den Oktober hinein“, berichtet Schach. Als Deadline setzt er sich immer Allerheiligen. Bis dahin müssen die Schneezeichen – immerhin ein paar 1000 Stück – aufgestellt sein, damit die Mitarbeiter beim Schneeräumen dann auch genau wissen, wo die Straße verläuft.   

Fakten zum Bauhof Bad Hindelang

Bauhofleiter: Andreas Schach

Mitarbeiter: 17 Festangestellte; davon betreuen zwei Mitarbeiter die Außenstelle Unterjoch und vier gehören zum „Gärtnertrupp“

Aufgaben: Straßenunterhaltungsarbeiten, Reinigungsarbeiten, Gebäudeunterhaltung und -reparatur, Friedhofsarbeiten, Winterdienst, Grünpflege, Helfer bei Großveranstaltungen  

Fuhrpark: 1 LKW, 1 Lindner Kommunalfahrzeug, 3 Schmalspurfahrzeuge, 2 Pritschenfahrzeuge, 1 VW-Kombi, 3 kleine Kombifahrzeuge; für den Winterdienst mietet sich der Bauhof von Mitte November bis Ende März im Drei-Jahres-Turnus die Fahrzeuge von sechs Fremdfirmen mit an

Verantwortungsbereich: 37 km Straße (bei einer Höhenlage zwischen 800 und 1200 Meter)

Fläche: 140 km²

Text: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Andreas Schach; Bad Hindelang Tourismus/Wolfgang B. Kleiner

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