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Interview-Reihe: Bucher Municipal setzt auf Elektrotechnik und moderne Weltraumtechnologie

Mit Doppelschürfleisten-Systemen, elektrisch betriebenen Streumaschinen sowie Teleskoppflügen hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe an Neuheiten im Bereich des Winterdienstes auf den Markt gebracht

In den Unternehmen wird getüftelt, geforscht und entwickelt. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden der Öffentlichkeit oft auf den Messen zum allerersten Mal vorgestellt. Doch kommen die Neuheiten auch wirklich bei den Kunden an? Wie viele der Produkte wurden bislang verkauft? Und welcher Kundenkreis findet Gefallen an den Innovationen? Um diese Fragen zu klären, werden wir in unserer Interview-Reihe in den kommenden Monaten einige Firmen zu Wort kommen lassen. Den Anfang macht das Unternehmen Bucher Municipal, vertreten durch die Gmeiner GmbH, mit Sitz in Wernberg-Köblitz (Bayern). Zur Produktpalette von Bucher Municipal zählen neben modernster Winterdiensttechnik auch Kompakt- und Großkehrfahrzeuge sowie Kanalreinigungs- und Müllfahrzeuge.

Wir sprachen mit Marketing-Manager Thomas Kölbl über Neuentwicklungen im Bereich Winterdienst wie den Phoenix Electra, den Umgang mit Kundenkritik und ließen ihn zudem einen Blick in die Zukunft von Bucher Municipal werfen.

Elektrisch betriebene Streumaschinen, Teleskoppflüge, Doppelschürfleisten-Systeme – Bucher Municipal war in der vergangenen Zeit richtig fleißig bei der Entwicklung von Neuheiten im Bereich Winterdienst. Herr Kölbl, auf welche Produkte sind Sie besonders stolz?

Natürlich sind wir auf all unsere Produkte stolz, die wir entwickeln und auf den Markt bringen. Im Vorfeld investieren wir immer sehr viel Zeit, um die Bedürfnisse des Marktes genau zu analysieren und die Wünsche unserer Kunden zu kennen. Wir entwickeln nahezu jedes unserer Produkte in enger Absprache mit einem speziell dafür ausgewählten Kundenkreis. Mit all den genannten Produkten, die wir bisher auf den Markt gebracht haben, haben wir immer einen ganz speziellen Zweck verfolgt, nämlich dem Anwender den größtmöglichen Nutzen für seinen ganz speziellen Einsatzzweck zu bieten.

Wie viele der neuen Produkte wurden bereits ausgeliefert?

Unsere Teleskop-Schneepflüge sind schon etwas länger auf dem Markt und haben sich gerade bei Autobahnmeistereien einen sehr guten Namen gemacht. Aber auch in den angrenzenden Nachbarländern befinden sich schon einige Exemplare im Einsatz. Der elektrisch betriebene Streuautomat Phoenix wurde erstmalig auf der IFAT 2016 in München als Prototyp präsentiert. Aktuell befinden sich davon etwa 10 Vorserienmodelle in der Testphase und werden von unseren Kollegen aus der Entwicklungsabteilung sowie dem Service begleitet. Die Keil-Vario-Schneepflüge der Baureihen UR/UM mit Doppelschürfleisten-System entpuppen sich als der Renner im kommunalen Sektor. Die Möglichkeit, bequem vom Fahrerhaus aus zwischen Stahl- und Gummischürfleiste zu wechseln, wird sehr gut angenommen. Die Pflüge sind somit absolute Allrounder und bestens für den Einsatz auf Kopfsteinpflaster sowie für die Schwarzräumung geeignet. Bereits im ersten Jahr konnten wir hier mehr als 50 Einheiten alleine in Deutschland ausliefern.

Wo in Europa sind Ihre Produkte am gefragtesten?

Unsere Produkte zeichnen sich durch einen sehr hohen Qualitätsstandard aus. Eine Qualität, wie sie vor allem natürlich in Deutschland sowie den deutschsprachigen Nachbarländern Österreich und der Schweiz hochgeschätzt wird. Natürlich befinden sich auch viele Geräte in anderen europäischen Ländern im Einsatz. So laufen z. B. alleine in der Stadt Moskau weit über 100 Geräte der Baureihe Husky zur vollsten Zufriedenheit. Wichtig ist noch zu erwähnen, dass in vielen europäischen Ländern aufgrund des oftmals sehr schlechten Streumaterials Streuautomaten mit Band- oder Kettensystemen gefragt sind. Diese werden direkt an unserem Standort in Revello (Italien) gefertigt und von dort aus in alle Herren Länder exportiert.

Fragen Sie bei Ihren Kunden auch mal nach, wie zufrieden sie mit den Produkten von Bucher Municipal sind?

Selbstverständlich! In unserer Firmenphilosophie steht die Kundenzufriedenheit an erster Stelle. Wir möchten mit all unseren Kunden langfristige Bindungen eingehen. An schnellen Einmal-Geschäften, wie sie leider in letzter Zeit sehr häufig am Markt praktiziert werden, haben wir wenig Interesse. Im Schnitt führen wir einmal im Jahr eine sogenannte Analyse der Kundenzufriedenheit durch. Zu diesem Zweck suchen wir uns bestimmte Baureihen heraus und schreiben all die Kunden an, welche in den beiden letzten Jahren solche Geräte von uns erhalten haben. Zugrunde liegt ein ausführlicher Fragebogen, der die unterschiedlichsten Themengebiete durchleuchtet. Die Antworten werden dann zeitnah ausgewertet und je nach Beurteilung an das Marketing, die Entwicklungsabteilung oder an unseren Service weitergeleitet. Auf diese Art und Weise gewinnen wir wichtige Informationen für zukünftige Entwicklungen und können unsere internen Prozesse gezielter abstimmen.

Welche Rückmeldungen haben Sie bislang erhalten? Wofür gibt es von den Kunden Lob, was wird kritisiert?

Wie gesagt, fragen wir alle wichtigen Gebiete wie Design, Qualität, Langlebigkeit, Praxistauglichkeit, Zuverlässigkeit, unsere Ersatzteilversorgung sowie die Serviceleistungen ab. Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen können wir behaupten, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Vor allem werden unsere Qualität, die Ersatzteilversorgung sowie der zuverlässige Service immer wieder mit Bestnoten gewürdigt. Natürlich gibt es ab und an auch negative Bewertungen. Aber diese nehmen wir gezielt zum Anlass, sofort mit diesem Kunden in Verbindung zu treten, das Problem schnellstmöglich zu beseitigen und auch unsere Serienproduktion entsprechend zu optimieren. So monierte zum Beispiel ein Kunde aus Nürnberg, dass eine Anbringung der Blitzleuchten am Fahrtwindstrahler ungünstig sei. Wir haben uns der Sache sofort angenommen und gemeinsam intern nach einer Lösung gesucht. Unser Service hat daraufhin beim Kunden vor Ort innerhalb kürzester Zeit die Änderungen vorgenommen und wir haben diese Verbesserung zusätzlich in unsere Serie einfließen lassen. Und genau so muss es laufen.

Kommen wir mal auf Ihre neueste Entwicklung zu sprechen: den Phoenix Electra. Bei elektrisch angetriebenen Geräten ist vor allem die Akkulaufzeit ein wichtiges Kauf-Kriterium für kommunale Dienstleister. Stellt sich beim Phoenix Electra – der ersten professionellen elektrisch betriebenen Streumaschine für mittelgroße und große LKW – diese Frage auch?

Natürlich stellt sich diese Frage auch hier und wir sind uns deren Bedeutung bewusst. Bereits bei den ersten Planungen haben wir uns dieser Problematik ganz gezielt gewidmet. Wir können auf Akkus zurückgreifen, die momentan eine durchschnittliche Betriebsdauer von ca. 8 Stunden gewährleisten. Zudem kann auf Wunsch ein weiteres Akku-Pack am Streuautomaten mitgeführt werden, um die Einsatzzeit zu verdoppeln. All unsere Akkus sind zudem zu 100 % recycelbar.

Richten wir den Blick nach vorne: Sind Ihrer Meinung nach emissionsfreie Geräte und Maschinen die Technologie der Zukunft?

Da führt unserer Meinung nach kein Weg dran vorbei. Die Frage nach dem „Warum“ ist schnell geklärt, wenn man sich die vielen Vorteile dieser Technologie mal etwas genauer ansieht: So müssen zum Beispiel in die Trägerfahrzeuge keine aufwendigen und teuren Hydrauliksysteme verbaut werden, es entstehen keine zusätzlichen Emissionen, die Wartung sowie das Recycling von Öl- und Luftfiltern entfallen, es wird kein umweltbelastendes Hydrauliköl benötigt. Am Beispiel unseres Phoenix Electra sprechen wir hier von ungefähr 40 % Energieeinsparung, einer Lärmreduktion von ca. 70 %, einer Einsparung der Wartungskosten ebenfalls in einer Höhe von ca. 70 % und zu guter Letzt einer Kraftstoffeinsparung von 100 %. Wir denken, diese Argumente sprechen für sich.

Was glauben Sie, in welche Richtung steuert die zukünftige Forschung und Entwicklung?

Ganz klar in den Bereich des vollelektrischen Antriebs, wobei die vorgenannten Argumente eine klare Sprache sprechen. Wir sind uns sicher, dass wir alle nachhaltiger Arbeiten müssen und den Umweltgedanken nicht aus unseren Augen verlieren dürfen. Wir sind auch der Meinung, dass das Rad nicht neu erfunden werden muss. Vielmehr ist es wichtiger denn je, dass sich Firmen in speziellen Arbeitskreisen zusammensetzen und gemeinsam nach neuen Lösungen suchen. Das reduziert die Kosten und führt wesentlich schneller zum gewünschten Ergebnis.

Verraten Sie uns, an welchen Neuheiten Bucher Municipal derzeit forscht? Auf welche Produkte dürfen sich die Kunden in naher Zukunft freuen?

Aktuell arbeiten wir an einem großen übergreifenden Projekt mit dem Namen ASSIST. Dabei handelt es sich um eine Komplettlösung für den effektiven und sicheren Winterdienst. ASSIST nutzt die Vorteile modernster Weltraumtechnologie in Verbindung mit Echtzeit-Wetterdaten. Es bietet zudem eine automatische Steuerung und Überwachung der kompletten Winterdiensteinheit während des gesamten Einsatzes. Ziel von ASSIST ist es, ein Assistenzsystem zu schaffen, welches in der Lage ist, die jeweiligen Streu- und Räumeinsätze entsprechend den aktuellen Wetterprognosen und vorherrschenden Straßenbedingungen in Echtzeit anzupassen. Durch ASSIST wird sichergestellt, dass sich der Fahrer während der Fahrt voll und ganz auf den Verkehr konzentrieren kann. Dieses Großprojekt wird von der Europäischen Weltraumbehörde ESA gefördert und von folgenden namhaften Firmen unterstützt: Bucher Municipal, S.A.E.T, GeoVille Information Systems, ALPHA Consultants und dem Institut Superiore Mario Boella.

Interview: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Bucher Municipal

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