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Nachbericht Zukunft Kommune 2012: Voneinander lernen und Allianzen aufbauen

Fachmesse fördert Erfahrungsaustausch und stellt Best-Practice-Beispiele aus Städten und Gemeinden vor

Wie rüsten sich Kommunen für den gesellschaftlichen und technologischen Wandel? Lösungsansätze und Erfahrungswerte für aktuelle Herausforderungen wie den Fachkräftemangel, Bürgerbeteiligung oder den kommunalen Klimaschutz präsentierte der Fachmesseverbund Zukunft Kommune am 24. und 25. April in Stuttgart. Insgesamt nutzten 1.638 kommunale Entscheidungsträger die Möglichkeit, sich in Vorträgen, Fachkongressen und an den Ständen der 150 Aussteller einen Überblick über das aktuelle Angebot an Produkten und Dienstleistungen für Kommunen zu verschaffen und sich untereinander über brennende Themen auszutauschen.

Der Fachkräftemangel zwingt Kommunen und Regionen zu verstärkten Anstrengungen, die arbeitende Bevölkerung am Ort zu halten und weitere Bevölkerungsgruppen zu gewinnen. Angesichts des mittel- und langfristigen Rückgangs der Bevölkerung müssten Kommunen und Unternehmen Humankapital binden und weitere Potenziale ausschöpfen, erklärte Dr. Carmina Brenner in der Regionalkonferenz „Fachkräftesicherung – Kernaufgabe der regionalen und kommunalen Wirtschaftsförderung“, die das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft im Rahmen der Zukunft Kommune veranstaltete. Die Präsidentin des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg nannte insbesondere junge Migranten, ältere Arbeitnehmer sowie Frauen und Mütter als Fachkräftepool. Deswegen gelte es, Ausbildung, Weiterbildung und familienfreundliche Arbeitsplätze zu fördern und zu unterstützen.

Regionale Allianzen zur Sicherung von Fachkräften aufbauen

„Wir müssen alles tun, um das Potenzial an Arbeitskräften greifbar zu machen. Der eigentliche Erfolg entscheidet sich hier in den Regionen“, bekräftigte Hartmut Reichl, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik und Außenwirtschaft im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg. Regionale Fachkräfteallianzen könnten hierbei eine entscheidende Rolle spielen. „Städte und Unternehmen haben die selbe Zielgruppe“, bestätigte Simone Hurtz, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaftsförderung im Städtetag Baden-Württemberg. „Wenn wir Fachkräfte wollen, müssen wir sie selbst ausbilden. Fachkräftesicherung kommt nicht von oben.“

Ideen und Impulse, wie Politik und Wirtschaft zusammenarbeiten können, um Fachkräfte zu binden und qualifizierte Arbeitnehmer zu werben, erhielten die zahlreich anwesenden Entscheidungsträger durch Best-Practice-Beispiele aus baden-württembergischen Kommunen. Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, berichtete etwa von einer Einladung an einhundert spanische Ingenieure durch den Steuerungskreis Arbeitsmarktmonitor Region Stuttgart im vergangenen Dezember. Den Ingenieuren wurden regionale Unternehmen vorgestellt mit dem Ziel, sie im besten Fall zum Unterschreiben eines Arbeitsvertrags zu bewegen. „Entscheidend waren hier vor allem auch die Monate vor den Aktionstagen“, beschrieb Rogg den intensiven Austausch und die bedeutende Netzwerkarbeit der beteiligten Akteure.

Speziell an Wiedereinsteiger und Ungelernte, gerne auch reiferen Alters, richtet sich das Angebot der in Neuenburg am Rhein ansässigen K&U Bäckerei, das der Bürgermeister der Stadt, Joachim Schuster, vorstellte: Mit der Senior-Ausbildung biete das Unternehmen einer ganz neuen Zielgruppe einen Berufsschullehrgang. Waren die in der Konferenz vorgestellten Wege auch unterschiedlich, so waren sich die Referenten doch einig: Städte, Unternehmen und Schulen müssten enger zusammenarbeiten und gemeinsame Wege finden. „Jeder muss Wirtschaftsförderer seiner Stadt werden“, formulierte Joachim Schuster ein Fazit der Veranstaltung.

Zusammen in die Zukunft: Interkommunale Zusammenarbeit

Einen kooperationsbasierten Ansatz vertrat auch Bernd Klinkhammer auf der Messe. Der Geschäftsführer der GECON GmbH stellte in seinem Vortrag im Praxisforum Potenziale und Möglichkeiten einer interkommunalen Zusammenarbeit vor. Besonders die knappen öffentlichen Mittel in allen Bereichen stellten die Kommunen heutzutage vor große Probleme, so Klinkhammer. Interkommunale Zusammenarbeit heiße deshalb vielerorts die Lösung, die in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen habe. Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit seien vielfältig: Sie reichten von der gemeinsamen Nutzung oder dem kollektiven Betrieb von Salzlagern, Abfall- und Abwasserbehandlungsanlagen über die gemeinschaftliche Vermarktung einer Region und regionaler Produkte bis hin zur Einrichtung von touristischer Infrastruktur wie Wander- oder Radwegen.

Attraktives Sport- und Freizeitangebot für alle Bürger

Die wichtige Bedeutung von Sport und Bewegung als Standortfaktoren attraktiver Kommunen unterstrich der Württembergische Landessportbund in Vorträgen auf der Messe. Dipl.-Ing. Jürgen Hanke, Leiter des Geschäftsbereichs Sportstätten, Bewegungsräume und Kommunalberatung, veranschaulichte, wie Kommunen und Vereine allen Bürgerinnen und Bürgern – nicht nur Vereinsmitgliedern – gemeinsam ein hochwertiges Versorgungsnetz für Sport-, Spiel- und Bewegungsaktivitäten erarbeiten können. Zu mehr Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Kommunen und Betrieben regte Stefan Anderer an und präsentierte einige Beispiele, wie das körperliche und psychische Wohlbefinden der Mitarbeiter durch mehr Bewegung im Alltag verbessert werden könne. Wichtig sei vor allem die Vernetzung der Kommunen mit den Vereinen vor Ort, so der Leiter des Geschäftsbereichs Sport und Gesellschaft beim WSLB.

Aktive Bürgerbeteiligung über das World Wide Web

Auch bezüglich der Zusammenarbeit und Kooperation mit ihren Bürgern stehen Kommunen vor neuen Möglichkeiten. Während Bürger nur schwer Einfluss auf die klassischen Massenmedien gefunden hätten, biete ihnen das Internet einen Diskurs in Echtzeit, an dem sie aktiv teilhaben könnten, beschrieb Matthias Burgbacher, Mitbegründer der Firma Space Bonding, in seinem Vortrag die Situation. Die schnelle Kommunikation im Netz habe ein großes Potenzial für mehr Bürgerbeteiligung, welche die Bürger auch mehr und mehr einforderten, so Burgbacher. Durch internetgestützte Beteiligungsverfahren könnten Kommunen und Städte ihre Bürger in ihre Entscheidungen einbinden, jedoch müsse dieses Vorgehen als Prozess verstanden werden, den Kommunen auch steuern müssten, so Burgbacher weiter. Wenn dieser Prozess offen und transparent geplant sei, beschleunige eine so gestaltete Bürgerbeteiligung Prozesse und spare Kosten.

Kommunales Energiemanagement schont Stadtsäckel und Umwelt

Sparen könnten viele Kommunen auch bei den Energiekosten ihrer Liegenschaften, wie die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg auf der Messe erklärte. Dipl.-Ing. Claus Greiser, Leiter Kommunales Energiemanagement, demonstrierte, wie Kommunen auch mit nicht-investiven Maßnahmen den Energie- und Wasserverbrauch in Verwaltungs- und Schulgebäuden sowie Sporthallen um mehr als 10 Prozent verringern können. Zunächst müssten sich die Kommunen eine genaue Übersicht über den Energieverbrauch ihrer Liegenschaften verschaffen, diesen also genau messen und kontrollieren. In der Folge sollten sie die Einstellungen der Anlagen überprüfen und optimieren, eventuelle Mängel beseitigen und Hausmeister sowie Nutzer der Liegenschaften für das Thema Energieverbrauch sensibilisieren. Oft genügten schon einfache Maßnahmen, um in Summe mehrere hunderttausend Euro an Energiekosten zu sparen und den CO2-Ausstoß zu reduzieren, so Greiser.

Thematische Anknüpfpunkte konnten die anwesenden kommunalen Entscheidungskräfte auch auf den parallel stattfindenden Messen finden: Während die Corporate Health Convention das Thema betriebliches Gesundheitsmanagement aufgriff, lockte die Personalfachmesse Personal Süd mit einem speziellen Praxisforum zum Thema „Personal & Verwaltung“.

Ausblick: Fachmesseverbund 2014

Die Zukunft Kommune geht vom 29. bis 30. April 2014 in die nächste Runde. Zusammen mit der public14 und der Public IT präsentiert sie sich wieder in der Landesmesse Stuttgart. Weitere Informationen sind unter www.zukunft-kommune.de zu finden.

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