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Technik für Kommunen auf der KWF-Expo 2016

Von: Tobias Meyer

Alle vier Jahre veranstaltet das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) an wechselnden Orten die KWF-Tagung, zu der traditionell auch die KWF Expo gehört. Dort werden von über 500 Ausstellern die neusten Trends in Sachen Forstmaschinen und Zubehör direkt im Wald vorgestellt und im Einsatz gezeigt. Wir haben uns umgesehen, denn natürlich ist da auch für den kommunalen Bedarf einiges dabei.

Die Firma HEN Technologie aus Steinheim beschäftigt sich seit 17 Jahren mit wirtschaftlichen Lösungen zur Pflege, Instandsetzung und Erneuerung von Wald und Flurstraßen. Die Maschinen werden weltweit eingesetzt und sorgen für eine zuverlässige Mobilität selbst in schwer zugänglichen Regionen, wo ein herkömmlicher Straßenbau nahezu unmöglich ist. Auf der KWF-Expo haben wir uns das Pflege-und Instandhaltungsgerät S.P. 21 näher angesehen. Der Vorteil liegt vor allem darin, dass zum Ausbessern von Schlaglöchern und Fahrrinnen kein neues Material benötigt wird: „Meistens ist davon ja genug vorhanden, nur muss es wieder richtig verteilt werden“ erklärt Eberhard Weil von HEN. Die Maschine fräst den Weg auf, mischt das Material und verdichtet es wieder – in einem Arbeitsgang. So werden Wege wirtschaftlich und einfach aufbereitet. Die Maschine kann am Dreipunkt montiert und mit etwa 100 PS Zapfwellenleistung betrieben werden.

Die Roboter kommen

Doch auch wo es keine Wege gibt, muss gearbeitet werden. In vielen Fällen müssen schwierige Hanglagen mit Balkenmäher und anderen handgesteuerten Maschinen gepflegt werden – häufig ein Knochenjob. „Daher geht hier die Entwicklung hinzu ferngesteuerten Maschinen, die mit Mulchern und anderen Anbaugeräten ausgestattet auch in schwierigem Gelände klarkommen, während der Bediener bequem am oberen Ende der Böschung per Fernsteuerung die Richtung vorgibt“, erklärt uns Michael Schulte von der Firma Wilmers aus Schmallenberg. Diese ist eigentlich Großhändler für Ersatzteile im Kommunalsektor, hat aber auf der KWF Expo auch den E-Trail von Berti samt Schlegelmulcher dabei. Natürlich können an der 39 PS starken Mini-Dieselraupe auch andere Anbaugeräte wie Schneefräse und Räumschild, Häcksler, Kehrmaschine, Sichelmäher oder eine Grabenfräse montiert werden. Geplant ist derzeit auch ein starker Forstmulcher, der als Anbaugerät für größere Bagger bereits verfügbar ist. Künftig müssen für den Wechsel zwischen Forst- und Wiesenmulcher auch nicht mehr zwei Geräte gekauft, sondern nur noch per Schnellverschluss die Werkzeuge eines Gerätes getauscht werden.

Ein ganz ähnliches System bietet der Hymach Robot, er erfreut sich bereits großer Nachfrage bei den Kommunen, wie uns die Firma Menke Kommunal- & Umwelttechnik bestätigt. Auf ihrem Stand haben wir uns den Herb Hy in der 30- und 40-PS-Variante angesehen: Im Gefälle von 55° sollen die ferngesteuerten Raupen einen ganzen Tag problemlos mit dem hauseigenen 1250 mm breiten Mulcher arbeiten können. Auch hier kann natürlich jedwedes Zubehör montiert werden: Mähbalken, Schaufel, Pflug, Schwader und Astschere sind nur einige der möglichen Geräte. Zusätzlich ist im Heck auch eine Seilwinde montiert.

Das Gerät fürs Grobe

Muss jedoch gröberes Geäst und Holz beseitigt werden, stoßen Mulcher und Co. an ihre Grenzen, Hecken und kleine Bäume müssen meist händisch gefällt werden. Anschließend kommen Häcksler zum Einsatz, diese werden mit jeder Generation ausgefeilter und flexibler. So ist der C140 von Europe Chippers aus den Niederlanden eine eigenständige kleine Raupe, kaum größer als ein Einkaufswagen, deren 14-PS-Hacker sich Gehölze bis 130 mm genehmigt. Wer es eine Nummer größer braucht, findet geeignetes bei der Firma GreenMech: Der QuadTrak 160 mit 34 PS schafft auch 16 cm dicke Stämme und ist ebenfalls als mobile Raupe konzipiert, die bis 30° Hangneigung arbeiten kann. „Auf den dazu passenden Anhänger geladen, kann der QuadTrac auch direkt auf diesem stehend als PKW-gezogener Anhängehäcksler genutzt werden, wie z.B. im Olympiapark München“, sagt Susanne Zelic von GreenMech.

Einen fest auf dem Anhänger montierten Holzzerkleinerer finden wir unter anderem auf dem Stand der Firma TP aus Dänemark: Sie verbaut Häcksler von Dücker auf Ein- oder Zweiachsern mit fester oder verstellbarerer Zugstange, mit oder ohne Drehkranz. Der neue TP 275 mit 74 Diesel-PS an Bord schreddert dabei Bäume bis 27,5 cm Durchmesser. Wer eine Zapfwelle mit 75 bis 110 PS zur Verfügung hat, kann mit dem neuen Biber 6 von Eschlböck einen kompakten Trommelhacker an Traktor oder Unimog hängen. Er soll die Vorteile eines Großhackers in einer kompakten Maschine bieten und  verarbeitet Stämme bis 32 cm.

Ebenso auf eine Zapfwelle (40-80 PS) angewiesen ist eine Weltneuheit von Alvatec: Auf ihrem Stand präsentiert die Firma den Effiter 20.30 und den neuen Holzbrennstoff Effits. Dieser wird mittels Duplex-Schneckensystem aus waldfrischem, bis zu 20 cm starkem Holz geschnitten – nicht gehackt. Daher ist hier kaum Feinanteil vorhanden, die einzigartige Fächerstruktur der gegenüber Hackschnitzel deutlich größeren Effits sollen eine gute natürliche Durchlüftung, ungetrocknete Lagerfähigkeit über Monate sowie eine energiearme Trocknung bis hin zur möglichen Eigentrocknung gewährleisten. „Bei der Einbringung, insbesondere auch in Kleinanlagen, zerbrechen Effits einfach in der Förderschnecke und verbrennen mit sehr geringer Feinstaubentwicklung“, versichert uns Geschäftsführer Christian Albersinger. Die Maschine wird am Dreipunkt montiert und schafft stündlich ca. 10 m3.

Flexibilität immer wichtiger

Auf dem Stand der niederländischen Firma Matador – eigentlich bekannt für Schubkarren und anders Transportgerät – fanden wir den Prototypen des neuen M-Trac: Ein elektrisch betriebener Einachser, der fast lautlos mähen, kehren und Schnee schieben kann. Mit einer Akkuladung soll ein Arbeitstag in allen vier Jahreszeiten unproblematisch bestritten werden können. Derzeit arbeiten die Ingenieure an einem Adaptersystem für die mechanischen Anbaugeräte – Hydraulik gibt es nicht – verschiedene Hersteller, auch große Firmen wie Husqvarna seien bereits sehr interessiert, wie man uns am Matador-Messestand versicherte.

Auch Mercedes-Benz war natürlich mit dem Unimog vertreten und präsentierte die Vielseitigkeit des bewährten Fahrzeugkonzepts. So war auch hier die bereits oben erwähnte Wegebaumaschine von HEN Technologie direkt an Front- und Heckhydraulik montiert zu sehen, daneben weitere Anbaugeräte für Kommunal- und Forstarbeit, z.B. eine geschickte Kombination aus Heizomat-Anhängehacker und Kranaufbau oder eine kompakte Bankettfräse mit Innenpflug von Dücker.
Der Gesamteindruck der Ausstellung auf der 17. KWF-Tagung lässt einen klaren Trend hin zu mehr Flexibilität und Automatisierung erkennen, meist werden neue Maschinen gleich als ganzes System konzipiert, was den Hersteller-Wechsel erleichtern soll. Die Maschinenbauer versuchen dabei zunehmend den Menschen zu entlasten, was ihnen die Bandscheiben der Bauhof-Spezialisten langfristig danken werden.

Text/Bilder: Tobias Meyer - Redaktion Bauhof-online.de

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