Grün-/Flächenpflege

VGL-BW: Keine Änderung der Ausbildungsordnung

Der VGL Baden-Württemberg lehnt eine Änderung der Ausbildungsverordnung ab. Die aktuelle Verordnung biete genug Möglichkeiten, vernünftig auszubilden.

Kein Monoberuf „Landschaftsgärtner“, keine Änderung der aktuellen Ausbildungsverordnung – diesen Antrag stellte der Ausbildungsausschuss des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg (VGL-B-W) auf seiner Mitgliederversammlung. Gleich zwei wichtige Anliegen auf einmal waren im Antrag der Baden-Württemberger vereint.

Zum einen soll der Bundesverbund Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) in Bad Honnef alle Bestrebungen unterlassen, den Landschaftsgärtner zu einem Monoberuf zu machen. Monoberuf hieße, nicht mehr eine der sieben gärtnerischen Fachrichtungen zu sein, sondern ein eigenständiger Beruf. Damit würde man sich vom Landwirtschaftsministerium als zuständiger Stelle verabschieden. Aufgaben, die jetzt die Regierungspräsidien der Länder haben, würde die IHK übernehmen.

Möglich ist auch, dass der Landschaftsgärtner dem Baugewerbe zugeordnet wird. Das könnte Auswirkungen auf den Tarifvertrag haben und beispielsweise in letzter Konsequenz dazu führen, dass Garten- und Landschaftsbaubetriebe Beiträge an die Sozialkasse des Baugewerbes bezahlen müssten. Bisher war der Schutz vor Beiträgen an die SOKA BAU für die BGL-Landesverbände ein nicht zu unterschätzendes Argument, wenn es darum ging, Mitglieder zu werben. Angesichts der Gefahren, die ein Vorpreschen des BGL in Richtung Monoberuf beinhalten könnte, halten es die Ausschussmitglieder in Baden-Württemberg für besser, es gar nicht erst zu versuchen.

Gleiches gilt für die Novellierung der Ausbildungsverordnung. Bei einem Monoberuf müsste sie ohnehin geändert werden. Doch auch jetzt wird sie schon genauer unter die Lupe genommen. Für BGL-Präsident Hanns-Jürgen Redeker allerdings ein völlig normaler Vorgang, wenn man im Berufsbildungsausschuss darüber diskutiert, wie sich die Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau verbessern lässt. „Unser Hauptziel ist, dass es nicht mehr so viele Abbrecher gibt“, sagt Redeker. Auch die Durchfallerquoten, die in manchen Bundesländern bei 40 % der Auszubildenden liegen, sind nicht erfreulich. „Wir versuchen zurzeit festzustellen, woran das liegt. In einem Prozess, dessen Ende noch offen ist, wird das Thema Ausbildung im Ausschuss aufgearbeitet. Ob man eine Ausbildungsordnung ändern muss oder nicht, steht noch gar nicht fest. Es ist noch nichts entschieden.“

In Baden-Württemberg, aber auch in anderen großen Landesverbänden hält man es für gefährlich, mehr als nur nachzudenken. Das liegt vor allem am komplizierten Verfahren, mit dem Ausbildungsordnungen entstehen bzw. angepasst werden. Während die bestehende Ausbildungsordnung in einer Zeit entstand, als sich Vertreter der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite an einen Tisch setzten und gemeinsam über die Inhalte diskutierten, sind nun viele Behörden und Institutionen an diesem Prozess beteiligt. Die wenigsten davon haben mit dem Garten- und Landschaftsbau zu tun. Da gibt es das Kuratorium der Deutschen Wirtschaft, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, den Deutschen Gewerkschaftsbund, das Bundesinstitut für Berufsbildung und die Kultusministerkonferenz, um nur einige zu nennen.

Zwar kann die Arbeitgeberseite (in der jetzigen Konstellation noch BGL und ZVG) Sachverständige entsenden, ob zumindest einer davon aus dem Garten- und Landschaftsbau stammt oder alle einer anderen gärtnerischen Fachrichtung angehören, bliebe abzuwarten. Zu viele Unwägbarkeiten, findet der Ausbildungssausschuss in Baden-Württemberg. Die Ausbildungsordnung in ihrer derzeitigen Form biete ausreichend Möglichkeiten, vernünftig auszubilden.

Was eine veränderte Ausbildungsordnung allerdings ermöglichen würde, sind neue Berufsbilder. Es könnte beispielsweise Facharbeiter im Landschaftsbau mit unterschiedlichen Schwerpunkten geben, die in der Prüfung keine Pflanzenkenntnisse mehr nachweisen müssten, sondern vor allem ihr handwerkliches Geschick. Eins ist sicher: die Diskussion bleibt spannend. (sw)

(c) DEGA GALABAU/campos online, 23.3.2011

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