Kommunen

"Stinker" dürfen nicht in Umweltzone fahren

Jetzt macht das Regierungspräsidium Tübingen ernst: Vom 1.Januar 2009 an wird die Ulmer Innenstadt zur Umweltzone. Dann dürfen Autos und Brummis nur noch mit Plakette in die City hinein fahren. Die Umweltzone und die Fahrverbote für alte "Stinker" bilden das Kernstück des Luftreinhalteplans für Ulm.

Regierungspräsident Hermann Strampfer stellte den 120 Seiten dicken Aktionsplan für die Münsterstadt gestern im Rathaus vor. Von den Fahrverboten wären nach dem jetzigen Stand drei Prozent der im Stadtkreis Ulm zugelassenen Autos und 20 Prozent der Lastwagen betroffen. In absoluten Zahlen: Rund 1400 Personenwagen und 880 Nutzfahrzeuge hätten im Moment keine Chance, die begehrte Umwelt-Plakette zu erhalten. Die Halter müssen ihre Fahrzeuge entweder nachrüsten, um den Schadstoff-Ausstoß unter die gesetzlichen Grenzwerte zu drücken, oder eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Die Umweltzone umfasst das gesamte Ulmer Stadtgebiet innerhalb des so genannten "Mittleren Rings", der von der West- und Nordtangente sowie der Donau begrenzt wird.

Wichtig für die Autofahrer und die Lärm- und abgas-geplagten Anwohner ist auch Strampfers Botschaft, dass die Stadtautobahn B 10 in die Umweltzone einbezogen wird. Sobald Neu-Ulm nachzieht, soll auf der B 10 auch ein Fahrverbot für Brummis über 3,5 Tonnen erlassen werden. Bisher wird die B 10 von vielen Lkw-Fahrern als Abkürzungsstrecke zwischen den Autobahnen A 8 und A 7 benutzt. Das Fahrverbot soll künftig von der Ausfahrt Ulm-West der A 8 bis zum Autobahn-Dreieck Hittistetten an der A 7 gelten.

Regierungspräsident Strampfer verteidigte gestern die vor allem von der Industrie- und Handelskammer (IHK) scharf kritisierte Umweltzone. Zwar wird in der ersten Stufe des Luftreinhalteplans die Feinstaubbelastung der Ulmer Luft nur um ein bis zwei Prozent gesenkt. Doch für Strampfer kommt es auf jedes Mikro-Gramm an, das vom Verkehr weniger in die Luft gepustet wird. "Im Mittelpunkt steht für uns der Gesundheitsschutz für die Menschen", betonte Strampfer. Vor allem der gefährliche und als krebserregend geltende Dieselruß werde dadurch um zehn Prozent verringert. Auf diese Weise könnten etwa Mittelohr-Entzündungen oder Atemwegserkrankungen bei Kindern deutlich reduziert werden. Im übrigen gehe es darum, "EU-Vorschriften umzusetzen".

Für Ulms OB Ivo Gönner bietet der Luftreinhalteplan die Chance, alte Autos aus dem Verkehr zu ziehen und die Lkw-Flotten der Wirtschaft umfassend zu modernisieren. Dies helfe auch der Ulmer Wirtschaft: "In Ulm werden die umweltfreundlichsten Lkw-Motoren produziert." Gönner kündigte an, Ausnahmegenehmigungen nur restriktiv zu erteilen: "Wir werden keine Freibriefe ausstellen." Auch das Lkw-Fahrverbot auf der B 10 werde streng kontrolliert, Verstöße würden "sanktioniert und bestraft." Freilich kann dieses Verbot erst in Kraft treten, wenn auch Neu-Ulm mitzieht: "Die Lastwagen können ja nicht auf der Adenauerbrücke kehrt machen", sagte Gönner.

Quelle: szon.de

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