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New Holland präsentiert Wasserstoff-Traktor

Der Traktorenhersteller New Holland wird an der kommenden Sima in Paris einen Konzepttraktor präsentieren, der mit Wasserstoff (H2) fährt. Der 120-PS-Traktor basiert auf der Serie T6000 von New Holland und verfügt anstelle eines Verbrennungsmotors über Brennstoffzellen.

Produzieren unsere Bauern in Zukunft auf ihren Bauernhöfen Wasserstoff – tanken damit ihre Traktoren und werden so zum kompletten Selbstversorger im Bereich des Traktorenantriebs? Was sich wie eine futuristische Zukunftsvision anhört, könnte durchaus zur Realität werden. Denn der  weltweit tätige Traktoren-Hersteller New Holland wird nächstes Jahr einen ersten Konzepttraktor präsentieren, der mit Wasserstoff (H2) fährt.


Der Wasserstoff-Traktor von New Holland basiert auf einem 120-PS-Schlepper der Serie T6000.

Gold an der Sima

Der Versuchsttraktor mit dem Namen NH² basiert  auf einem 120-PS-Traktor der Serie T6000 und ist mit Brennstoffzellen ausgerüstet. Diese Brennstoffzellen erzeugen den Strom für die Elektromotoren, die den Traktor antreiben. Ein Verbrennungsmotor fällt gänzlich weg. Zu sehen sein wird der umweltfreundliche Traktor erstmals an der Landwirtschaftmesse Sima in Paris. Bereits jetzt im Vorfeld der Messe hat die Neuheiten-Kommission der Sima dem Konzept von New Holland die Goldmedaille für  innovative Neuheiten verliehen.

Projekt der Fiat-Gruppe

New Holland verspricht, dass dieser Wasserstoff-Traktor mehr als blosse Theorie ist. Der NH²-Traktor sei ein einsatzfähiger 120-PS-Prototyp, der die gleichen Arbeiten ausführen könne wie ein konventioneller T6000, schreibt der Traktoren-Hersteller. Der Traktor arbeite praktisch geräuschfrei und emittiere lediglich Wasser und Dampf. Das Projekt NH² ist in Zusammenarbeit mit der Fiat-Gruppe entstanden, zu der auch Iveco gehört. Neben der umweltfreundlichen Antriebstechnik erhält der Traktor auch ein völlig neues Design mit neuen Frontscheinwerfern und Luxus-Rückspiegeln.

Hat Vorteile

Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb sind schon seit einigen Jahren im Einsatz. So etwa in der Autoindustrie (BMW «760h» und Mazda «RX-8»). Beim Flughafen Hamburg leisten seit 2006 zwei mit Wasserstoff angetriebene 20-Kilowatt-Spezial-Flugzeugschlepper ihre Dienste. Wasserstofffahrzeuge bieten viele Vorteile gegenüber batteriebetriebenen Fahrzeugen. So verfügen Brennstoffzellen über eine lange Lebensdauer und verursachen keine Umweltprobleme wie Batterien (Entsorgung), die mit der Zeit ihr Stromspeichervermögen verlieren. Komprimierter Wasserstoff hat eine hohe Energiedichte und kann sehr gut in einem Tank gelagert werden; dies ermöglicht eine Energiespeicherung über einen sehr langen Zeitraum und eine schnelle Fahrzeugbetankung.

Aber auch Nachteile

Ein Hemmnis für den Einsatz von Wasserstoff stellen seit jeher die Distribution und die Herstellung dar. Einerseits fehlt eine Versorgungsinfrastruktur, und andererseits kommt Wasserstoff in der Natur nur chemisch gebunden – hauptsächlich in Form von Wasser (H2O) vor – und muss durch Umwandlung aus anderen Energieformen erzeugt werden.

Beim Konzept von New Holland soll der Landwirt den Wasserstoff selber herstellen. Die von New Holland entwickelte Idee des energieunabhängigen Betriebs sieht eine Selbstversorgung der Bauern mit Wasserstoff vor. Hierbei wird der Wasserstoff entweder aus Wasser (durch Elektrolyse) oder direkt aus Methan (durch Verbrennung von Abfall oder Biomasse) hergestellt. Die Energieversorgung der Produktionsanlagen würde durch Wind- oder Sonnenkraftanlagen erfolgen, und der Wasserstoff würde auf dem Betrieb in unterirdischen Tanks gespeichert werden.

Ohne Erdöl

Landwirte hätten ideale Möglichkeiten zur Nutzung der Wasserstofftechnik, ist New Holland in seiner Zukunftsvision überzeugt. Neben den Umweltvorteilen würde ein derartiges System den Bauern die Möglichkeit bieten, unabhängig von externen Energieliferanten zu werden.

Der Artikel erschien in der Landwirtschaftszeitung "Schweizer Bauer" (Ausgabe vom 31. Dezember 2008).

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