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Laut Gewerkschaft 5000 Bauarbeiter im Streik

Nach Angaben der Gewerkschaft Unia haben über 5000 Bauarbeiter in der Schweiz am Montag die Arbeit niedergelegt, um Druck für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag zu machen. Die Baumeister verurteilten die Aktionen angesichts der laufenden Verhandlungen und relativierten die Beteiligung am Streik. Viele Baustellen seien sowieso geschlossen worden.

Rund 5000 Bauarbeiter haben am Montag in den Kantonen Bern, Genf und Neuenburg mit Streiks für einen neuen Landesmantelvertrag (LMV) demonstriert. Noch vor den nächsten Verhandlungen mit den Baumeistern droht die Gewerkschaft Unia mit weiteren Streiks. Falls die Verhandlungsrunde am 5. November zu keinem Ergebnis führe, lägen bereits Pläne für weitere Kampfmassnahmen bereit, sagte der Leiter Sektor Bau der Unia, Hansueli Scheidegger, am Montag vor der Medien in Bern. «Insbesondere bei der Streikdauer würden wir neue Töne anschlagen.»

Volle Streikkassen

Die Streikkassen seien dank jahrelanger Äufnung voll, erklärte Scheidegger weiter. Mit den Streiks soll der Druck auf die Baumeister erhöht werden, damit diese bei den Verhandlungen für einen neuen LMV Zugeständnisse machen. Der bisherige LMV ist per Ende September ausgelaufen.

Umstritten ist vor allem die Forderung der Arbeitgeber nach einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Ausserdem befürchten die Bauarbeiter bei einem fehlenden LMV Lohndumping.

Freiwilliger Streik oder Blockade?

In der Deutschschweiz blieben die Baumaschinen auf der grössten Baustelle der Hauptstadt, dem Bahnhofsplatz, still. Laut dem Leiter der Grossbaustelle entspricht der Streik jedoch nicht dem Willen einer Mehrheit von Bauarbeitern. 70 Prozent hätten sich gegen einen Streik ausgesprochen. Sie seien am Morgen von der Gewerkschaft am Arbeiten gehindert worden.

Die Unia verweist demgegenüber auf eine geheime Abstimmung auf allen Baustellen der Stadt und der Region Bern, welche eine 90- prozentige Streikbereitschaft ergeben habe. Allein in der Region Bern streikten laut Unia rund 700 Bauarbeiter.

Mit einer Kundgebung und einem Marsch durch die Berner Innenstadt demonstrierten rund 500 Bauarbeiter, Gewerkschafter und Sympathisanten gegen den vertragslosen Zustand auf den Baustellen. Gewerkschafter verteilten eine Streikzeitung. Die bewilligte Demonstration verlief ohne Zwischenfälle, wie die Stadtpolizei Bern der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Auch in den Kantonen Neuenburg und Genf blieb die Arbeit auf den Baustellen liegen. Gegen 400 streikende Bauarbeiter hatten sich gegen Mittag in der Stadt Neuenburg zu einer Streikversammlung zusammengefunden. 50 Baustellen waren laut der Unia betroffen.

In Genf besetzten 4000 bis 5000 Bauarbeiter ab 11 Uhr die Mont- Blanc-Brücke und blockierten so den Genfer Stadtverkehr. Der nächste Streik werde zwei Tage dauern, falls der Schweizerische Baumeisterverband bis dahin die Kernaussage nicht verstanden habe, erklärten sie.

Baumeister wenig beeindruckt

Während die Unia laut Gewerkschaftssekretär Aldo Ferrari von der starken Mobilisierung überrascht ist, zeigten sich die Baumeister wenig beeindruckt. «Die heutige Aktion überzeugte von der Quantität her nicht», sagte Martin Fehle, Pressesprecher des Schweizerischen Baumeisterverbandes, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Zudem sei der Streik nicht legitim. Die Bauunternehmer der betroffenen Kantone hätten entschieden, am Montag die Arbeit niederzulegen. Es handle sich bei höchstens 10 bis 15 Prozent der Streikenden in Bern um Bauarbeiter.

Fehle wirft den Gewerkschaften zudem vor, das Verhandlungsklima zu belasten. «Wir fordern konkrete Vorschläge und einen Verzicht auf solch provokative Aktionen», sagte Fehle weiter.

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