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Baumaschinenhersteller profitieren vom Aufschwung

Die Wirtschaftskrise hat die Baumaschinenbranche schwer getroffen. Nun zeigen sich erste Signale für eine Trendwende. Wir stellen fünf Unternehmen vor, die als Frühzykliker davon profitieren.

Zur Präsentation der Vorjahresbilanz hätte Herbert Ortner die geladene Journaille am liebsten gleich in den Petersdom gebeten. "Dort hätten wir eine Kerze anzünden und Gott dafür danken können, dass das Jahr 2009 endlich vorbei ist", sagte der Chef des österreichischen Kranherstellers Palfinger zur Begrüßung auf einem Pressetermin in Frankfurt.

Der Blick auf das Zahlenwerk, das Ortner im Gepäck hatte, untermauert seine göttliche Andacht. 2009 sank der Umsatz um 36 Prozent auf rund 500 Millionen Euro. Auf den stattlichen Vorjahresgewinn von 69 Millionen Euro folgte der Absturz in die roten Zahlen: Bei einem Verlust von fünf Millionen Euro können sich die erfolgsverwöhnten Aktionäre eine Dividende abschminken.

Mit voller Wucht traf die Wirtschaftskrise die gesamte Baumaschinenbranche. Rückläufige Bauaufträge sorgten 2009 für überproportional schwache Verkaufszahlen im Maschinengeschäft. Laut Umfrage des Bundesverbands der Baumaschinen-, Baugeräte- und Industriemaschinen-Firmen (BBI) sank der Gesamtumsatz der Händler und Vermieter von Baumaschinen in Deutschland um 20 Prozent. Besonders kräftig fiel der Umsatzrückgang beim Verkauf neuer Maschinen aus.

Der im MDAX notierte Bau- und Maschinenbaukonzern Bauer rechnet deshalb in seiner Maschinensparte mit einem Umsatzschwund von 30 Prozent und deutlichen Gewinneinbußen. Beim Konkurrenten Wacker Neuson SE sieht die Lage nicht besser aus. Vorstandschef Georg Sick kündigte für 2009 wegen der schwächeren Auftragsentwicklung den ersten Verlust der Firmengeschichte an. Bei Palfinger kamen im Vorjahr im wichtigen Kranbereich die Kundenbestellungen fast vollständig zum Erliegen.

Ortner schaut dennoch optimistisch in die Zukunft: "2009 ist Vergangenheit, seit einigen Monaten belebt sich die Auftragslage spürbar." Viele Kunden hätten im Vorjahr ihre Lagerbestände weitgehend abgebaut und könnten mittelfristig nur noch über Neubestellungen ihren Ersatzbedarf decken, glaubt der Firmenchef.

Palfinger hatte zudem frühzeitig mit einem 30 Millionen Euro schweren Kostensenkungsprogramm auf die Krise reagiert. "Die verbesserte Finanzstruktur ermöglicht uns sogar wieder Spielraum für Zukäufe", sagt Finanzvorstand Christoph Kaml.

Akquisitionen sollen die gute Marktposition weiter verbessern und den Konzern international breiter aufstellen. Auf der Suche nach Übernahmekandidaten streckt Palfinger die Fühler außerhalb Europas aus. Länder wie Brasilien, die USA und Asien haben Priorität. Da zahlreiche kleinere Wettbewerber in der Krise womöglich auf der Strecke bleiben, wird sich die Marktsituation für Palfinger aber vermutlich auch ohne Zukäufe verbessern. "Wir werden als Gewinner aus der Krise hervorgehen", sagt Ortner selbstbewusst und kündigt für 2010 ein organisches Umsatzplus von bis zu 15 Prozent und die Rückkehr in die schwarzen Zahlen an. "Vielleicht ist dann auch schon wieder eine Dividende drin", betont Ortner.

Nach Meinung der Redaktion hat die Palfinger-Aktie auf dem aktuellen Kursniveau das Wachstumsszenario für das laufende Jahr zum Teil schon vorweggenommen. Sollte sich das Umfeld der Branche allerdings weiter aufhellen, hätte der Frühzykliker sein Potenzial noch nicht ausgereizt. Für Langfristanleger dürften sich demnach Käufe noch immer lohnen. Ähnlich sehen wir die Entwicklung für die Aktien von Bauer und Wacker Neuson, bei denen sich Engagements ebenfalls langfristig noch auszahlen könnten. Beide Unternehmen sehen für die kommenden Monate im Vergleich zum Krisenjahr 2009 einen ersten Wirtschaftsaufschwung voraus, spürbar aufwärtsgehen dürfte es allerdings vor allem ab dem Jahr 2011.

Staatlich geförderte Infrastrukturprojekte, die weltweit auf den Weg gebracht werden, spielen einigen Baumaschinenherstellern mittelfristig ebenfalls in die Karten. Besonders in China und Indien deuten die Indizien auf eine Erholung. Romed Kelp, Partner und Baumaschinenexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman, sieht in den Schwellenländern drei starke Treiber für den intakten Baumaschinenabsatz: "Einen anhaltend hohen Bedarf für den Ausbau der Infrastruktur, eine intensive Maschinennutzung, die zu hohem Ersatzbedarf führt, und ein noch nicht befriedigter Kundenbedarf an Finanzierungslösungen."

Profitieren werden davon internationale Großfirmen wie der amerikanische Baumaschinenkonzern Caterpillar, der stark in China engagiert ist. Firmenchef James Owens hält 2010 im Reich der Mitte ein Wirtschaftswachstum von zehn Prozent für möglich und rechnet für Caterpillar mit einem überproportionalen Umsatzsprung von bis zu 25 Prozent. "Wir sind ermutigt durch die Zeichen einer sich erholenden Nachfrage", sagt Owens, der die Talsohle in der Baumaschinenbranche durchschritten sieht und die Produktion wieder hochfahren will. Die Aktie von Caterpillar ist im Branchenvergleich günstig bewertet und hat obendrein charttechnisches Potenzial.

Vorsichtig optimistisch schätzt auch Marius Kloppers, Vorstand des Rohstoffriesen BHP Billiton, das laufende Jahr ein. Er glaubt, dass 2010 Metalle wieder lebhaft nachgefragt werden. Das wäre ebenfalls ein Indiz dafür, dass es in der Maschinenbaubranche aufwärtsgeht. Schwung kommt momentan bereits aus Asien. Der japanische Baumaschinenriese Komatsu profitiert nach Aussage von Finanzchef Kenji Kinoshita seit Jahresanfang von der hohen Nachfrage nach hydraulischen Baggern und Minenausrüstung aus China. Der Konzern rechnet deshalb im laufenden Quartal im Vergleich zur Vorperiode mit einer Verdopplung des operativen Gewinns auf rund 36 Milliarden Yen. Hält der operative Aufwärtstrend im Jahresverlauf an, dürfte sich der Kursaufschwung der Komatsu-Aktie in den kommenden Monaten fortsetzen – auch ohne göttlichen Beistand.

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