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09. Mai 2017

Theorie trifft Technik auf den 25. Deutschen Baumpflegetagen

Theorie trifft Technik auf den 25. Deutschen Baumpflegetagen

Drei Tage lang bilden sich Baumpfleger und Co. in Augsburg weiter. Für viele Unternehmen gehört die begleitende Messe zur europäischen Tagung jedes Jahr zum Pflichttermin

Der Nutzen von Bäumen in Städten und Gemeinden ist unumstritten. Durch die Produktion von Sauerstoff sowie die Bindung von CO2 tragen sie nachhaltig zur Verbesserung des dortigen Klimas bei. Doch dafür benötigen die Pflanzen die richtige Pflege. Um bei diesem Thema stets auf dem neuesten Stand der Dinge zu sein, gibt es für Baumpfleger und andere Berufsgruppen, die mit diesem Tätigkeitsfeld zu tun haben, eine jährlich stattfindende Pflicht-Veranstaltung: die Deutschen Baumpflegetage in Augsburg. In diesem Jahr feierte das Event bereits sein 25-jähriges Jubiläum. Passend dazu startete die dreitägige Veranstaltung genau am Tag des Baumes. Was im Jahre 1993 als regionale Tagung in der Augsburger Kongresshalle begann, hat sich ein Vierteljahrhundert später zur wichtigsten europäischen Fortbildung für die Baumpflege entwickelt, berichtet Organisator Prof. Dr. Dirk Dujesiefken in seinen Begrüßungsworten. Insgesamt 1.450 Fachleute aus 17 Nationen folgten der Einladung auf das Messegelände. Neben Teilnehmern aus Australien, Neuseeland, Kanada, Japan, Russland sowie den USA kamen in diesem Jahr zum ersten Mal auch Baumpfleger aus Indien, Israel, Honkong sowie Tunesien in die schwäbische Großstadt.

 „Es ist eine Art Familientreffen“, merkt Dujesiefken lachend an. Wer sich einmal im Jahr ein Update in Sachen Baumpflege geben möchte, sei in Augsburg genau richtig. Schließlich liege der Schwerpunkt hier auf der Fortbildung. Rund 50 Prozent der Teilnehmer kämen aus dem kommunalen Bereich wie Straßenbau, Gärtnereien oder auch Grünflächenämtern. Welchen Stellenwert die deutsche Veranstaltung international hat, macht Reiner Erben, Umweltreferent der Stadt Augsburg, deutlich: Weltweit gebe es nur in den USA eine annähernd gleichgroße Tagung wie die Deutschen Baumpflegetage. In den Fachvorträgen des Jubiläumsevents standen in diesem Jahr die Themen „Bäume im Einfluss des Klimawandels“, das „Zukunftsprojekt Stadtgrün 2021“ sowie die „Neuerungen der überarbeiteten ZTV-Baumpflege“ im Mittelpunkt. Besonders stolz waren die Veranstalter über einen Referenten: den französischen Forstbotaniker Francis Hallé, der 2013 mit dem Kinofilm „Das Geheimnis der Bäume“, berühmt wurde. Erstmals präsentierte Hallé die Ergebnisse seiner neuesten Erkenntnisse zur Kronenarchitektur von Bäumen einem deutschen Fachpublikum.   

Im Inneren die Theorie, auf dem Außengelände Praxis und Technik

Drei Tage lang brachten sich die Teilnehmer in zahlreichen Fachvorträgen auf den neuesten Informationsstand rund um das Thema Baumpflege. So gab Dr. Susanne Böll von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau am Beispiel der Städte Hof, Kempten und Würzburg einen Überblick über die siebenjährigen Ergebnisse aus dem Projekt „Stadtgrün 2021“. Darin soll herausgefunden werden, welche Straßenbäume sich, je nach Region, für die Zukunft am besten eignen. Schließlich sei die Stadt ein Stressstandort für die heimischen Bäume, da sie dort mit einem wesentlich trockeneren und wärmeren Klima konfrontiert werden. Vielerorts seien sie dadurch multiplen Belastungen ausgesetzt. Da die Bäume in den ersten fünf Jahren nach ihrer Pflanzung am empfindlichsten sind, ließe sich zum jetzigen Zeitpunkt bereits eine vorläufige Best-of-Liste für die drei Versuchsstandorte zusammenstellen – mit dabei sind unter anderem Gattungen der Erle und Ulme.

Den Ausgleich zur Theorie bildete das Kletterforum mit seinen praktischen Programmpunkten. Hier standen Themen wie „Versuche zur Belastbarkeit von Ästen“ oder auch „Vektor-Kräfte“ auf der Tagesordnung. Letzteres veranschaulichte Knut Foppe, Ausbilder und Sachverständiger für seilunterstützte Zugangs- und Rettungsverfahren. „Wenn wir die Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, reduzieren, dann haben wir mehr Kontrolle und mehr Sicherheit. Hier hilft es, die Vektorkräfte zu verstehen“, brachte es Foppe gleich zu Beginn auf den Punkt. Zum besseren Verständnis der richtungsdefinierten Kräfte durften die Teilnehmer selbst Handanlegen. Mit verschiedenen Übungen am Kletterseil demonstrierte Foppe den Anwesenden die Auswirkung von Vektor-Kräften.

Jährlicher Pflichttermin für die Unternehmen

Wie schon in den vergangenen Jahren fand begleitend zu den Deutschen Baumpflegetagen eine große Fachmesse im Innen- und Außenbereich des Messegeländes statt. Da die Messe jährlich wächst, wurde 2017 speziell der Außenbereich noch einmal vergrößert, um den insgesamt 140 Ausstellern genügend Platz zu bieten. Namhafte internationale Fachhändler sowie Verbände, Institutionen, Baumpflegeunternehmen, Verlage und Weiterbildungsinstitute präsentierten ihre Produktneuheiten, aber auch Dienstleistungen für den Bereich Baumpflege. Bereits ein „alter Hase“ bei den Deutschen Baumpflegetagen ist die Opitz GmbH & Co.KG. In Sachen Großbaumverpflanzung sind sie das führende Unternehmen in Europa. „Für uns ist das hier immer wie ein Bekanntentreffen“, sagt Herbert Porlein, Bauleiter von Opitz. Gerade um die bestehenden Kundenkontakte zu pflegen, sei die Veranstaltung enorm wichtig. Genauso sieht es auch Gabriele Liebl, Verkaufsleiterin bei Eliet Europe NV. Auf ihrem Stand auf der Außenfläche der Messe präsentiert das belgische Unternehmen seine orangefarbenen Maschinen für den Einsatz in den Bereichen Gartenpflege und Gartenbau – darunter verschiedene Häcksler. Doch nicht allein wegen der Präsenz, seien die Deutschen Baumpflegetage ein Pflichttermin. Zufriedene Kunden würde auch stets Empfehlungen an ihre Kollegen weitergeben. Die hätten dann bei einer solchen Veranstaltung die Möglichkeit, mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten. Gleich schräg gegenüber sind Susanne Zelic und ihre Kollegen von GreenMech immer wieder damit beschäftigt, ihre Holzhäcksler den Besuchern zu erklären. „Wir sind jetzt seit vier Jahren mit dabei“, berichtet die Vertriebs- und Marketingverantwortliche. Zwar sei die begleitende Messe der Veranstaltung um einiges kleiner als beispielswiese eine demopark oder Galabau. Allerdings habe man hier ganz komprimiert einen wichtigen Teil des Kundenkreises auf einem Fleck. Auf besonders großes Interesse stoßen auch die Produkte des Schweizer Unternehmens Birchmeier Sprühtechnik AG, das ganze vorne bei der Herstellung von Sprühgeräten mitwirkt. „Vor allem die sieben Meter lange Teleskop-Lanze begeistert die Besucher“, berichtet Vertriebsleiter Peter Hölzer. Denn ohne zusätzliche Hilfsmittel wie eine Kletterausrüstung oder Hebebühne sind Baumpfleger damit in der Lage, die Spitze der Pflanzen zu erreichen – ohne dabei ein unnötiges Risiko einzugehen.

Auch 2018 finden die Deutschen Baumpflegetage vom 24. bis 26. April wieder auf dem Augsburger Messegelände statt.

Text/Bilder: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de

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