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12. September 2017

Interview-Reihe: Fastrac und Hydradig – Zwei JCB-Maschinen mit Alleinstellungsmerkmal

Interview-Reihe: Fastrac und Hydradig – Zwei JCB-Maschinen mit Alleinstellungsmerkmal

Neben Baugewerbe und Landwirtschaft finden auch immer mehr kommunale Dienstleister Gefallen am Hydradig sowie Fastrac. Während der neue Mobilbagger mit seiner Bauweise überzeugt, erfüllt die 4000-Traktorserie die Wünsche der deutschen Kunden

In den Unternehmen wird getüftelt, geforscht und entwickelt. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden der Öffentlichkeit oft auf den Messen zum allerersten Mal vorgestellt. Doch kommen die Neuheiten auch wirklich bei den Kunden an? Wie viele der Produkte wurden bislang verkauft? Und welcher Kundenkreis findet Gefallen an den Innovationen?
Um diese Fragen zu klären, lassen wir in unserer Interview-Reihe einige Firmen zu Wort kommen. Diesmal stand uns JCB Rede und Antwort. Das britische Unternehmen umfasst mittlerweile 22 Produktionsstandorte auf vier Kontinenten sowie über 750 Händlerniederlassungen in der ganzen Welt. Und auch wenn die Maschinen von JCB vorwiegend in den Bereichen Bau und Landwirtschaft zu finden sind, so gibt es doch unter den Mobilbaggern und Traktoren insbesondere zwei Modelle, die ebenso gut für den Kommunaleinsatz in Frage kommen: der Hydradig sowie der Fastrac.
Welchen Grund das hat, welche Ausstattungsmerkmale die Maschinen so besonders machen und mit welchen Entwicklungen von JCB in den kommenden Jahren noch zu rechnen sind, darüber sprachen wir mit den beiden JCB-Produktmanagern Ulrich Recknagel und Reinhold Kläs.

Zwei Maschinen, die bei JCB besonders hervorstechen, sind das noch recht junge Mobilbaggermodell Hydradig sowie der Fastrac, den es bereits seit 1990 gibt. Welchen Stellenwert haben die beiden Fahrzeuge unter allen anderen Produkten von JCB?

Recknagel: Der Hydradig zählt mit seinem einzigartigen Konzept zu einer der innovativsten Maschinen bei JCB. Er erfüllt die Anforderungen an moderne Baustellen und seine Alleinstellungsmerkmale werden von unseren Kunden sehr geschätzt. Der Hydradig wird seit seiner Markteinführung 2016 sehr gut angenommen.

Kläs: Ja, den JCB Fastrac gibt es bereits seit 1990, aber in Deutschland wurde er erst im Jahr 1992 in den Markt eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch der Vertriebsbereich Landpower, zu dem der Fastrac gehört, gegründet. Stückzahlmäßig hat der Fastrac nicht den hohen Stellenwert, wie die Baggerlader und Teleskoplader von JCB. Die Maschine sticht eher durch ihre besonderen Eigenschaften und einzigartigen Merkmalen hervor.

Welche Merkmale sind das genau beim Fastrac?

Kläs: Da gibt es eine ganze Reihe: die Federung an beiden Antriebsachsen – beim neuen Fastrac 4000 ist diese sogar vollhydraulisch –, die  automatische Niveauregulierung an Vorder- und Hinterachse, die die Fahrstabilität in allen Fahrzuständen sicherstellt, die hydraulische Chassis-Höhenverstellung für den schnellen An- und Abbau von Anbaugeräten, das absolut sichere Scheibenbremssystem mit ABS an allen vier Rädern, die Vierradlenkung einschließlich Hundegang für eine optimale Wendigkeit und natürlich der dritte Aufbauraum hinter der Zwei-Personen-Großraum-Deluxekabine zur Aufnahme von Kommunalgeräten wie Mäher, Salzstreuer, Pritschen, Kräne, Dünger- oder Spritzbehälter etc. Und zuletzt nicht zu vergessen, die höhere Fahrgeschwindigkeit von bis zu 80 km/h für Autobahn und Kraftfahrtstraßen.

Und welche Alleinstellungsmerkmale schätzen die Kunden beim Hydradig?

Recknagel: Der Hydradig ist eine innovative Lösung als Antwort auf die fünf wichtigsten Anforderungen in der Bauwirtschaft. Dies beinhaltet Übersicht, Stabilität, Wendigkeit, Mobilität und Servicefreundlichkeit. Die gute Übersicht resultiert unter anderem aus dem Einbau des Motors und der Tanks in den Unterwagen. Hiermit konnte der Schwerpunkt der Maschine deutlich nach unten verlagert und deshalb auch das Kontergewicht sehr kompakt gehalten werden. Auf diese Weise hat man vom Fahrersitz aus den uneingeschränkten Blick auf alle vier Räder, besonders nach rechts und hinten. Der Hydradig hat zudem einen Wenderadius von weniger als 4 m, was das Arbeiten auf den immer enger werdenden Baustellen oder auch einspurigen Straßen enorm erleichtert. Der niedrige Schwerpunkt sowie der Radstand von 2,60 m bietet neben einer hervorragenden Standfestigkeit auch ein perfektes Fahrgefühl. Die hohe Servicefreundlichkeit wird ebenfalls sehr geschätzt. Alle Wartungspunkte sind vom Boden aus erreichbar, der Fahrer muss bei seinen Checks also nicht auf die Maschine steigen und spart somit auch Zeit.  

Wie viele der Maschinen sind seit Markteinführung bereits vom Band gelaufen?

Recknagel: Die ersten Hydradig wurden gegen Ende letzten Jahres ausgeliefert. Bisher sind es deutschlandweit bereits mehr als 100 Maschinen. Weltweit sind es bis jetzt aber schon über 700.

Kläs: Seit 1990 sind das zig-Tausende. Wenn man sich nur die neuen Fastrac-Modelle der Serie 4000 anschaut, so haben wir in den beiden letzten Jahren ca. 1500 allein von dieser Serie gebaut.

In welchen Bereichen kommen der Hydradig und Fastrac zum Einsatz?

Recknagel: Der Hydradig ist die ideale Maschine um auf beengten Baustellen, z. B. im innerstädtischen Bereich, zu arbeiten. Er überzeugt durch seine direkte Übersichtlichkeit ohne Hilfsmittel und seine Wendigkeit. Die Maschine ist deshalb auch serienmäßig mit drei Lenkarten – Vorderradlenkung, Allradlenkung und Hundegang – ausgestattet. Nur so kann man eine Maschine auch unter beengten Platzverhältnissen perfekt manövrieren.

Kläs: Der universelle JCB Fastrac wird hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt, der neue Fastrac 4000 dagegen vermehrt im Kommunaleinsatz.

Also ist der Fastrac 4000 die perfekte Maschine für kommunale Dienstleister?

Kläs: Aber absolut ist der Fastrac das richtige Trägerfahrzeug für den Ganzjahreseinsatz in der Kommune. Dazu trägt insbesondere der Heckaufbauraum als zusätzliche Ladefläche bei. Die neuen Fastrac-Modelle der Serie 4000, die u.a. mit einem stufenlosen Getriebe ausgestattet sind, eignen sich hervorragend für den kommunalen Einsatz, bei dem die Arbeiter beispielsweise beim Mähen andauernd an Hindernissen anhalten müssen. Gleichzeitig ermöglicht ihnen der Fastrac die optimale Geschwindigkeitsanpassung für alle Einsatzarten. Die serienmäßige Vierradlenkung bietet außerdem beste Wendigkeit für innerörtliche Einsätze.

Und wie sieht es beim Hydradig mit Einsätzen im Kommunalbereich aus?

Recknagel: Der Hydradig ist eine äußerst flexibel einsetzbare Maschine und kann mit seinen Vorzügen natürlich auch im Kommunalbereich eingesetzt werden. Dieser 11t-Mobilbagger verfügt unter anderem über eine zulässige Anhängelast bis 3,5 t. Diese erlaubt zum Beispiel den Transport von Anbauwerkzeugen zum nächsten Einsatzort. Und der ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 40 km/h schnell erreichbar.

Wo auf der Welt findet man die beiden Maschinen überall?

Recknagel: Der Hydradig wird natürlich weltweit verkauft. Deutschland und Frankreich sind dabei die größten Mobilbaggermärkte. Die Nachfrage nach leistungsstarken und trotzdem kompakten Maschinen wächst. Aufgaben und Einsätze im innerstädtischen Bereich steigen rasant. Auf diesen, meist sehr engen und unübersichtlichen Baustellen kann der JCB Hydradig seine vielen Vorteile natürlich am besten unter Beweis stellen. Der Fahrer kann seine Arbeit durch die perfekte Übersicht und Wendigkeit nicht nur schneller, sondern auch sicherer durchführen.

Kläs: Die Hauptmärkte für den Fastrac sind natürlich das Herstellerland England, dann Deutschland, Amerika, Australien und die weiteren westeuropäischen Länder. Der Fastrac war 1992 der direkte Nachfolger vom damals eingestellten und bekannten MB-Trac. Durch seine Bauart ist der Fastrac in Deutschland bei den ehemaligen MB-Trac-Kunden natürlich sehr beliebt. Diese zählen auch heute noch zu unseren Stammkunden. Aber wir versuchen natürlich auch bei den Lohnunternehmern, größeren landwirtschaftlichen Betrieben und in den Kommunen immer mehr zu punkten und uns gegenüber England zu profilieren. Gerade bei der Entwicklung der neuen Fastrac-Baureihe 4000 hat unsere Entwicklungsabteilung in England sehr auf die deutschen Marktanforderungen gehört und diese hervorragend umgesetzt. Die Beliebtheit der Serie 4000 hat kürzlich auch beim Design der neuen Serie 8000 Pate gestanden. Das moderne Styling und die Großraum-Komfortkabine wurden deshalb auch in der neuen Serie 8000 in den Modellen von 300 bis 350 PS umgesetzt.

Fragen Sie bei Ihren Kunden aus dem Kommunalbereich auch einmal nach, wie zufrieden sie mit den Maschinen sind? Welches Feedback haben Sie bislang erhalten?

Recknagel: Uns ist das Feedback der Kunden sehr wichtig. Die Kommunikation mit Kunden hat ja auch dazu geführt, das JCB den Hydradig gebaut hat. Bei neuen Maschinen ist dieser Kontakt natürlich besonders ausgeprägt. Alle Fahrer sind begeistert von der Übersicht und Wendigkeit der Maschine. Positiv überrascht sind sie von der hohen Standfestigkeit oder besser gesagt, der hohen Hubleistung bei einem Hecküberstand von nur 12cm.

Kläs: Gerade der Kommunalbereich liegt mir persönlich sehr am Herzen und daher pflege ich einen ständigen Kontakt zu vielen Kommunal-Depots, die heute den neuen Fastrac 4000 Kommunal fahren. Das Feedback ist eindeutig sehr gut: Das Trägerfahrzeug ist universell einsetzbar für die vielfältigen kommunalen Anforderungen und der bekannte, supergute Fahrkomfort beim Fastrac, in Verbindung mit der Wendigkeit durch die Vierradlenkung, das stufenlose Getriebe mit den zahlreichen Abstimmungsmöglichkeiten und der bereits mehrfach angesprochene Heckaufbauraum, machen den Fastrac 4000 so beliebt bei den neuen Kommunalkunden.

In wie weit fließt vor allem auch Kritik in die zukünftige Weiterentwicklung der Maschinen mit ein?

Kläs: Ich hatte es ja bereits angedeutet: Die Entwicklung des neuen Fastrac 4000 beruht hauptsächlich auf den deutschen Marktanforderungen. Kritikpunkte, die wir natürlich auch noch haben, versuchen wir in enger Abstimmung tagtäglich mit unseren englischen Kollegen anzusprechen und zu verbessern. Konkret kann ich sagen, dass die neuen Fastrac-Modelle der Serie 4000 die direkte Antwort auf Kritikpunkte der Vorgänger-Serie 2000 sind und zwar zu den Punkten Antriebstechnik, Zuladung, Kabinenkomfort oder Automatikfunktionen wie Vorgewende-Management etc.

Recknagel: Wir sind immer daran interessiert, unsere Maschinen für den Kunden weiter zu verbessern und gehen natürlich auf die Wünsche der Anwender ein. Für den Hydradig arbeiten wir zurzeit zum Beispiel an einer werkseitigen Lösung für den angefragten zusätzlichen Stauraum und an einer zusätzlichen Reifenoption.

Wohin geht die zukünftige Entwicklung von JCB? Dürfen Sie bereits verraten, auf welche Produkte von Ihnen sich die Kunden in naher Zukunft freuen können?

Kläs: Mit Sicherheit gibt es noch viel Potenzial nach oben. Die Produkte von JCB unterliegen ständigen Veränderungen, die nicht zuletzt auch durch allgemeine Anforderungen wie Umsetzung der neuesten Abgasnormen oder Zulassungsbestimmungen bestimmt werden. Entscheidend für den Erfolg ist natürlich der Vertrieb und die Vertriebsstruktur, der Service und die Zuverlässigkeit des Produkts für das Verkaufswachstum. Auf jeden Fall steht eine weitere EU-Abgasverschärfung in den nächsten 2 bis 3 Jahren an, so dass alle laufenden Modellreihen wieder angepasst werden müssen. In diesem Zusammenhang werden selbstverständlich weitere Verbesserungen, Ideen sowie Kundenanforderungen in die zukünftigen Fastrac-Modelle einfließen.

Recknagel: JCB ist dafür bekannt, auch einmal neue Wege zu gehen, um Kunden Maschinen anzubieten, mit denen man Aufgaben schneller, besser, sicherer und kostengünstiger erledigen kann. Die Vorteile, die das Konzept des Hydradig mit sich bringt, hat dies ja wieder einmal gezeigt. Die Vorteile des JCB Hydradig werden auch in anderen Klassen gefordert sein…

Interview: JG – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: JCB/Bauhof-online.de

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