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Zeppelin fehlen Mechaniker in Russland

Höher Ölpreis hin, Immobilienkrise her. Der Münchener Zeppelin-Konzern wächst rasant. Doch gerade in der Boomregion Russland kämpft der Baumaschinenhändler mit einem Fachkräftemangel; ein Problem, was viele deutsche Unternehmen kennen. Wenn westliche Konzerne mit russischen Firmen um qualifiziertes Personal buhlen.

Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz des Baumaschinenhändlers um 18 Prozent. "Wir könnten allerdings noch viel stärker zulegen", klagt Zeppelin-Chef Ernst Susanek, "wenn wir in Russland genügend qualifiziertes Personal bekommen würden."

Russland sowie die angrenzenden ehemaligen Sowjetrepubliken sind für Zeppelin eine Goldgrube. In der Region stiegen die Erlöse seit Jahresbeginn um mehr als die Hälfte auf 241 Mill. Euro. Die russischen Baukonzerne kaufen massenhaft moderne Bagger, Laster und Raupen, um das Land zu erschließen und neue Bürotürme und Wohnanlagen in die Höhe zu ziehen.

Nur: Zeppelin findet in dem Land nicht genügend Mechaniker, um die Stützpunkte zu eröffnen, die für die Expansion nötig sind. Das Problem kennen viele deutsche Unternehmen: Für den Mittelstand ist Russland und Osteuropa derzeit die Wachstumsregion schlechthin. Doch beklagen viele Firmen, dort zu wenig gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden, heißt es bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer.

Ein Grund dafür ist der Boom in der Region: Westliche Konzerne buhlen mit russischen Firmen um qualifiziertes Personal. Dessen Zahl wächst aber nicht in gleichem Maße wie die Nachfrage. Experten sehen einen Grund dafür in der fehlenden dualen Ausbildung, wie es sie in Deutschland gibt. Das parallele Lernen in einer Berufsschule und Arbeiten im Betrieb gibt es in Russland nicht - beides ist strikt getrennt.

Vorerst müssen die Unternehmen daher selbst in die Ausbildung des Nachwuchses investieren - meist mit nicht geringen Beträgen. "Wir haben alleine 14 Ausbilder in Russland, das ist richtig teuer", sagt Zeppelin-Chef Susanek.

Der Mangel führt auch dazu, dass die Löhne und Gehälter in Russland rasant steigen. Sie sind zwar immer noch wesentlich niedriger als in Westeuropa. Doch schon im Jahr 2007 stiegen die Gehälter dort um durchschnittlich 11,6 Prozent, wie eine Analyse der Management- und Personalberatung Kienbaum zeigt. Auch für 2008 planen die Unternehmen Gehaltserhöhungen zwischen elf und zwölf Prozent.

Zeppelin kennt aber noch ein weiteres Problem, das auch andere deutsche Firmen an einer stärkeren Expansion in Russland hindert: Wegen der ungeklärten Eigentumsverhältnisse vor Ort fällt es dem Baumaschinenhändler oft schwer, Grundstücke für die neuen Standorte zu kaufen. Denn zur Firmenphilosophie gehört, die Geschäfte auf eigenem Boden zu betreiben.

Zeppelin, den Namen verbinden die meisten Menschen mit Luftschiffen. Die baut der Konzern seit einigen Jahren auch wieder, aber das ist nur ein Randbereich. Sein Geld verdient das Münchener Unternehmen, das in Stiftungsbesitz ist, vor allem mit dem Baumaschinenhandel. In Deutschland, der Schweiz, Österreich sowie in Osteuropa und Russland haben die Bayern exklusiv die Vertriebsrechte von Weltmarktführer Caterpillar. Gleichzeitig vermietet die Firma die Geräte. Darüber hinaus produziert Zeppelin Anlagen für die Schüttgutaufbereitung von Kunststoffgranulaten.

Im ersten Halbjahr lief das Geschäft mit einem Umsatzzuwachs von 18 Prozent auf knapp 1,2 Mrd. Euro glänzend. Das Plus stammt vorwiegend aus Osteuropa, denn in Deutschland hat Zeppelin wegen der Wirtschaftsflaute etwas weniger Maschinen verkauft und vermietet als im Vorjahr. Vergangenes Jahr erzielte der Konzern bei einem Umsatz von fast 2,3 Mrd. Euro ein Vorsteuerergebnis von 118 Mill. Euro.

Für Zeppelin ist das starke Engagement in Osteuropa wichtig, denn im Westen bricht das Geschäft mit Baumaschinen ein. Allein in Deutschland wurden im ersten Halbjahr nach Angaben des Branchenverbands VDMA zwölf Prozent weniger neue Baumaschinen verkauft oder vermietet als 2007. Allerdings läuft das Geschäft hierzulande noch immer vergleichsweise gut, denn selbst nach dem Einbruch liegt das Niveau über dem Jahr 2006.

Zeppelin ist rasant gewachsen. Zum Jahrtausendwechsel lag der Umsatz bei 1,4 Mrd. Euro. Dieses Jahr sollen es bereits 2,45 Mrd. Euro sein, für 2010 peilt Konzernchef Susanek 2,6 Mrd. an. In Russland sieht der Manager das größte Potenzial: "Die haben stabile Langzeitperspektiven." Und noch etwas gefällt Susanek: "Die Russen bezahlen prompt." Das sei angesichts der sich abzeichnenden Wirtschaftsflaute nicht überall der Fall.

Quelle: handelsblatt.com

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