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Winterdienst auf der IFAT 2008: Normen im Kampf gegen Schnee und Eis

Neue, europaweite Normen für Räum- und Streufahrzeuge definieren deren Leistungsfähigkeit und standardisieren die technischen Schnittstellen. Die Regelungen werden großen Einfluss auf die künftige Beschaffung von Winterdienst-Technik haben, nicht zuletzt weil dadurch Geräte verschiedener Hersteller in ihrer Leistung leichter verglichen werden können. Auf der IFAT 2008, die vom 5. bis 9. Mai 2008 in München stattfindet, haben Messebesucher die Chance, sich über aktuelle Trends zu informieren.

Vor sechs Jahren startete das europäische Norminstitut CEN ein europaweites Normungsprojekt im Bereich Straßenbetrieb, wozu auch der Winterdienst zählt. Ziel ist es, einheitliche Anforderungen an die Geräte - also zum Beispiel Schneepflüge und -fräsen oder Streueinrichtungen - sowie an die Schnittstellen zwischen Fahrzeug und Gerät festzulegen. Hintergrund ist eine Stärkung des Wettbewerbs in Europa. Für die Anwender hat das den Vorteil, dass Geräte universell austauschbar sind. Beispielsweise wird dann ein Schneepflug aus Italien zuverlässig an einen deutschen Unimog montiert werden können.

Die ersten europäischen Normen in diesem Bereich traten Ende vergangenen Jahres in Kraft, sie wurden dabei automatisch auch zu deutschen Normen (DIN).
Die europa- und weltweit führenden Hersteller von Räum- und Streutechnologie kommen aus Deutschland. „Nicht zuletzt durch diese Marktführer- und Vorreiterstellung bestimmen die deutschen Vertreter in den CEN-Gremien maßgeblich die künftigen Normen mit. Viele dort getroffenen Regelungen beruhen auf deutschen Standards oder Entwicklungen“, erläutert Dr.-Ing. Horst Hanke, Vorsitzender des Fachausschusses Winterdienst des Verbands kommunale Abfallwirtschaft und Stadtreinigung im Verband Kommunaler Unternehmen (VKS im VKU).

Die neuen Normen konkretisieren zum Beispiel die Anforderungen an Schneepflüge (DIN EN 15583), Schneeschleudern und -fräsen. Neben Grundbegriffen, -anforderungen und -abmessungen definieren sie Eigenschaften wie Leistung, Räumqualität, Vortriebsgeschwindigkeit, Räummenge und Wurfweite.
Eine schwierige Aufgabe ist die Entwicklung der entsprechenden Messverfahren, da hierbei stark unterschiedliche Schneekonsistenzen berücksichtigt werden müssen.
Das wichtigste und gleichzeitig anspruchvollste Projekt im Bereich des Winterdienstes ist laut Dr. Hanke die Normung von Streugeräten. Ziel dabei ist es, die Qualität der Streubilder zu regeln und reproduzierbare Testverfahren hierzu zu entwickeln. Wegen der Komplexität wurde das Normprojekt (DIN EN 15597) in zwei Stufen unterteilt. Der erste Teil ist im vergangenen Jahr in Kraft treten. Er beschreibt allgemeine Anforderungen an Streugeräte sowie das vergleichsweise einfach Testverfahren zur Streumenge. Hierbei wird die Streugeschwindigkeit elektronisch simuliert und das Salz oder der Splitt am Streuteller aufgefangen. Die ausgebrachte Gesamtmenge darf dabei bei Salz um höchstens sechs Prozent vom Soll abweichen, bei abstumpfenden Stoffen wie Splitt ist eine Differenz von 15 Prozent noch zulässig.
Wesentlich interessanter, aber auch schwieriger ist der zweite Teil der Norm, der sich mit den Anforderungen an Streubreite, Streubild und Streurichtung beschäftigt. Hierbei gilt es, Testverfahren für das Streubild - das heißt die punktgenaue Verteilung von Salz und Splitt auf der Fahrbahn - zu entwickeln und dann die Anforderungen an das Streubild zu fixieren. Der zweite Teil der Norm in noch in Arbeit und wird frühestens im Lauf dieses Jahres erscheinen.

In den Normgebungsprozess mit einbezogen sind auch die Straßen-Wetter-Informations-Systeme. Neben der Definition allgemeiner Anforderungen an Systeme und Schnittstellen macht die Norm auch Vorgaben für die Messgenauigkeit der Sensoren, die die wesentlichen Wetter und Straßenzustand beschreibenden Daten erfassen. In einem zweiten, schwierigeren Teil sollen dann die Verarbeitung der Daten, der Datenaustausch und die Wetterprognosen beschrieben werden. Außerdem ist vorgesehen, auch die mobile Erfassung von Straßenzustandsdaten zu regeln.

Um sicher zu stellen, dass künftig europaweit die Geräte und Anbauplatten für den Frontanbau an Fahrzeugen kompatibel sind, definiert die DIN EN 15432 die Größen und die Gestaltung der Anbauplatten. Die DIN EN 15431 regelt die Hydraulik- und Elektrik-Schnittstellen und -Anschlüsse. Für die Hydraulikanlagen werden Vorgaben für Leistung, Druck, Durchfluss und Temperaturregelung gemacht. Auch hier ist es gelungen, einheitliche europäische Standards festzulegen, die von allen Ländern mitgetragen werden, so dass die Kompatibilität künftig europaweit gegeben ist.
Die DIN EN 15430 präzisiert die Daten-Schnittstelle zwischen allen Arten von An- und Einbaugeräten mit dem Fahrzeug. Im zweiten Teil dieser Norm, der derzeit erarbeitet wird, soll dann die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Zentrale sowie die Datenauswertung vereinheitlicht werden.

Die neuen Regelungen werden sich auf die Beschaffung von Fahrzeugen und Geräten für den Straßenbetrieb und Winterdienst wesentlich auswirken. Dr. Horst Hanke: „Besonders die Normen zu den Schnittstellen bedeuten einen großen Fortschritt bei der Beschaffung von Fahrzeugen und Geräten. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, den Ausschreibungen und Bestellungen die neuen Regelungen zugrunde zu legen. Auch die noch nicht endgültig eingeführten Entwürfe, die so genannten Gelbdrucke, können bereits heute als Basis für Beschaffungen und Ausschreibungen dienen.“ Die Normentwürfe und fertigen Normen können beim Deutschen Institut für Normung recherchiert und bestellt werden unter www.din.de.

Die aktuelle Nachfrage nach Streu- und Räumtechnologie zeigt sich durchwachsen. Walter Schmitz, Vorsitzender der Winter-Maintenance-Gruppe des Verbandes EUnited Municipal Equipment erläutert: „Der geringe Schneefall der Saison 2006/2007 Jahres hat dazu geführt, dass insbesondere kleinere Kommunen die Beschaffung von Winterdienstgeräten vertagt haben. Außerdem werden die wieder gestiegenen Steuereinnahmen insbesondere deutscher Städte und Gemeinden eher für Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen verwendet und nicht für den Fahrzeug- und Geräteinvest. Dagegen kaufen Kunden mit langfristigen Investitionsplänen, wie zum Beispiel die Straßenbauverwaltungen, etwas mehr Winterdienstausrüstung, da das Budget im letzten Jahr durch den geringeren Salzverbrauch entlastet wurde.“

Eine Gelegenheit, sich über die aktuellen Winterdienst-Gerätetechnik sowie die dabei eingesetzte Informations- und Kommunikationstechnik inklusive Standort-positionierung, Datenerfassung, -übertragung und -aufzeichnung sowie Einsatzmanagement zu informieren, bietet traditionsgemäß die Umweltmesse IFAT, die vom 5. bis 9. Mai 2008 zum 15. Mal in München stattfindet. Der Bedeutung der Messe angemessen, zählen die oben genannten Verbände VKS und EUnited Municipal Equipment zu den ideellen Trägern der IFAT.


Über die IFAT
Die IFAT ist die wichtigste Messeveranstaltung der Welt für Umwelt und Entsorgung: Wasser, Abwasser, Abfall und Recycling. Mit 2.223 Ausstellern aus 36 Ländern sowie 109.000 Fachbesuchern aus 166 Ländern präsentierte sich die Veranstaltung im Jahr 2005 mit neuen Rekordzahlen. Die IFAT 2008, die vom 5. bis 9. Mai 2008 in München stattfindet, bietet ein attraktives Ausstellungsprogramm: Innovative Branchenlösungen und den neuesten Stand der Technik zur Umsetzung praxisorientierter, wirtschaftlicher Lösungen sowie ein breites Angebot an qualifizierten Dienstleistungen im Bereich der Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft mit zahlreichen attraktiven Informationsveranstaltungen.

Weitere Informationen unterhttp://www.ifat.de/

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