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Winter ade – Der Bauhof Pfronten macht sich fit für den Frühling

Wenn die letzten großen Schneeberge an den Straßenrändern langsam schmelzen, offenbart der Frühling die Spuren des Winters: aufgerissene Wiesen, Schlaglöcher, Böller-Reste und jede Menge Splitt.  Für die Männer vom Bauhof Pfronten steht spätestens dann wieder Großreinemachen auf dem Plan. Wir haben das Team um Bauhofleiter Leo Erhart einen Vormittag lang bei seinen Frühlingsvorbereitungen begleitet.

Schon wieder hat jemand seinen Müll einfach auf der Rampe neben den Bahngleisen liegen lassen. Mit seinen Handschuhen greift Bernhard Rist nach dem Karton. Kleine, leere Schnapsflaschen fallen ihm klirrend entgegen. „So sieht es hier leider jeden Tag aus“, sagt der 34-Jährige. Es ist 7:15 Uhr und Rist hat gerade seine Müllrunde begonnen. Seit sieben Jahren befreit der Bauhofmitarbeiter Pfronten täglich von überquellenden Mülleimern und Hundetoiletten. Und natürlich auch von illegal entsorgtem Hausmüll. Anerkennung bekommt er dafür kaum. „Die meisten Leute sehen unsere Arbeit nicht. Sie wissen nicht, wie es hier über Nacht oftmals aussieht. Und wenn sie morgens das Haus verlassen, ist alles schön sauber.“ Rist zuckt mit den Schultern und hievt den ersten Sack mit gesammeltem Müll  auf die Ladefläche seines Kombis. Weiter geht’s. Bis Mittag wird er 60 Müllbehälter im ganzen Ort geleert haben.

Seine Runde führt Rist über den Pfrontener Kurpark. Andreas Kunz, Klaus Bratrich und Josef Maier laden vor dem Pavillon gerade eine Fuhr mit bunten Stiefmütterchen ab. Der Bauhof übernimmt die Frühlingsbepflanzung seit diesem Jahr erstmals selbst. Bis Ende der Woche wollen die Männer 2300 Pflanzen in ganz Pfronten setzen. Rists Handy klingelt. Am Dorfer Weiher soll ein Zaunabschnitt beschädigt sein. Die Schneemengen der letzten Monate haben ihn eingedrückt. Auch das gehört zu seinen Aufgaben: schnell vor Ort sein, wenn Bürger oder Kollegen einen Schaden entdecken. Für solche Fälle hat Rist auch immer das passende Werkzeug dabei. Mit einer Brechstange entfernt er die kaputten Zaunbretter. Er wird später noch einmal mit neuen Brettern anrücken müssen.

Dass der Winter überall seine Spuren hinterlassen hat, ist nicht zu übersehen. An den Straßenrändern hat der Schneepflug tiefe Furchen in die Erde gerissen. Seit mehreren Tagen ist ein Teil der Männer bereits damit beschäftigt, die Felder wieder auf Vordermann zu bringen. Eine Kehrmaschine fegt seit heute Morgen den letzten Splitt von den Straßen und auch zwischen den Ortsteilen Weißbach und Rehbichel sind Axel Furtenbach und Martin Heer gerade dabei, Äste und Gestrüpp aus einem kleinen Bach zu baggern. Schnee und Wind haben sie angeschwemmt. Heer schneidet die Wurzeln mit einer Motorsäge ab und Furtenbach schiebt das Gehölz auf einen Haufen zusammen. „Daraus machen wir Hackschnitzel“, sagt er. Die Schneefangzäune hat das Team schon in der vergangenen Woche abgebaut und auch für das Loipenspurgerät ist ab heute Schicht im Schacht. Obwohl es erst am vergangenen Wochenende nochmal kräftig geschneit hat, war der Winter in Rists Augen vergleichsweise mild. Nur 200 Tonnen Salz hat der Bauhof auf den Pfrontener Straßen verteilt.   

9:15 Uhr. Es geht zurück zum Bauhof. Rist lädt die bisher gesammelten Müllsäcke ab. Vor der Werkstatt des Bauhofs bestreicht Mahmoud Abuwokal die neu geschreinerten Pflanzenkübel für das Haus des Gastes mit farblosem Lack. Der Asylbewerber aus Palästina unterstützt die Mannschaft seit ein paar Tagen bei ihren Aufgaben. „Wir sind froh um jeden zusätzlichen Arbeiter“, sagt Bauhofleiter Leo Erhart. „Gerade jetzt im Frühjahr ändert sich die Priorität der Arbeit ständig. Was gerade noch wichtig war, muss plötzlich einer anderen Aufgabe nachgestellt werden. Da kommen grundlegende Arbeiten oftmals mal zu kurz.“ Er steigt zu Rist in den Kombi. Die beiden fahren zur Wetterstation in Rehbichel. Jetzt im Frühjahr muss der Vogelschutz wieder am Niederschlagmessgerät angebracht werden. „Mit ihrem Kot verfälschen die Vögel sonst unsere Niederschlagswerte“, lacht Erhart.

Seit 25 Jahren arbeitet er bereits für den Bauhof Pfronten, 20 davon als Bauhofleiter. Und ja, der Job zehrt. „Wir werden einfach nie fertig. Es ist ein bisschen wie bei Sisyphos. Was heute schön sauber gefegt ist, ist morgen schon wieder vermüllt“, erklärt er. Trotzdem liebt er seine Arbeit. Saubere Straßen sind seine Passion – dafür rückt er gerne auch jeden Samstag- und Sonntagmorgen aus. Als Rist in den Bachweg einbiegt, macht Erhart ihn auf ein Schlagloch im Asphalt aufmerksam. Rist füllt es mit Kaltasphalt und stampft die Masse fest in den Riss. Erhart lächelt zufrieden. Doch lange kann er sich nicht freuen. Das Handy klingelt, er muss los. Am Wertstoffhof sollen noch die Glascontainer versetzt werden.

Um kurz vor zwölf beendet auch Rist seine Runde. Auf dem Weg zurück zum Bauhof entdeckt er im Gestrüpp am Straßenrand noch ein altes, vom Schnee und Regen aufgeweichtes Plakat einer Party im Januar. Das muss er gleich mitnehmen, so wie jeden Unrat, den er unterwegs findet. „Sonst liegt da morgen gleich die doppelte Menge.“ Müll zieht Müll an, das weiß Rist. Dafür ist er lang genug dabei. Jetzt ist aber erst mal Pause. Der Nachmittag wartet bereits mit neuen Aufgaben.

Fakten Bauhof Pfronten

Bauhofleiter: Leo Erhart (seit 1995)

Mitarbeiter: 17

Fuhrpark: 3 Unimog, 4 Kleintraktoren, 1 Traktor, 2 Radlader, 2 Tieflader, 2 Kipper, 1 Bagger, 1 Rückewagen, 1 Loipenspurgerät, 5 Kombis, 2 Pkw, 1 Lkw

Gemeindefläche: 62 km2
Einwohner: ca. 8100

Text/Bilder: Cosima Holl
Redaktion: Bauhof-online.de

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