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Wasser marsch: Gießarme punkten nicht nur bei Hitzeperioden

Während vielerorts Gießarbeiten noch manuell mit Wasserfass und Schlauchabroller ausgeführt werden, sollen Gießarme eine Arbeitserleichterung bringen. Was Anwender dazu sagen und welche Hersteller die Bewässerungshilfen anbieten, erfahren Sie hier.

Von: Jessica Gsell

Extreme Wetterbedingungen nehmen in den vergangenen Jahren immer mehr zu. 2018 brachte eine Hitzewelle Deutschland sprichwörtlich ins Schwitzen. In vielen Städten und Gemeinden war statt Wildkrautbekämpfung plötzlich ein andauerndes Gießen der Pflanzen angesagt. Es ist das gewohnte Bild: Mitarbeiter von Bauhöfen oder Stadtgärtnereien stehen abseits ihrer Fahrzeuge, die mit einem Wassertank ausgestattet sind, und bewässern Blumen und Bäume mit einem Schlauch – ein sehr zeit- und kraftaufwendiges Unterfangen. Eine kleine Anzahl an Herstellern hat allerdings ein Anbaugerät im Produktsortiment, dessen Anfänge bereits bis in die 80er Jahre zurückreichen, und das den Arbeitsablauf beim Gießen und Bewässern um einiges erleichtern soll: der Gießarm. Im Nachfolgenden haben wir uns bei Anwendern umgehört, die solche Gießarme bereits nutzen, und einen Blick auf die Produkte verschiedener Hersteller geworfen.

„Die Technik bringt es“, sagen Richard Willjung, Leiter des Baubetriebshofs Neumarkt (i.d.Oberpfalz) sowie Gärtnermeister Georg Ziegler. Hier werden gleich drei der Bewässerungshilfen eingesetzt. Während ihr Unimog mit einem 3.000-l-Fass auf der Pritsche sowie einem hinterherlaufenden 7.000-l-Fass und einem Gießarm von Hummel Kommunaltechnik ausgestattet ist, sind ihre beiden Ladogs mit jeweils einem 2.000-l-Huckepackfass sowie einem Gießarm von Bertsche bestückt. Unterstützung beim Gießen hat der Baubetriebshof in den vergangenen Jahren zudem von einem ortskundigen Landwirt erhalten. Der hat sich kurzerhand die Gießanlage vom Unimog als Vorlage genommen und für seinen Fendt-Schlepper eine eigene gebaut. Der Gießarm wird bei allen Fahrzeugen ganz einfach vom Fahrerhaus aus gesteuert. So kann der Mitarbeiter gießen, ohne dabei aussteigen zu müssen. „Das erhöht nicht nur die Sicherheit, vor allem während des fließenden Verkehrs. Die Arbeit wird auch viel schneller erledigt, da man beim Gießen einfach weiterfahren kann“, sagt Willjung. Ein weiterer Vorteil sei die große Reichweite der Gießarme, mit denen es auch möglich ist, Pflanzen zu gießen, die sich in einer erhöhten Position befinden. „Beim Schlauch ist man da immer etwas eingeschränkt“, weiß der Baubetriebshofleiter. Jedes der Fahrzeuge hat dabei seinen speziellen Einsatzbereich: Der Unimog kümmert sich um Bäume und große Grünflächen, die Ladogs sind für die Blumenbeete und -tröge zuständig. In Neumarkt setzt man bei den Bewässerungshilfen entweder auf Knick- oder teleskopierbare Arme. Da sich im Brausekopf bei Zeiten der Dreck und Kalk aus dem Wasser sammelt, muss er regelmäßig gereinigt werden, damit die Düsen nicht verstopfen. „Wir sind eine Bewässerungsstadt“, berichtet Willjung und erklärt: „Wir brauchen jedes Jahr mehr Wasser, weil die Trockenperioden immer länger werden.“ 2018 mussten gleich acht Fahrzeuge zum Gießen ausrücken – fünf eigene des Baubetriebshofs sowie drei angemietete, berichtet Gärtnermeister Ziegler. Bei der Hitzeperiode davor, im Jahr 2015, wurde an nur einem Tag sogar ein Spitzenwert beim Wasserverbrauch erreicht: 180.000 l mussten für die Bewässerung ausgebracht werden. Das Wasser selbst stammt aus dem Nachklärbecken der Kläranlage, wurde untersucht und für diesen Zweck freigegeben.  

Drei Gießarme von drei verschiedenen Herstellern

Auch in Herzogenaurach waren die klimatischen Veränderungen einer der Hauptgründe für die Anschaffung ihrer drei Gießarme. „Früher haben wir mit dem Gießen frühestens im Juni/Juli angefangen – jetzt legen wir schon im April los“, berichtet Friedrich Bayer von der Stadtgärtnerei. Der zweite Grund betraf den Faktor Personal: Früher waren zum Bewässern zwei Mitarbeiter unterwegs, mit dem Einsatz des Gießarms reicht nun einer aus. Für den Anwender habe das Anbaugerät zudem gesundheitliche Vorteile, da er nicht mehr ständig aus seinem Fahrzeug hinunter- und wieder hinaufsteigen muss, was wiederum das Kreuz und den Rücken schont. In Herzogenaurach sind die drei Gießarme – von Fiedler, Bertsche und Reinex – an zwei Schmalspurfahrzeuge mit jeweils einem 2.000-l-Wassertank und einem Fendt-Traktor mit einem 4.000-l-Wassertank angebaut. „Wir haben für das Stadtgebiet eine Gießliste“, erklärt Bayer. „Bei den Bäumen hat man das Problem, dass sie mitunter 150 bis 200 l Wasser benötigen“, weiß der Gärtner. Ist der Boden dann zu trocken und die gesamte Menge wird auf einmal darüber gegossen, würde die Hälfte des Wassers einfach davonlaufen. Deshalb wird in Herzogenaurach mit Wassersäcken und Gießrändern nachgeholfen, damit das Wasser gleichmäßig in die Erde sickern kann. Beim Gießarm von Fiedler lassen sich zudem verschiedene Literangaben – je nachdem, ob ein Blumenbeet, ein Blumentrog oder aber ein Baum gegossen werden soll – in den Bordcomputer einprogrammieren.

Die Technik von Fiedler findet auch in Radolfzell an einem Kleintraktor mit einem 1.000-l-Tank-Anhänger Verwendung. „Der wird bei uns ausschließlich in der Innenstadt eingesetzt, zum Bewässern von Blumenkübeln, Beeten, Bäumen und dergleichen“, sagt Mario Jost von der Abteilung Grün des Bauhofs. Man sei sehr zufrieden mit dem Gießarm, überlege sogar, noch ein weiteres Fahrzeug anzuschaffen, an das der Gießarm ebenfalls befestigt werden kann. „Man kann bei diesem Gießarm auch einstellen, welche Art von Gewächs wieviel Wasser bekommt“, berichtet Jost. Neben der Menge ist auch ein Variieren des Wasserdrucks möglich. „Beim Gießen von Blumenkübeln werden beispielsweise 15 l und eine weiche Dusche eingestellt, bei Bäumen dagegen 50 l und dazu wird der Druck des Wasserstrahls erhöht“, nennt der Gärtner zwei Beispiele. Die Steuerung dazu befindet sich in der Fahrzeugkabine. Einmal einprogrammiert, muss anschließend nur noch der Knopf gedrückt werden. Wurde die eingestellte Menge an Wasser ausgegeben, hört der Gießarm automatisch auf. „Das spart Wasser und ist effektiv“, zieht Jost sein Fazit. Reihen sich mehrere Pflanzenkübel aneinander, kann ebenfalls der Abstand dazwischen einprogrammiert werden, so dass dann z.B. alle drei Meter die nächsten 15 l ganz automatisch fließen. Muss nicht gegossen werden, lässt sich der Gießarm in wenigen Handgriffen abmontieren, so dass der Wassertank für andere Arbeiten wie das Reinigen verwendet werden kann.

Mit dem neuen Unimog kam der erste Gießarm

Der Bauhof in Rüdersdorf bei Berlin nennt seit 2017 einen Gießarm von Eco Technologies sein Eigen. Das Anbaugerät kam zusammen mit ihrem neuen Unimog – pünktlich vor der Hitzewelle. „Letztes Jahr haben wir ihn gar nicht mehr abgemacht“, berichtet Bauhofleiter Torsten Tismer. An einem Tag musste der Wassertank, der fast 1,5 Kubikliter fasst, viermal wieder aufgefüllt werden. Rund 42 Hektar an Grünflächen fasst die amtsfreie Gemeinde. „Etwa ein Drittel davon wird von uns bewässert“, so der Bauhofleiter. Dabei wird in Rüdersdorf kein Unterschied gemacht, ob mit dem Gießarm Bäume oder Blumen gegossen werden. „Wir haben immer denselben Duschkopf dran“, sagt Tismer. Da sich sowohl die Wassermenge als auch der -druck hoch und runter regulieren lassen, bestünde weder die Gefahr, dass Blumen wegspült würden, noch, dass Bäume zu wenig Wasser erhielten. Der Gießarm selbst wird über die Fahrzeughydraulik gesteuert, während der Duschkopf über ein elektrisches Bedienpult separat verstellt wird.

Folgende Hersteller bieten Gießarme an

BERTSCHE:

Bereits seit 1984 führt das Unternehmen Fa.A.Bertsche Kommunalgeräte einen Gießarm als Produktlösung in seinem Sortiment. Angefangen hatte alles mit dem damaligen Stadtgärtner von Bad Reichenhall, der die erste Anlage für sich gebaut hat. Diese Technik übernahm schließlich Bertsche. In den ersten Jahren wurde der Gießarm GA2012 ausschließlich elektrisch gesteuert. Heutzutage funktioniert er auch hydraulisch. Der robuste Stahlarm des GA2012 besteht aus Vierkant-Profilrohren. Dabei kann zwischen drei Schwenkbereichen gewählt werden: 180°, 200° oder 220°. Für alle gängigen Trägerfahrzeuge sind Anbauvorrichtungen verfügbar. Im ausgefahrenen Zustand schafft der GA2012 eine Reichweite von 4,5 m. Das Ausfahren und Drehen des Gießarms erfolgt vom Fahrersitz aus. Daneben bietet Bertsche auch eine Einhand-Funkfernsteuerung an, mit der der GA2012 kabellos, nur aufgrund von Handbewegungen bedient werden kann. Der Gießarm lässt sich auch perfekt mit dem ReiGeFlex-System von Bertsche zum Gießen, Bewässern und Reinigen mit Füllvolumen von 1.500, 2.000 oder 3.000 l kombinieren. Da „Gießen und Bewässern technisch gesehen zwei Paar Stiefel sind“, so Bertsche, bietet der Hersteller verschiedene Gießköpfe sowie Wasserpumpen-Leistungen an – denn will man „Gießen“, gehe das mit einer Pumpenleistung von 60 – 80 l/min., während für das „Bewässern“ 100 – 250 l/min. oder mehr benötigt werden.        

Eco Technologies:

Bei Eco Technologies ist der Gießarm Bestandteil ihres „Multiwash-Systems“, mit dem mit nur einer Maschine gegossen, gewaschen/geschwemmt und hochdruckgereinigt werden kann. Den Gießarm gibt es in mehreren Ausführungen: als GA3, GA4, GA5 und GA6. Während der GA3 eine Reichweite von 4,1 m, eine Gießhöhe bis zu 3,6 m sowie einen Schwenkbereich bis 160° aufweist, der größte Gießarm GA6 sogar eine Reichweite von 8,5 m. Die Gießarme beinhalten entweder einen Ventilblock für Trägerfahrzeuge mit nur einem doppeltwirkenden Hydraulikanschluss, der elektrisch gesteuert wird, oder sie können über die eigene Fahrzeughydraulik bzw. über eine Proportionalsteuerung mittels Joystick gesteuert werden.  Die Gießarme sind parallelogramm-geführt, d.h. sie halten den Brausekopf während des Ausfahrens auf konstanter Höhe. Drei Hydraulikzylinder ermöglichen ein Schwenken des kompletten Gießarms auf beide Seiten, das Ausfahren sowie ein Knicken des Arms mitsamt dem Brausekopf. Zusätzliche Features wie eine Wassermengenregelung oder ein integrierter Wasserdosierzähler erleichtern zusätzlich den Einsatz. Die Gießarme GA3/GA4/GA5/GA6 lassen sich an die verschiedensten Trägerfahrzeuge anbauen. Passende Adapter sind zudem verfügbar.  

FIEDLER:

Die FIEDLER Maschinenbau und Technikvertrieb GmbH bietet seinen Gießarm gleich in mehreren Ausführungen an: als FGA500 (Arbeitshöhe bis 3,1m), FGA700 (bis 4,1m), FGA1000 (bis 5,1m) und FGA1200 (bis 6,1m). Der Arbeitsbereich variiert entsprechend von 2,80 bis 6,20 m. Alle vier Modelle des Gießarms besitzen einen Schwenkbereich von 250°. Der Hauptarm ist jeweils um 55° kippbar, der Nebenarm um 150° schwenkbar. Die Ansteuerung erfolgt direkt oder über einen hydraulischen- oder elektrischen Antrieb. Für den besten Bedienkomfort eignet sich die elektrische Variante, heißt es von Seiten des Unternehmens. Beim 12-V-Elektroantrieb mit proportionaler CAN-BUS-Steuerung erfolgt die Bedienung über den Joystick des FMC, Farbdisplays – die Software ist ebenfalls eine Eigenproduktion von FIEDLER. Hierin liegen auch die Vorteile des Systems, da kontinuierlich das Kundenfeedback in neue Funktionen mit einfließen kann. Beispielsweise die Lageposition (merkt sich die letzte Arbeitsposition und fährt diese auf Knopfdruck automatisch wieder selbstständig an) und die automatische Parkposition. Diese Funktionserweiterungen erleichtern vor allem die Bedienung bei wiederholenden Tätigkeiten.

Hummel Kommunaltechnik:

Die hydraulisch angetriebene Gießanlage Typ GH/WH der Hummel Kommunaltechnik GmbH besteht aus einem Gießarm samt Wasseranlage. Der Gießarm kann aufgrund seiner Montage auf einer Drehachse nach links und rechts geschwenkt werden. Der maximale Schwenkbereich beträgt dabei 220°. Das Heben, Ausfahren und Schwenken des Gießarms wird über einen Joystick im Fahrerhaus gesteuert – hier kommen ein Hydraulikzylinder sowie ein hydraulischer Schwenkmotor zum Einsatz. Über einen hydraulischen Mengenregler an der Gießanlage kann die Arbeitsgeschwindigkeit eingestellt werden. Je nach Ausführung (Höhe L oder XL) lässt sich der Gießarm bis zu 7 bzw. 10,5 m weit ausfahren. Die dazugehörige Wasseranlage lässt sich sowohl auf Pritschen als auch Fahrgestelle aufbauen. Größen von 700- bis 10.000-l-Fassungsvermögen sind möglich. Die Befüllung des Wasserfasses ist aus Wasserleitungen, Hydranten oder auch Flüssen möglich.

REINEX Hochdrucktechnik:

Mit den Vorbaugießanlagen der REINEX Hochdrucktechnik GmbH sind maximale mechanische Reichweiten von 4 bis 6 m möglich – je nachdem, an welches Trägerfahrzeug der Gießarm angebaut wird. Zusätzlich bietet das Unternehmen für Hoch- und Niederdrucktechnik auch verschiedene REINEX-Heckaufbaukomponenten. Gleichzeitig kann der Gießarm mit einer modularen Pumpe ausgestattet werden, so dass ebenfalls vorhandene Wassertankkomponenten genutzt werden können. Die Steuerung des Gießarms erfolgt durch die doppeltwirkenden Steuerkreise der Fahrzeughydraulik oder durch eine separate proportionale Steuerung. Die Wassermengenregulierung – der „Ist-Volumenstrom“ sowie die auszubringende Menge – kann am Display in der Kabine vorgewählt werden und stoppt automatisch, sobald der Sollwert erreicht ist. Das modulare Bedientableau mit Joystick und Display sowie integrierter Handauflage wurde neu entwickelt. Die Steuerung funktioniert über eine CAN-Bus-basierte Regelelektronik. Die Pumpenleistungen der Vorbaugießanlage reichen von 2 bis 20 bar bei bis zu 500 l/min.

TRILETY:

Auch der Reinigungsexperte TRILETY besitzt einen Gießarm in seinem Produktportfolio: die Vorbaugießanlage Typ TGA. Ein Drehgelenk ermöglicht das Schwenken des TGA-Gießarms um 200° auf beide Seiten. Der Hauptarm ist zudem vertikal um 75°, der Auslegerarm um 155° schwenkbar. So erreicht der Gießarm eine Weite von 4 m. Der Aufbau des TGA erfolgt an jeder serienmäßigen Frontanbauplatte eines Geräteträgers. Ein Hydraulikzylinder, der den jeweiligen Frontanbau-Schnellwechselsystemen angepasst ist, sorgt für die Schwenk- und Verstellbarkeit in allen Ebenen. Der Gießarm TGA kann zudem mit diversen Gieß- und Wasserpumpen, aber auch unterschiedlichen Tankgrößen aus dem Hause TRILETY kombiniert werden.

Text: Jessica Gsell – Redaktion Bauhof-online.de
Bilder: Hersteller


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