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24. Mai 2018

Von elektrisch bis autonom: Geballte Reinigungstechnik und mehr auf der IFAT 2018

Von elektrisch bis autonom: Geballte Reinigungstechnik und mehr auf der IFAT 2018

Auf der Fachmesse drehte sich fünf Tage lang wieder alles rund um die neuesten Produkte aus der Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft. Wir haben die IFAT besucht und sind auf interessante aber auch zukunftsweisende Maschinen gestoßen

Die Feinstaubdiskussion war in der vergangenen Woche wieder einmal ein großes Thema in den Medien. Neben fünf weiteren Staaten will die EU-Kommission auch Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof wegen schlechter Luftqualität verklagen. Beim Besuch der diesjährigen IFAT in München wird schnell klar, dass sich die Hersteller kommunaler Maschinen und Geräte bereits seit längerem dieses Themas angenommen haben. So dominierte auf der weltweit größten Umwelttechnologiemesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft bei den Produktneuheiten vor allem die Elektrotechnik – angefangen bei den handgeführten Abfallsaugern, über Klein- und Großkehrmaschinen bis hin zum Müllsammelfahrzeug.

VS6e heißt bei der BROCK Kehrtechnik GmbH die erste vollkommen elektrisch angetriebene Großkehrmaschine, die neben der Kompaktkehrmaschine VS4 – am Stand von FUSO – sowie den Großkehrmaschinenmodellen VS6, VS7 und VS12 auf dem Freigelände präsentiert wurde. Das Modell ist mit einem 6 m2 großen Schmutzbehälter ausgestattet und erreicht, je nach Ausstattung, eine Kehr- bzw. Waschbreite von 2.500 bis 5.050 mm. Angetrieben wird die VS6e durch ein Batteriepack, welches Fahrgestell und Kehraufbau ausreichend versorgt. Bei „Truck in Action“ auf dem VAK-Stand zeigte die vollelektrische Großkehrmaschine dann ihr ganzes Können. Unter anderem wird sie in verschiedenen Kommunen und Städten in den kommenden Monaten auf Herz und Nieren getestet. Genauso, wie der Volvo FE Electric – das erste Abfallsammelfahrzeug mit Elektroantrieb von Volvo Trucks, das auf der IFAT Premiere feierte. Im Inneren der Maschine befinden sich zwei Elektromotoren mit einer Maximalleistung von 370 kW sowie bis zu 300 kW starke Lithium-Ionen-Batterien. Wer den Volvo FE Electric einmal im Einsatz erleben wollte, hatte dazu auf dem Freigelände die Möglichkeit. Der Verkauf der elektrischen LKW ist für 2019 geplant. Doch nicht nur auf Elektrotechnik als alternative Antriebsart hat Volvo Trucks seinen Fokus gelegt: Auch gasbetriebene Modelle der Baureihen Volvo FH mit LHG und der Volvo FE LEC mit CNG wurden auf der Fachmesse vorgestellt.      

Alle Arten von Kehrmaschinen sind vertreten

Gleich eine ganze Fülle an Neuheiten hatte das Schweizer Unternehmen Aebi Schmidt im Gepäck. Der „kleine Star“ am Stand war aber auch hier eine vollelektrische Kehrmaschine, die sich in München das erste Mal der Öffentlichkeit zeigte. Die Rede ist von der eSwingo 200+. Zwei Batteriepacks mit 48 und 400 V treiben die Kompaktkehrmaschine an. Dabei ist eine Kapazität von über 60 kW bei den Arbeitseinsätzen möglich – und das mit einem Wassertankvolumen von 380 l. Für den Kehrmaschinenbruder mit Dieselantrieb gab es zudem die Systeme SKR 550 und 700 zu begutachten. Sie ermöglichen es, dass mit einer einzigen Arbeitskraft einfach und schnell Sinkkästen gereinigt werden können. Neu zu sehen gab es zudem das Hochleistungsschwemmfahrzeug Schmidt CityJet 3030 SW sowie aus dem Bereich der Winterdiensttechnik den Autobahnschneepflug Schmidt Tarron HP und den patentierten Combi Soliq Flex Streuer, mit dem von Streusalz bis zur Sole alle Materialien ausgebracht werden können. Auch bei Rasco geht die Entwicklung in Richtung Vielseitigkeit. So präsentierte das kroatische Unternehmen ebenfalls einen neuen Streuer ihrer überarbeiteten SOLID-Streuerserie. Das ausgestellte Modell kann für jede Art des Streuens eingesetzt werden. Durch das neuartige Kettenfördersystem mit geschlossenem Boden sei laut Rasco kein Verstopfen, vor allem von feuchten Materialien, mehr zu befürchten. Noch stolzer als über seine neue Streutechnik zeigte sich das Unternehmen allerdings über seinen Kehrmaschinen-Prototyp LYNX. Die Maschine, deren Name zu Deutsch Luchs bedeutet, ist die erste selbstfahrende Kehrmaschine, die gänzlich im Hause Rasco produziert wurde. Die schwarz-weiße Kompaktkehrmaschine wird von einem EURO 6C-Dieselmotor mit einer Leistung von 62 kW angetrieben. Der Wassertank umfasst dabei 2 m2 und arbeitet mit einer Reinigungsbreite von 2.800 mm. 2018 soll die LYNX auf den Markt kommen.    

Ebenfalls aus den Bereichen Reinigungs- und Winterdiensttechnik zeigte Bucher Municipal auf der IFAT sein breites Produktportfolio. Hier feierte allerdings keine Elektrokehrmaschine Premiere, da das Unternehmen in der Entwicklung schon einen Schritt weiter ist. Seine Bucher CityCat 2020ev leistet bereits in Städten wie Münster ihren Reinigungsdienst. Doch auch ohne der Vorstellung einer komplett neuen Maschine gab es am Stand in Halle C6 eine ganze Reihe an interessanten Optionen für die CityCat 5006 zu sehen, unter anderem einen Frontbesen für den Straßenbau, einen 2.000 l fassenden Zusatzwassertank oder auch zwei Dachausleger mit Haspel und Handlanze, die an die Hochdruckwasseranlage angeschlossen werden, so dass Abfälle, die sich abseits der Kehrmaschine befinden, an das Fahrzeug gespült werden können. Beim Thema Winterdienst führte Bucher, neben seinem elektrisch betriebenen Streuautomaten Phoenix Electra, mit IROX und US zudem zwei neue Baureihen von Kunststoff-Schneepflügen vor. Was in Sachen Reinigungstechnik in den kommenden Jahren noch zu erwarten ist, zeigte sich in diesem Jahr auf der erstmals eingerichteten Zukunftsplattform experience.science.future. Hier demonstrierten 20 Start-ups ihre beeindruckenden Erfindungen. Mit dabei war auch das Berliner Trio von Enway. Julian North, einer der Gründer des Start-ups, zeigte sich von der Fachmesse begeistert: „Hier auf der IFAT sind alle wichtigen Entscheidungsträger anwesend. Und die sind sehr interessiert an autonomer Technik.“ Denn genau in diesem Bereich liegt der Schwerpunkt ihrer Forschung. Die Gründer haben die Software für „Blitz“ entwickelt – eine modifizierte Kehrmaschine, die mitunter völlig autonom ihre Arbeit verrichtet. Derzeit wird der Prototyp noch auf dem EUREF Campus in Berlin getestet. Einen ersten Vorgeschmack erhielten die Besucher auf dem Freigelände. Bei „Blitz“ allein soll es allerdings nicht bleiben. Schon jetzt laufen die Arbeiten für ein nächst größeres Kehrmaschinen-Modell, aufgebaut auf einem Trägerfahrzeug. Den passenden Kooperationspartner hat Enway schon gefunden – wer es ist, wird aber noch nicht verraten. Nur so viel kann Nordt preisgeben: „Bereits für dieses Jahr sind kommunale Testeinsätze in Deutschland geplant.“     

Grünflächenpflege und Winterdienst sind ebenfalls Thema

Auch wenn der Schwerpunkt der Fachmesse in München auf den Bereichen Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft liegt, gab es doch auch einiges an anderer Kommunaltechnik, beispielsweise aus den Segmenten Winterdienst oder Grünflächenpflege, zu entdecken. Eine Antwort auf die aktuelle Feinstaubproblematik liefert die Max Holder GmbH mit dem Holder X 45. Denn diese Maschine gibt es wahlweise mit einem Diesel- (42 PS) oder Benzinmotor (44 PS). Der X 45 schafft dabei eine Fahrgeschwindigkeit von 27 km/h. Bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 2.300 kg ist der Nutzer in der Lage, bis zu 1.025 kg an Gewicht zu zuladen. Daneben präsentierte das Unternehmen am Stand von Kugelmann den C 65 – sozusagen den kleinen Bruder des C 70 – sowie die Ende 2017 erstmal vorgestellte neue Holder S-Baureihe, die mit einem Stage-5-ready Motor ausgestattet ist. Einen Blickfang gab es in diesem Jahr am Stand der Daimler AG. Inmitten der Präsentationsfläche wurde ein Unimog U 530 mit Mulag-Frontausleger für die Gehölzpflege sowie einem Gmeiner Feuchtsalzstreuer Yeti 3500 als Agrar- und Kommunalausführung positioniert – ganz nach dem Motto „Grün hilft Orange“ war die Fahrerkabine entsprechend zweifarbig gestaltet. Wie umfangreich die Produktpalette von Daimler ist, zeigte sich wieder einmal an der Vielfalt der ausgestellten Modelle. Zu sehen gab es unter anderem einen Econic NGT mit Variopressaufbau von Faun oder einen Atego 1524 als Kehrmaschine von Bucher. Zusätzlich zum U 530 war auch ein Unimog U 218 mit langem Radstand, Maytec-Abrollsystem und Dücker Frontkehrbesen vertreten.  Einige der Maschinen konnten die Besucher zudem in Aktion auf dem Freigelände erleben.     

Bei der Zaugg AG Eggiwil dominierte in diesem Jahr die neuartige selbstfahrende Schneefrässchleuder Rolba 500 den Messestand. Mit einer Länge von 546 cm, einer Breite von 180 bis 220 cm, einer Höhe von 307 cm sowie einem Gesamtgewicht von 8 Tonnen erreicht die Rolba 500 laut Hersteller eine Räumleistung von rund 1800 Tonnen pro Stunde, bei einer Wurfweite von bis zu 40 Metern. Angetrieben wird sie von einem MTU Dieselmotor mit einer Leistung von 170 kW. Das Trägerfahrzeug besitzt die Abgasstufe EuroMot Step V und ist mit einem stufenlosen, hydrostatischen Fahrantrieb ausgestattet, der eine Räumgeschwindigkeit zwischen 0.15 bis 40 km/h zulässt. Auch ISEKI trumpfte an seinem Stand zum Thema Elektrofahrzeuge auf: Das Unternehmen präsentierte verschiedenste Ausführungen des elektrischen Nutzfahrzeugs Goupil G5. Zum einen als Müllsammelfahrzeug, das sich aufgrund der Lithiumtechnik sowie seiner Maße – Länge 3.800 mm, Breite 1.400 mm und Höhe 1.900 mm – optimal für den innerstädtischen Einsatz eignet. Die Nutzlast beträgt dabei 1 Tonne. Der G5 erreicht eine Geschwindigkeit von 70 km/h und schafft dabei, laut Herstellerangaben, eine Reichweite bis zu 175 km, bevor die Batterien wieder geladen werden müssen. Zur Auswahl stehen Traktions-Batterien und Lithium-Speicher mit 8,6 kWh, 11,5 kWh oder 19,2 kWh Leistung. Zum anderen zeigte ISEKI für den Goupil G5 den Prototyp eines elektrisch betriebenen Aufbaus, mit dem Sinkkästen gereinigt werden können. Dieser lässt sich nach getaner Arbeit ganz einfach wieder vom Nutzfahrzeug entfernen, so dass dieses daraufhin anderweitig eingesetzt werden kann. Ein paar Stände weiter auf dem Freigelände stellte die FIEDLER Maschinenbau und Technikvertrieb GmbH neben neuen Breiten bei ihren Böschungsmähern auch eine Erweiterung ihres Sortiments im Bereich Unkrautbekämpfung vor. Mit dem modularen FIEDLER-Tanksystem ist nun auch ein Arbeiten mit Heißwasser möglich – in Kombination mit einer Reihe von Front- und Heckanbaugeräten. Die Mitteldruckpumpe, die serienmäßig zum Einsatz kommt, fördert 98°C heißes Wasser und bringt dabei eine Menge von 25 l/min aus. Das System regelt automatisch, je nachdem welches Ausbringgerät angebaut ist, die Wassermenge sowie den Brenner. Gleichzeitig kann das Tanksystem aber auch für weitere Arbeiten im Bereich der Wassertechnik, wie dem Gießen oder Reinigen, verwendet werden.

AK Baubetriebshöfe trifft sich auf der IFAT zur 6. Sitzung

Auch der neu gegründete AKB (Arbeitskreis Baubetriebshöfe im VKU) war auf der IFAT 2018 vor Ort – vertreten auf dem Stand des VKU – und traf sich am Mittwoch zu seiner 6. Arbeitssitzung. Neben dem aktuellen Stand der Dinge standen diesmal Themen wie die Personalgewinnung auf der Tagesordnung. Unter der Leitung des AKB-Vorsitzenden Hans-Jürgen Schiffner stellten sich die knapp 30 Teilnehmer die Frage, wo man bei diesem Thema bei den Baubetriebshöfen ansetzen könne. Überlegungen wie die Anhebung der Gehälter, die Einführung flexibler Arbeitszeiten, eine Änderung der Führungskultur, mehr Eigenverantwortung sowie ein stärkeres Personalmarketing kamen zur Sprache. Als weiteres wichtiges Thema nimmt sich der AKB in seiner nächsten Sitzung der Frage an, was die Digitalisierung für die Baubetriebshöfe bedeutet und welche Auswirkungen dadurch auf die Betriebe zukommen werden. Zudem wurden die ersten Ergebnisse des bisher größten jemals durchgeführten Leistungsvergleichs von Baubetriebshöfen (123 Teilnehmer bundesweit) den interessierten Betriebsleitern in einem ersten Überblick präsentiert. Im Auftrag des VKU AK Baubetriebshöfe hatte die Firma INFA/Ahlen diesen Leistungsvergleich umgesetzt. Hierzu bekommen alle Teilnehmer des Leistungsvergleichs ihre individuellen Ergebnisse in den nächsten Wochen persönlich zugeschickt. Während der gesamten Fachmesse konnten sich die Besucher zudem am Stand des VKU über den Arbeitskreis Baubetriebshöfe informieren. Die 7. Sitzung findet dann am 15./16.11.2018 in Bingen (Rheinland-Pfalz) statt.

Text: JG – Redaktion Bauhof-online.de

Bilder: Bauhof-online.de/Enway


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