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Tourismushochburg & Naturschutzflächen: Extreme Bedingungen für den Bauhof Gaienhofen

Die baden-württembergische Gemeinde Gaienhofen ist ein beliebtes Ausflugsziel. Ihre Lage am Westufer des Bodensees bringt zahlreiche Vorteile, aber auch einige Herausforderungen mit sich.

Von: Jessica Gsell

Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen: Für Bauhofleiter Stefan Hangarter (40) und seine Männer gehört das zum Alltag. Denn ihr Einsatzort, die Gemeinde Gaienhofen, liegt im Alpenvorland am Ufer des Bodensees, an der Spitze der Halbinsel Höri. Bei dieser Lage ist es kein Wunder, dass die 3.500-Einwohner große Gemeinde ein beliebtes Ausflugsziel darstellt. Nicht nur die vielen Touristen, sondern auch der Fakt, dass ein Großteil der Gemarkungsfläche unter Naturschutz steht, stellen die Mitarbeiter des Bauhofs Gaienhofen immer wieder vor Herausforderungen. „Gerade die Arbeiten in Ufernähe sind extrem“, berichtet Hangarter und erklärt: „Durch die stetig neuen Anforderungen und Vorschriften müssen wir hier viele Punkte in der Pflege berücksichtigen und mit den zuständigen Behörden abstimmen.“ Das geht sogar so weit, dass die am Uferbereich vorhandene Bepflanzung nur im Dasein eines Mitarbeiters der unteren Naturschutzbehörde geschnitten werden darf. Nicht gerade die beste Voraussetzung, um zeitlich kalkulierbar und flexibel arbeiten zu können. „Insgesamt gehen wir bei den Pflegearbeiten am Ufer immer sehr behutsam vor“, sagt der Bauhofleiter. Nur an ausgewählten Bereichen dürfen die Männer mit schweren Maschinen wie Traktoren anrücken, der Rest wird per Handarbeit mithilfe von Stihl-Akkugeräten erledigt.  

Da die Gemeinde Gaienhofen mit allen vier Ortsteilen direkt am Ufer des Bodensees liegt, herrscht hier vor allem in den Sommermonaten reger Tourismusverkehr. Zudem befinden sich in den Ortsteilen Gaienhofen und Hemmenhofen Anlegestellen der Schifffahrtsbetriebe, an denen zur Hochsaison täglich 3.000 bis 4.000 Fahrgäste ein- und aussteigen. „Da wir sehr tourismusgebunden sind ist es uns besonders wichtig, dass der Uferbereich und die dortigen Anlagen einladend und ordentlich aussehen“, erklärt Hangarter. Doch bei so vielen Menschen, die täglich die Halbinsel passieren, kommt auch eine große Menge an Unrat zusammen. „Dieses Problem haben wir aber sehr gut in den Griff bekommen“, berichtet der 40-Jährige.  Seit zwei Jahren kommen in der Gemeinde solarbetriebene Müllpressen zum Einsatz. „Das ist eine super Sache“, schwärmt Hangarter. Schließlich sparen sich die Bauhofmitarbeiter dadurch einige Entleerungsfahrten, denn der Abfall nimmt so weniger Volumen ein und die Füllstände können sogar mit dem Smartphone abgefragt werden.  

Toro-Großflächenmäher erweitert Einsatzspektrum

Derzeit sind die Männer des Bauhofs viel mit Grün- und Flächenpflege beschäftigt: Mähen, Heckenschnitt, aber auch das Ausbessern von Schlaglöchern und Randstreifen. „Wir kümmern uns um rund 24 Hektar Grünfläche. Davon sind 15 Hektar Extensivflächen, die zweimal im Jahr gemäht werden, und 9,5 Hektar Rasenflächen, für die wir in Zwei-Wochen-Intervallen, je nach Wetterlage und Bedarf, ausrücken. Die befinden sich beispielsweise an Schulen, Uferanlagen, unserem Hermann-Hesse-Museum und den Sportplätzen“, erklärt Bauhofleiter Hangarter. Mit „schweren Geschützen“, darunter zwei Sechs-Tonnen-Fuso Transporter samt Absetzkipper, einem Kramer Radlader 408T und einem Fendt 207 Vario, wahlweise mit einer Anbauheckenschere oder einem Front- und Heckmulcher der Fa. Dücker ausgestattet, geht es ans Werk. Für die Mäharbeiten kann der Bauhof Gaienhofen zudem auf einen Kubota BX2350, einen AS 65 2T Mäher sowie diverse Handgeräte zurückgreifen. „Außerdem hat die Gemeinde im Frühjahr den Großflächenmäher LT-F3000 von Toro neu angeschafft“, berichtet Hangarter stolz. Ausschlaggebend für die Wahl der Maschine waren vor allem die drei Mähwerke: in der Mitte sowie rechts und links an der Front. „Dadurch ist der LT-F3000 von seinen Einsatzmöglichkeiten her sehr vielseitig“, lobt der Bauhofleiter. Mit dem Freimulchmäher werden mittlerweile nicht nur die Sportplätze kostengünstig bearbeitet, da das Schnittgut so klein gemulcht wird, dass die anschließende Entsorgung entfällt. Durch die einzeln steuerbaren Mähwerke macht die Toro-Maschine auch bei Einsätzen an Hauptstraßen, Straßenbegleitgrün und Randstreifen eine gute Figur.   

„Da wir sehr tourismusgebunden sind ist es uns besonders wichtig, dass der Uferbereich und die dortigen Anlagen einladend und ordentlich aussehen."(Stefan Hangarter, Bauhofleiter Gaienhofen)

„Jetzt, zur Herbstzeit, merken wir natürlich unsere Lage am Bodensee, denn der hat immer noch die Wärme gespeichert“, berichtet Hangarter. Die Kombination aus sonnigen Spätsommerstunden sowie Nebel und Morgenfeuchtigkeit beschert den Bauhofmitarbeitern in diesen Tagen noch einmal etliche Mäheinsätze. „Bei uns ist die zweite Jahreshälfte, was die Grünflächenpflege angeht, meistens extremer“, weiß der Bauhofleiter. Auch auf den Winterdienst wirkt sich die geografische Lage der Gemeinde aus: Da der See nicht so schnell auskühlt und die Wärme lange speichert, nahmen in den vergangenen Jahren die Winterdiensteinsätze immer mehr ab. Diese Entwicklung spiegelt sich derzeit auch bei den zwei Salzsilos des Bauhofs wider. „Die sind aus der letzten Saison noch fast voll“, sagt Hangarter. Rund 60 Tonnen Streusalz wurden im Schnitt in den vergangenen drei Jahren während der Wintersaison verbraucht. „Um mögliche Engpässe bei den Lieferanten kompensieren zu können, haben wir bei uns am Bauhof noch eine Lagerhütte, in der wir Salz lose in Big Packs lagern können“, berichtet er. Die immer weniger werdenden Einsätze sind auch der Grund, warum der Bauhofleiter eine Umrüstung auf Lauge-Salz-Gemisch für das Streuen der rund 65 km an Gemeindestraßen als unwirtschaftlich ansieht. Je nach Witterung werden ab Mitte Oktober die drei Winterdienst-Maschinen des Bauhofs – bisher ein Unimog, der Fendt 207 Vario und der Kubota BX2350 – mit Schneepflug, -schild und -streuer umgerüstet. „Da wird dann auch nochmal eine komplette Prüfung durchgeführt. Alle Maschinen werden hier gereinigt, gewartet und anhand einer Checkliste auf Schäden überprüft“, erklärt Hangarter. Dasselbe gelte auch für sämtliche Anbaugeräte.


Zusätzlicher Schlepper statt Geräteträger

Da die Winterdiensteinsätze in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind, dafür während der kalten Jahreszeit aber vermehrt Arbeiten wie Baumfällungen oder auch Asphaltausbesserungen im Fokus stehen, hat man sich in Gaienhofen kürzlich dazu entschlossen, den Unimog in Zahlung zu geben und stattdessen einen weiteren Schlepper, genauer einen Fendt 211, anzuschaffen. „Der Fendt 211 wurde uns als Vorführgerät mit Winterdienstausrüstung angeboten“, berichtet Hangarter und erklärt: „Mit einem weiteren Schlepper können wir in den anderen Jahreszeiten deutlich mehr Einsatz- und Arbeitsgebiete abdecken.“ Spricht der Bauhofleiter über seinen Fuhrpark, dann ausschließlich in lobenden Worten. „Unser Bürgermeister ist sehr bestrebt uns eine gute Ausstattung an die Hand zu geben. Deshalb sind wir hier auch auf einem sehr guten Stand und müssen kaum Maschinen hinzumieten“, berichtet Hangarter. In den letzten Jahren wurde ein Großteil der Maschinen ausgetauscht und durch neue ersetzt. Und dennoch gibt es da ein Arbeitsgerät, das den 40-Jährigen noch reizen würde: Ein Anhänger, mit dessen Hilfe die rund 3.500 Blumenzwiebel, die die Bauhofmitarbeiter derzeit noch händisch ausbringen, maschinell gepflanzt werden könnten. Für eine Kommune allein lohnt sich die Anschaffung allerdings nicht. Anders sehe es aus, wenn sich drei oder vier Gemeinden hier zusammentäten. „Dadurch könnten wir viel Zeit einsparen“, weiß Hangarter.

Zeit, die die Bauhofmitarbeiter viel lieber in die Ausführung der Bürgeranliegen stecken würden. „Im Großen und Ganzen bekommen wir sehr positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung“, berichtet der 40-Jährige. Das liege vor allem daran, weil in Gaienhofen die Wünsche und Anregungen der Bürger ernst genommen werden. So führt jeder Bauhofmitarbeiter ein von Hangarter selbst ausgearbeitetes „Bürgeranliegen-Formular“ in seinem Fahrzeug mit, auf dem sofort vermerkt wird, wenn bei einem Gaienhofener Bürger der Schuh drückt. Dieses kommt anschließend an das schwarze Brett des Bauhofs und wird innerhalb von sieben bis maximal zehn Tagen erledigt. „Wir merken hier sehr den positiven Aspekt, den diese Formulare mit sich bringen, nämlich, dass der Bürger sich wertgeschätzt fühlt“, berichtet Hangarter. Darüber hinaus bietet die Gemeinde einen sogenannten „Online Mängelmelder“ an. „Der wird sehr gut angenommen. Wir bekommen in der Woche zwischen fünf und sieben Meldungen. Für uns ist das oftmals sehr hilfreich, z.B. wenn ein Bürger eine defekte Straßenlaterne meldet. Denn zu dieser Tageszeit ist unsere Schicht meist schon beendet, so dass wir so etwas nicht unbedingt gleich bemerken würden“, resümiert der 40-Jährige. Dieses freundliche Miteinander zwischen Bürger und Bauhof ist Hangarter sehr wichtig. Denn dadurch lässt es sich noch angenehmer arbeiten. Auf der Halbinsel am Bodensee, dort, wo andere Urlaub machen.


Fakten zum Bauhof Gaienhofen:
Der Bauhof ist den Technischen Betrieben unterstellt.
Leitung Bauhof und Technische Betriebe: Stefan Hangarter
Mitarbeiter: 16: 1 Abteilungsleiter Kläranlage; 1 Abteilungsleiter Wasserversorgung; 7 Fachkräfte, davon 1 Mitarbeiter bei der Kläranlage, 1 Mitarbeiter 60 % Wasserversorgung & 40 % Bauhof, 3 Hausmeister, 1 Mitarbeiter 50 %, 2 Teilzeit/Saisonkräfte; 1 Auszubildender
Aufgabenbereiche: Pflege Grünanlagen; Kontrolle, Wartung und Instandhaltung von 9 Spielplätzen; Baumpflege & -kontrolle; Pflege der Sportplätze, 3 Hafenanlagen; Instandhaltung von 14 Öffentlichen Gebäuden; Betreuung div. Veranstaltungen; Betreuung der Gemeindestraßen sowie Feld- und Radwege; Winterdienst; Straßenreinigung; Beisetzungen und Pflege der 2 Friedhöfe; Abfallbetrieb; Betreuen des Wertstoffhofs; Wasserversorgung & Abwasserbeseitigung
Fuhrpark: 2 Fuso Canter mit Absetzmulden, 1 Piaggio Porter, 3 Citan Kleintransporter, 2 Vito Transporter, 1 Wacker Neuson 2-to-Bagger, 2 Fendt Vario Traktor, 1 Kubota Kleinschlepper, 1 Toro Großflächenmäher, 1 Bodenfräse, 2 Mulch-Anbaugeräte, 1 Heckenschere-Anbaugerät, 1 Mähcontainer, 1 Anbaulaubverladegerät, diverse Kleingeräte (Stampfer, Handrasenmäher etc.)
Verantwortungsbereich: 65 km Gemeindestraßen, 40 km Gehwege, 70 km Feld- und Radwege
Zu betreuende Fläche: Vier Ortsteile mit insgesamt 1.312 ha

Bilder: Bauhof Gaienhofen

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