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TECHNIKBERICHT Sinkkastenreinigungs-Systeme im Überblick – Hersteller bieten wirtschaftliche „Ein-Mann-Lösungen“

Herkömmliche Sinkkastenreinigung ist harte körperliche Arbeit. Bei der Mehrzahl Deutscher Kommunen verrichten in der Regel zwei Bauhofmitarbeiter diese Aufgabe, und zwar händisch. Nachdem jedoch Gesundheits- bzw. Wirtschaftlichkeitsaspekte immer stärker in den Fokus kommunaler Entscheider rücken, steigt selbstredend auch das Interesse an ökonomischen und rückenschonenden „Ein-Mann-Lösungen“. Aus diesem Grund hat Bauhof-online.de die aktuellen Lösungen namhafter Hersteller genauer unter die Lupe genommen.

Lesedauer: min | Bildquelle: Hersteller
Von: Michael Loskarn

Vom technischen Prinzip her betrachtet, ähneln sich die Verfahren der überschaubaren Anzahl an Herstellern, die diesen Markt bedienen. Kaum Unterschiede weisen letztlich auch die eigentlichen Reinigungsverfahren auf: Sinkkasten anfahren, Querverschiebung über den Sinkkasten positionieren, Hubgerüst auf den Sinkkastendeckel aufsetzen, Magnet einschalten oder Rostheber händisch einhaken, Hubgerüst anheben, Querverschiebung einfahren, Saug- Teleskoprohr – falls vorhanden – ausschwenken, dieses in den Sinkkasten eintauchen, Wasser- oder Hochdruckwasserdüsen – sofern im System integriert – betätigen, Sinkkasten aussaugen und ausspülen, Saug-Teleskoprohr einfahren und einschwenken, Querverschiebung ausfahren, Hubgerüst senken, Magnet ausschalten, Hubgerüst hochfahren, nächsten Sinkkasten anfahren.

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Anlagen werden in der Regel aus Führerhaus gesteuert

Damit Bediener sich nicht in der Straßenmitte aufhalten und direkt am zu leerenden Sinkkasten stehen, setzt das ein oder andere Unternehmen auf Rechtslenker-Fahrgestelle. Außerdem punkten manche Lösungen mit einer automatisierten Hydraulik-Aktivierung, sobald der Wagen steht und die Handbremse angezogen wird. Wie bereits erwähnt, befindet sich in der Regel eine Wasserspülung mit an Bord, mit der der Schacht gereinigt wird, damit der Rost wieder sauber aufliegt. Besonders komfortabel: Meistens werden die Anlagen komplett aus dem Führerhaus gesteuert, und es ist auch lediglich der Fahrer nötig, um die Gullys via teleskopierbarem Saug- und Spülrohr entsprechend zu säubern. Eingesetztes Spülwasser nehmen einige Systeme wieder auf, reinigen und verwenden es erneut, um das Nachtanken von Frischwasser auf ein Minimum zu reduzieren. Hartnäckige Verschmutzungen lassen sich mittels Wasserdruck lösen. Zusätzlich werden Schmutzkorb sowie Deckeleinsatz in einem Arbeitsgang mitgereinigt.

Wer zu hochwertigen, intelligenten Ausstattungen greift, ist beispielsweise in der Lage, Leervorgänge digital zu zählen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, vorhandene Schächte über GPS auszuwerten. Will heißen: Aufgrund dieser GPS-Lösungen verfügen kommunale Kunden häufig zum ersten Mal über eine korrekte und einfach nachzuprüfende Anzahl der Sinkkästen im jeweiligen Gebiet. Verantwortlichen ist somit die Möglichkeit an die Hand gegeben, Abläufe zu optimieren, tätigkeitsbezogen abzurechnen bzw. bei kritischen Rückfragen alle Vorgänge mit Datum, Uhrzeit und Standort exakt zu belegen. Zusätzlich ermöglichen Kartenfunktionen, alle gereinigten Schächte übersichtlich dazustellen. Und lässt sich ein Deckel mal nicht öffnen bzw. ist er defekt oder marode, so kann der Fahrer einen entsprechenden Hinweis im System setzen.

Voll mechanisierter Waschvorgang

Beim System SKR 700 von ALLROUNDMASTER – das als Festanbau oder alternativ als Wechselanbau erhältlich ist – erfolgt die Bedienung des Sinkkastenreingers über einen Joystick aus der komfortablen, vollklimatisierten Fahrerkabine der Kehrmaschine. Aktuell gibt es drei Anbaumöglichkeiten: an die Schmidt Swingo 200+, als Einzweckmaschine mit Zusatzwassertanks im Sinne einer reinen Sinkkastenreinigung, an die Schmidt Swingo 200+, als Drei-Besen-Maschine (Sinkkastenreinigung oder Kehrbetrieb) sowie an die Schmidt Cleango 500, ebenfalls als Drei-Besen-Maschine. Eine elektrohydraulische Bedienung und ein voll mechanisierter Waschvorgang gewährleisten schnelle, effiziente Reinigungen und eine hohe Tagesleistung. Mehr als 300 Sinkkastensäuberungen pro Tag sind laut Hersteller möglich. Diese werden über einen Tages- und Gesamtzähler im Schaltschrank summiert. Ausgebrachtes Spülwasser wird im Reinigungsvorgang wieder aufgenommen, im Behälter von Verschmutzung befreit und erneut verwendet. Seit 2022 umfasst das Portfolio zusätzlich das GC B900 als Frontanbaugerät für den Unimog. Besonderheit dabei: Sinkkästen können in Fahrtrichtung links und rechts gereinigt werden. Binnen einer Minute sei das Umschwenken realisierbar, ist aus den Reihen des Herstellers zu erfahren. 


Wirtschaftliche Alternative im Vergleich zu bisherigen Methoden

Wolfgang Schmailzls Lösung aus Adlkofen ermöglicht dagegen Kommunen und privaten Dienstleistern, vorhandene Fahrzeuge für die Sinkkastenreinigung entsprechend auszurüsten. Auch die Niederbayern sorgen für einen rückenschonenden Arbeitsablauf und achten auf eine sehr einfache Bedienung, was dieses Gerät – in Verbindung mit einem Klein-Lkw – zur wirtschaftlichen Alternative gegenüber den bisherigen Arbeitsmethoden macht. Schließlich sind die Laster mit dem Gullyreinigungsaufbau äußerst wendig, bieten relativ hohe Nutzlasten und verbrauchen ein gerüttelt Maß an Sprit, da nahezu im Standgas gearbeitet wird. Gleichermaßen setzt Schmailzl auf den Vorteil der Ein-Mann-Bedienung bei Rechtslenkerfahrzeugen und unterstreicht, dass sein System innerhalb weniger Minuten auf- sowie abgebaut ist. Dies bietet enorme Flexibilität bei unterschiedlichen Fahrzeugeinsätzen. Zusätzlich ermöglicht die Teleskoprahmen-Konstruktion den Sinkkastenreiniger an verschiedene Fahrzeugbreiten anzupassen (120 bis 200 cm Breite, 180 cm Länge, 185 cm Höhe). Über einen hydraulischen Rüttler geht die Entleerung der Eimer ohne Zugabe von Brauchwasser vonstatten. Satte 150 kg beträgt die Hubkraft. Lediglich 20 bis 30 l/min sollte der Hydraulikantrieb leisten können. Außerdem ist ein druckloser Rücklauf am Fahrzeugheck erforderlich. Laut Hersteller sind 150 bis 300 Sinkkasten-Entleerungen pro Tag ohne Probleme realisierbar.

Beidseitiges Entleeren durch 180-Grad-Schwenken

Unter der Bezeichnung ProClean laufen die Produkte im Bereich Sinkkastenreinigung des Herstellers SUBTECH. Wobei sich diese Reihe in die Linien ProClean Frame – für den Aufbau auf ein Fahrzeug oder einen Anhänger, auf Wunsch mit eigener Energieversorgung durch einen Verbrenner –, ProClean Fast – Komplettfahrzeuge, die einen Kippkorb in Fahrtrichtung rechts aufweisen – sowie ProClean Flexible unterteilt. Letztere Modelle umfassen einen Ausleger, der sich um 180 Grad schwenken lässt und somit ein beidseitiges Entleeren ermöglicht. Übrigens bauen auch die Gocher Experten, ähnlich wie der ein oder andere Mitbewerber, nach individuellem Kundenwunsch: beispielsweise einen Sinkkastenreiniger auf einem Abrollcontainer, auf Pkw-Anhängern oder mit beidseitigem Kippkorb. Auch ein Jalousien-Schrank als Garderobe oder eine Hochdruckspülung sind optional orderbar. Zumeist werden die Fahrzeuge für eine Ein-Mann-Bedienung ausgelegt. In diesem Fall ist das Fahrgestell ein Rechtslenker, damit der Bediener gleich direkt am zu leerenden Sinkkasten steht. Im Vergleich zu anderen Techniken sprechen die SUBTECH-Experten von geringen Anschaffungs- und Betriebskosten sowie wartungsarmer Technik – außerdem sei auch kein Rüttler notwendig. 

Österreichischer Hersteller liefert zu

Lediglich „nur“ in Zusammenhang mit einem normalen Straßenkehraufbau, bei dem die Sinkkastenreinigung quasi als Zusatznutzen erfüllt werden kann, hat die österreichische Firma TRILETY mit der Thematik zu tun. Dies bedeutet: Der Aufbau dient in erster Linie als Kehrmaschine, der optional zusätzlich erhältliche Handsaugschlauch verfügt aber über genug Saugleistung, um auch Gullys aussaugen zu können. Neben Heckklappen-Lösungen umfasst das Portfolio auch eine Dachausleger-Variante. Steht jedoch die reine Sinkkastenreinigung im Fokus, wobei also auch der Sinkkasten zusätzlich ausgewaschen wird, fehlt bei den Halleinern eine spezielle Lösung. Dennoch: „Wir arbeiten bei diesem Produkt mit Allroundmaster zusammen und liefern den Saugbehälter für jene Systeme, die beispielsweise auf einen Unimog aufgebaut werden. Und auch bei einem kleineren Multicar haben wir das schon gemacht“, klärt Firmen-Chef Stephan Trilety auf. 

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