Partner

TBZ Flensburg – „Wir haben jeden Tag unsere Aufgaben und sind immer gut davor“

Lesedauer: min

Im Technischen Betriebszentrum Flensburg (TBZ) kommen zahlreiche Kompetenzen zusammen. Neben den Spezialisten für Wasser und Abfallwirtschaft sind dort auch die Experten für Straßenbau, Grünflächenanlagen und Stadtbildpflege ansässig. Vom TBZ aus wird die Infrastruktur der nordischen Stadt gepflegt. Bauhof-online war vor Ort und hat sich das Zentrum genauer angesehen.

Flensburg Ende Juli: Es ist regnerisch und windig. Möwen kreisen über dem technischen Betriebszentrum, kurz TBZ. Ihr Kreischen dringt sogar bis in den Besprechungsraum vor. „Das können wir ja als Hintergrundgeräusch verarbeiten“, sagt Geoffrey Warlies mit Blick auf das Mikro auf dem Tisch, während er das Fenster schließt. Neben dem PR-Leiter sind außerdem Barbara Harrten, die technische Bereichsleiterin, sowie die Abteilungsleiter für Grünflächen und Forst, Stadtbildpflege und Straßenbau zusammengekommen. Viele Spezialisten also, die es trotz umfangreicher Aufgaben schaffen, an einem Strang zu ziehen, wenn es um übergeordnete Ziele geht, wie Hartten erläutert. Die optimale Bewirtschaftung der Fahrradwege der Stadt ist eines davon: „Wir halten es im Zuge des Klimaschutzes für notwendig, hier aktiv zu werden und die Leute dazu zu bewegen, auf das Fahrrad zu steigen.“ Eine direkte Anordnung der Stadt ist dabei nicht vorhanden, vielmehr sei man den Wünschen der Bürger und des lokalen ADFC gefolgt, so Harrten weiter. Dies gliedere sich auch gut in die restlichen Aufgaben ein, ergänzt André Sameth, Leiter des TBZ-internen Bauhofes. Denn in den Verantwortungsbereich des TBZ fallen unter anderem die Straßen- und Gehweg-Unterhaltung. Und das für insgesamt 315 km Straßen und Wegen, inklusive Radwegen. Dazu kommen noch 56 Ingenieur-Bauwerke, wie Brücken und Tunnel, sowie ca. 100 Ampelanlagen. Außerdem befinden sich im Bereich noch ca. 9.000 Verkehrsschilder, die ausgetauscht werden müssen, wenn sie unleserlich sind oder „von sehr aufmerksamen Autofahrern umgefahren werden“, erklärt Sameth schmunzelnd. „Aber alles in allem haben wir jeden Tag unsere Aufgaben und sind immer gut davor“.

Grünflachen: Hier gibt es immer was zu tun

Gut davor ist auch Michael Gräf, der Abteilungsleiter für Grünflächen und Forst. Aufgrund der vielen Sonnenstunden im Sommer stehe derzeit das Bewässern von Grünflachen, Blumenbeeten und Bäumen ganz oben auf der Agenda. Daneben nehme auch die Wege-Pflege vermehrt Kapazitäten in Anspruch. „Und, was uns viel Geld und Zeit kostet: Abfall sammeln.“ Zudem bereiten dem Fachmann zurzeit Glasscherben auf Spielplätzen und in Sandkästen Probleme. Diese zu entfernen gestaltet sich äußerst aufwendig. Um diesen Prozess zu vereinfachen ist das TBZ aktuell auf der Suche nach einer passenden Sandreinigungsmaschine – beispielsweise von Fiorentini.

In Gedanken ist Gräf allerdings im April 2022, denn in diesem Zeitraum beginnt die Vegetationsphase erneut. Aufgrund des kühlen Frühjahres habe sich die Phase dieses Jahr in den Juni verschoben. Für die Arbeitsbelastung der Abteilung Grünflächenpflege bedeutet dies allerdings wenig, da die Experten das ganze Jahr an verschiedenen Schwerpunkten arbeiten. Mähen, Hecken schneiden und Wässern stehen im Sommer auf dem Programm. Im Herbst verursacht die Beseitigung des Laubes viel Arbeit. Baumpflanzungen und Wallhecken-Pflege sind im weiteren Verlauf des Jahres wichtig. Immerhin liegen 28 Kilometer Wallhecken (norddeutsch: Knicks) im Einsatzbereich des TBZ. Daher müssen jährlich ca. drei Kilometer Knick gepflegt oder auf den Stock gesetzt werden. Darüber hinaus stehen Baumfällungen an, um eine gute Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Doch im Verantwortungsbereich liegen nicht nur Straßen und Hecken. Auch flächentechnisch wird es nicht so schnell langweilig in Flensburg. So muss das TBZ knapp 900 Hektar bewirtschaften, dazu gehören 430 Hektar Wald, 70 Hektar Parks und Grünflächen sowie 380 Hektar Extensiv-Flächen. Dazu kommen noch neun Hektar Blühflächen, 38 Kilometer sand-/wassergebundene Wege und 12.000 Bäume, die kontrolliert werden müssen. Zur Baumkontrolle wurde ein Sachverständiger engagiert, der den Bestand überprüft und der Baumkolonne des TBZ zuarbeitet. Bei der Bewirtschaftung kommt ein Hubsteiger von Hako zum Einsatz. Weitere Hubsteiger können bei Bedarf angemietet werden.

Partner

„Klar, Geranien sind nicht der Brüller, aber solche Blumen brauchen wir, um einen Blühaspekt zu haben.“ – Michael Gräf, Abteilungsleiter für Grünflächen und Forst

Im Bereich Blühflächen hat das TBZ im Stadtgebiet 20 Blumenschalen, 30 Blumentürme und weitere 30 Blumen-Ampeln, um die es sich kümmern muss. Die richtige Pflanzenmischung sei jedoch immer noch ein bisschen schwierig, wie Gräf ausführt: „Klar, Geranien sind da nicht der Brüller, aber solche Blumen brauchen wir, um den Blühaspekt zu haben. Die werden dann mit Bidens ergänzt, damit für die Insekten was da ist.“ Insektenfreundlichkeit ist den Flensburgern ein Anliegen, deswegen wurden schon zahlreiche Blühflächen angelegt.

Ein weiterer Fokus der Vegetationsarbeiten liegt ganzjährig auf der Wildkraut-Entfernung. Dabei wird vor allem mechanisch gearbeitet, wobei in einigen Bereichen auch thermische Mittel zum Einsatz kommen, um Synergie-Effekte auszunutzen. Ambrosia und das drüsige Springkraut sind in Flensburg wenig bis gar nicht vorhanden. Dafür gibt es auch im Norden eine Ausbreitung des Riesenbärenklaus. Bei der Entfernung des Wildkrauts setzen die Experten auf eine Elektrolanze, mit der sich das Wildkraut entfernen lässt. Teilweise reicht dafür sogar ein Vorgang aus, in der Mehrzahl der Fälle muss die Pflanze jedoch erneut bearbeitet werden. Problematisch wird es erst dann, wenn sich der Riesenbärenklau auch auf Privat-Flächen ausbreitet und daher auch nicht vom TBZ bearbeitet werden können. Von diesen breitet sich die Pflanze weiter in das Stadtgebiet aus.

Breit aufgestellt: Maschinen und Geräte

Was die Geräte-Verfügbarkeit angeht, sind die Flensburger gut ausgerüstet und breit aufgestellt. Im Bereich des Bauhofes wurde vor kurzem eine Fräse angeschafft, um Teilflächen im Asphalt fräsen zu können. Darüber hinaus sind Thermo-Container und eine Asphalt-Walze vorhanden. Auch im Bereich der Kleingeräte ist von Winkelschleifern über Stemmhämmer alles vorhanden, was ein moderner Bauhof braucht. Für den Transport stehen fünf Sprinter und drei Lkw zur Verfügung, mit denen die einzelnen Teams von A nach B kommen. Im TBZ wurden außerdem einige E-Fahrräder und E-Autos angeschafft, um einzelne Beschäftigte flexibler und CO2-neutraler in den Einsatz zu schicken.

„Es gab natürlich immer wieder Vorbehalte gegen Akkumaschinen, die man mit einer entsprechenden Argumentation ausräumen konnte. Die Akzeptanz ist sehr gut.“ – Uwe Kantor, Abteilungsleiter für Stadtbildpflege

Für die Stadtreinigung sind Kehrmaschinen mehrerer Hersteller vorhanden, unter anderem Modelle von Hako, Bucher und Dulevo. Außerdem verfügt die Abteilung über eine Vielzahl handgeführter Maschinen von Pellenc, Stihl und Stiga. „Da ist eigentlich die ganze Palette vorhanden“, wie Uwe Kantor, der Abteilungsleiter für Stadtbildpflege, angibt. Besonders wichtig ist für den Verantwortlichen der Einsatz der Akku-Maschinen, da diese einen besseren Lärmschutz garantieren und außerdem die Gesundheit der Mitarbeiter schonen. Diese Argumentation ist auch aus anderen Betrieben bekannt. Dort stießen Verantwortliche bei der Einführung der E-Maschinen immer wieder auf eine mangelnde Akzeptanz der Mitarbeiter. Gibt es solche Probleme am TBZ auch? „Probleme will ich jetzt nicht sagen“, räumt Kantor ein, „aber es gab natürlich immer wieder Vorbehalte, die man mit einer entsprechenden Argumentation ausräumen konnte. Die Akzeptanz ist sehr gut.“ In Zukunft soll das akkubetriebene Portfolio erweitert und eine E-Kehrmaschine angeschafft werden. Zuvor sind jedoch entsprechende Praxis-Tests geplant. Für welchen Hersteller sich die Flensburger schließlich entscheiden, ist noch nicht klar. Stand heute liegen dem Unternehmen Angebote von Küpper Weisser und Bucher vor.


John-Deere-6105: Ganzjahres-Lösung

Im Bereich Grünflächen und Forst sind zahlreiche kleinere und mittlere Kubota-Schlepper vorhanden, die eigentlich für den Winterdienst gedacht sind, mit den entsprechenden Anbaugeräten wie Humus-Mulcher und Fräsen aber auch für die Bodenvorbereitung in der Vegetationsperiode eingesetzt werden. Des Weiteren setzen die Flensburger in Sachen Mähen auf größere Steyer-Schlepper. Im Forstbereich kommt ein John-Deere-6105-Traktor zum Einsatz. Bisweilen werde dieser auch im Winter eingesetzt, um festgefahrene Fahrzeuge wieder auf die Straßen zu schleppen. „Unter anderem auch den einen oder anderen aus unserer Verwaltung“, erinnert sich Michael Gräf amüsiert. Aber damit die Straßen eisfrei und Autos gar nicht erst stecken bleiben, hat das TBZ nun einen Lkw mit Hakenlift zu einem Sole-Fahrzeug mit 9.000 Liter Fassungsvermögen umgerüstet.

Fragt man die Verantwortlichen nach der Zufriedenheit über die Werkzeug- und Maschinen-Verfügbarkeit, nicken diese wohlwollend. „Da gibt’s eigentlich gar nichts zu sagen“, erklärt Kantor. Im Vergleich zu anderen Kommunen sei das TBZ gut aufgestellt. „Das heißt nicht, dass wir das Geld zum Fenster rauswerfen und alles bekommen. Es wird ganz klar geprüft, was benötigt wird. Aber man ist sehr aufgeschlossen, auch was Innovationen angeht“. Ein zusätzlicher Vorteil sei die Kompetenzbündelung des TBZ. Immer wieder komme es zu Synergien bei der Maschinennutzung. Gräf pflichtet bei: „Das Schöne ist, dass wir die Möglichkeit haben, alles zu beschaffen, um arbeitserleichternd und effektiv arbeiten zu können.“

Fakten zum Technischen Betriebszentrum Flensburg:

Technische Leitung des TBZ: Dipl.-Ing. Barbara Hartten

Anzahl der Mitarbeiter: ca. 520 in fünf Bereichen

Aufgabenbereiche des TBZ: Stadtbildpflege, Sauberkeit, Forstpflege, Unterhaltung der kommunalen Straßen, Gehwege, Rad- und Wanderwege und Ingenieurbauwerke; Schilderkontrolle, Durchführung von Fahrbahnmarkierungen; Pflege der öffentlichen Grünanlagen; Mäharbeiten; Straßenbeschilderung; Instandhaltung gemeindeeigener Gebäude; Betreuung der öffentlichen Plätze und Parkanlagen

Ausstattung des Fuhrparks: div. Geräteträger (Hako Multicar M27 compact), Solestreu-Lkw (MAN TGS 28.320), John Deere 6105, Mini-Traktoren (Kubota B 1620 Mini Traktor), Lkw, Sprinter, E-Fahrräder, div. Kehrmaschinen von Hako, Bucher und Dulevo(Dulevo 3000 Euro 6) Hubsteiger (Hako Multicar M31B)

Das TBZ verfügt außerdem über zahleiche weitere Maschinen und Geräte, die im geteilten Nutzungsbereich aller Abteilungen liegen.Verantwortungsbereich: 315 km Straßen, inklusive Wege und Radwege

Größe der zu betreuenden Fläche: ca. 900 Hektar