Messen/Veranstaltungen

Sonderschau „Industrie trifft Wissenschaft“ auf der 2. COMMCAR

Auflieger nach dem Zwei-in-Eins-Prinzip und Ladungssicherung per Knopfdruck

Biere und Biermixgetränke in Einwegverpackungen lassen Brauereien oft von spezialisierten Dienstleistern abfüllen und verpacken. Die flüssige Ware wird in Tanklastzügen zum Lohnabfüllbetrieb gebracht. Die fertigen Gebinde holt ein Pritschenauflieger ab. „Für jedes beteiligte Transportmittel bedeutet das mindestens eine Leerfahrt. Der Tanklastzug muss zusätzlich noch eine Leerfahrt zur Reinigungsanlage absolvieren“, verweist Prof. Dr. Jens Mehnert von der Fakultät Kraftfahrzeugtechnik der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) auf die Unzulänglichkeiten in der Logistikkette. Bereits während seiner Tätigkeit in der Nutzfahrzeugindustrie hat ihn dieses Problem beschäftigt. An der WHZ schließlich entwickelten er und sein Team mit dem Industriepartner Willig Fahrzeugbau GmbH aus Mühlau bei Chemnitz eine Lösung namens KOMBIER – einen Kombinationsauflieger, der sowohl Tankware als auch Stückgut transportieren kann. Wie KOMBIER funktioniert, zeigen die Entwickler vom 1. bis 4. Oktober 2015 auf der 2. COMMCAR in der Messe Chemnitz. Ihr Podium ist die Sonderschau „Industrie trifft Wissenschaft“.

Die einzige Nutzfahrzeug-Ausstellung Ostdeutschlands erweitert damit zur zweiten Auflage ihr Spektrum um einen wesentlichen Aspekt: „In der Wirtschaftsregion Chemnitz-Zwickau haben Entwicklungen für den Fahrzeugbau traditionell einen guten Nährboden. Die ausgeprägte und stark anwendungsorientiert arbeitende Hochschul- und Forschungslandschaft ist neben dem meist im Fokus stehenden Pkw-Bau auch sehr aktiv im Nutzfahrzeugsektor und trägt hier mit Innovationen zu einem effizienten, sicheren und umweltfreundlichen Güterverkehr bei. Diese Neuheiten treffen zur COMMCAR exklusiv auf die potenziellen Anwender“, sagt Michael Kynast, Geschäftsführer des COMMCAR-Veranstalters C³ Chemnitzer Veranstaltungszentren GmbH.

Das bestätigt Prof. Mehnert: „Wir präsentieren das Konzept des Kombiaufliegers erstmals einer breiten Fachöffentlichkeit und erhoffen uns Impulse und Anregungen für die weitere Forschungsarbeit sowie die praktische Umsetzung.“ Ansatz für die Fachleute aus Wissenschaft und Praxis war die Entwicklung eines neuen rahmenlosen Aufliegertyps mit geringem Eigengewicht, der im unteren Bereich aus einer innovativen Tankform und im oberen Bereich aus dem Raum für den Stückguttransport besteht. Der Stückgutaufbau und die Achsanbindung sind an der WHZ entstanden, das Know-how für rahmenlose Tanks bringt Willig Fahrzeugbau in das Projekt ein. Für das Unternehmen, das bereits bei der Altölentsorgung auf ein ähnliches Kombinationsprinzip setzt, ist KOMBIER die erste Lösung im Bereich der sensiblen Lebensmittelindustrie.

Während der Kombinationsauflieger vor allem zu einer kostensparenden und umweltfreundlicheren Logistikkette in der Getränkeindustrie beiträgt, stellen Wissenschaftler der TU Chemnitz ein System vor, das die Ladungssicherheit für Paket- und Expressdienste erheblich verbessert. Herkömmliche Mittel zur Ladungssicherung wie Netze oder Gurte helfen Fahrer und Transportgut zu schützen, sind jedoch besonders für Kurier-Express-Paket-Dienste mit vielen Haltepunkten viel zu zeitaufwändig. In Sachsen hat ein Verbund von Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen Logistik, Fördertechnik und der Textilindustrie das Thema Ladungssicherung ganzheitlich angepackt. Die Professur Fördertechnik der TU Chemnitz, das Sächsische Textilforschungsinstitut in Chemnitz und die Firmen F.J.RAMMER GmbH in Ohorn, car-management GmbH in Delitzsch und die ECL euro.COURIER Logistics GmbH in Chemnitz entwickelten innerhalb von zwei Jahren ein effektives und vor allem für Fahrer leicht bedienbares, automatisiertes Ladungssicherungssystem. 

„Für die Sicherung der Ladung sorgen im Wesentlichen zwei Kernkomponenten. Dies ist zum einen ein Antirutsch-System, das die Vorteile einer reibarmen Oberfläche zum Beladen und die rutschhemmende Wirkung eines haftenden Belags beim Transport ausnutzt. Zum anderen überspannt ein sich flexibel anpassendes Netz unterschiedlich große Transporteinheiten“, erläutert Prof. Dr. Klaus Nendel, Inhaber der Professur Fördertechnik der TU Chemnitz. Das Ladungssicherungssystem könne ab einem Fassungsvolumen von 1,2 bis etwa 6 Kubikmeter betrieben werden. Das Ladungssicherungsnetz besteht aus hochfestem Material mit integrierten Netzverkürzern. Der Fahrer muss seine Ladung lediglich in einen markierten Bereich stapeln. Per Knopfdruck wickeln zwei Zurrsysteme die Spanngurte auf, die das Ladungssicherungsnetz von der Decke herab über das Ladegut ziehen und spannen. Dieser Vorgang erfolgt innerhalb von nur 15 Sekunden. Zum Entladen wird ebenso per Knopfdruck das Ladungssicherungsnetz unter die Laderaumdecke gehoben.

Neben den neuesten Forschungs-Highlights der sächsischen Hochschulen zeigen namhafte Unternehmen zur COMMCAR innovative Fahrzeugtechnik, Zubehör und Dienstleistungen rund um Lkw, Transporter, Sonder- und Kommunalfahrzeuge sowie Anhänger und Aufbauten. Zur Premierenveranstaltung 2013 kamen mehr als 3500 Fachbesucher in die Messe Chemnitz, um sich über Produktneuheiten sowie das Fach- und Rahmenprogramm zu informieren. Rund zwei Drittel der Besucher vergaben mit sehr gut bzw. gut Bestnoten für die neue Schau. Auch die Umfrage unter den mehr als 90 Ausstellern widerspiegelt diese Tendenz. Drei Viertel der Befragten schätzen das Potenzial der Messe als sehr gut bzw. gut ein. 85 Prozent werden 2015 ganz bestimmt bzw. höchstwahrscheinlich wieder mit dabei sein.

Erneut unterstützt wird die Veranstaltung vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung e. V. (BGL), dem Landesverband des Sächsischen Verkehrsgewerbes e.V. (LSV) und der Sachverständigenorganisation DEKRA.

Weitere Informationen: www.commcar.de

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