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15. Februar 2018

Reportage: Dreamteam – Mit seinem Pistenbully spurt Alois Kircher die perfekten Loipen

Reportage: Dreamteam – Mit seinem Pistenbully spurt Alois Kircher die perfekten Loipen

Das Allgäu ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wintersportler. Unzählige Kilometer an Loipen durchziehen das Alpenvorland. Doch wie viel Arbeit steckt eigentlich hinter dieser Wintersport-Attraktion? Wir haben uns die Sache einmal genauer angeschaut.

Es ist kurz vor 6 Uhr morgens in Knottenried, einem kleinen Pfarrdorf nahe Immenstadt (Allgäu). Die Außentemperatur am Auto zeigt -8 Grad. „Ich hab ihn schon mal warm laufen lassen“, sagt Alois Kircher zur Begrüßung und zeigt auf das beleuchtete rote Gefährt, das hinter ihm auf dem Parkplatz steht: einen Pistenbully 100. Damit geht es heute auf die „Traumrunde Knottenried“ sowie einen Teil der „Moos-Runde“ zum Loipen spuren. Eigentlich eine angenehme Aufgabe, wäre da nicht der unberechenbare Allgäuer Winter. In diesem Jahr war es besonders schlimm: Erst kamen die Schneemassen, dann folgten beinahe frühlingshafte Temperaturen. Was das für Auswirkungen auf die Präparierung der rund 30 km an Loipen hat, für die Kircher zuständig ist, zeigt sich während der Fahrt ganz deutlich.

Ein kurzer Ruck, dann setzt sich der rund 5-Tonnen schwere Pistenbully auch schon in Bewegung. Das Fahrzeug des Immenstädter Forstreferats ist nicht, wie sonst oftmals üblich, mit Stahl- sondern Gummiketten ausgestattet. „Die haben den Vorteil, dass wir viel früher mit dem Präparieren der Loipen beginnen können“, erklärt Kircher. Denn mit Aluketten würde sich die Raupe viel tiefer in den Schnee drücken. Dagegen reichen für die Gummiketten bereits 20 bis 30 Zentimeter an Neuschnee, um mit dem Aufbau der Loipen zu beginnen. „Da wird dann nicht der ganze Dreck, der sich unter dem Schnee befindet, hochgeschoben“, sagt der 30-Jährige. Auch gegenüber einem Traktor mit entsprechendem Anbaugerät hätte der Pistenbully hier die Nase vorne.

Beim Loipenspurgerät ist Fingerspitzengefühl gefragt

„Je öfter ich drüberfahre, umso schöner wird die Loipe“, verrät Kircher. Zu Beginn der Wintersaison dreht er deshalb mindestens fünf Mal hintereinander seine Runden über die Bahnen. Und auch danach müssen die Loipen – sowohl für das Skaten als auch für das klassische Langlaufen – regelmäßig erneuert werden. Genau dafür ist Kircher an diesem Morgen unterwegs. Am Heck des Pistenbullys befindet sich das Loipenspurgerät, das er langsam auf die Fahrbahn absenkt. Über ein Bedienpult im Fahrerhaus schaltet Kircher die Fräse ein. Sie beginnt damit, den alten – an einigen Stellen bereits festgefrorenen – Schnee aufzureißen und mit dem neuen, der in den vergangenen Tagen gefallen ist, zu vermischen. Die Gummilappen am Loipenspurgerät drücken das Ganze anschließend wieder fest. Auf den ersten Blick sieht diese Technik recht einfach aus. Doch je länger Kircher unterwegs ist, desto deutlicher wird, welches Fingerspitzengefühl hier gefragt ist: Denn immer wieder aufs Neue müssen sowohl die Fräsentiefe als auch -geschwindigkeit der jeweiligen Menge an Schnee angepasst werden. „Momentan liegt die Fräse schwimmend auf dem Schnee“, erklärt Kircher. Wegen der warmen Temperaturen der vergangenen Woche ist nicht mehr so viel vom kalten Weiß übriggeblieben. An einigen Stellen kommt bereits die Erde zum Vorschein.

Immer wieder muss Kircher an diesem Vormittag die Schneefräse nach oben heben und bearbeitet die Skating-Loipe dann nur mit der Raupe. Dabei wechselt sein Blick ständig von vorne nach hinten. Um zudem den Zustand der Loipe rechtzeitig einschätzen zu können, schaltet Kircher immer wieder den Strahler auf dem Dach des Pistenbullys an und leuchtet damit den vor ihm liegenden Bereich aus. Seit vier Jahren ist der 30-Jährige dafür verantwortlich, dass die zahlreichen Langläufer, die jährlich nach Immenstadt kommen – bei passenden Witterungsverhältnissen sind das an guten Tagen zwischen 500 und 1000 Langläufer – perfekt präparierte Loipen vorfinden. Das restliche Jahr über ist Kircher für Arbeiten wie die Bewirtschaftung des Stadtwaldes oder auch die Unterhaltung von Natur- und Landschaftsschutzflächen sowie der Wanderwege zuständig. Was die Loipenpräparation angeht, wurde er aber nicht völlig ins kalte Wasser geworfen: Zwei Jahre lang sprang Kircher zunächst als Ersatzfahrer an den Wochenenden oder zur Urlaubszeit ein. Als sein Vorgänger schließlich aufhörte, rückte der 30-Jährige nach. Um eine richtig schöne Loipe hinzubekommen, bedarf es einer gewissen Erfahrung, so die Meinung des Fachmanns. Auch heute noch testet Kircher vor jeder Runde erst einmal kurz den Zustand der Loipen. „Den Parkplatz, an dem wir uns heute Früh getroffen haben, habe ich als Teststrecke genutzt“, verrät er mit einem Augenzwinkern. Und spätestens wenn sich die Bauern über den Zustand ihrer Wiesen beklagen, über die die Loipen – natürlich mit deren Zustimmung – laufen, weiß man Bescheid, ob die Arbeit richtig oder falsch gemacht wurde, fügt Kircher lachend hinzu.   

Ein paar Loipen sind momentan nicht passierbar

„Perfekt ist es, wenn der Schnee relativ trocken ist. Dann braucht er zwar eine Zeit lang, bis er zusammengefriert. Aber dafür hat der Schnee noch kein Wasser gezogen und lässt sich wunderbar präparieren“, erklärt Kircher. Doch in diesem Winter ist genau die Nässe ein großes Problem. Die Loipen rund um Immenstadt führen oftmals über moosige Felder, vorbei an Bachläufen und durch Waldstücke. Der andauernde Regen und das anschließende Tauwetter der vergangenen Wochen machen es den Wintersportlern nicht gerade leicht. „Einige Stellen in den Wiesen sind vom vielen Regen ganz nass. Das Wasser drückt dann an der Seite in die Loipe hinein“, erklärt Kircher. Mit dem Ergebnis, dass auf der präparierten Strecke immer wieder Bereiche zum Vorschein kommen, an denen bereits die Erde herausschaut. Wenn es irgendwie möglich ist, setzt Kircher dann das Schneeschild des Pistenbullys ein, das am unteren Ende gezahnt ist. Damit schiebt er den Schnee vom Rand auf die Loipe. Wenn alle Stricke reißen, nimmt Kircher auch mal die Schneeschaufel zur Hilfe, die sich auf der Ladefläche seines Fahrzeugs befindet. Doch trotz alle dem sind ein paar der Loipen – wie beispielsweise die beliebte Panorama-Loipe, die immer auf ca. 1000 m NN im Wald verläuft und von dort schöne Blicke über den Alpsee und in die Berge bietet – derzeit nicht befahrbar. Ein weiteres Problem, mit dem Kircher in diesem Winter zu kämpfen hat, ist gefrierender Schneematsch. Hier kann es nämlich passieren, dass die Fräse irgendwann stecken bleibt.

Mit 15 km/h gleitet der Pistenbully die Skating-Loipen entlang. Das Außenthermometer misst bereits -10 Grad. Kircher passiert nun einen Teil der Strecke, auf dem sich jede Menge Neuschnee befindet. „Hier muss ich etwas anders vorgehen“, sagt der 30-Jährige. Zunächst fährt er die Loipe ab, ohne dass die Fräse zum Einsatz kommt. „Sonst tut sie sich schwer“, erklärt Kircher. Auf diese Weise bleibt in der Mitte der Loipe allerdings ein Streifen Neuschnee bestehen. Einmal die Runde gedreht, positioniert er deshalb seinen Pistenbully leicht versetzt auf der Loipe und fährt die Strecke noch einmal ab. Erst im Anschluss kommen Fräse und Gummilappen zum Einsatz. Ein Stück weiter wird dann endlich eine klassische Langlauf-Loipe gespurt. Dafür senkt Kircher eine der Spurplatten, die sich rechts und links am Heck des Pistenbullys befinden, hinab. 

 Pistenbully fungiert als Winterdienstfahrzeug

Beim Passieren eines Parkplatzes für die Wintersportler, wird der Pistenbully dann mal schnell zum Räumfahrzeug umfunktioniert. Mit dem Schneeschild schubst Kircher gekonnt die Berge an kaltem Weiß, die der Räum- und Streudienst an die Seite geschoben hat, die Hänge hinunter. Das sei so abgesprochen, berichtet Kircher. Bei extremen Wintern wären die Parkplätze sonst irgendwann völlig mit dem Schnee von der Straße zugeschoben. Da die Pistenwalze des Raupenfahrzeugs zu 50 Prozent bezuschusst wird – allerdings nur unter der Bedingung, dass mit dem Gerät auch Winterwanderwege, unterhalten werden – fährt Kircher an diesem Vormittag einen der beiden Winterwanderwege, die er betreut, ab: Es geht die Strecke hoch zum Bergbauernmuseum. „Loipen müssen natürlich um einiges präziser bearbeitet werden, als Winterwanderwege“, erklärt der 30-Jährige den Unterschied. Oben angekommen, zeigt sich ein herrliches Alpenpanorama bei aufgehender Sonne. Diesen Anblick genießt, trotz der frühen Morgenstunden, bereits die erste Langläuferin, die auf einer der frisch präparierten Skating-Loipe unterwegs ist.

Auf dem Rückweg wird es dann mit einem Mal recht ungemütlich im Pistenbully, der seit 2011 für das Forstreferat Immenstadt im Einsatz ist. Es ruckelt sehr stark in der Fahrzeugkabine. „Wenn die Maschine warm wird, fängt das Eis auf der Ladefläche zum Schmelzen an“, erklärt Kircher die Ursache. Das Wasser tropft dann nach unten, sammelt sich zwischen den Kettenstegen und friert fest. „Das ist alles kein Problem, solange das Eis an allen Stellen gleichmäßig dick gefriert“ so Kircher. Doch immer wieder bilden sich ganz unregelmäßig dicke Eisschichten, die dazu führen, dass die Maschine, sobald die Laufräder die Stelle passieren, stark zu ruckeln beginnt. „Für diesen Fall habe ich immer einen Hammer im Pistenbully, um die Eisbrocken wegzuschlagen“, weiß sich Kircher zu helfen. Mit Mechanikern des Unternehmens habe er bereits über das Problem gesprochen. „Es wäre interessant zu wissen, ob es mit Aluketten besser funktioniert, da die ja ganz in den Schnee gedrückt werden“, so die Überlegung des 30-Jährigen. Die ungleichmäßige Eisbildung zwischen den Kettenstegen sei aber auch das einzig Negative, dass er über sein Gefährt berichten könne.

Im Frühjahr: Abtransport mit dem Tieflader

Da der Pistenbully in Immenstadt allein für den Winter-Einsatz gedacht ist, wird er im Frühling auf einen Tieflader verfrachtet und zum Bauhof transportiert. „Dort wird dann der Kundendienst gemacht“, sagt Kircher. Über den Sommer steht das Raupenfahrzeug aufgebockt im Bauhof – die Ketten werden während dieser Zeit entspannt. So ist er gleich für den nächsten Winter wieder einsatzbereit. Ein paar Wochen wird die rote Raupe allerdings schon noch zu tun haben. Für heute ist zwar Feierabend – doch der Wetterbericht hat für die kommenden Tage bereits den nächsten Schneefall gemeldet.

Fakten zum Referat 40.5: Forst / Naturschutz in Immenstadt

Das Forstreferat ist eine eigenbetriebsähnliche Einrichtung innerhalb der Stadtverwaltung und nicht dem Bauhof unterstellt.

Leitung: Gerhard Honold

Mitarbeiter: 6,5; darunter 1 Stadtförster/Referatsleiter, 1 Forstwirtschaftsmeister, 1 Berufsjäger, 2 Forstwirte (Waldfacharbeiter), 1 Auszubildender (Forstwirt), 1 Teilzeitkraft im Büro sowie zeitweise Praktikanten.

Aufgaben: Bewirtschaftung des städtischen Wald- und Alpbesitzes; Planung, Bau, Bereitstellung und Betrieb von Wegen für die Land-, Alp- und Forstwirtschaft; Bereitstellung und Unterhaltung von Natur- und Landschaftsschutzflächen sowie Flächen von besonderer ökologischer Bedeutung; naturschutzrechtliche Maßnahmen; Holzproduktion und Sicherstellung der ökologischen Funktion des Waldes; jagdliche Bewirtschaftung in Eigenregie mit Bewirtschaftung eines Rotwild-Wintergatters; Unterhaltung von städtischem Landwirtschafts- und Alpbesitz; Planung, Bau sowie Unterhaltung der Wanderwege; Unterhaltung von Winterwanderwegen und Loipen; Sanierung der Flurdenkmäler im Stadtgebiet.

Fuhrpark: 1 Pistenbully, 3 Dienstfahrzeuge (VW Amarok, Suzuki Grand Vitara, Dacia Duster), 1 RTV Kubota mit Winterausstattung, 1 Motorschlitten Bombardier, 1 Raupendumper Meinl Trac, 2 Honda Raupentransporter, ca. 10 Motorsägen, 4 Freischneider, sonstige Kleinmaschinen und Geräte für Forst- und Wegearbeiten. Bagger, LKW und Forstmaschinen werden mit Unternehmern bzw. innerhalb des städtischen Betriebshofes abgerufen.

Verantwortungsbereich: 1000 ha Wald, 350 ha alpwirtschaftliche Flächen, 40 ha landwirtschaftliche Flächen, ca. 30 km Loipen, ca. 100 km Winterwanderwege, 1500 ha städtische Eigenjagd, Holzeinschlag auf eigenen Flächen ca. 5000 Festmeter jährlich.

Fläche: Das Stadtgebiet umfasst 80 km2. Dabei geht der Bereich im Norden bis zum Hauchenberg und im Süden bis zum Steigbachtal an der Nagelfluhkette mit Mittag, Steineberg und Stuiben (höchster Punkt mit 1749 m).

Text/Bilder: JG – Redaktion Bauhof-online.de


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