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PlayParc: Ein inklusiver Spielplatz – ein Spielplatz für alle

Bevor ich auf das Projekt in Warburg eingehe, möchte ich an dieser Stelle gerne erläutern, warum ich Spielplätze gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig finde. In der Zeit der Urbanisierung und Technisierung gibt es immer weniger freie und natürliche Spielräume für Kinder und Jugendliche. Durch immer dichtere Bebauung in Städten, aber auch im ländlichen, durch immer mehr Verkehrsaufkommen auf allen Straßen und durch immer mehr Computer, Internet, Spielkonsolen etc. (was zweifellos wichtig ist und dazu gehört) haben Kinder und Jugendliche immer weniger Raum zu spielen und sich zu bewegen.

Die Auswirkungen bemerkt man als Sportlehrer in der Schule (ich habe das in Grund- und Förderschulen beobachtet). Kinder haben zunehmend mehr Förderbedarf im motorischen Bereich und sind weitaus weniger kreativ im Spielen als in früheren Jahren. Außerdem ist es wissenschaftlich erwiesen, dass es einen hohen Grad an Übergewichtigkeit schon in jungem Alter gibt. Meiner Meinung nach resultieren auch Verhaltensauffälligkeiten häufig aus mangelnder Bewegung und Spielfähigkeit. Da es also immer weniger natürliche Spielräume für Kinder und Jugendliche gibt, finde ich gute Spielplätze gerade in heutiger Zeit sehr wichtig. Es wäre nur schön, wenn diese auch von mehr Menschen genutzt würden. Alle Kinder haben in meinen Augen ein Recht auf Spielen, bitte auch mal ohne elektronische Medien!

Eltern, lasst eure Kinder spielen! Die Hansestadt Warburg baut seit einigen Jahren ihre Innenstadt in eine „barrierefreie Innenstadt“ um. Im Zuge dieses Umbaus wollte die Stadt auch einige Spielflächen für Spielplätze zur Verfügung stellen, auf denen „barrierefreie, inklusive Spielplätze“ entstehen sollten. Für die Planung des 30.000 Euro teuren Projekts hatte die Stadt eine Projektgruppe beauftragt. Dazu gehörten Mitarbeiter des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) und Sportlehrer der Laurentiusschule, einer Förderschule mit den Förderschwerpunkten geistige- und körperliche- und motorische Entwicklung, also für Schülerinnen und Schüler mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung. Weiterhin der Landschaftsarchitekt Christof Neuhann und der Geschäftsleiter des Willebadessener Spielgeräteherstellers Playparc, Steffen Strasser. Mit ihrer Arbeit habe die Gruppe nach Ansicht von Strasser ein Musterprojekt realisiert. „Inklusion ist ein Thema auch für die Neugestaltung öffentlicher Räume und hier ist es uns gelungen, Begegnung und Bewegung für viele Menschen an einen Ort zu bringen", erklärte Strasser. Die Firma Playparc sollte und wollte diese Projekte realisieren.

Hier kamen die Fragen auf: 1. Kann oder darf es überhaupt einen barrierefreien Spielplatz geben? 2. Was könnte ein inklusiver Spielplatz sein? Für uns war die erste Frage sehr schnell zu beantworten: Nein, es darf keinen barrierefreien Spielplatz geben, weil erst Spielgeräte mit Aufforderungscharakter Spiel ermöglichen und zu Spiel ermuntern. Ein barrierefreier Spielplatz wäre eine große, freie Fläche und hätte sicherlich wenig bis keinen Spielwert. Wir waren uns alle einig, dass lediglich der Zugang zu Geräten und der Zugang zum Spielplatz an sich barrierefrei sein darf. Aber hierzu später mehr… Die zweite Frage war schon schwerer zu beantworten und für mich persönlich schon begrifflich nicht ganz so schön: Ein inklusiver Spielplatz?! Was denkt man dabei? Inklusion ist in der Gesellschaft eher ein negativ belasteter Begriff und ich wollte keinen Spielplatz bauen bzw. an der Planung mitwirken, bei dem viele schon beim Namen ein schlechtes Gefühl haben. Dabei bedeutet Inklusion ganz frei interpretiert nichts anderes als: alle Menschen sind gleich. Alle Menschen, egal welcher Herkunft, Religion, Größe, Hautfarbe oder Behinderung sollen gleich behandelt werden und die gleichen Rechte haben. Daher waren wir uns in der Arbeitsgruppe sehr schnell einig, dass man einen inklusiven Spielplatz viel besser einen „Spielplatz für alle“ nennen sollte. Denn er soll ja auch für alle Kinder und Jugendliche und auch für alle Erwachsenen sein! Mit dieser Zielsetzung gingen wir an die weitere Planung, wie Spielplätze für alle aussehen könnten. Es fing mit der Lage, mit der Erreichbarkeit und den Wegen auf dem Spielplatz an. Spielplätze sollten nach Möglichkeit zentral liegen, d.h. sie sollten für Kinder und Jugendliche gut erreichbar sein, am besten ab einem gewissen Alter auch ohne die Eltern. Sie sollten aber auch für alle in irgendeiner Form erreichbar sein, auch für Menschen im Rollstuhl, mit dem Kinderwagen oder mit dem Rollator. An dieser Stelle war es schon wichtig, dass es ebenerdige, kantenlose Zuwege und keine komplizierten Ein- und Ausgangstore gibt. Die Wege auf dem Spielplatz selbst sollten breit genug sein und möglichst glatte Oberflächen haben, so dass man sie auch im Rollstuhl gut befahren kann. Klare, womöglich farblich auffällige, abgesetzte Ränder könnten auch Menschen mit Sehbehinderungen helfen sich zu orientieren. Die Beschilderung sollte ansprechend sein und sich immer aus Schrift (auch Blindenschrift) und Bildern zusammensetzen, so dass sich auch nicht-lesende sowie Sehbehinderte Kinder und Jugendliche zurechtfinden könnten. Die deutlich wichtigere und entscheidendere Frage war allerdings die Frage nach den Spielgeräten auf einem Spielplatz für alle. Welche Geräte müssten es sein und wie müssten sie aussehen? Ich persönlich als Förderschul- und Sportlehrer und somit als „Spielplatzlaie“ habe vorher Spielgeräte kategorisiert in „Klettergeräte“, „Rutschen“, „Karussells“, „Schaukeln“, „Wippen“ und „Sand.“ Ich wurde schnell belehrt, dass dies noch lange nicht alles ist. Es gibt zahlreiche „Balanciergeräte“, „Kleingeräte“ und z. B: „Wahrnehmungstafeln“ mit unterschiedlichen Wahrnehmungsübungen. Diese waren v.a. für mich interessant, da viele meiner Schüler Förderbedarfe in diesem Bereich haben.

In unserer Gruppe kamen wir schnell zum Ergebnis, dass wohl nie alle Kinder und Jugendlichen wirklich alle Geräte benutzen können. Es ist einleuchtend, dass Kinder im Rollstuhl kaum große Klettertürme hinaufklettern oder Jugendliche noch gerne im Sand spielen. Für uns war es wichtig, dass für alle etwas dabei sein sollte, so dass jede(r) etwas für sich finden sollte (im Übrigen auch die Eltern, Bänke und Tische sollten ebenfalls vorhanden sein). Bei allen Geräten sollte es einen Spielwert geben. Was ist ein Spielwert? Für mich ist ein Gerät „spielwert“, wenn Kinder und Jugendliche eigenaktiv damit/darauf spielen wollen und es nutzen. Es muss also Aufforderungscharakter haben! Kinder müssen sagen, dass ist spannend, das ist „cool“, das will ich machen! Es ist so, dass alle Kinder einen natürlichen Bewegungsdrang haben und gerne Bewegungsgrundformen machen, wie „klettern, schaukeln, wippen, rutschen, drehen, etc.“ Eben alle Bewegungen, die man an Spielgeräten auf einem Spielplatz machen kann. So, dass prinzipiell jedes Kind gerne spielen lernen möchte, wenn man es nur lässt. Jetzt sollten die Geräte nur so gestaltet werden, dass sie für alle Kinder auffordernd sind, also auch für Kinder mit Behinderungen. Wie dies aussehen könnte, möchte ich an einigen Beispielen erläutern: Jeder von uns kennt wohl kleine manuell zu bedienende Bagger im Sandkasten. Baut man einen solchen Bagger an den Rand eines Sandkastens bzw. macht ihn befahrbar, könnten auch Kinder im Rollstuhl diesen nutzen. Gibt es auf dem Spielplatz Erhebungen, so könnten Rutschen ins Gelände gebaut werden. Dazu gibt es eine befahrbare Rampe vom Abrutschpunkt bis zum Ende, so könnten auch hier Kinder im Rollstuhl rutschen. Es gibt zum Glück viele verschiedene Schaukeln, so dass einige auf „normalen“ Schaukeln könnten und andere wiederum in Nestschaukeln liegend schaukeln könnten. Ebenso gibt es befahrbare Karussells und Balancierstationen können nach jedem Abschnitt Ausstiege haben. Dazu gibt es natürliche Differenzierungen (mit Hand/ohne Hand, vorwärts/rückwärts etc.). In Warburg gibt es mittlerweile einen kleinen Spielplatz, der nach diesen Kriterien gebaut wurde. Es gibt eine Balancierstation, ein Karussell und eine Bank mit Tisch für Eltern. Der Spielplatz liegt sehr zentral an der Kirche und ist gut erreichbar. Die Balancierstation ist sehr variabel, ein Abschnitt wäre auch mit Rollstuhl zu nutzen. Auf dem Karussell gibt es auch die Möglichkeit mit dem Rollstuhl mitzufahren. Ich persönlich finde es gut, dass der Spielplatz häufig besucht wird. Nur leider ist die Fläche sehr klein, so dass es nicht mehr Geräte dort geben kann. In Warburg sind weitere kleine, zentrale Spielflächen vorgesehen. Ich hoffe, dass es der Stadthaushalt auch bald hergeben wird, die Planung in die Realität umzusetzen.

Autor: Christian Haag, Förderschul- und Sportlehrer in Warburg

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