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Nachgehakt bei Aebi: Gipfelstürmer Terratrac – Trotz Steillage nicht aus der Spur zu bringen

Ob Hanggeräteträger oder Transporter: Die Maschinen des Schweizer Unternehmens sind Pioniere in ihrer Klasse und in der Bergwelt, aber auch in städtischen Parkanlagen oder Sumpfgebieten daheim. Seit 2007 treten sie in geballter Kraft mit der Firma Schmidt auf.

Von: Jessica Gsell

Aebi Schmidt: Ein Name, hinter dem gleich zwei erfolgreiche Marken stecken. Eine davon ist die seit über 130 Jahren bestehende Aebi und Co. AG Maschinenfabrik Burgdorf. Wenn es um die Vorreiterrolle in Sachen Technik geht, dann hat Aebi in den vergangenen Jahrzehnten schon so einiges an Maschinenneuheiten beigesteuert. Nicht umsonst werden die roten Spezialfahrzeuge für extreme Hanglagen unter den Anwendern oftmals als „Könige der Berge“ bezeichnet. Im Interview verraten Produkt-Manager Mathias Leubler und Marketing-Managerin Michèle Artho unter anderem, was hinter der Fusion mit Schmidt steckte, wie sich die Beliebtheit des Terratracs (TT) erklären lässt, mit welchen Wünschen die Kunden mitunter um die Ecke kommen, aber auch, warum beide Unternehmen ihren Auftritt überarbeitet haben. 

Frau Artho, Herr Leubler, die Firmen Aebi und Schmidt werden seit der Fusionierung 2007 in einem Atemzug genannt. Dabei steckt hinter dem Unternehmen Aebi eine ganz eigene, spannende Geschichte?

Leubler: So ist es. Sie beginnt 1883 mit der Eröffnung einer mechanischen Werkstätte im schweizerischen Burgdorf durch Johann Ulrich Aebi. Am Anfang baute die Aebi und Co. AG Maschinenfabrik Sä- und Mähmaschinen für den Pferdezug sowie Feuerspritzen und Turbinen, die international zum Einsatz kamen. Ab 1950 wurde der Fokus verstärkt auf die Mechanisierung der Landwirtschaft im Hügel- und Berggebiet gelegt. Die ersten Maschinen waren hier die Einachser und Motormäher. In den 60er Jahren folgten dann die Transporter zusammen mit verschiedenen Auf- und Anbaugeräten. Eine der größten Innovationen aus dem Hause Aebi kam schließlich im Jahr 1976 mit dem Terratrac (TT) – dem weltweit ersten Zweiachs-Hanggeräteträger. Nach der Jahrtausendwende wurde das Produktportfolio außerdem um Transporter mit Geschwindigkeiten bis zu 90 km/h erweitert. Es folgten daraufhin noch viele weitere Innovationen, wie der erste vollelektrische Geräteträger EC oder auch der MT mit semihydrostatischem Antrieb.

"Mit dem Terratrac wurde von Aebi das weltweit erste Zweiachs-Hanggeräteträgerkonzept am Markt vorgestellt." ( Mathias Leubler, Produktmanager)

Für das Unternehmen Aebi lief es also richtig gut. Warum kam es dennoch zu einem Zusammenschluss mit Schmidt?

Leubler: Das Familienunternehmen Aebi wurde aufgrund fehlender familieninterner Nachfolge an einen Schweizer Investor verkauft. Aufgrund der strategischen Ausrichtung wurden später die Firma Schmidt und weitere Unternehmen von demselben Investor erworben und fusioniert. Daraus ist schließlich die heutige Aebi Schmidt Gruppe entstanden. Gemeinsam bieten wir weltweit hervorragende Kommunal- und Spezialgeräte für saubere und sichere Verkehrsflächen sowie den Unterhalt von Grünflächen in anspruchsvollem Gelände an. Das können unter anderem steile, vernässte, schwer zugängliche, unwegsame oder auch besonders sensitive Oberflächen sein. Über die vergangenen Jahre hinweg haben wir uns hier zu einem der führenden Anbieter entwickelt.

Hat innerhalb der Aebi Schmidt Gruppe jeder Hersteller seine eigene Produktpalette?

Leubler: Wir unterscheiden in der Aebi Schmidt Group zwischen Verkaufsorganisationen und Kompetenzzentren. Über die Verkaufsorganisationen können die Kunden alle Fahrzeuge und Geräte aus einer Hand beziehen. Produziert wird in unterschiedlichen Kompetenzzentren, jedoch unter einheitlicher Leitung. Die Zentren sind zwar spezialisiert auf jeweils einzelne Produkte oder Produktetypen, nutzen aber im Verbund Synergien und Erfahrung der jeweils anderen Zentren. Der Schwerpunkt von Aebi liegt dabei auf Trägerfahrzeugen für die Kommunal- und Landwirtschaft. Der Fokus von Schmidt liegt in den Bereichen Winterdienst, Flughafentechnik und Straßenreinigung.

Sie sprechen die ganze Zeit von der Aebi Schmidt Gruppe. Unseren Lesern wird aber eher die ASH Group ein Begriff sein?

Artho: Seit März 2019 heißt die ASH Group neu Aebi Schmidt Group. Die Bezeichnung ASH Group konnte sich nie wirklich etablieren, insbesondere auch im Ausland nicht. Entsprechend nennen wir uns nun so, wie man uns schon lange kennt: als Aebi Schmidt. Unsere großen und starken Produktmarken Aebi, Schmidt, M-B Companies, Nido, Swenson und Meyer bleiben unter dem Dach der Gruppe bestehen. Hinsichtlich der Werte und Leistungsversprechen wird sich nichts ändern. Auch die Organisationsstruktur und die gewohnten Ansprechpartner bleiben bestehen. Neu ist das Erscheinungsbild, das mit einheitlichen Logos und der neuen Typografie besser vermittelt, dass die einzelnen Marken eben zu einer Gruppe gehören. Insgesamt kommt der Auftritt auch wesentlich dynamischer und moderner daher.


Kommen wir zurück zu den Produkten. Die wohl bekannteste Maschine ist der Aebi Terratrac. Was zeichnet den „Pionier“ unter den Zweiachs-Hanggeräteträgern aus?

Leubler: Mit dem Terratrac wurde von Aebi das weltweit erste Zweiachs-Hanggeräteträgerkonzept am Markt vorgestellt. Aebi hat das Fahrzeugkonzept des Zweiachs-Hanggeräteträgers erfunden. Den Terratrac zeichnet sein achsgeführtes Fronthubwerk mit Anbaugeräteentlastung und hydraulischem Seitenschub, der stufenlose Fahrantrieb sowie die Allradlenkung aus. Der TT hat sich im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt. So wurden Hubwerkfunktionen und Lenkungsarten am Vorgewende automatisiert. Auch die Anzahl der Fahrmodi wurde erweitert. In Abhängigkeit des unterschiedlichen Kraftbedarfs des Anbaugerätes wurde zudem eine automatische Vorschubregulierung, die Automatic Drive Control (ADC), integriert. Mit dieser wird die Fahrgeschwindigkeit automatisch zurückgenommen, wenn die Last an der Zapfwelle zunimmt, und beschleunigt, wenn der Kraftbedarf abnimmt. Beim Aebi Terratrac lassen sich heute sämtliche Hydraulikfunktionen proportional ansteuern. Der TT 241 und TT 281 sind außerdem bereits mit einem Fronthubwerk der Kategorie II ausgestattet, um den Kundenbedürfnissen perfekt zu entsprechen

Dann zählt sehr wahrscheinlich ein Modell des Terratrac zu den „Rennern“ unter den Produkten von Aebi?     

Leubler: Um genau zu sein der Aebi TT 211 mit 72 PS. Er überzeugt stets durch seine sehr einfache Bedienung und sein gutes Leistungsgewicht. Außerdem lässt es sich in der modernen und komfortablen Kabine ausgezeichnet arbeiten. Der Aebi TT 211 ist vielseitig einsetzbar und hat für zahlreiche Anwendungen mit einer Breite von unter zwei Metern, einer Länge von 3,5 m sowie einer Höhe von knapp 2,1 m ideale Abmessungen. Zudem lässt er sich so perfekt zusammen mit Anbaugeräten auf Transportfahrzeuge verladen.

Der Terratrac ist aber nicht der einzige Marktvorreiter aus dem Hause Aebi?

Leubler: Das stimmt. So war der Aebi VT 450 Vario auch der erste Transporter auf dem Markt mit leistungsverzweigtem, stufenlosem Getriebe. Auch das Federungs- und Fahrwerkskonzept, also die Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenker, bei den Baureihen Aebi TP und VT war seinerzeit ein absolutes Novum im Markt. Oder nehmen wir den Terracut TC 07 als ersten dreirädrigen Geräteträger mit stufenlosem Fahrantrieb, bei dem alle drei Räder angetrieben waren. Das Fahrzeug wird bis heute hoch geschätzt.  

Und welches sind die jüngsten Produkte von Aebi, die auf den Markt kamen?

Leubler: Hier haben wir zum einen den Aebi TP 410, einen leichten und wendigen Transporter mit kraftvollem Kubota Turbo Diesel Motor. Er ist speziell auf die Bedürfnisse der alpinen Landwirtschaft zugeschnitten.Zum anderen ist das der Aebi CC 36 als 13 PS Variante. Dabei handelt es sich um einen universell einsetzbaren Einachsgeräteträger mit hervorragendem Leistungsgewicht.

Wo auf der Welt finden sich die Maschinen von Aebi überall im Einsatz?

Leubler: Unsere Produkte werden weltweit eingesetzt. Neben unserem Heimmarkt Schweiz nimmt der deutsche Markt dabei einen sehr wichtigen Stellenwert ein.

Was zeichnet, Ihrer Meinung nach, die Produkte von Aebi aus?

Leubler: Zum einen steckt in unseren Produkten langjährige Erfahrung. Und wie sich in der Vergangenheit bereits gezeigt hat, haben Aebi Maschinen einen hohen innovativen Charakter. Aber nicht nur das: Uns liegt bei jedem Produkt, das wir auf den Markt bringen, maximale Sicherheit sowie höchste Leistungsfähigkeit für den Anwender am Herzen. Dazu kommt, dass wir unseren Kunden ein komplettes Produktprogramm anbieten können – Aebi Schmidt ist sozusagen ein Komplettlösungsanbieter, bei dem man alles aus einer Hand bekommt. Außerdem verfügen wir über einen hohen Grad an maßgeschneiderten Lösungen.

Was war denn bislang der kurioseste oder auch anspruchsvollste Kundenwunsch, den Aebi erfüllt hat?

Leubler: Da gibt es so manche Wünsche, die in Erinnerung geblieben sind. Wir haben unter anderem schon ein Feuerwehrfahrzeug mit Raupenfahrwerk produziert und durften unsere Geräteträger mit Olivenschüttlern ausrüsten. Manchmal sind es auch die Einsatzorte, die im Gedächtnis bleiben: Einige unserer Fahrzeuge arbeiten beispielsweise Untertage oder im Winterdienst auf 3.000 Meter Höhe über dem Meeresspiegel.

Welche Erwartungen haben Kunden an Ihre Produkte?

Leubler: Unsere Kunden kaufen lösungsorientiert und wünschen sich deshalb einen Hersteller, der ihnen komplette Lösungen, am besten alles aus einer Hand, bietet. In den vergangenen Jahren sind außerdem Aspekte wie der Bedienerkomfort bei den Maschinen und auch die Sicherheit wichtiger geworden. Außerdem müssen unsere Kunden immer mehr darauf schauen, dass die Geräte, die bei ihnen zum Einsatz kommen, auch die gültigen bzw. zukünftigen Normen und Abgasstufen erfüllen. Und natürlich sind ein guter Service und schnelle Hilfe ebenfalls immer bedeutsamere Themen.

Service ist ein gutes Stichwort: Uns ist schon zu Ohren gekommen, dass sich Anwender bei der Ersatzteilbeschaffung über die zu langen Lieferzeiten und hohen Kosten beschweren. Sehen Sie diese Kritik als gerechtfertigt an?

Leubler: Absolut nicht. Auswertungen zeigen, dass die Aebi Schmidt Gruppe rund 95 Prozent der Ersatzteile innerhalb von maximal 48 Stunden ab Auftragseingang ausliefert und die Preise marktgerecht sind. Zudem liefert Aebi für ältere Fahrzeugtypen, welche immer noch täglich im Dienst sind, auch nach vielen Jahren noch Ersatzteile. Außerdem machen wir regelmäßig Erhebungen, was die Kundenzufriedenheit angeht. Zusätzlich stellen wir durch den engen Kontakt zu unseren Kunden – sowohl durch die Aebi Schmidt Gruppe selber, als auch durch unsere Händler – sicher, dass wir ihre Wünsche und Anregungen erfahren und dann für zukünftige Entwicklungen berücksichtigen können.

Werfen wir noch einen Blick in die Zukunft: Was plant Aebi für die kommenden Jahre?

Leubler: Wir denken bereits in Richtung alternative Antriebsarten. Der Aebi EC 130 und EC 170 arbeiten bereits beide zu 100 Prozent elektrisch. Seit Anfang Februar 2019 fährt auf dem Stoos zudem in einer Testphase der Aebi eVT 450 Vario mit vollelektrischem Antrieb. Für die EC-Baureihe sollen bald vollelektrische Anbaugeräte folgen. Schließlich ist natürlich auch die Weiterentwicklung und Optimierung in Bezug auf das automatisierte und autonome Fahren ein großer Schwerpunkt, genauso wie der stete Ausbau digitaler Hilfsmittel bis hin zur vollständigen Vernetzung und digitaler Steuerung einzelner Fahrzeuge oder ganzer Flotten. Mehr kann ich aber noch nicht verraten.

Vor zwei Jahren feierten die beiden Geräteträger MT 740 und MT 750 mit semi-hydrostatischem Fahrantrieb auf der demopark Premiere. Wird es 2019 auch wieder eine Neuheitenvorstellung in Eisenach geben?

Leubler: Von beiden Produktmarken, Aebi und Schmidt, werden innovative Produkte und Dienstleistungen auf der diesjährigen demopark präsentiert. Unter anderem die multifunktionale Kompaktkehrmaschine Schmidt Multigo 150, mit einer Behältergröße von 1,5 m³. Ein weiteres Highlight ist die Schmidt eSwingo 200+, die bewährte Technik mit elektrischem Fahrantrieb vereint – null Prozent Emission und fast lautloses Fahren.


Fakten zu Aebi:
Anzahl der Mitarbeiter: 200 (Standort Burgdorf), 2.000 weltweit
Geschäftsführer: Barend Fruithof (CEO Aebi Schmidt Group)
Sitz: Frauenfeld (Sitz der Aebi Schmidt Group), mit einem weiteren Standort in Zürich
Gründung: 1883
Produktionsfläche: 7.000 m2 (Standort Burgdorf), 90.000 m2 weltweit

Bilder: Aebi Schmidt Group

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