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Multihog: Hier fährt der Chef noch höchstpersönlich probe

Rund 60 Händler aus ganz Europa haben Ende Oktober im irischen Dundalk die neue Kehrmaschine CV350 mit Argusaugen inspiziert

Von: Michael Loskarn

Der Wind jagt über die grüne Insel, als wäre der Teufel hinter ihm her. 15 Gestalten stehen auf dem weitläufigen Hof des Firmengeländes: die Hände tief in den Taschen verborgen, die Köpfe eingezogen und die Mantelkrägen hochgeschlagen. Ein hochgewachsener Mann in olivgrüner Daunenjacke schreitet über den Rasen und schüttelt Hände. Nur, um sich schnurstracks in das weiße Schmalspur-Gefährt mit den zwei Besen an der Front zu schwingen. Bei Multihog setzt sich der Chef höchstpersönlich hinters Steuerrad, wenn es darum geht, die neue Kehrmaschine CV350 den rund 60 Händlern aus ganz Europa vorzustellen. Jim McAdam drückt diverse Knöpfe, regelt die Drehzahl und bereitet den Prototypen auf die Testfahrt vor. Die ersten Minuten gehören ihm und seinem „jüngsten Baby“ – wie der Vollblut-Ingenieur die Neuentwicklung liebevoll nennt. Danach lädt der ehemalige Rugby-Spieler die acht Händler aus Deutschland und der Schweiz – sowie den Vertreter der schreibenden Zunft – ein, selbst hinter dem Steuer Platz zu nehmen.

Mit Speed über die Bodenwelle

Holger Brendjes, Verkaufsberater von Claus und Mathes aus Ratingen-Homberg, lässt sich das nicht zweimal sagen. Er kennt die Maschine bereits, wirkt mit der aufgeräumten Technik recht vertraut und schießt los: Eine Runde um das neue Firmengebäude im irischen Dundalk. Auch die erste, durchaus knackige Bodenwelle nimmt der Nordrhein-Westfale mit sattem Speed. Wie gesagt, Brendjes ist mit der Technik bereits vertraut und weiß um die Einzelradaufhängung inklusive komfortablem Federbein und integriertem Stabilisator. Ein Faktum, das die Händler – gelinde ausgedrückt – entzückt. Klemens Knauer von der Raiffeisen Mannheim eG unterstreicht dies: „Die meisten anderen Kehrmaschinen dieser Klasse sind plattgefedert.“ Da wirke sich die Einzelradaufhängung – auch in Zusammenspiel mit dem luftgefederten Fahrersitz und dem komplett gefederten Fahrerhaus – äußerst positiv auf das Komfortgefühl des Fahrers aus.

Selbst einen Pflasterstein schluckt der Saugmund

Äußerst positiv goutieren die Händler auch das Kehrergebnis. Insbesondere der eigens ausgebrachte, grobkörnige Splitt stellt für die CV350 keinerlei Problem dar. Schön mittig zusammengekehrt, schluckt der Saugmund alles, was nicht wirklich mit dem Asphalt verbunden ist: Sand, Splitt, Steine oder PET-Flaschen. Auch ein mittlerer Pflasterstein (zwölf auf zwölf Zentimeter) ist vor der Saugleistung (max. 2,8 kg gibt der Hersteller an) nicht gefeit, wie ein Video der schwedischen Händler-Kollegen beweist, das Jim McAdam nach den „Feldtests“ amüsiert-begeistert im Konferenzraum zeigt. Einziger Punkt, der die Begeisterung der Experten nach der „Probefahrt“ etwas dämpft: Auf den Druck auf das Gaspedal reagiert das Aggregat leicht verzögert. Für Multihog-Gründer McAdam fällt dies jedoch unter Fine-Tuning, schließlich lasse sich das Reaktionsverhalten des Gaspedals relativ einfach über die Software steuern, versichert er. Und, man dürfe auch nicht vergessen, dass es sich noch um einen Prototypen handle.


Auslieferung der brandneuen CV350 im März

Ein Prototyp der dennoch so überzeugt, dass er bereits 52 Mal geordert wurde, wie Vertriebsleiter, Tony Duff, nicht ohne ein Fünkchen Stolz in der Stimme mitteilt. Wer jetzt bestelle, erhalte die brandneue CV350 im März, und zwar inklusive des ein oder anderen Verbesserungsvorschlags der Händler, die naturgemäß ganz genau wissen, was der Markt braucht. Denn, Jim und Kollegen Julia Holtmann und Jan Zikeš, beide Dealer Sales Support, hören genau hin, wenn die Experten mit dem Finger am Puls des Marktes Änderungswünsche äußern. „Wenn Ihr was habt, eben gute Ideen, dann setzen wir das um“, bringt es Holtmann auf den Punkt. An Ideen mangelt es den Fachleuten derweil überhaupt nicht: Vier Verzurrösen, seitlich am Chassis, würden den Transport auf einem Anhänger erleichtern, ist aus den Reihen zu hören. Oder, die Motordrehzahl sollte sich beim Einschalten des Wischmodus‘ erhöhen. Auch der Absaugschlauch müsse bis zur Serienreife einfacher zu verstauen „und auch nicht so scharfkantig“ sein, regt beispielsweise der Schweizer Markus Bill von Robert Aebi an. Eine Art Abweisblech zum Schutz der Maschine beim Leeren des Behälters wünscht sich dagegen Bills Kollege, Sandro Bacher.

Entwicklung dauert lediglich zwölf Monate

Wie gesagt, gerade dieses Fine-Tuning auf hohem Niveau nehmen McAdam und Team sehr ernst, um letztlich das optimale Serienfahrzeug anzubieten. Schließlich ging der Multihog-Boss rund drei Jahre mit der Kehrmaschinen-Idee schwanger. „Entwickelt haben wir die CV dann in etwa zwölf Monaten“, sagt der 62-Jährige, dem von seinen Kollegen eine tüftlerische Hands-on-Mentalität nachgesagt wird. Den Keilerkopf hat McAdam übrigens als Logo gewählt, weil der Chef mit der Sau per se einen tiefen Schwerpunkt, Stärke, Ausdauer und Intelligenz verbinde. Alles Eigenschaften, die auf die Produkte sowie auf seine rund 80 Kollegen übertragbar seien – na ja, vielleicht bis auf den tiefen Schwerpunkt.

„Das ist wirklich wie Lego“,
sagt Jan Zikeš über die modulare Bauweise.

Apropos Schwerpunkt: In der Produktionshalle geht es äußerst aufgeräumt zu, der Schwerpunkt liegt klar auf dem modularen Aufbau der einzelnen Arbeitsschritte je Fertigungsstraße. „Das ist wirklich wie Lego“, sagt Jan Zikeš. Von der Verkabelung der Fahrerkabine, über die Federelemente inklusive Einzelradaufhängung am Chassis-Skelett, die Saugeinheit plus Auffangbehälter bis hin zum Motorblock: die Experten schauen ganz genau hin, verschaffen sich ein Bild des kompletten Fahrzeugaufbaus, tasten, fühlen und machen hie und da Verbesserungsvorschläge. Letztlich wird eines klar: Die CV350 ist „mega-massiv gebaut“, wie es Robert-Aebi-Mann Bill nonchalant ausdrückt. Und, frischen irischen Wind wird die Multihog CV350 allemal in den Markt der Schmalspur-Kehrmaschinen bringen. Falls nicht, dann hat der Teufel seine Finger im Spiel.

Bilder: Michael Loskarn

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