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23. Januar 2018

Münster trotzt Schneefall mit eigenem Winterdienstfuhrpark

Münster trotzt Schneefall mit eigenem Winterdienstfuhrpark

Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) haben nicht nur bei der Auswahl des Streuguts den Umweltschutz im Blick. In den kommenden Jahren soll ein Großteil der kraftstoffbetriebenen durch E-Fahrzeuge ausgetauscht werden

Orkanböen gepaart mit Schneeschauern dominieren in diesen Tagen die Wetterlage in weiten Teilen Deutschlands – so auch im nordrhein-westfälischen Münster. Für die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) bedeutet das gerade viel Arbeit. Umgestürzte Bäume und zugewehte Straßen halten die Mitarbeiter auf Trab. Gleichzeitig ist der Winterdienst zeitweise im Dauereinsatz. Noch ist dieser Winter aber eher harmlos. Starke Wintereinbrüche gab es zuletzt 2005, 2009 und 2010, erinnert sich Einsatzleiter Gregor Walterbusch und fügt hinzu: „Die vergangenen Jahre waren dagegen eher durchschnittlich.“ Bei so großen Winterdiensteinsätzen sind mitunter bis zu 250 Personen in der kreisfreien Stadt im Einsatz. „Das sind dann natürlich nicht nur AWM-Mitarbeitende, sondern auch Fremdfirmen und Abrufkräfte anderer städtischer Ämter“, berichtet Walterbusch. Doch diese Anzahl an Winterdienstlern braucht es auch, um das 1.800 km lange Straßen- und 500 km lange Radwegenetz sowie die rund 202.000 Quadratmeter Gehwege zu betreuen.

Für die Winterdienstarbeiten kann der AWM auf einen eigenen Fuhrpark, bestehend aus 17 Winterdienstgroßfahrzeugen sowie 18 speziellen Radwegebetreuungsgeräten, zugreifen. Der Großteil der Fahrzeuge sei dabei ausschließlich für die Winterdienst-Arbeiten bestimmt. „Es handelt sich hier um Fahrzeuge, die im Rahmen des Alltagsgeschäfts, also der täglichen Einsätze, nicht mehr eingesetzt werden konnten und dann entsprechend für den Winterdienst umgerüstet wurden“, so Walterbusch. Zwar müssen die Fahrzeuge im Zuge der Vorbereitungen im Spätsommer immer noch einmal durchgecheckt werden, jedoch entfällt die Umrüstungszeit. Dafür zählen Mitarbeiterschulungen sowie das Auffüllen der Salzvorräte zu wichtigen Aufgaben, bevor die Winterdienstsaison – die in der Regel vom 15. Oktober bis 15. April andauert – startet. Dann lagern in Münster 3.600 t Streusalz sowie 450 t Lavagranulat ein. Auch Flüssigsole kommt in der nordrhein-westfälischen Stadt zum Einsatz – und wird auf dem Betriebsgelände sogar selbst hergestellt. Die dort aufgestellten Soletanks haben dabei ein insgesamtes Fassungsvermögen von 100.000 Liter.

Münster setzt auf einen differenzierten Winterdienst

Um eine möglichst hohe Verkehrssicherheit auf den Hauptstraßen, Buslinien, Schulbusstrecken und Radwegen gewährleisten zu können, setzen die AWM hier Salz als Streugut ein. „Damit dieses nicht verweht und lange auf der Fahrbahn verbleibt, verwenden wir kein grobkörniges Trockensalz, sondern leistungsstarkes Feuchtsalz. Das erzielt eine höhere Wirkung als Trockensalz und kann sparsamer im Sinne geringerer Umweltbelastung und höherer Wirtschaftlichkeit eingesetzt werden“, berichtet Walterbusch. Dort, wo allerdings auf den Einsatz von Streusalz verzichtet werden kann, arbeiten die AWM mit Lavagranulat und Sand. „Winterdienst ist immer eine Gratwanderung zwischen Verkehrssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz“, weiß der Einsatzleiter. Deshalb stünde in Münster der differenzierte Winterdienst – wonach sich die Räum- und Streustrategien je nach Straßenart und -verlauf sowie dem jeweiligen Einzelfall unterscheiden – hoch im Kurs. Um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, erhalten die Einsatzleiter mehrmals täglich Informationen eines Wetterdienstleisters, speziell für die Stadt Münster. Parallel dazu werden Kontrollfahrten durchgeführt.


In den vergangenen Wochen haben sich die Mitarbeiter der AWM aber nicht allein nur um den Winterdienst gekümmert. Gleich nach dem Jahreswechsel stand zunächst einmal die Silvesterreinigung auf dem Programm. „Wir waren in der Neujahrsnacht von ca. 4 Uhr bis 11 Uhr mit Groß- und Kleinkehrmaschinen sowie Einsatzkräften am Besen unterwegs und haben die stark frequentierten Bereiche in der Innenstadt rund um den Domplatz, die Torminbrücke, den Hauptbahnhof und am Hafen gereinigt“, erklärt Walterbusch. Alle anderen Straßen haben die AWM anschließend im üblichen Rhythmus, so wie er in der Straßenreinigungssatzung festgelegt ist, gereinigt. Kurze Zeit später standen die Weihnachtsbäume im Fokus der AWM. Denn das Kommunalunternehmen bietet den Münsteranern eine regelmäßige vierwöchentliche Sperrgut- sowie Grüngutabfuhr an. Und genau in diesem Rahmen werden im Januar und Februar auch die abgeschmückten Weihnachtsbäume eingesammelt.

Elektrofahrzeuge sollen den Co2-Ausstoß in Münster senken

Doch nicht nur beim Thema Streugut hat die nordrhein-westfälische Stadt den Klimaschutz im Blick. „Münster will bis 2050 den CO2-Ausstoß um 95 Prozent und den Endenergieverbrauch um 50 Prozent im Vergleich zu 1990 senken“, erklärt AWM-Betriebsleiter Patrick Hasenkamp die anstehenden Klimaschutzziele. Diese sollen unter anderem auch durch den sukzessiven Austausch von kraftstoffbetriebenen durch E-Fahrzeuge erreicht werden. Schon jetzt ist Elektrotechnik in Münster im Einsatz: Viele PKW der AWM sowie die sogenannten Gluttons (Abfallsauger), die vornehmlich in der Innenstadt im Einsatz sind, laufen bereits mit Elektroenergie. Besonders stolz ist Münster außerdem, dass sie als eine der ersten Kommunen in Deutschland die E-Kehrmaschine „CityCat2020ev“ von Bucher Municipal im Einsatz hat. „Mit dem sukzessiven Austausch der Diesel-Kehrmaschinen durch Elektromodelle könnten wir den CO2-Ausstoß deutlich reduzieren“, berichtet Hasenkamp. Ganze 26 Tonnen CO2 jährlich könne eine einzige Maschine bei einem gleichbleibenden Lebenszyklus sparen. Als Vergleichswert nennt Hasenkamp eine Autofahrt von 4.900 Kilometern, bei der genau eine Tonne CO2 entstünde. „E-Kehrmaschinen haben aber auch noch einen weiteren Vorteil: Insbesondere in den Einkaufsstraßen in der Innenstadt kommen sich Passanten und Maschinen sehr nahe. Da E-Kehrmaschinen jedoch keinen Verbrennungsmotor haben, produzieren sie auch keinen Feinstaub, der über die Luft in die Atemwege gelangen kann“, erklärt der AWM-Betriebsleiter.   

Und wie zufrieden sind eigentlich die Münsteraner mit der Arbeit der AWM? „Grundsätzlich sind sie sehr zufrieden“, gibt AWM-Unternehmenssprecherin Manuela Feldkamp als Antwort. Und das ist nicht einfach nur ihre persönliche Meinung, sondern das Ergebnis einer repräsentativen Bürgerumfrage, die die Westfälische Wilhelm-Universität jährlich im Auftrag der AWM durchführt. „Die Gesamtzufriedenheit mit den AWM liegt seit Jahren im guten bzw. sehr guten Bereich“, berichtet Feldkamp. Genauso wie die Bürger mit der Arbeit der AWM zufrieden sind, sind es die Mitarbeiter auch mit der technischen Ausstattung ihres Kommunalbetriebes. „Wir haben einen modernen Fuhrpark zur Verfügung, mit dem wir gleichermaßen ökonomisch wie ökologisch effizient arbeiten können“, sagt Einsatzleiter Gregor Walterbusch. Einzig und allein weitere Großstreuer, die für die reine Solestreuung geeignet sind, stehen noch auf der Wunschliste – und natürlich der Ersatz von Fahrzeugen, die nicht mehr einsatzfähig sind.

Fakten zu den Abfallwirtschaftsbetrieben Münster (AWM)

Betriebsleiter: Patrick Hasenkamp
Mitarbeiter: rund 380

Aufgabenbereiche:

· Abfallabfuhr (hierzu zählen insbesondere die Sammlung, der Transport, die Verwertung und Entsorgung von Abfällen im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes), Stadtreinigung und Winterdienst im gesamten Gebiet der Stadt Münster.

· Die haushaltsnahe Abfallerfassung erfolgt für die Fraktionen Restabfall und Sperrgut, Elektro- und Elektronikaltgeräte, Bio- und Grünabfall sowie Altpapier. Als Bring-System betreiben die AWM darüber hinaus elf Recyclinghöfe.

· Die AWM bieten Beratungen an und betreiben eine intensive Öffentlichkeitsarbeit zu abfallwirtschaftlichen Fragen für private Haushalte, öffentliche Einrichtungen (z.B. Schulen und Kindergärten) und Geschäftskunden.

· Neben der Wahrnehmung der Aufgaben als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger der Stadt Münster, bieten die AWM auch Entsorgungsleistungen für Hausverwaltungen und Unternehmen an.

Fuhrpark: Der Fuhrpark für die Abfallentsorgung und Straßenreinigung/den Winterdienst besteht aus rund 170 Fahrzeugen. Dazu zählen Mono- und Mehrkammermüllfahrzeuge, Abroll-/Absetzkipper, Hakenlift, Winterdienstfahrzeuge (17 Großfahrzeuge, 18 Radwegebetreuungsgeräte inklusive einer Reserve von 22 Radwegebetreuungsgeräten), Groß- und Kleinkehrmaschinen, Radwegebetreuungsgeräte, Gluttons, Bullis und PKWs. Speziell für die Straßenreinigung und den Winterdienst werden 52 Fahrzeuge eingesetzt.

Areal: Neben dem Betriebs- und Verwaltungsgebäude sowie demWerksgelände an der Rösnerstraße (hier befinden sich auch die Werkstatt, Fahrzeughallen, Salzhalle sowie das Zwischenlager für Problemabfälle)  betreiben die AWM zudem das Entsorgungszentrum in Coerde mit der Deponie und einem großen Anlagenpark (mechanische Restabfallbehandlungsanlage, Behandlungsanlage für Bio- und Grünabfälle, Kompostierungsanlage, Blockheizkraftwerk und Sickerwasserreinigungsanlage) sowie elf Recyclinghöfe, die über das Stadtgebiet verstreut liegen.

Verantwortungsbereich: 1.800 km Straßen- und 500 km Radwegenetz sowie 202.000 Quadratmeter Gehwege.

Fläche: Die Gesamtfläche der Stadt Münster beträgt 303 km². Münster untergliedert sich in 45 Stadtteile, die in 6 Stadtbezirken zusammengefasst werden (Mitte, West, Nord, Ost, Südost und Hiltrup).

Text: JG – Redaktion Bauhof-online.de

Fotos: AWM

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