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Mit dem Winter auf du und du – WESTA-Gründer Weber hat dennoch Klimawandel im Blick

In erster Linie mit extrem leistungsfähigen Schneefräsen hat sich das Allgäuer Familienunternehmen WESTA einen Namen gemacht. Vor knapp 40 Jahren gründete Alois Weber das Unternehmen: Ein Landwirt hatte ihn gebeten, eine Schneefräse zu bauen.

Von: Michael Loskarn

Ob in der Antarktis, in Japan, Indien, Lech am Arlberg oder in Buchenberg im Oberallgäu – überall dort, wo es gilt, den Schneemassen Herr zu werden, sind zwischenzeitlich Produkte aus Weitnau im Einsatz. Von Anbauschneefräsen für Traktoren und Geräteträger jeglicher Art und Größe, über Frontfrässchleudern für Pistenfahrzeuge, allerlei Anbaugeräte bis hin zum WESTA-Schneeladewagen – der auch im Sommer als Häcksler- oder Laubeinheit eingesetzt werden kann –, reicht das umfangreiche Produktportfolio. Doch in der heutigen Zeit sind es nicht mehr allein die technisch-konstruktiven Herausforderungen, oder die hochflexible Umsetzung kundenspezifischer Anforderungen, die eine Unternehmerfamilie umtreiben. Vielmehr geht es zwischenzeitlich auch darum, wie sich ein Winterspezialist in Zeiten der Klimaerwärmung für die kommenden Jahrzehnte aufstellt. Zumal bereits die zweite Generation in den Startlöchern steht. Im Gespräch mit WESTA-Geschäftsführer, Maschinenbau-Techniker Alois Weber, hat Bauhof-online.de erfahren, ob bald eine weitere Weltneuheit von sich reden machen wird, weshalb Oberallgäuer Frässchleudern in der Antarktis ihre Dienste tun oder wie sich das Unternehmen auf die siechende Agonie Gevatter Winters einstellt.

Herr Weber, seit bald 40 Jahren mischt WESTA auf dem hart umkämpften Markt für Schneefräsen und kommunale Anbaugeräte mit. Wann kommt die nächste Weltneuheit?

Alois Weber: Ich habe die Firma 1981 gegründet, und zwar nicht als Schneefräsen-Hersteller, sondern als Stahlbearbeitungs- und Metallbetrieb. Dennoch habe ich dann zeitnah die erste Schneefräse gebaut. Wir entwickeln natürlich ständig neu, jedoch eine spezielle Neuheit – da kann ich derzeit nichts bekanntgeben. So etwas wie unseren Schneeladewagen, der 2016 eine absolute Weltneuheit war, können wir derzeit nicht vermelden. Und wenn, dann würden wir das erst kundtun, wenn das Produkt entsprechend serienreif ist, um den kleinen aber feinen Vorsprung gegenüber Mitbewerbern abzusichern. Aber, wir schlafen natürlich nicht.

WESTA-Schneefräsen sind im Hochgebirge, auf Flughäfen oder bei Städten und Gemeinden, aber auch bei Lieschen und Fritz Müller von nebenan im Einsatz. Wie hoch ist der Marktanteil des privaten Sektors im Vergleich zum Kommunal-Sektor?

Weber: Wir stellen zwar keine handgeführten Schneefräsen her, sondern jene, für die mindestens ein Schmalspurtraktor vonnöten ist. Wenn wir vom privaten Sektor sprechen, dann meinen wir Hotels oder Gewerbebetriebe, die einen entsprechend großen Hof zu räumen haben. Circa 60 Prozent unseres Umsatzes generieren wir auf dem Kommunal-Sektor, etwa 25 Prozent über den Pisten- und Seilbahnen- Sektor und den Rest über den Privat-Sektor. Wichtig: Unsere Maschinen und Geräte werden über die BayWa oder entsprechende Händler vertrieben. Was den weltweiten Vertrieb betrifft, so haben wir im jeweiligen Land Importeure oder Händler als Partner. Diese Kontakte knüpfe ich alle selber. Gut ist, dass mein Sohn Markus, der in den letzten Zügen seines Maschinenbau-Studiums steckt, bereits peu à peu in die Firma hineinwächst.


Eine Ihrer Stärken scheint die flexible Umsetzung kundenspezifischer Anforderungen zu sein. Welchen Stellenwert nimmt bei WESTA der Sondermaschinenbau ein?

Weber: Sondermaschinenbau ist bei uns sehr wichtig. Wobei man nicht generell von reinem Sondermaschinenbau sprechen kann, sondern wir modifizieren in der Regel eher unsere Serie anhand der spezifischen Kundenanforderungen. Wenngleich es klassischen Sondermaschinenbau bei WESTA schon auch gibt: Momentan bauen wir eine Salzschleuder für ein Salzbergwerk. Dieses Anbaugerät wird in Zielitz, südwestlich von Berlin, 800 Meter unter der Erde eingesetzt. Wir bauen eine große Schaufel für Radlader, in die eine Schleuder integriert ist. Sie müssen sich das so vorstellen: Ausgebeutete Stollen werden durch große Salzhaufen, die bisher immer oben zugemauert wurden mussten, verschlossen. In Zukunft nimmt der Fahrer mit der Schaufel eine große Menge Salz auf, klappt die Schaufel zu und schleudert das Salz – unter Beimengung von Wasser – auf den noch offenen Teil der Stollenversiegelung, wo er bisher mit der Schaufel eben nicht rankam. Das könnte für uns eventuell ein Markt werden, da es doch eine große Anzahl solcher Salzbergwerke gibt.

Nun haben WESTA-Schneefräsen in der Branche durchaus einen Namen mit Renommee. Doch welche Produkte oder Leistungen umfasst denn Ihr Firmen-Portfolio?

Weber: Wir produzieren Schneefrässchleudern – vom kleinen bis zum großen Traktor –, quer durch, ein ziemlich umfangreiches Programm, inklusive Pistenservice, mit perfekt funktionierender Technik. Denn, wir haben viel getestet: In unseren Maschinen steckt Know-how, das man auf den ersten Blick nicht sieht. Ich habe die Sachen im Kopf, arbeite im CAD grob vor und unsere Ingenieurin kümmert sich dann um die Feinheiten. Außerdem verfügen wir über Schneidanlagen, Autogen- und Plasma-Schneidanlagen, mit denen wir für Kunden Teile aus Metallplatten schneiden. Damit habe ich mich damals auch selbständig gemacht. Und dann kam ein Bauer aus Weitnau auf mich zu, ich solle ihm was gegen den Schnee an seinen Traktor basteln. Das war die erste Fräse vor knapp 40 Jahren, und die hat auch gut funktioniert. Dann habe ich zu ihm gesagt, gib mir deinen Traktor mit der Fräse, ich platziere ein Inserat in der Zeitung und führe das dann vor. Und so hat das alles begonnen.

Was bedeutet Pistenservice denn genau?

Weber: In den 1990er-Jahren haben wir damit begonnen. Es war notwendig, den Schnee dorthin zu verfrachten, wo er benötigt wird – beispielsweise auf die Piste oder die Loipentrasse. Zwischenzeitlich war die Nachfrage aufgrund der schneereicheren Winter zurückgegangen, hat aber in den vergangenen Jahren wieder sehr zugenommen. Wir haben daraufhin die Frontanbaufräse mit Kässbohrer zusammen weiterentwickelt. Wird die WESTA-Fräse nun an den Pistenbully angehängt, sieht der Fahrer sofort die Fräsen-Parameter und -Funktionen auf seinem Display. Übrigens sind unsere Fräsen auch mit den Pistenraupen von Prinoth in Sterzing kompatibel. Zusammen mit den Südtirolern haben wir Maschinen nach Peking für die Olympischen Winterspiele in zwei Jahren geliefert. Derzeit produzieren wir zwei weitere Maschinen, die nach Cortina gehen, zur Ski-WM 2021. Übrigens, bei der Ski-WM 2019 in Åre waren unsere Produkte auch schon im Einsatz.

Wo kommen Ihre Produkte überall zum Einsatz? Was sind Ihre stärksten Absatzmärkte?

Weber: Unsere Produkte kommen dort überall zum Einsatz, wo es Schnee gibt – das kann man wirklich so sagen – rund um den Erdball: Australien, Argentinien, USA, Kanada, Japan, China, Indien und natürlich Europa. In Skandinavien sind wir eher weniger vertreten, die haben eigene Hersteller. Da tun wir uns relativ schwer, Fuß zu fassen. Das hat auch mit dem trockenen und kalten Schnee dort zu tun, wofür die Fräsen auch technisch anders ausgelegt werden müssen als bei uns. Aber, ganz klar der stärkste Absatzraum ist Süddeutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol – quasi alles entlang des Alpen-Hauptkammes. Auch in England – in erster Linie Schottland und Wales – entwickelt sich der Markt derzeit sehr positiv. Das hängt damit zusammen, dass wir dort mit einem sehr rührigen Händler zusammenarbeiten, den auch der Brexit nicht stört, da es im Land keine Hersteller und damit solche Maschinen und Geräte immer importiert werden müssen.

Stichwort neue Märkte: Wie hält sich denn ein Schneefräsen-Spezialist bei zunehmender Klimaerwärmung auch in Zukunft über Wasser? Gibt es neue Produkte oder gar neue Geschäftsfelder?

Weber: Wir haben sehr wohl neue Produkte geplant, dazu möchte im Moment aber noch nichts ausplaudern. Natürlich haben wir auch den Klimawandel im Blick. Dennoch wird der Schnee noch ziemlich lang ein Thema sein. Bei uns waren die Klimaforscher der LMU München. Hintergrund ist, dass der Bayerische Staat Unternehmen unterstützt, die extrem von der Klimaveränderung betroffen sein werden. Nach den Berechnungen der Wissenschaftler hatten wir vor der Jahrtausendwende im Schnitt 120 Tage geschlossene Schneedecke hier in Weitnau. Bis 2060 werden es dann nur 60 bis 70 Tage sein. Schnee wird aber immer Fallen, auch extreme Wettersituationen mit starken Schneefällen wird es immer geben. Von daher müssen Maschinen wie unsere auch immer vorgehalten werden. Denn auch in 20 Jahren wird es mal einen Meter Schnee her hauen. Nachteil für uns: Weniger Schneetage, weniger Verschleiß an den Maschinen, die halten dann länger und die Nachfrage sinkt. Auf der anderen Seite wird das Pistengeschäft einiges auffangen, weil unsere Fräsen eben gerade bei wenig Schnee auf Hängen oder Loipen zum Einsatz kommen. Zusätzlich haben wir unsere Märkte weltweit ausgedehnt und haben etwas in der Planung, was mit Schnee überhaupt nichts zu tun hat.

Sie müssen also nicht ab sofort drei viertel Ihrer Maschinen in die Antarktis liefern, wie kürzlich geschehen?

Weber: Nein, natürlich nicht, dort wird sich der Markt nicht hin verlagern (lacht). Aber, in der Antarktis sind Pistenraupen von Kässbohrer im Einsatz. Über die Ulmer ist dieses Geschäft auch zustande gekommen. Die Forscher fräsen mit unseren Maschinen ca. zehn Meter tiefe Gräben in den Schnee, um darin riesige Tanks zu deponieren. Dann wird einfach alles wieder mit Schnee zugefräst. Nachdem die Italiener und Dänen gesehen hatten, wie die Deutschen Forscher das machen, wollten die auch solche Maschinen. Nun fräsen sich drei WESTA-Maschinen durch den Schnee der Antarktis.

Was sind denn derzeit Ihre Cash Cows?

Weber: Nach dem vergangenen strengen Winter sind es wieder die großen kommunalen Fräsen gefragt – zum Beispiel die 900er-Serie oder auch noch die 750er. Da verdienen wir auch wirklich Geld. Bei den kleineren Maschinen, ist der Aufwand im Verhältnis zum Ertrag natürlich höher.

Sie haben bereits vier Konstruktionen patentieren lassen. Was bedeutet dies für ein KMU?

Weber: Es kostet relativ viel Geld, und, ganz ehrlich, letztlich ist es fraglich, ob es sich überhaupt rentiert. Aber, aus unserer Sicht ist es hauptsächlich ein Marketing-Aspekt, wenn auf der Maschine „patentiert“ steht.

Was hat es mit dem WESTA-Greifer WG100 auf sich? Wäre diese Produkt aus Ihrer Sicht auch für Kommunen interessant?

Weber: Dieses Produkt ist eigentlich für den Forstbereich und war ein Versuch, in diesem Sektor Fuß zu fassen. Allerdings ist dies sehr schwierig, weil bereits Produkte auf dem Markt sind, die im Ausland extrem kostengünstig produziert werden. Bisher ist es uns nicht gelungen, unsere Qualität am Markt zu etablieren.

Und, dann gibt’s da noch die „Biker-Brücke“ namens „Schumpen-Schreck“: Müsste dieser Produktname denn nicht für Nicht-Allgäuer übersetzt werden?

Weber: Ja, es ist schon so, dass viele Leute nicht wissen was ein „Schump“ ist. Vielleicht sollten wir Jungvieh drunter schreiben. Kurz zur Erklärung: Der „Schump“, also das junge Rindvieh auf den Alpen, traut sich nicht über diese Brücke aus verzinktem Stahlblech zu gehen. Biker, Fußgänger oder auch Familien mit Kinderwägen können dagegen hindernisfrei die Weidezäune überqueren. In erster Linie Bergbahnen kaufen dieses Produkt. Doch, um auf Ihre Frage zurückzukommen: Wir bleiben bei diesem Namen. Erfunden hat sie Roland Hosp aus Bichlbach in Tirol. Mit Hosp arbeite ich schon Jahrzehnten zusammen, er ist ein echter Erfinder und Tüftler. Und weil er eben die Sachen nicht bauen kann, machen wir das.

Fakten zu WESTA:

  • Anzahl der Mitarbeiter: 30
  • Geschäftsführer: Alois Weber
  • Sitz: Weitnau/Kleinweiler-Hofen
  • Gründungsjahr: 1981
  • Firmengrundstück inkl. Lagerflächen: 9.000 m2
  • Produktionsfläche: 2.350 m2
  • Fläche Büros: 200 m2

Interview: mil – Redaktion Bauhof-online.de

Bilder: Michael Loskarn; WESTA

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